(de) die plattform: Ein Jahr nach dem rassistischen Terror in Hanau - Den Opfern gedenken, Rassismus bekämpfen!

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So Feb 28 08:22:58 CET 2021


Heute ist es genau ein Jahr her, dass ein Rechtsterrorist in Hanau neun Menschen 
aus rassistischen Motiven ermordete. Seit dem Anschlag organisieren die 
Betroffenen und Hinterbliebenen Erinnerungs- und Aufklärungsarbeit, um zu 
verhindern, dass die Namen ihrer ermordeten Angehörigen wie die Namen so vieler 
anderer Menschen einfach stumm in den staatlichen Statistiken verschwinden und 
vergessen werden. Im ganzen Land haben seit der Tat Kundgebungen und 
Demonstrationen stattgefunden, um die Botschaft und die Forderungen der 
Betroffenen weiterzutragen und ihnen Gehör zu verschaffen. ---- Auch heute, am 
ersten Jahrestag des Anschlags, werden trotz Corona wieder tausende Menschen im 
ganzen Land auf der Straße sein, um klarzumachen, dass sie die Opfer nicht 
vergessen und dass sie weiterhin fordern: Erinnerung! Gerechtigkeit! Aufklärung! 
Konsequenzen!

Denn seit dem Anschlag ist noch viel zu wenig getan worden, um tatsächlich zu 
verhindern, dass sich rassistischer Terror, wie er in Hanau stattgefunden hat, 
wiederholen kann. Der Staat, dessen Behörden selbst voller Rassist*innen stecken, 
zeichnet sich vor allem durch Untätigkeit aus. Uns sollte das nicht wundern, der 
Staat hat sich seit jeher vor allem durch die Aufrechterhaltung und sogar die 
Schaffung rassistischer Zustände ausgezeichnet, nicht durch ihre Bekämpfung. 
Lasst uns nicht vergessen: Es ist dieser Staat, der auch in der Pandemie Menschen 
abschiebt. Auch jetzt lässt er die Betroffenen des Anschlags alleine.

Lasst uns darüber hinaus nicht vergessen, dass die ganzen Kämpfe gegen 
rassistische Diskriminierung nicht erst seit Hanau geführt werden. Schon seit 
Langem wird dieser vor allem von Betroffenen und auch Aktivist:innen geführt. 
Tagtäglich müssen sich Diskriminierte und Ausgegrenzte gegen die Institutionen 
des Staates wehren. Das fängt bei z.B. rassistischen Polizeikontrollen an, zeigt 
sich in der schlechten Aufarbeitung von Seiten der Polizei und Justiz, oder in 
den schlechteren Möglichkeiten gesellschaftlicher Teilnahme und beruflichem 
Aufstiegs. Dies ist dabei nur ein kleiner Ausschnitt aus den alltäglichen 
Probleme von Betroffenen. Opfer von rechter Gewalt gibt es in der BRD dabei schon 
seit 1980, als Neonazis Ngoc Nguyen und Anh Lan Do ermordeten. Wir sollten bei 
den Opfern von Hanau auch an die Reihe an Menschen denken, die in der 
Vergangenheit gelitten haben und bis heute noch tagtäglich gegen Diskriminierung 
und Ausgrenzung kämpfen müssen. Die ist in den aller meisten Fällen eine Folge 
des Versagens der staatlichen Politik und dem mangelnden Willen der sogenannten 
weißen Mehrheitsgesellschaft, sich mit der Situation diskriminierter und 
ausgegrenzter Menschen auseinanderzusetzen.

Die Lösung heißt also antirassistische Selbstorganisation auf allen Ebenen. Es 
gilt eine Bewegung aufzubauen, die den Rassismus in Alltag und Behörden 
anprangert und bekämpft. Daran zu arbeiten, sind wir nicht nur den Opfern von 
Hanau, sondern allen Opfern rassistischer Gewalt schuldig.

Im Gedenken an Vili, Mercedes, Said Nesar, Gökhan, Sedat, Fatih, Ferhat, Hamza 
und Kaloyan!

Kampf dem Rassismus in Alltag und Staat!

https://www.dieplattform.org/2021/02/19/ein-jahr-nach-dem-rassistischen-terror-in-hanau-den-opfern-gedenken-rassismus-bekaempfen/


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