(de) FAU Freiburg: FAU-Gewerkschaftsmitglied nach Forderung offener Lohnansprüche gekündigt

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Mi Sep 15 09:21:07 CEST 2021


Ende August wurde ein Taxifahrer und Mitglied der Basisgewerkschaft FAU vom 
Unternehmen Taxi Thumberger unvermittelt gekündigt. Zuvor hatte er die Zahlung 
offener Lohnansprüche eingefordert. Ihm waren jahrelang die im Taxi-Gewerbe 
üblichen Stand- und Wartezeiten als "Pause" ausgelegt und nicht entlohnt worden. 
---- Seit mehreren Jahren arbeitet der betroffene Taxifahrer beim Taxiunternehmen 
"Taxi Thumberger (Baden-Blitz)" aus der Ortenau. Die im Taxi-Gewerbe üblichen 
Stand- und Wartezeiten wurden ihm von der Geschäftsführung als Pause ausgelegt 
und dementsprechend nicht entlohnt. "Unserer Rechtsauffassung nach sind Stand und 
Wartezeiten als Arbeitsbereitschaft zu werten und mit dem normalen Stundensatz zu 
entlohnen. Wir stützen uns dabei auf ein Urteil des LAG Berlin-Brandenburg aus 
dem Jahr 2018. Zudem gab es teilweise keine Lohnfortzahlung an Feiertagen, auch 
wurde - unserer Berechnungen nach - das Urlaubsentgeld nicht in korrekter Höhe 
ausgezahlt. Dementsprechend hat unser betroffenes Mitglied die offenen Ansprüche 
im niedrigen fünfstelligen Bereich eingefordert.", so Stella Meier von der 
gewerkschaftlichen Erstberatung der FAU Freiburg.

Daraufhin folgten in kürzester Zeit eine ganze Reihe von Abmahnungen und 
anschließend die Kündigung. Paul Kraut, Mitglied im allgemeinen Sekretariat der 
FAU Freiburg, dazu: "Nachdem der Arbeitgeber auf die Forderungen nicht reagierte 
und der Kollege daraufhin eine Klage beim Arbeitsgericht einreichte, wurde von 
der Geschäftsführung neue Dienstanweisungen ausgegeben: So sollte der Kollege 
sich bei jeder Kleinigkeit telefonisch melden. Da dies in der Arbeitspraxis kaum 
praktikabel ist, diente die nicht 100%ige Einhaltung der Vorschriften der 
Geschäftsleitung als Grund für mehrere Abmahnungen, sowie der anschließenden 
Kündigung. Da unser betroffenes Mitglied in den Jahren zuvor nie abgemahnt wurde, 
müssen wir davon ausgehen, dass das Unternehmen einen nun unbequemen Angestellten 
loswerden will."

Das betroffene Mitglied verzichtete während der gesamten Corona-Zeit 
weitestgehend auf soziale Kontakte, um seine teils schwerstkranken Kund:innen bei 
den Fahrten zur Klinik, zu Arzt:innen und anderen wichtigen Terminen zu schützen. 
So wurde er sogar in einem arte-Beitrag erwähnt. (*1) Er war bei den Kund:innen 
beliebt und wurde - bis zur Forderung der Ansprüche - auch von der 
Geschäftsführung geschätzt.

Sandra Walter, ebenfalls aktiv in der FAU Freiburg, ergänzt: "Es ist allgemein 
bekannt, dass einige Taxiunternehmen versuchen mit diversen Manövern Lohnkosten 
einzusparen. Dies geht auf Kosten der sowieso schon schlecht bezahlten 
Taxifahrer:innen. Es ist wichtig, dagegen vorzugehen und die Chef:innen damit 
nicht einfach durchkommen zu lassen!"

Der Termin für die Güteverhandlung in der Sache ist am 09. September um 12.00 Uhr 
vor dem Arbeitsgericht in Offenburg. Die FAU Freiburg unterstützt den Betroffenen 
in der Verhandlung und wird seinen Forderungen in den kommenden Tagen auch mit 
gewerkschaftlichen Aktionen auf der Straße Nachdruck verleihen, um diesen Fall 
einer breiten Öffentlichkeit bekanntzumachen.

*1 arte Beitrag: https://www.arte.tv/de/videos/103660-000-A/1-mai-und-covid-19/

https://freiburg.fau.org/2021/09/06/pm-fau-gewerkschaftsmitglied-nach-forderung-offener-lohnansprueche-gekuendigt/#more-2084


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