(de) Der Jahresbericht 2020 der FAU Freiburg: Corona, Corona, Corona? Nein!

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Do Jan 14 08:51:30 CET 2021


2020 war bestimmt durch die globale Pandemie. Man könnte meinen, der rechte 
Terror in Hanau, die Klimakrise oder die aussichtslose Lage von Geflüchteten an 
den europäischen Außengrenzen seien aus einer anderen Zeit. Der Fokus lag auf 
einem Thema: Corona. Dabei blieben andere Probleme aktuell und spitzten sich 
teilweise zu. ---- Berufe von der Pflege über den sozialen Sektor bis zur 
Lebensmittelversorgung & Logistik sind nun "systemrelevant". Über die 
Arbeitsbedingungen in diesen Sektoren wurde diskutiert, die Arbeiter*innen 
beklatscht - und am Ende dürfen sie trotzdem die Kosten der Pandemie tragen, sind 
weiterhin prekär beschäftigt, arbeiten oft am Limit und erkranken wesentlich 
häufiger an Corona. Die Pandemie ist dabei nicht die Ursache vieler seit langem 
bestehender sozialer Ungleichheiten, sondern hat diese verschärft. Dieser Prozess 
wird weitergehen, insbesondere auch nach der Pandemie.

Dabei gibt es nun teilweise auch ein neues Bewusstsein dafür, dass plötzliche 
Veränderungen möglich sind. Das zeigt sich für die FAU Freiburg durch die vielen 
neuen Mitglieder, die in diesem Jahr beigetreten sind. Auch bundesweit steigt das 
Interesse an der FAU, zum Beispiel durch die erfolgreiche Unterstützung des 
Arbeitskampfs von Saisonarbeiter*innen in Bornheim.

Mensa, Dragon-Sweater und weltweite Solidarität
Mit dem Beginn der Pandemie ließen auch die ersten Kündigungswellen nicht lange 
auf sich warten. So kündigte das Studierendenwerk über 100 Minijobber*innen der 
Uni-Mensen, darunter auch einem Mitglied der FAU Freiburg. Gemeinsam konnten wir 
vor dem Arbeitsgericht eine Abfindung erstreiten. Die Situation vieler 
Minijobber*innen ist nach wie vor besonders prekär, während der Krise ist das 
erst recht skandalös, da sie weder Anspruch auf Kurzarbeitergeld und als 
Student*innen auch keinen Anspruch auf Arbeitslosengeld haben.

Weltweit werden die Kosten der Corona- Krise auf dem Rücken der 
Arbeiter*innenklasse ausgetragen, zum Beispiel in Bangladesch. In dessen 
Hauptstadt Dhaka wurden in der Dragon-Sweater-Textilfabrik viele Arbeiter*innen 
illegal gekündigt und ausstehende Löhne nicht gezahlt. Es gab zahlreiche 
internationale Solidaritätsaktionen, u.a. durch die International Confederation 
of Labour. Auch die FAU Freiburg organisierte Kundgebungen vor Filialen von New 
Yorker und Lidl, die Produkte von Dragon Sweater bezogen haben. Mit Erfolg: Nach 
Monaten des Kampfs konnten die Arbeiter*innen einen Sieg erringen und einem 
Großteil von ihnen wurden ausstehende Löhne gezahlt!

Gründung der AG Soziale Arbeit
Mitglieder der FAU Freiburg aus dem sozialen Bereich berichten von 
Verschlechterungen ihrer Arbeitsbedingungen aufgrund der Corona-Pandemie. Da nur 
Stunden bezahlt werden, die aktuell an Klient*innen geleistet werden können, 
mussten die Arbeiter*innen während des ersten Lockdowns Gehaltsschwankungen 
hinnehmen. "Es fuhlt sich ein bisschen an wie Tagelöhnerei", berichtet eine der 
betroffenen Personen.

Außerdem kündigte die Stadt Freiburg an, die (minimale) Tariferhöhung nicht wie 
bisher üblich direkt an die Träger weiterzuleiten. Stattdessen sollen diese ihre 
Kosten selber erwirtschaften, das heißt: erhöhte Kita-Beiträge für Eltern oder 
Stellenstreichungen und damit noch mehr Stress und Arbeitsverdichtung.

Wir kämpfen gegen diese Abwälzung der Corona-Kosten auf die Arbeiter*innen im 
Sozial- und Erziehungsbereich und darüber hinaus. Dazu haben wir dieses Jahr 
innerhalb der FAU Freiburg die AG Soziale Arbeit gegründet. Die sowieso schon 
schlechten Arbeitsbedingungen im sozialen Bereich sind durch die Krise nicht 
besser geworden. Aufgabe muss es hier sein, das mit Druck von Unten, von den 
Beschäftigten zusammen mit sozialen Bewegungen, die Krise nicht noch mehr 
zulasten der Beschäftigten aber auch der Klient*innen geht.

Lesekreis und Beratung
Zusammen mit dem Arbeitskreis kritische Sozialarbeit haben wir einen Lesekreis 
zum betrieblichen Organizing mit regelmäßigen Treffen durchgeführt. Wir haben das 
Buch "Geheimnisse einer erfolgreichen Organizerin" gemeinsam erarbeitet, das 
einige Inspirationen für zukünftige Aktionen und Arbeitskämpfe bot. Wir haben 
auch noch an diversen arbeitsrechtlichen Schulungen teilgenommen und wie jedes 
Jahr eine Einführungsveranstaltung zur Arbeit der FAU organisiert.

Nach dem Beginn der Pandemie haben wir gemeinsam mit dem Bündnis 
Corona-Solidarität Freiburg eine gewerkschaftliche Telefonberatung ins Leben 
gerufen, welche wir auch im kommenden Jahr wieder anbieten und ausbauen wollen.

Wir konnten einer Minijobberin bei einem Konflikt mit ihrem Chef unterstützen. 
Außerdem unterstützten wir einen tschechischen Arbeitsmigranten, der nach eigener 
Aussage in einem Luxushotel um seinen Lohn geprellt wurde.

Nach der Gesundheitskrise kommt die Wirtschaftskrise. Deren Bewältigung und die 
sozialen Folgen werden die nächsten Jahre prägen. Für uns bleibt klar: Der 
einzige Weg dagegen ist Solidarität - miteinander und mit denen, die von der 
Krise am härtesten getroffen werden. Werdet Mitglied in der FAU! Wir freuen uns 
immer über neue Gesichter.

Von folgenden unserer Veranstaltungen aus dem Jahre 2020 gibt es auch Audio 
Beiträge/Mitschnitte

- Zur Geschichte und Gegenwart des politischen Streiks in der Bundesrepublik

- Umkämpftes Wohnen - Neue Solidarität in den Städten

https://freiburg.fau.org/2021/01/09/corona-corona-corona-nein/#more-1832


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