(de) die plattform: Jahresrückblick 2020 -- Rückblick auf das 2. Jahr unserer Organisation

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Mi Jan 6 08:50:19 CET 2021


Heute ist es genau zwei Jahre her, dass wir die Gründung unserer Organisation die 
plattform offiziell bekannt gegeben haben. Diesen zweiten Geburtstag wollen wir 
als Anlass nehmen, um zurückzublicken auf ein spannendes Jahr 2020 und um einen 
Blick nach vorne zu werfen auf die kommenden Kämpfe und den weiteren Aufbau der 
Organisation. ---- Für uns als die plattform begann das Jahr 2020 wie gewohnt 
ereignisreich: Nach einem Jahr des Aufbaus, in dem wir viel im deutschsprachigen 
Raum umhergereist sind, um unsere Initiative vorzustellen und neue Menschen 
kennenzulernen, konnten wir zum Jahreswechsel 2019/2020 offiziell die gelungene 
Gründung unserer ersten Lokalgruppen in Berlin, Rostock und im Ruhrgebiet verkünden.
Ende Januar stieß zu diesen drei auch noch eine vierte Lokalgruppe aus Trier 
hinzu. Gemeinsam mit unserer Überregionalen Gruppe, in der sich ab jetzt alle 
Mitglieder der Organisation versammelten, die bei sich vor Ort noch über keine 
Lokalgruppe verfügten, waren es nun fünf Gruppen, die sich in der Organisation 
föderierten.
Mit der Gründung der Lokalgruppen war ein weiterer wichtiger Schritt getan zum 
Aufbau einer überregionalen klassenkämpferischen anarchistischen Föderation nach 
plattformistischen Prinzipien.

Lokalgruppe Trier
Unser erklärtes Ziel war es, im neuen Jahr 2020 nicht nur den Aufbau unserer 
eigenen Organisation in dieser Richtung voranzutreiben, sondern auch in ersten 
Basiskämpfen vor Ort aktiv zu werden.

Die eigene Organisation aufbauen ...
Um unsere Organisation sowohl inhaltlich als auch strukturell weiter zu stärken, 
kamen wir Anfang März diesen Jahres zu unserem zweiten Föderationskongress in 
Trier zusammen. In ausgiebigen Diskussionen tauschten wir unsere ersten 
Erfahrungen der Arbeit in sozialen Bewegungen aus und entwickelten erste 
strategische Eckpunkte für unsere regionale und überregionale Praxis.

Kongress in Trier
Um die positiven Entwicklungen, die wir auf dem Trierer Kongress gemacht hatten, 
weiterzutragen, traten wir im September in Berlin zu unserem dritten 
Föderationskongress - dieses Mal unter Pandemie-Bedingungen - zusammen. Hier 
gelang es uns, wichtige Leitlinien für die zukünftige Entwicklung der 
Organisation festzulegen und einige grundlegende Fragen zu klären.

Abseits der beiden Kongresse waren wir ebenfalls fleißig und setzten die 
Ausarbeitung unserer theoretischen Grundlagen in verschiedenen Bereichen fort.

In den ersten Monaten des Jahres unternahmen wir zudem einige weitere Reisen in 
Städte, die wir bisher noch nicht besucht hatten, um dort unsere Organisation 
neuen Leuten vorzustellen und interessierte Genoss*innen zu treffen.

Wie so vielem machte die Corona-Pandemie aber auch unserem Vorhaben, die 
Vortragsreihe wie geplant weiter durchzuführen, einen gehörigen Strich durch die 
Rechnung. Veranstaltungen wurden abgesagt, Grenzen teilweise geschlossen.
Deshalb waren wir schon früh in diesem Jahr dazu gezwungen, als Organisation in 
einigen Dingen neue Wege zu gehen. So bauten wir zum Beispiel unsere 
Öffentlichkeitsarbeit in den sozialen Medien massiv aus, um den Wegfall der 
Vor-Ort-Veranstaltungen zumindest teilweise auszugleichen.
Auf unserem neuen YouTube-Kanal veröffentlichten wir schon bald eingesprochene 
Versionen unserer Texte und auch einige Aktionsvideos. Über den Lauf der Pandemie 
hat diese Art der Öffentlichkeitsarbeit für uns immer mehr an Bedeutung gewonnen 
und an vielen Stellen ist es uns gelungen, auch mit geringen Kapazitäten unsere 
mediale Arbeit zu professionalisieren und Hunderte neue Menschen auf unsere 
Arbeit und Inhalte aufmerksam zu machen. Bei all dem profitierten wir stark vom 
Zusammenfließen der Fähigkeiten von Genoss*innen aus unterschiedlichen Regionen 
und Städten.

(Ein Vortrag von uns über Anarchafeminismus)

Doch nicht nur unsere öffentliche Präsenz konnten wir stetig ausbauen, auch 
unsere eigene Schriftenreihe "Kollektive Einmischung" entwickelten wir weiter. In 
diesem Jahr veröffentlichten wir Ausgabe Nr.4, ein FAQ mit Fragen, die wir bei 
unseren Vorträgen gesammelt hatten, und Ausgabe Nr.5, eine Übersetzung eines 
Texts zur Frage der Reformen. Beide Texte werden auch in Zukunft für unsere 
Organisation von großer Bedeutung sein.

Druck der KE4
Zudem legten wir die Grundlagen für eine weitere Schriftenreihe, mit der wir im 
nächsten Jahr an die Öffentlichkeit treten wollen. Es bleibt also spannend!

... und endlich rein in die Praxis ...
Für unseren Organisationsansatz ist es zentral, dass sich die anarchistische 
Organisation an den Begebenheiten der sozialen Kämpfe anpasst, in die sie sich 
einbringt. Wir lehnen Diskussionen im sogenannten "Elfenbeinturm" ab, denn der 
Grund, warum wir uns als anarchistische Kommunist*innen in die plattform 
organisieren, ist, dass wir gemeinsam aktiv werden wollen und unsere Aktivität in 
den Kämpfen überregional koordinieren möchten.

Nachdem wir 2019 also die organisatorischen Grundlagen von die plattform gelegt 
haben, war 2020 nun das Jahr, in dem wir mit unsere Arbeit in den Kämpfen vor Ort 
beginnen wollten. Schon zuvor waren wir in einigen sozialen Bewegungen aktiv 
gewesen, was wir nun stärker fokussierten und ausbauten.

BlackLivesMatter Protest in Dortmund
Im Laufe dieses Jahres waren die unterschiedlichen Lokalgruppen von die plattform 
unter anderem in feministischen Kämpfen, Klimakämpfen, Mietenkämpfen, 
Betriebsorganizing und antirassistischen Kämpfen aktiv. Zudem beteiligten wir uns 
in mehreren Städten an Solidaritätsnetzwerken während des ersten Lockdowns. In 
den Kämpfen knüpften wir an vielen Stellen den Kontakt zu anderen Menschen 
unserer Klasse und sammelten wichtigen Praxiserfahrungen, die in unser 
zukünftiges Handeln als Organisation einfließen werden.

(Playlist mit Aktionen aus diesem Jahr)

Klar ist aber auch: Die Corona-Pandemie erschwerte unsere Bestrebungen, in den 
Kämpfen vor Ort aktiv zu werden, enorm, weil viele Kämpfe zumindest teilweise 
"einschliefen". Einen solchen Stillstand während einer Krise können nur gut 
organisierte Basisbewegungen der Lohnabhängigen auffangen, das hat die Pandemie 
uns nochmal sehr deutlich vor Augen geführt. Deshalb muss es für uns darum gehen, 
solche Basisbewegungen zukünftig mit anderen Menschen unserer Klasse aufzubauen. 
Denn nur, wenn es die Basisbewegungen gibt, können wir uns gegen die jetzigen und 
noch kommenden Angriffe der Herrschenden auf unsere Lebensverhältnisse wehren und 
uns für ähnliche Krisen in der Zukunft wappnen.

Auch wenn wir es in diesem Jahr, hauptsächlich wegen der Pandemie, nicht 
geschafft haben, so stark in die Praxis zu gehen, wie wir es geplant hatten, 
blicken wir auf wertvolle Erfahrungen und tolle Momente zurück. Besonders müssen 
wir dabei an den beeindruckenden Streik der Spargelarbeiter*innen bei Bornheim 
denken, den wir begleiteten und auch an die vielen "Black Lives 
Matter"-Kundgebungen in diesem Sommer, die zeigten, dass auch im 
deutschsprachigen Raum viele von Rassismus betroffene Menschen bereit sind, für 
ihre Interessen auf die Straße zu gehen.

... aber nicht ohne einen kritischen Blick auf die eigenen Strukturen!
Seit unserer Gründung vor zwei Jahren erheben wir als die plattform den Anspruch, 
eine anarchafeministische Organisation zu sein. Von Anfang an war klar, dass wir 
dabei nicht bei schicken Worthülsen in öffentlichen Erklärungen stehen bleiben 
dürfen. Stattdessen muss unser anarchafeministische Standpunkt in unsere tägliche 
Arbeit in den sozialen Bewegungen und innerhalb der Organisation einfließen. Nur 
so können wir die männlich* dominierten Strukturen, die immer noch die linke und 
auch die anarchistische Bewegung prägen, zum Thema machen, aufbrechen und 
langfristig überwinden.

Im Jahr 2020 haben wir diese wichtige Aufgabe endlich stärker in den Fokus 
genommen. Dazu haben wir beispielsweise in mehreren Lokalgruppen regelmäßige 
Treffen eingerichtet, die Raum für eine kritische Auseinandersetzung mit dem 
Konstrukt Männlichkeit* bieten. Auch haben wir endlich damit begonnen, ein 
konkretes Awareness-Konzept für unsere überregionale Arbeit in der Organisation 
zu erarbeiten und umzusetzen. Unsere Öffentlichkeitsarbeit haben wir stärker nach 
feministischen Gesichtspunkten ausgerichtet und nehmen das Thema nun wesentlich 
öfter in den Fokus als zuvor.
Ebenfalls in den Fokus genommen haben wir die kritische Auseinandersetzung mit 
Kadern innerhalb unserer Organisation, die bekanntlich oft mit einer Kritik der 
männlichen* Dominanz zusammenhängt.

Klar ist: Das war nur der Anfang, das waren wenige erste, aber wichtige Schritte. 
Auf diesen gilt es 2021 aufzubauen, um unsere Organisation zugänglicher und 
sicherer für alle Menschen zu machen, die von der patriarchalen Unterdrückung 
betroffen sind.

Wir sind nicht alleine - klassenkämpferischen Anarchismus weltweit organisieren!
Für uns war das Jahr 2020 ganz besonders geprägt vom intensiven Kontakt zu 
befreundeten Organisationen unserer plattformistischen/especifistischen Strömung.
Standen wir Anfang 2019 unserem Gefühl nach noch ziemlich alleine auf weiter 
Flur, veränderte sich das im Laufes diesen Jahres.

Wir knüpften enge Kontakte zu Organisationen aus Europa, aber auch aus 
Lateinamerika und anderen Teile der Welt. Gemeinsam mit ihnen diskutierten wir, 
tauschten Erfahrungen aus und veröffentlichten mehrere gemeinsame Erklärungen. Es 
macht uns froh zu wissen, dass wir nicht alleine mit unseren Idealen und unserer 
Vision einer anderen Gesellschaft stehen, sondern, dass andere Menschen in vielen 
Teilen der Welt unsere Gedanken teilen und eine ähnliche Vorstellung davon haben, 
wie eine herrschaftsfreie Gesellschaft aufgebaut werden kann.

Im Austausch mit den Genoss*innen haben wir schon jetzt viel gelernt und wir sind 
uns sicher, dass sich die produktive Zusammenarbeit fortsetzen wird.
Neben der Kooperation mit unseren Genoss*innen aus aller Welt haben wir an 
einzelnen Beispielen unseren Grundsatz der grenzenlosen Solidarität bereits in 
die Tat umgesetzt. So sammelten wir im Laufe des Jahres insgesamt mehrere hundert 
Euro an Spenden, erst für den Erhalt eines libertären Nachbarschaftszentrums in 
der kolumbianischen Hauptstadt Bogota und dann für die Unterstützung von 
kämpfenden Anarchist*innen in Belarus. Auch hier wollen wir zukünftig noch 
aktiver werden.
In diesem Sinne: Grüße an all unsere Freund*innen weltweit! Es lebe der 
organisierte Anarchismus!

Rückschläge und Erfolge
Dieses lange Jahr 2020 lässt uns mit keinem einfachen Fazit zurück. Die 
Corona-Pandemie hat den Aufbau unserer Organisation in einer immer noch 
empfindlichen Phase getroffen und viele wichtige Entwicklungen gehemmt oder sogar 
verhindert. Auch haben einige Menschen unsere Organisation wieder verlassen, 
teilweise aufgrund persönlicher, teilweise aufgrund inhaltlicher Differenzen (an 
dieser Stelle: Viel Glück euch, was auch immer ihr macht!). Unsere Praxis konnten 
wir nicht so ausgestalten, wie wir es uns vorgestellt hatten.

Und dennoch blicken wir unterm Strich auf ein weiteres erfolgreiches Jahr des 
Aufbaus unserer Organisation zurück. Wir sind weiter gewachsen und fast noch 
wichtiger: weiter zusammengewachsen, sowohl auf persönlicher als auch auf 
inhaltlicher Ebene.
Wir haben unsere Beziehungen zueinander vertieft und gestärkt, viele neue 
Genoss*innen kennengelernt und mit ihnen in Kämpfen neue Erfahrungen gesammelt. 
Wir haben aufwändige Projekte erfolgreich durchgeführt und Probleme gemeinsam 
gelöst. Wir sind, wie wir es uns vorgenommen hatten, in diesem Jahr in die 
sozialen Bewegungen gegangen und haben uns in den Kämpfen unserer Klasse engagiert.
Unser Projekt, das wir 2019 ins Leben gerufen haben, um eine dritte 
anarchistische Föderation im deutschsprachigen Raum aufzubauen, hat mittlerweile 
deutlich Gestalt angenommen und sich in der anarchistischen 
Organisationslandschaft unserer Region verankert.
Uns erfüllt diese Entwicklung mit Stolz, aber auch mit Demut vor den kommenden 
Aufgaben.

Ein Blick nach vorn
Wir sollten uns nicht selbst täuschen: Trotz aller Erfolge, die Aufgaben, die vor 
uns als Organisation liegen, sind immens und alles sieht danach aus, als ob 
Kapitalismus, Staat, Patriarchat und Rassismus auch 2021 nicht einfach kampflos 
das Feld räumen werden.
Das Krisenmanagement der Herrschenden stellt in vielen Belangen einen Angriff auf 
die Lebenssituation der Lohnabhängigen dar. Wenn wir uns gegen die Angriffe von 
oben nicht zu Wehr setzen, werden wir massive Einschnitte unserer Lebensqualität 
hinnehmen müssen. Den Widerstand dagegen gilt es zu organisieren, egal ob im 
Betrieb, im Viertel oder auf der Straße.

Aber nicht nur gegen das Krisenmanagement der Herrschenden müssen wir kämpfen, 
auch an anderen Fronten bläst uns der reaktionäre Wind massiv entgegen: Der 
Kapitalismus steuert unseren Planeten beharrlich weiter in den Klimakollaps, das 
Patriarchat bleibt eine mörderische Bastion sozialer Unterdrückung und der 
Rechtsruck bleibt Realität.

Grund genug für uns alle, den herrschenden Zuständen nicht mehr länger nur von 
der gesellschaftlichen Seitenlinie aus zuzusehen. Stattdessen müssen wir uns als 
revolutionäre Anarchist*innen in den Kämpfen unserer Klasse beteiligen und mit 
anderen Lohnabhängigen für unsere Interessen kämpfen.
Damit unsere Handlungen mehr werden als nur Tropfen auf den heißen Stein brauchen 
wir eine Organisation, mithilfe derer wir unsere Aktivitäten koordinieren können.

In den zurückliegenden zwei Jahren haben wir die Grundlagen einer solchen 
Organisation geschaffen. 2021 wird es darum gehen, von diesen Grundlagen aus die 
plattform weiter aufzubauen und unser Engagement in den sozialen Kämpfen weiter 
zu stärken.

Um das tun zu können, wollen wir wachsen und mehr werden, egal ob in den großen 
Städten oder in den kleinen Dörfern! Wenn wir dich also neugierig gemacht haben, 
dann melde dich doch einfach per E-Mail unter kontakt at dieplattform.org bei uns!

Was 2021 bringen wird ist noch ungewiss, klar aber ist, dass wir auch in den 
nächsten 365 Tagen den Kampf für die herrschaftsfreie Gesellschaft unermüdlich 
fortsetzen werden. Das erscheint uns angesichts der herrschenden Zustände 
alternativlos.

Auch 2021 ist nicht das Ende der Geschichte: Weiter fragend voran zur sozialen 
Revolution!

dieplattform.org/2021/01/01/jahresrueckblick-2021/


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