(de) fau.org: #UnitedAgainstTheDragon: Arbeiter*innen werden endlich bezahlt!

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Sa Jan 2 09:21:02 CET 2021


Nach monatelangen Protesten und internationalen Solidaritätsaktionen zahlen die 
Besitzer von zwei großen Bekleidungsfabriken endlich ausstehende Löhne und 
Abfindungen. ---- Die Arbeiter*innen der Dragon Sweater Fabrik in Dhaka, 
Bangladesch, wurden während der Pandemie (März 2020) entlassen, ohne dass ihnen 
ihre ausstehenden Löhne und Abfindungen ausgezahlt wurden. Durch die 
kontinuierliche Auseinadnersetzung formierte sich eine Bewegung, welche den Druck 
auf die Fabrikeigentümer aufrecht erhielt. Auch internationale Organisationen und 
Initiativen wie der Global May Day schlossen sich dieser an und führten 
Solidaritätsaktionen durch. ---- Die Textilarbeiter*innen, die für ihre 
ausstehenden Löhne und Abfindungszahlungen auf die Straße gingen, werden in drei 
Kategorien eingeteilt:

Kategorie 1: Arbeiter*innen mit festem monatlichen Gehalt (90)
Kategorie 2: Paid-Per-Piece Arbeiter*innen (PPP), deren Vergütung davon abhängt, 
wieviele Kleidungsstücke sie produzieren (300 - 320)
Kategorie 3: Abteilungsleiter, Kolleg*innen im Bereich des Qualitätsmanagements (65)

Im Oktober 2020 sollten die betroffenen Arbeiter*innen gemäß einer zwischen den 
Eigentümern, den Lohnabhängigen und Vertreter*innen der Regierung unterzeichneten 
dreiseitigen Vereinbarung in drei Raten ab Anfang November bezahlt werden. Die 
Eigentümer zahlten jedoch die erste Rate nicht und kündigten somit die 
Vereinbarung wieder auf.

Die Arbeiter*innen gaben jedoch nicht auf und nahmen ihre Aktionen wieder auf. 
Die Eigentümer wurden erneut zu Gesprächen gezwungen. Aber dieses Mal, angesichts 
der Militanz und der Langwierigkeit des Kampfes in Kombination mit der 
unnachgiebigen Haltung der Eigentümer, war die Arbeitsministerin selbst 
gezwungen, an den Treffen teilzunehmen.

Anfang Dezember wurde nun eine Einigung über die Bezahlung von 80 
Textilarbeiter*innen der Kategorie 1 erzielt. Die Gewerkschaft GWTUC (Garment 
Workers‘ Trade Union Center) legte jedoch eine umfassendere Liste vor, die 90 
Arbeiter*innen der Kategorie 1 auswies, deren Lohnzahlungen ausstanden. Nach den 
Verhandlungen erhielten alle 90 Arbeiter*innen der Kategorie 1, d.h. diejenigen, 
die auf monatlicher Basis bezahlt werden, die ihnen zustehenden Löhne und 
Abfindungen.

Für die Arbeiter*innen der Kategorie 2 (Paid Per Piece), wurde ein 
Untersuchungsausschuss gebildet, der die geschuldeten Löhne schätzen sollte. Das 
Komitee war von Anfang an einseitig und stark zugunsten der Eigentümer 
zusammengesetzt.
Schließlich schlugen die Eigentümer vor, 50 Prozent dessen zu zahlen, was den 
PPP-Arbeiter*innen eigentlich zusteht, was sie auf 1 Million Tk (etwa 10.000 
Euro) schätzten. Der Vorschlag der Eigentümer enthielt jedoch nicht den 
Mindestlohn, den auch die PPP-Arbeiter*innen laut dem Bangladesh Labor Act 2006 
jeden Monat erhalten sollten.

Nach Protesten der Textilarbeiter*innen sowie die GWTUC schlug die 
Arbeitsministerin vor, den Betrag auf 1,5 Millionen Tk zu erhöhen. Nach 
Berechnungen der GWTUC werden den Arbeiter*innen jedoch mehr als 3 Millionen Tk 
geschuldet. Angesichts der Langwierigkeit des Kampfes einigten sich alle 
beteiligten Parteien letztendich auf den Vorschlag, den Arbeiter*innen am 22. 
Dezember 2020 1,5 Millionen Tk zu zahlen. Die GWTUC plant die ausstehende 
Differenz der Gelder für die Arbeiter*innen der Kategorie 2 vor Gericht zu 
erstreiten.

Die Verhandlungen über die ausstehenden Zahlungen für Arbeiter*innen der 
Kategorie 3 sind jedoch ins Stocken geraten. Die Eigentümer weigern sich ihnen 
das zu zahlen, was ihnen zusteht. Nach Schätzung der GWTUC handelt es sich um 
einen Betrag von mehreren Millionen, der Jahrzehnte zurückreicht. Die GWTUC 
strebt hier ebenfalls einen Rechtsstreit vor den Arbeitsgerichten an. Laut 
Arbeitsgesetz darf kein*e Arbeiter*in entlassen werden, ohne alle ausstehenden 
Beträge zu zahlen. Ein kleiner Erfolg wurde jedoch bereits erzielt, da den 
Arbeiter*innen der Kategorie 3 zumindest ihre Beiträge aus dem Provident Fund 
(Vorsorgekasse) ausgezahlt wurden.

Internationale Solidarität
Der Kampf der ehemaligen Dragon-Arbeiter*innen hat sich in den Hundstagen der 
Pandemie intensiviert. Die Auseinandersetzung zwischen den Textilarbeiter*innen 
und den Eigentümern reicht jedoch bereits mehrere Jahrzehnte zurück. Die 
Dragon-Arbeiter*innen mussten immer darum kämpfen, ihre verdienten Löhne und 
Leistungen zu erhalten. Sie haben jahrelang unter unsicheren Arbeitsbedingungen 
geschuftet, was darin gipfelte, dass sie von den Eigentümern unter dem Vorwand 
der Pandemie illegal entlassen wurden.

Aber die Betroffenen blieben hartnäckig. Die Bewegung kann - angesichts der 
Gesamtsituation des Kampfes der Textilarbeiter*innen in Bangladesch - als ein 
Sieg der Arbeiter*innenklasse in Bangladesch gesehen werden. Besonders 
herausragend ist der beispiellose Internationalismus und die Solidarität, die von 
Gewerkschaften, Arbeiter*innenorganisationen und Genoss*innen auf der ganzen Welt 
gezeigt wurde, um sich an die Seite der Arbeiter*innen bei Dragon Sweater zu stellen.

In der langen Geschichte des Kampfes der Textilarbeiter*innen in Bangladesch ist 
dies das erste Mal, dass internationale Aktionen mit solch einer beispiellosen 
Koordination und Solidarität durchgeführt wurden. Die Global May Day Initiative, 
die Freie Arbeiter*innen Union (FAU), Industrial Workers of the World (IWW), die 
Internationale Konföderation der Arbeiter*innen (IKA), CNT (Spanien), FOB 
(Barsilien), FORA (Argentinien), FGWM (Myanmar), SAC (Schweden) und Freunde aus 
der ganzen Welt trugen ihren Teil dazu bei, die gerechten Forderungen der 
Dragon-Arbeiter*innen durchzusetzen.

Die internationalen Einkäufer (wie New Yorker, Lidl und Walmart) durch ständige 
Aktionen und Demonstrationen unter Druck zu setzen, spielten eine wichtige Rolle 
und zwangen die lokalen Fabrikbesitzer an den Verhandlungstisch.

Des Weiteren half die von den Genoss*innen auf der ganzen Welt unterstützte 
Spendenkampagne den Dragon-Arbeitern besonders dabei, ihre Entschlossenheit 
aufrechtzuerhalten. Die zusätzlichen Ressourcen werden für die dringend 
benötigten Lebensmittel und medizinische Grundversorgung sowie anstehende 
Rechtshilfe (gegen fälschlich eingereichte Anschuldigungen seitens der 
Fabrikbesitzers während des Kampfes) eingesetzt. Die GWTUC plant Anfang Januar 
mit der Verteilung der Hilfen zu beginnen, wenn die Spendenkampagne ihren 
Abschluss gefunden hat.

Insgesamt müssen wir sagen, dass die internationale Solidarität und 
Brüderlichkeit, die in diesem Kampf gezeigt wurde, für immer ein Meilenstein in 
der Geschichte der Arbeiter*innenbewegung in Bangladesch bleiben wird.

Nachrichten-Link: tbsnews.net

Arbeiter*innen auf der ganzen Welt vereinigt euch!

In Solidarität,

Mahmood Sadaat Ruhul
Abteilung für internationale Angelegenheiten
Garment Workers‘ Trade Union Center (GWTUC)

https://www.fau.org/artikel/unitedagainstthedragon-arbeiter-innen-werden-endlich-bezahlt


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