(de) FAU, direkte aktion: HEIDELBERG, JOIN THE UNION! Von: Annika Sauer

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Sa Jan 30 09:16:51 CET 2021


Wieso es wichtig ist, sich im Jahr 2021 zusammenzuschließen, um gemeinsam für ein 
besseres Leben zu kämpfen! Eine Vorstellung der Heidelberger Arbeiter:innen Union 
(FAU). ---- Sind wir uns nicht einig? 2020 war sau beschissen und der Start ins 
Jahr 2021 lief auch nicht gerade besser. Persönliche und politische Krisen gab es 
genug! Aber das war ja leider nicht alles! Wie viele nervige Gespräche habt ihr 
schon in Familien- und Bekanntenkreisen geführt, mit "Wahrheitsrittern", die 
anscheinend die Geheimnisse hinter der Fassade der Realität erkannt haben? Die 
sich in ihren Wahn verrannt haben und eine Geschichte von bösen Mächten 
phantasieren. Gleichzeitig träumen sie aber von einem neuen VW Diesel Auto, dem 
günstigen Kredit bei der Deutschen Bank, der nächsten Amazon-Schnellexpress 
Bestellung und einem schön trockenen Stück Fleisch aus den Tönnies-Schlachthöfen! 
Oft haben wir was gegen alte weiße Männer mit ihren Sprüchen, aber hier ist mal 
einer und der hat es in sich: "sich weder von der Macht der anderen noch von der 
eigenen Ohnmacht dumm machen zu lassen". Diese Aufforderung nehmen wir ernst! Wir 
verkriechen uns nicht hinter einer stimmigen Fantasiegeschichte und dem Märchen 
vom ewigen Kampf von Gut gegen Böse. Der Kapitalismus ist Müll und provoziert 
immer wieder Krisen, in denen viele Menschen auf der Strecke bleiben! Es reicht 
uns nicht, dieses Wissen für uns zu behalten! Deshalb dieser Text!

Wir möchten die Heidelberger Freie Arbeiterinnen Union (FAU) vorstellen. Euch 
erzählen, wieso wir uns gegründet haben und wieso es so wichtig ist, sich im Jahr 
2021 zusammenzuschließen, um gemeinsam für ein besseres Leben zu kämpfen! Nachdem 
wir das erste Jahr als "Unabhängige Basisgewerkschaft Heidelberg" verbrachten, 
haben wir im September 2020, mitten in der durch Corona ausgelösten Krise, den 
Sprung in die FAU gemeistert.

Werden wir gebraucht? Aber Hallo! Zwar hat Heidelberg seit Jahren einen Stadtrat, 
der von den Grünen dominiert wird, aber wie wir alle wissen, heißt das nicht, 
dass prekär arbeitende und lebende Menschen mit irgendwelchen Erleichterungen zu 
rechnen haben. Die Stadt veranstaltet jedes Jahr großspurige und ambitionierte 
Kampagnen "Woche gegen Armut" oder "Wochen gegen Rassismus", um das Image der 
grünen und aufgeklärten Universitätsstadt aufrecht zu halten.

Aber sie können uns nichts vormachen! Gentrifizierung und Mietdruck sind in 
Heidelberg große Probleme, gerade für prekär Beschäftigte und Arbeitslose! Ein 
Großteil des Geldes geht für die Miete drauf und/oder die Stadtteile, in denen 
Wohnen erschwinglich ist, sind schlechter mit den Öffis angebunden! Rassismus 
gibt es hier genau wie in allen anderen Städten, vor allem bei Ämtern und der 
Polizei, und die städtischen Kampagnen ändern das nicht! Deshalb sind wir gegen 
dieses Heidelberg und die Heidelberger Zustände! Denn wir wollen ein anderes und 
besseres Heidelberg! Im besten Fall bald irgendwann sogar eine andere und besser 
Welt! Viele Arbeiter:innen, Minijober:innen und Arbeitslose werden mit ihren 
Problemen oft allein gelassen! Entweder verschlafen es die großen Gewerkschaften, 
diese Personen aufzufangen, oder sie kommen schlicht nicht an die Leute heran, da 
die Betriebe und Kämpfe zu klein und/oder zu komplex sind! Wir haben uns 
entschlossen, damit Schluss zu machen und jede Person in ihren Problemen zu 
unterstützen, zusammen zu kämpfen! Jetzt gibt es in Heidelberg eine 
Basisgewerkschaft und wir haben gerade erst angefangen! Denn wir alle haben so 
viele Gründe wütend zu sein! Wütend auf den Kapitalismus! Wütend auf 
Corona-Regeln, die nur das Private und Soziale regulieren, aber große Sektoren 
der Lohnarbeit in Ruhe lassen! Wütend auf eine Regierung und eine Polizei, die 
Obdachlose und Besetzer:innen aus leerstehenden Häusern auf die Straße wirft! 
Wütend darüber, dass Geflüchtete, Asylsuchende und Vertriebene unter 
schrecklichen, inhumanen Bedingungen an Europas Grenzen vegetieren, während 
Deutschland immer noch Waffen in die Türkei exportiert! Wütend darüber, dass 
Gefangene in überfüllten Knästen leben und unter miesen Bedingungen weiter 
schlecht bezahlt schuften müssen, meist ohne die nötige Schutzausrüstung! Wütend 
auf Firmenbosse, die unter dem Deckmantel der Corona- Situation ihren 
Angestellten illegale Vertragsänderungen aufzwingen und das Arbeitsrecht 
ignorieren! Wütend, dass die Privilegien der Reichen nicht zur Diskussion stehen, 
sondern wieder Druck und Zwang auf Angestellte und Arbeiter:innen ausgeübt wird! 
Wütend, dass große Gewerkschaften ernsthaft glauben, ihr Job wäre mit einer 
Tarifverhandlung getan! Wütend auf die Parteien, die sich immer weiter in der 
natur- und gesellschaftszerstörenden Logik des Kapitalismus verfangen und den 
Anspruch auf die Utopie völlig abstreifen! Wütend über milliardenschwere 
Staatshilfen für Lufthansa, TUI und Banken, aber für Pflegekräfte ist nicht 
genügend Corona-Bonus da, bei miserablen Arbeitsbedingen, absoluter Überlastung 
der Belegschaften und Unterfinanzierung des Gesundheitssystems, trotz absoluter 
gesellschaftlicher Notwendigkeit!!

Die Aufzählung ist nicht zu Ende, aber wir wollen uns nicht weiter auskotzen! Wir 
denken, der Punkt ist klar! Es gibt so verdammt viele gute Gründe, wütend zu 
sein! Es gibt so verdammt viele gute Gründe, solidarische Arbeiter:in, 
Gewerkschaftler:in, Syndikalist:in, Anarchist:in, Sozialist:in und/oder 
Kommunist:in zu sein und einfach so verdammt wenig gute Gründe, sich in einer 
staatstragenden Kraft, Partei oder Firma zu engagieren und nach unten zu treten! 
Als FAU halten wir den Arbeitskampf für den besten Hebel, diese beschissene Welt 
zu verändern und wollen gerade dort angreifen, wo es auch in Heidelberg häufig am 
heftigsten zugeht und die Vereinzelung am größten ist: in prekären Jobs, bei 
Schwarzarbeit, bei Grauarbeit, bei Minijobs und Aushilfen, bei 
Carearbeiter:innen, bei Unterpriviligierten, bei Arbeitslosen. Es ist und bleibt 
eine unumstößliche Erkenntnis, dass das System der Lohnarbeit den ganzen Laden 
zusammenhält und wir deshalb alle unser Leben lang dem Zwang ausgesetzt sind, 
Lohnarbeiten zu gehen und uns verdinglichen zu müssen! Und dabei bleibt unser 
Motto so simpel und radikal: Solange der Job nicht darin besteht andere Menschen 
zu maßregeln / auszubeuten oder zu Diskriminieren, (z.B. Polizei / Firmenboss / 
Immobilienmaklern / Gewerkschaftsbrechern) stützen wir uns gegenseitig wo wir 
können und helfen uns gegenseitig ein besseres und lebenswertes Leben zu 
genießen! Solidarische Hilfe zur Selbsthilfe! Nur so kann der Kampf gegen 
kapitalistische Arbeitsausbeutung und das kleinteilige Verbessern der 
persönlichen Welten der Betroffenen zusammengehen. Nur so werden Kämpfe in und 
durch die Arbeit zu einer Basis der Selbstbehauptung und kollektivem Selbstvertrauen!

Ob Bauarbeiter:in, Studierende:r, Alleinerziehende:r, Bullshitjober:in oder 
Arbeitslose:r: Wir sind solidarisch, wir sind wütend, wir sind 
Antikapitalist:innen und wir sind nicht an den mörderischen und 
menschenverachtenden Regeln des Kapitalismus interessiert! Es gibt keinen "zu 
kleinen Kampf"! Denn jeder Lebensbereich, der freier, selbstverwalteter und 
solidarischer gestaltet werden kann, ist ein Erfolg und den Kampf wert! Also 
einfach mitmachen! Tretet uns in Heidelberg oder eurer örtlichen FAU Gruppe bei, 
schafft widerständige, solidarische Strukturen! Lauft mit erhobenen Köpfen durch 
die Welt, nutzt die Wut als Antrieb und lasst uns unter die Arme greifen, stützen 
und Kämpfe gewinnen! So wütend wir nach außen sind, so solidarisch und zärtlich 
sind wir nach innen! Niemand wird Allein gelassen! Wir wollen keine Diktatur der 
alten, weißen Säcke! Denn wir wollen Gruppenprozesse und Konflikte konstruktiv 
und solidarisch lösen und uns nicht von der Kälte der Gesellschaft und der 
gewohnten Ellenbogenmentalität verdummen lassen! Denn es gilt: Die neue 
Gesellschaft in der Schale der Alten aufzubauen! Eine letzte Frage haben wir noch 
für euch: Was gibt es Schlimmeres als sich irgendwann den unschönen, aber 
richtigen Fragen stellen zu müssen: Was ist, hätten wir damals 2021 versucht uns 
zusammenzuschließen und gemeinsam die Krise abzufangen? Wie viele Pläne hätten 
verwirklicht werden können, wären wir nur nicht so ängstlich gewesen. Die Krise 
und die Unsicherheiten sind schon längst da. Also lasst uns zusammen Zuversicht 
und Rückhalt geben. Gemeinsam können wir überall den Versuch starten unsere 
Zukunft selbst in die Hand zu nehmen und dafür kämpfen!

BEITRAGSBILD © R. ZIMMERMANN

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