(de) Libertäre Kommunist*innen Osnabrück LiKOS: Warum sich[Libertäre]Kommunist*innen für Streiks interessieren sollten (ca, en, it, fr, pt)[maschinelle Übersetzung]

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So Sep 5 08:37:49 CEST 2021


Warum diese Überschrift? ---- In letzter Zeit wurden beziehungsweise werden in 
der BRD mindestens drei Streiks geführt, die aus verschiedenen Gründen die 
besondere Aufmerksamkeit von[Libertäre]Kommunist*innen und radikalen Linken 
verdient hätten, diese aber augenscheinlich nicht genießen. ---- Erstens (in 
chronologischer Reihenfolge) ist dies der Streik des Gorillas Workers Collective 
in Berlin. Dieser sticht heraus durch seine spontane und selbstorganisierte 
Durchführung als Reaktion auf den Rausschmiss eines Kollegen. Alleine die 
Spontaneität wäre bemerkenswert, vielmehr noch ist es die Selbstorganisierung des 
Streiks ohne Gewerkschaftsapparat im Rücken. Und genau hier böte sich eine 
linksradikale Intervention an, um die Interessen der Streikenden zu verbreiten 
und zu verstärken oder in praktischer Solidarität ihre Kampfkraft zu stärken. Es 
spricht nicht für eine Linke, wenn sich "Junge Liberale" (aus den falschen 
Gründen) scheinbar mehr für den Streik interessieren als sie selber.

Zweitens der Streik der GDL gegen die Deutsche Bahn. Hier ist zum einen das 
Ausmaß an Hetze, das gegen den Streik verbreitet wird, besonders auffällig (wie 
auch schon beim letzten großen Streik der GDL 2014 und 2015). Der Streik sei ein 
Angriff auf "unser" Land, er sei unsolidarisch, unverschämt und eigentlich hätte 
das sogenannte Tarifeinheitsgesetz solche Frechheiten der Ausgebeuteten sowieso 
unterbinden sollen. Zum anderen wird hier exemplarisch sichtbar, wie in einer 
hoch arbeitsteiligen Gesellschaft verhältnismäßig wenige, aber gut organisierte 
Arbeiter*innen an Schlüsselpositionen die Räder tatsächlich stillstehen lassen 
können. Eine linke Begleitung des Streiks könnte und müsste hier entgegen der 
Hetze darauf abzielen, dass Streiks gerade nur wirksam sind, wenn sie wehtun. Ein 
bequemer und unauffälliger Streik ist ein faktisch ein verlorener Streik. 
Außerdem gälte es, die Forderungen der Lokführer*innen in Verbindung zu setzen 
zum allgemeinen proletarischen Interesse an mehr Lohn, weniger Arbeit und 
besseren Arbeitsbedingungen.

Drittens der laufende Streik der Berliner Krankenhausbewegung. Bei diesem sind 
mehrere Ebenen bemerkenswert. Zunächst, dass es sich um einen schwierig zu 
bestreikenden Sektor handelt. Dass ein Streik (den richtigen Leuten) wehtun muss 
heißt nicht, ihn rücksichtslos gegenüber den Menschen zu führen, die auf Pflege 
angewiesen sind. Ein Streik von Pfleger*innen ist daher ungleich schwieriger zu 
organisieren als etwa von Arbeiter*innen in der Automobilindustrie, betrifft er 
doch unmittelbar das Wohlergehen von Menschen und nicht ausschließlich die 
Mehrwertproduktion.

Darüber hinaus handelt es sich bei der Pflege um ein Berufsfeld, in dem ganz 
überwiegend Frauen arbeiten. Soll "Feminism is Class War" nicht bloß ein Slogan 
bleiben, müsste die praktische Verbindung von Kapitalismus und Patriarchat, von 
Klassenauseinandersetzungen und vergeschlechtlichter Ausbeutung, die in diesem 
Streik stattfindet bloß aufgenommen und zugespitzt werden. Außerdem ist der 
repressive Umgang hervorzuheben, mit dem dem Streik begegnet wurde und wird. So 
suchte die Konzernführung von Vivantes, den Streik erst der Beschäftigten in den 
Küchen und Wäschereien verbieten zu lassen, um schließlich den der Pfleger*innen 
anzugreifen. Dabei ist der berufsgruppenübergreifende Ansatz des Streiks 
beachtenswert, der etwa in Ansagen der streikenden Pfleger*innen deutlich wird, 
auch für die anderen Beschäftigten weiter zu streiken, während diesen der Streik 
verboten war. Schließlich wird auch dieser Streik für deutsche Verhältnisse 
kämpferisch geführt, etwa in der praktischen Nichtakzeptanz des Streikverbots und 
im Willen, verantwortlichen Personen und Parteien direkt aufs Dach zu steigen.

Warum sollten sich also[Libertäre]Kommunist*innen um diese (und gerne auch 
andere) Streiks kümmern?

Zunächst geht es um konkrete Verbesserungen der Arbeits- und Lebensverhältnisse 
lohnabhängiger Menschen. Das alleine sollte für Linke und Linksradikale ein Grund 
sein, sich für die stattfindenden Kämpfe zumindest zu interessieren, wenn die 
richtigen radikalen Forderungen nach dem Ende des Kapitalismus nicht lediglich 
Selbstzweck sein sollen.

Aber auch für dieses angestrebte Ende des Kapitalismus spielen Streiks eine 
wichtige Rolle. In ihnen wird der grundsätzliche Klassenwiderspruch der 
kapitalistischen Gesellschaft zwischen Arbeit und Kapital wahrscheinlich am 
sichtbarsten. In ihnen wird deutlich, dass die Interessen von Ausbeuter*innen und 
Ausgebeuteten widersprüchlich sind, egal wie sehr das Klassenverhältnis sonst von 
der Ideologie der sogenannten Sozialpartnerschaft verschleiert werden soll. Dies 
in Verbindung mit der gemeinsamen Kampf- und Solidaritätserfahrung kann die 
Grundlage schaffen für etwas, was kluge Leute einmal Klassenbewusstsein nannten. 
Das soll nicht heißen, dass dies ein Automatismus oder der einzige Weg wäre. 
Streiks können hier aber zumindest als starker Katalysator wirken, besonders wenn 
sie tatsächlich kämpferisch geführt und begleitet werden.

Das bedeutet alles nicht, dass sich[Libertäre]Kommunist*innen oder andere 
radikale Linke Illusionen über die derzeitige eigene gesellschaftliche 
Marginalisierung machen oder versuchen sollten, sich auf eine Massenbasis unter 
Arbeiter*innen zu stützen, die schlicht nicht existiert.

Aber: Wer wirklich einen Weg in den[Libertäre]Kommunistmus bauen oder finden 
will, muss dies zunächst für einen Weg aus dieser eigenen gesellschaftlichen 
Marginalisierung tun. Und dieser führt mit an Sicherheit grenzender 
Wahrscheinlichkeit nicht bloß über Eventpolitik, sondern über Einmischung in die 
Kämpfe, in die Streiks, die die Lebensrealität von Proletarier*innen betreffen 
und das Bewusstsein von Arbeiter*innen formen.

Ohne Klassenbewusstsein kein aktiv geführter Klassenkampf.
Ohne aktiv geführten Klassenkampf kein[Libertäre]Kommunistmus.

https://likos.noblogs.org/2021/08/29/warum-sich-Kommunisttinnen-fuer-streiks-interessieren-sollten/


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