(de) die plattform - "Wir werden nicht müde, wir werden quitt. Wir wollen nicht Biden, wir wollen Rache."

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Fr Jan 29 07:23:59 CET 2021


Hier findet ihr die Erklärung einer anarchafeministischen Gruppe aus Amsterdam 
zum Amtsantritt des neuen US-Präsidenten Joe Biden. ---- Wir finden diesen Text 
sehr passend und wollen ihn euch deswegen präsentieren. Viel Spaß beim Lesen! 
---- #Klassenkampf #Biden #Inauguration #Anarchism #Anarchakommunismus 
#Anarchafeminismus #Revolution ---- 
https://www.facebook.com/DPlattform/posts/723923198321398 ---- Amsterdammer 
Anarcha-Feministischen Gruppe beantwortet die Inauguration von Joe Biden ---- 
Erklärung der Amsterdammer Anarcha-Feministischen Gruppe zur Amtseinführung von 
Joe Biden. ---- Eingereichter Beitrag (Englisch). Übersetzt von Riot Turtle für 
Enough 14. ---- Amsterdammer Anarcha-Feministischen Gruppe beantwortet die 
Inauguration von Joe Biden

Unsere Bewegung ist international, und wir stehen in Solidarität mit den 
Genoss:innen in den USA und anderswo, die gegen die US-Kriegsmaschinerie und 
Polizeibrutalität kämpfen. Gleichzeitig können wir als Anarcha-Feministinnen, die 
sich rund um Amsterdam organisieren, die Amtseinführung von Joe Biden nicht 
kommentieren, ohne auch über die niederländische Regierung zu sprechen. Genau wie 
die US-Regierung ist auch die niederländische Regierung auf Sklaverei, 
Imperialismus und Ausbeutung aufgebaut. Kürzlich trat die niederländische 
Regierung wegen eines Skandals um Kinderbetreuungsgeld zurück, der den 
institutionellen Rassismus der Steuerbehörden und des niederländischen Staates 
deutlich machte. Der Rücktritt von Rutte ist jedoch nur performativ. Selbst 
während der Pandemie hat die niederländische Regierung ihre Abschiebungen nicht 
eingestellt. Die niederländische Regierung ist häufig in Waffenexporte 
verwickelt, und es gibt erneute Versuche, Sexarbeit zu kriminalisieren und 
Abtreibungsrechte abzubauen.

Wir sollten uns der Art und Weise widersetzen, in der liberale Feministinnen und 
andere die Körper von Frauen aus der Arbeiter:innenklasse (miss)brauchen, um ihre 
eigene Agenda zu rechtfertigen. Die Sprache der Frauenrechte und der 
Notwendigkeit, "Frauen und Kinder zu schützen", wird oft als Waffe eingesetzt, um 
imperialistische Kriege und die Verhängung von (Wirtschafts-)Sanktionen zu 
rechtfertigen, wie es im Krieg in Afghanistan und im Irak geschehen ist. 
Gleichzeitig sind die Frauen und Kinder, die angeblich durch diese Kriege und 
Sanktionen geschützt werden, überproportional von ihnen betroffen, sie sind es 
auch, die durch Drohnenangriffe getötet werden, die wegen der 
Wirtschaftssanktionen keinen Zugang zu den benötigten Lebensmitteln und 
Medikamenten haben. Dasselbe Regime, das sich angeblich um den "Schutz von Frauen 
und Kindern" kümmert, sperrt sie in Lager und führt Zwangs-Hysterektomien an 
Frauen in ICE-Haftanstalten durch. Das Narrativ ist nicht nur falsch, weil es 
dazu benutzt wird, die Frauen anzugreifen, die es angeblich schützen will, es 
untergräbt auch die Rolle, die Frauen der Arbeiter:innenklasse im Kampf gegen 
ihre eigene Unterdrückung gespielt haben - es stellt Frauen als passive Opfer 
dar. Vergessen wir nicht, dass es die YPJ, die Frauenschutzeinheiten, waren, die 
eine entscheidende Rolle beim Sieg über ISIS gespielt haben. Die Revolution in 
Rojava ist ein Beispiel für eine wirklich demokratische, dezentralisierte, 
feministische und ökologische Art, die Gesellschaft zu organisieren. Dieselben 
Menschen, die ISIS besiegt haben, wurden von den USA schnell im Stich gelassen, 
als es nicht mehr ihren Interessen diente, und gaben dem faschistischen 
türkischen Regime grünes Licht für einen Angriff. Die Befreiung kann uns nicht 
geschenkt werden, wir werden dafür kämpfen müssen.

Die Demokratische Partei in den USA hat wie keine andere versucht, den Kampf der 
BLM-Aktivisten und die Proteste, die nach dem schrecklichen Polizistenmord an 
George Floyd stattfanden, zu vereinnahmen und zu beschwichtigen. Nachdem sie auf 
das Narrativ der Black Lives Matter-Aktivist:innen für ihren eigenen politischen 
Vorteil gesetzt hatte, war die demokratische Partei schnell bereit, sie im Stich 
zu lassen und machte sogar die Defund the police-Kampagne und die schwarzen 
Organisator:innen für die demokratischen Verluste bei den Präsidentschaftswahlen 
verantwortlich. Die demokratische Partei hat, wie die meisten Liberal:innen und 
Zentrist:innen, eine Geschichte der Ausbeutung echter Graswurzelbewegungen zu 
ihrem eigenen politischen Vorteil, indem sie sie von ihrem radikalen Inhalt 
säubern und sie zum Sündenbock machen und beschuldigen, wenn sie ihnen politisch 
nicht mehr von Nutzen sind. Sie sind mehr damit beschäftigt, die Sprache und 
Taktik der BLM-Demonstrant:innen zu kritisieren, als die weißen suprematistischen 
Machtstrukturen abzubauen, die diese rassistischen Polizistenmorde ermöglichen.

Dieses Phänomen ist keineswegs auf den US-Kontext beschränkt, wir sehen es auch 
hier in den Niederlanden. Wo liberale politische Parteien die Sprache der 
antikapitalistischen Umweltbewegungen und der antifaschistischen und 
antirassistischen Organisierung übernehmen, um zu zeigen, wie "fortschrittlich" 
sie sind, während sie es individualisieren, anstatt die Machtstrukturen 
anzugreifen, die diese Dinge ermöglichen. Ein Beispiel dafür wäre GroenLinks. 
Obwohl GroenLinks in ihrem Wahlprogramm für 2021 behaupten, "dem institutionellen 
Rassismus und dem ethnischen Profiling durch die Polizei ein Ende setzen zu 
wollen", stimmten sie dennoch für präventive Anhaltungen und Durchsuchungen in 
Amsterdam.

Obwohl wir keineswegs die Bemühungen und die Bedeutung der Arbeit die/derjenigen 
herunterspielen wollen, die versuchen, diese Formen der Unterdrückung und 
Probleme in ihren eigenen Gemeinschaften zu konfrontieren (wir tun das selbst), 
glauben wir auch, dass diese Bemühungen bestenfalls fehlgeleitet sind, wenn sie 
nicht auch darauf abzielen, die bestehenden Strukturen und Systeme abzubauen, die 
diese Formen der Unterdrückung entstehen lassen. Unsere individuellen 
Konsumentscheidungen zu ändern, vegan zu werden und weniger zu duschen, wird die 
Klimakrise nicht lösen - wenn nur 100 Unternehmen für 71% aller globalen 
Treibhausgasemissionen verantwortlich sind und wenn die reichsten 10% der 
Weltbevölkerung für über die Hälfte aller CO2-Emissionen verantwortlich sind. Die 
Ernennung von Kamala Harris zur Vizepräsidentin allein wird nichts dazu 
beitragen, rassistische Polizeimorde zu beenden. Regenbogen-Kapitalismus ist 
immer noch Kapitalismus.

Diese politischen Parteien haben kein Interesse an echtem Wandel, es geht ihnen 
um die Aufrechterhaltung des Status quo, um den Schutz der Interessen der 
herrschenden Klasse, durch die Befriedung von Basisbewegungen. Lasst euch nicht 
täuschen, die Regierung ist das Problem. Die repräsentative Demokratie ist ein 
Betrug. Wir wollen echte Demokratie. Einen Sexualstraftäter durch einen anderen 
zu ersetzen, wird nichts ändern. Einen Warlord durch einen anderen zu ersetzen, 
wird nichts ändern. Wir müssen die Ursachen an der Wurzel packen, wir müssen den 
Staat, den Kapitalismus und das Patriarchat demontieren - überall.

Wir werden nicht müde, wir werden quitt.

Wir wollen nicht Biden, wir wollen Rache.


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