(de) anarcho syndikalismus - Polen: Lohnraub beim Bildungszentrum Tumiraj

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Fr Jan 15 08:49:49 CET 2021


Ende Oktober 2020 hat die [Basisgewerkschaft] ZSP in Warschau einen Arbeitskampf 
in einem Vorschul- und Bildungszentrum begonnen. Drei Arbeiterinnen sind davon 
betroffen, darunter die Schulpsychologin und die Sprachtherapeutin. ---- Sie 
warten seit Monaten auf ihre Löhne, sowie auf die Bezahlung für ungenutzte 
Urlaubstage. Es gibt auch das Problem, dass sie keine Sozialleistungen 
beanspruchen können, da ihr Chef das nötige Formular nicht an das 
Sozialversicherungsamt geschickt hat. Und sie haben unrichtige Arbeitszeugnisse 
bekommen, welche sie als Dokument für eine spätere Anstellung benötigen. ---- 
Ende Juli 2020 hat die Stiftung IWE[Instytutu Wspierania Edukacji], welche die 
Schule betreibt, beschlossen ihre Aktivitäten abzuwickeln. Der Chef und der 
Stiftungsvorsitzende hatten bereits im März ein gewinnorientiertes 
UnternehmenFirma gegründet. Sie haben aber offensichtlich kein Interesse daran, 
die Schule zu schließen, denn der Betrieb geht regulär weiter.

Obwohl immernoch dieselben Leute die Bildungseinrichtung betreiben, können sie 
durch den Namenswechsel behaupten, dass die Stiftung IWE keine Verbindlichkeiten 
mehr gegenüber ihren ehemaligen Mitarbeiter*innen hat. Trotz der laufenden 
Geschäftsabwicklung der IWE wurden in ihrem Namen im Oktober 2020 noch Stellen 
ausgeschrieben - für ein*e Psycholog*in und ein*e Sprachtherapeut*in.

Die Frauen haben wegen des Falls die Staatliche Arbeitsaufsicht kontaktiert, doch 
ihnen wurde nur gesagt, dass man nichts machen könne, da sich ihr Arbeitsgeber im 
Prozess der Geschäftsauflösung befindet. Und das, obwohl bekannt ist, dass die 
Arbeitgeber*innen bloß den Namen und die Rechtsform gewechselt haben, unter denen 
sie tätig sind.

Zweifellos fühlen sie sich unantastbar, indem sie rechtliche Schlupflöcher 
nutzen, durch welche der Staat es skrupellosen Arbeitgeber*innen ermöglicht, 
Lohnraub zu begehen.

"Wir werden ihnen zeigen, dass sie nicht unantastbar sind
und so ein Vorgehen niemals toleriert werden sollte."

Die ZSP[Zwiazek Syndykalistów Polski]kündigte daraufhin Proteste an der Schule an 
und Mitte Oktober hat sie auch die Staatliche Arbeitsaufsicht besucht, um auf 
diesen Fall und auf andere Themen aufmerksam zu machen. Sie hoben dabei hervor, 
dass wieder einmal der Staat die rechtlichen Mittel bereitstellt, um Lohnraub zu 
begehen, und dass seine Inspektionen daher meist nutzlos sind. Die besten Mittel, 
welche Arbeiter*innen haben, sind Organisierung, gegenseitige Hilfe und direkte 
Aktionen.

Proteste bei Tumiraj und am Haus des Chefs

[...]Im November fanden zwei Kundgebungen an dem Bildungszentrum statt, doch 
anstatt zu bezahlen, versuchte der Chef gegenüber der Poizei lächerliche 
Forderungen zu stellen. Mitte Dezember zog dann die Gewerkschaft vor das Haus des 
Chefs. Er kam heraus und sagte der Polizei, er wüsse garnicht worum es gehe.

Aber als er die ZSP auf ihn zukommen sah, rannte er in den Wald hinter seinem 
Haus und verschwand. Da er sich mit solcher Arroganz weigerte, auch nur mit den 
Arbeiter*innen zu sprechen, sogar vor ihnen wortwörtlich flüchtete und vorher 
versuchte mit falschen Anschuldigungen die Polizei zum Beenden der Proteste zu 
bringen, hat die ZSP daraufhin alle seine Nachbar*innen über sein Handeln 
informiert - und angekündigt wieder zu kommen.

Video-Interview von ThePrazanin mit den Arbeiterinnen (pl):
https://invidious.snopyta.org/watch?v=J5Km8RE8JRA

Quellen:
https://zsp.net.pl/conflict-tumiraj-preschool-and-educational-center
https://zsp.net.pl/protests-tumiraj-and-bosss-house

Übersetzung:
Anarcho-Syndikalistisches Netzwerk - ASN Köln (CC:BY-NC)

https://anarchosyndikalismus.blackblogs.org/2021/01/11/polen-lohnraub-beim-bildungszentrum-tumiraj/#more-644


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