(de) Alles für Alle! By LiKOS - Libertäre Kommunist*innen Osnabrück

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Fr Jan 8 10:46:10 CET 2021


Alles für alle - das war schon immer das Versprechen, die Herausforderung und 
eine Bedingung des Kommunismus. Dabei ging es nie um eure Zahnbürste, euer Bett 
oder euren Gemüsegarten, sondern darum, dass alle Menschen das bekommen was sie 
brauchen. ---- In unserer gegenwärtigen Gesellschaft bekommen viele Menschen 
nicht das Nötigste und das obwohl es technisch möglich wäre, alle Menschen zu 
ernähren, allen Menschen ein ordentliches Dach über dem Kopf zu verschaffen und 
alle Menschen medizinisch zu versorgen. Es ist jedoch nicht profitabel. ---- In 
dieser Gesellschaft leben Menschen auf der Straße obwohl Häuser leer stehen, es 
vegetieren Menschen in europäischen Flüchtlingslagern wie Moria, in dem Kinder 
von Ratten angefressen werden, oder es schuften rumänische Arbeiter*innen auf den 
Feldern und in der Fleischindustrie zu den widrigsten Bedingungen. Es bedarf 
keines Blickes auf die sogenannte Dritte Welt, deren Elend ebenfalls Resultat 
dieser Gesellschaft ist, um zu erkennen, dass diese Art des Wirtschaftens und des 
"Zusammenlebens" für viele eher Überleben als Leben ist und für Millionen 
schlicht die Hölle. Es gibt keinen Grund sich die "Normalität" zurück zu 
wünschen, trotz oder gerade während einer weltweiten Pandemie.

Die Corona-Krise spitzt die soziale Misere und die Widersprüche nur zu. Die 
Pandemie verdeutlicht, am Beispiel des Umgangs mit medizinischem Material, dass 
in dieser Gesellschaft nicht das Nötigste für Alle hergestellt wird und auch 
keine rationale Verteilung von knappen Gütern stattfindet. In Pflegeheimen und 
Krankenhäusern waren Masken und Desinfektionsmittel lange Zeit Mangelware, 
während die Produktion eben nicht umgestellt wurde, sondern weiterhin z.B. Autos 
und Flugzeuge produziert wurden. Um die knappen Impfstoffe konkurrieren nun die 
einzelnen Staaten (auch um wiederum einen Konkurrenzvorteil zu erlangen) und es 
verwundert nicht, dass die reichsten Länder der Welt, die sich bereits möglichst 
große Mengen gesichert haben, dagegen sind das Patentrecht auf die Impfstoffe 
auszusetzen.

Die Pandemie und insbesondere die Konkurrenz um Impfstoffe machen deutlich, was 
dem Ziel, dass Alle möglichst das erhalten, was sie brauchen, entgegen steht: Es 
ist das Eigentum an Produktionsmitteln. Ein Zustand also, in dem beispielsweise 
Fabriken, große Anbauflächen, aber auch Ideen jemandem gehören. Nur in einer 
Ökonomie, in der alle Produktionsmittel Allen gehören, können Menschen gemeinsam 
entscheiden, wie Arbeit sinnvoll genutzt und verteilt wird und was wie produziert 
wird. Eine Ökonomie mit der wir die Produktion und die Reproduktion gemeinsam 
organisieren und diese tatsächlich dem Zweck der Bedürfnisbefriedigung dient und 
nicht der Profitmaximierung. Das bedeutet aber ebenso, dass es dafür eine gewisse 
Planung braucht. Auch diese Notwendigkeit wird aktuell für alle sichtbar, durch 
die Knappheit an medizinischen Gütern.

Es stimmt, dass es sich bei derartigen Fragestellungen, gerade für libertäre 
Kommunist*innen, um eine Herausforderung handelt. Um allerdings ein Beispiel zu 
nennen, wie Produktivkräfte sinnvoll für eine Planwirtschaft genutzt werden 
können, sei hier auf dass verwiesen, was Computertechnologie, das Internet und 
"Social Media" heute leisten und was derartige Technologien und 
Kommunikationsmittel (selbstverständlich dann enteignet und vergesellschaftet) 
leisten könnten: würden sie sinnvoll eingesetzt, ließe es sich deutlich besser 
als noch vor 50 Jahren ermitteln und kommunizieren, wer was braucht, welche 
Arbeit dazu nötig ist, usw..

Die Pandemie und die Wirtschaftskrise könnten im Idealfall ein wenig dazu 
beitragen, dass die Idee einer solidarischen, kommunistischen Gesellschaft mehr 
Anhänger*innen findet. Bei allem Optimismus fällt ein solcher Bewusstseinswechsel 
aber nicht vom Himmel. Dafür muss die Linke versuchen, die Vorstellung der 
Möglichkeit einer anderen Gesellschaft zu verbreiten und Anknüpfungspunkte im 
realen Leben der Menschen schaffen. Radikales, lautes Nachdenken über konkrete 
Utopien mag sich oftmals nur als symbolische Aktion darstellen, aber auch das ist 
wichtig. Da dies aber nicht reicht, weil es immer "konkreter" werden muss, eben 
weil es das kapitalistische Hamsterrad nun einmal gibt, aus welchem der Ausbruch 
nicht einfach ist, müssen wir als Linke bei Arbeitskämpfen wieder wahrnehmbar 
werden. Wir müssen diese Arbeitskämpfe unterstützen und selber an ihnen 
teilnehmen - im unmittelbar eigenen Interesse.

Gerade hier bildet sich oftmals die Keimzelle eines Bewusstseins, welche Macht 
wir Arbeiter*innen haben, was wir als Klasse gemeinsam haben, dass wir es sind, 
die am besten wissen, wer was wie produzieren sollte und dass es ohne Chef geht. 
Gerade das deutsche Modell der "Sozialpartnerschaft" befriedete scheinbar 
Konflikte zwischen Kapital und Arbeiter*innen, aber die Corona-Krise und die 
zwangsläufig folgenden Wirtschaftskrisen könnten Risse in den Kitt des 
nationalistischen Märchens von der "deutschen Gemeinschaft" reißen. Ob diese 
Risse vertieft und wie sie politisiert werden hängt auch und gerade von der 
Linken in Deutschland ab. Die beschönigend bezeichnete "Sozialpartnerschaft" ist 
schließlich kein Naturgesetz und dass es anders geht, hat die 
Arbeiter*innenklasse durchaus bereits bewiesen: die historische Pariser Commune, 
als prominentes Beispiel, hat in diesem Jahr ihren 150. Jahrestag.

In diesem Sinne für ein klassenkämpferisches 2021.

https://likos.noblogs.org/2021/01/01/alles-fuer-alle/


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