(de) anarcho syndikalismus: Polen: Ausbeutung durch Impel im Krankenhaus von Jaworzno

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Do Sep 16 08:37:51 CEST 2021


Die Basisgewerkschaft "Zwiazek Syndykalistów Polski" berichtet über einen 
aktuellen Arbeitskampf im polnischen Gesundheitswesen: ---- Die 
Coronavirus-Pandemie hat vielen Menschen die Augen dafür geöffnet, dass einige 
gesellschaftlich äußerst wichtige Berufe ein sehr geringes Ansehen genießen. Im 
Laufe der Jahre sind einige Gesundheitsberufe systematisch abgewertet worden, und 
die Arbeiter*innen haben unter den Folgen davon zu leiden. Von allem 
Lohnabhängige in Krankenhäusern waren diejenigen Arbeiter*innen am schlechtesten 
dran, deren Leistung für das Funktionieren der Kliniken absolut unerlässlich ist.
Die meisten dieser Arbeiter*innen wurden durch Outsourcing an Firmen ausgelagert, 
welche für die Umgehung von Arbeitsgesetzen und die Verletzung von Arbeitsrechten 
bekannt sind. Trotz der äußerst prekären Bedingungen, in denen sie sich befinden, 
machen manche dieser Arbeiter*innen ihre Rechte geltend. Eine solche Initiative 
wurde jetzt in Jaworzno ins Leben gerufen.

In dem Multidisziplinären Krankenhaus in Jaworzno, eine "Unabhängige Einrichtung 
des öffentlichen Gesundheitswesens", hat die Firma Impel Cleaning einen Auftrag 
für Reinigungsdienstleistungen erhalten. Eine Managerin dieser Firma ist vor Ort 
und stellt die Arbeiter*innen ein, obwohl viele von ihnen garnicht für Impel 
arbeiten. Denn diese Firma hat ihre Mitarbeiter*innen wiederum an andere 
"Stroh"-Firmen auslagert.

Viele Raumpfleger*innen erhalten daher Aufträge von mehreren Unternehmen, so dass 
die Arbeitgeber*innen dadurch die Zahlung von Überstundenzuschlägen vermeiden. 
Und sie können Menschen mit Behinderungen zu Überstunden heranziehen, was 
gesetzlich nicht zulässig ist. Einige weibliche Mitarbeiter*innen arbeiten auf 
der Grundlage von Arbeitsverträgen, doch andere haben nur Werkverträge bekommen, 
obwohl sie die gleiche Arbeit leisten, wie Vollzeitbeschäftigte.

Eines der Unternehmen, die Reinigungskräfte einstellt, heißt Pureza und ist eine 
Firma der Impel-Kapitalgruppe. Andere Unternehmen haben mit Impel Verträge 
abgeschlossen, was dazu führt, dass die Frauen für ihre Überstunden nicht 
angemessen bezahlt werden. Sie erhalten entweder gar nichts oder die Stunden 
werden von anderen Unternehmen zum normalen Tarif abgerechnet. Die 
Arbeitserfassung wird von der Betriebsleitung nicht ordnungsgemäß geführt, da die 
Kolleg*innen ihre Stunden selbst auf einer Karte eintragen, welche jedoch keine 
Angaben zum Arbeitgeber enthält. Sie schreiben daher "Impel" auf diese Karte, 
unabhängig davon, wer formell ihr "Arbeitgeber" ist, doch die Gegenseite 
unterschreibt nie etwas. Und obwohl sie für Nachtschichten ein "N" hinschreiben, 
werden sie nicht nach dem Nachtschichttarif entlohnt.

Doch die Vertreter*innen all dieser Unternehmen, welche die Arbeiter*innen 
angeblich "beschäftigen", haben noch nie einen Fuß in das Krankenhaus gesetzt. 
Denn die Verträge, welche im Namen verschiedener "Stroh"-Firmen abgeschlossen 
wurden, sind nämlich von ein und demselben Manager ausgehändigt worden.

Es gibt also mehrere Unternehmen, welche offiziell diese Frauen beschäftigen, 
aber das Krankenhaus stellt auch selbst Arbeiter*innen ein, die von ihm direkt 
bezahlt werden. So gibt es in den gynäkologischen Abteilungen und im 
Operationssaal Personal, das mit dem Krankenhaus selbst Verträge abgeschlossen 
hat, weshalb die Arbeitsbedingungen in der Klinik nicht für alle gleich sind. 
Obwohl sie im Grunde genommen die gleiche Arbeit verrichten, haben einige 
Arbeiter*innen normale Arbeitsverträge mit dem Krankenhaus bekommen, während 
andere ihre Verträge mit verschiedenen polnischen Unternehmen abgeschlossen 
haben, darunter auch sogenannte "Schrottverträge"[Schein-Werkverträge ohne 
garantiertes Stundenentgelt].

Diejenigen, die auf dieser Grundlage tätig werden, verlieren natürlich viel. Sie 
werden nicht unbedingt über ihr Recht auf Zahlung freiwilliger 
Krankenversicherungsbeiträge informiert und sie erhalten keinen bezahlten Urlaub. 
Aber auch einige derjenigen mit Verträgen berichten, dass ihnen ihr Urlaub 
einfach weggenommen wurde: Ohne irgendeine Vereinbarung zwischen den Parteien 
haben ihre Vorgesetzten letztes Jahr die Anzahl der Urlaubstage verkürzt und 
durch Zahlung von Zuschlägen ersetzt.

Niemand fragte die Arbeiter*innen vorher, ob sie ihre Urlaubstage vielleicht 
nutzen möchten. Es gab keine Diskussion darüber und die Urlaubstage fielen 
einfach weg. Vor allem nach der harten Arbeit mit Überstunden während der 
Covid-Pandemie reagierten einige Arbeiter*innen sehr ungehalten darauf, dass 
ihnen ihre Urlaubstage gestrichen wurden.

Ein weiteres Problem durch Covid ist, dass zwar alle die sogenannte Corona-Zulage 
erhalten sollten (d. h. eine einmalige Leistung für die Arbeit bei 
Seuchengefahr), aber nur ein Teil der weiblichen Arbeiter*innen haben diese 
Zulage tatsächlich erhalten. Einige wurden nichtmal darüber informiert, warum sie 
nichts erhalten haben, und anderen wurde nur gesagt, dass sie nix bekommen werden.

Eine weitere Leistung, die ohne jede Erklärung einfach nicht bezahlt wurde, ist 
der Zuschuss für Menschen mit einer Behinderung. Früher erhielten alle 
Berechtigten eine Zulage von 78 Zloty[ca. 17 Euro], aber seit Impel den Vertrag 
übernommen hat, gibt es diese Zulagen nicht mehr. Dies ist leider ein häufiges 
Problem in solchen Unternehmen, da die Arbeitgeber*innen die Zuschüsse vom 
PFRON[Staatlicher Fonds zur Rehabilitierung Behinderter Personen]erhalten, diese 
aber in die eigene Tasche stecken. Die behinderten Arbeiter*innen haben zwar ein 
Recht auf Rehabilitation, aber auch dagegen wird verstoßen.

Die Gehaltsforderungen der Initiativgruppe in Jaworzno lauten daher wie folgt:
- Arbeitsverträge für alle, mit direkter Anstellung durch das Krankenhaus
- Keine fiktiven Aufträge von verschiedenen "Stroh"-Firmen mehr
- Auszahlung fälliger Zuschläge für alle Nachtschichten und Überstunden
- Zahlung der Corona-Zulage
- Gewährung von Zuschüssen für Arbeiter*innen mit Behinderung, sowie Recht auf 
Rehabilitation
- Beendigung der Urlaubsabgeltung ohne Zustimmung der Arbeiter*innen
- Unterzeichnung richtiger Arbeitsverträge und korrekte Arbeitszeiterfassung 
durch echte Arbeitgeber*innen

Die "Union der polnischen Syndikalist*innen"[ZSP-IAA]bekundet nun ihre volle 
Unterstützung für all diese Forderungen. Und sie prangert die Praktiken im 
Gesundheitswesen an, welche die Ausbeutung der Arbeiter*innen und den Raub ihres 
hart erarbeiteten Lohnes bedeuten.

Quelle:
https://zsp.net.pl/impel-czy-da-sie-sprzatnac-wybezpiecz-w-szpitalu-salowe-z-jaworzna-chca-tym-dokonac

Übersetzung[und Anmerkungen]: ASN Köln, https://asnkoeln.blackblogs.org/

https://anarchosyndikalismus.blackblogs.org/2021/09/08/polen-ausbeutung-durch-impel-im-krankenhaus-von-jaworzno/


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