(de) Widerstand gegen Holzraubbau auf Vancouver Island von: Komitee Klimakämpfe der Plattform

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Do Jan 28 07:52:32 CET 2021


In den letzten Wochen und Monaten war der Kampf um den Erhalt des Dannenröder 
Forsts innerhalb der Klimagerechtigkeitsbewegung hier bei uns im 
deutschsprachigen Raum eines der zentralen Themen. Im Danni leisteten über Wochen 
hunderte, manchmal tausende Menschen Widerstand gegen einen Staat, der die 
Interessen kapitalistischer Konzerne mit Hundertschaften, Knüppeln und 
Pfefferspray durchsetzen will. Sie leisteten entschlossenen, direkten Widerstand 
gegen den Raubbau an der Natur. ---- Doch der Kampf zur Rettung der Wälder und 
für die Bewahrung des Planeten findet nicht nur in Hessen statt und auch nicht 
nur im deutschsprachigen Raum. Überall auf der Welt erheben sich Menschen gegen 
die Zerstörung der Umwelt und des Klimas und kämpfen für Klimagerechtigkeit und 
gegen Staat und Kapitalismus.
In einer Reihe von Beiträgen möchten wir in Zukunft auf unseren Kanälen auf diese 
Kämpfe in anderen Teilen der Welt aufmerksam machen. Beginnen möchten wir diese 
kleine Reihe heute mit einem kurzen Bericht über die Kämpfe gegen den Holzraubbau 
auf Vancouver Island in West-Kanada.

Kolonialismus und Umweltzerstörung
Hier bei uns kennen die meisten Menschen Kanada vor allem für seine weiten 
Landschaften und beeindruckenden Naturschauspiele. Die wenigstens wissen etwas 
über die brutale Kolonialgeschichte des Landes, die sich bis heute fortsetzt, und 
den kapitalistischen Raubbau an der Natur, der sich auch in dieser angeblichen 
Naturidylle immer mehr Gebiete unter den Nagel reißt.

Nicht selten wirken diese beiden Faktoren - die kontinuierliche koloniale 
Unterdrückung der Indigenen und die Zerstörung der Natur - direkt zusammen. Ein 
prominentes Beispiel dafür ist der Holzraubbau, der derzeit im Territorium der 
Pacheedaht vor sich geht. Die Pacheedaht sind eine indigene Bevölkerung, die 
schon lange vor der europäischen Invasion und Besatzung ihrer Gebiete dort 
lebten, wo der kanadische Staat heute Vancouver Island zu seinem Staatsgebiet 
zählt: Im äußersten Westen Kanadas, auf einer Insel vor der Küste der Metropole 
Vancouver.
Auf Vancouver Island will die Teal Jones Group, ein kanadischer Holzkonzern, 
einen uralten Regenwald voller gigantischer Bäume abholzen, um aus dem Verkauf 
des Holzes Profit zu schlagen. Pro Tag würde das Rodungsprojekt eine Fläche von 
32 Fußballfeldern verschlingen und das obwohl von den erhabenen Regenwäldern der 
Insel nur noch wenig übrig ist.
Wie immer zeigt der Kapitalismus, dass ihn das Wohl der Menschen und der Natur 
nicht interessiert, auch nicht im Angesicht einer immer bedrohlicheren Klimakrise.
Wie gut also, dass es Menschen gibt, die sich gegen die Rodungen zu Wehr setzen.

Indigener und anarchistischer Widerstand mit Erfolg
Seit dem 19. August 2020 verteidigen Indigene mit Hilfe von Anarchist*innen den 
Wald, der langanhaltendste Widerstand seit den Baumbsetzungen im Jahre 2007-2008 
in Langford, ebenfalls eine Stadt auf Vancover Island.
Mehrfach errichteten die Aktivist*innen in der Zeit des Widerstandes 
Straßenblockaden an verschiedenen Schlüsselstellen, welche die Rodung erfolgreich 
behinderten. Auch nachdem die Teal Jones Group modernste Technik benutzte, wurden 
weitere Rodungsversuche durch direkte Aktionen erfolgreich verhindert.

Im Zuge der Blockade wuchs auch die Polizeigewalt, es kam zu den ersten 
Verhaftungen im Zusammenhang mit Blockaden in Kanada. Aktivist*innen wurden in 
der Nähe ihres Zuhauses von der Polizei belästigt. Wie immer zeigt der Staat, 
dass er der willfährige Helfer des Kapitals ist.
Das ganze Thema bekam zudem nicht die mediale Aufmerksamkeit, die es eigentlich 
hätte bekommen müssen: Öffentliche Fernsehsender berichteten über die Blockaden, 
einige Stunden später jedoch wurden alle Aufnahmen wieder vom gleichen Sender 
gelöscht.
Für die Indigenen sind all diese Formen der Repression nichts Neues, schon seit 
Jahrzehnten leisten sie Widerstand gegen die unzähligen Angriffe auf ihre 
Gebiete, seit etlichen Jahren konfrontiert der kanadische Staat ihre Communities 
mit brutaler Polizeigewalt und langen Gefängnisstrafen. Ihr Widerstand mithilfe 
von direkten Aktionen geht dennoch weiter, was auch die Repräsentant*innen 
anderer indigener Bevölkerungen unterstützen.

Selbstorganisation statt NGO-Politik
Wie bei vielen Umweltkämpfen probierten auch verschiedene NGOs den Protest zu 
vereinnahmen und daraus politischen oder finanziellen Profit zu schlagen. Dennoch 
wurden die selbstorganisierten Aktionen durch Indigene und Anarchist*innen 
fortgesetzt. Aktionen wie aktive Straßenblockaden oder die Sabotage von Toren 
unterscheiden sich stark von den Methoden, die die Aktivist*innen von NGOs für 
gewöhnlicherweise anwenden oder fordern. Der Unterschied besteht maßgeblich in 
ihrer Wirksamkeit.
Während NGOs eine erfolglose Petition nach der anderen an die Herrschenden 
richten und langsam zuschauen müssen, wie Konzerne weiter abholzen, können sich 
die Menschen auf ihre selbstorganisierten Netzwerke des Widerstandes und die 
Effektivität der direkten Aktion verlassen.
Die Menschen wissen, wer ihre Feinde sind, der umweltzerstörerische Kapitalismus 
und der koloniale kanadische Staat, und sie lernen, wie sie ihnen gegenübertreten 
können.

Was können wir aus dem jüngsten Kampf auf dem Pacheedaht-Gebiet für unsere Kämpfe 
hier vor Ort lernen?
Die Umstände diktieren die Mittelwahl in den sozialen Kämpfen, aber oft genug 
erweist sich das alte anarchistische Prinzip der direkten Aktion als effektivstes 
Mittel, gerade in Kämpfen, die sich über große Entfernungen ausdehnen. Wir haben 
ähnliches bereits in den Kämpfen hierzulande um den Hambacher Forst und 
Dannenröder Forst gesehen: Sobald die Lohnabhängigen ihre Interessen selber in 
die Hand nehmen und dafür kämpfen, können sie Teilerfolge erringen oder sogar 
ganze "Schlachten" gewinnen.

Auch auf anderer Ebene ist der Kampf im Westen Kanadas spannend. Die Verknüpfung 
von ökologischen Kämpfen und ihren Aktivist*innen mit indigenen Aktivist*innen, 
die um die Rettung ihrer Gebiete kämpfen, ist keine Ausnahme in der weltweiten 
Klimagerechtigkeitsbewegung. Auf der ganzen Welt stehen Indigene an vorderster 
Front für den Schutz des Planeten und der menschlichen Würde ein, egal ob die 
Mapuche in den Hügeln Chiles oder eben die Pacheedaht auf Vancouver-Island. Wir 
als Klimagerechtigkeitsbewegung müssen von diesen Kämpfen lernen und uns mit 
ihnen vertraut machen. In unsere Praxis muss konsequent ein antikolonialer und 
antirassistischer Standpunkt miteinfließen und um eine klare klassenkämpferische 
Position ergänzt werden. Denn eins ist klar: Kolonialismus, Rassismus und die 
Herrschaft der kapitalistischen Klasse und ihres Staates über unsere Leben hängen 
zusammen.

Wir müssen sie alle gemeinsam bekämpfen!

Autordieplattform
Veröffentlicht am24. Januar 2021
KategorienAllgemein
SchlagwörterDanni, Indigene, Kolonialismus, Komitee Klimakämpfe, Pacheedaht, 
Solidarität, Teal Jones, Vancouver, Widerstand
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