(de) Wiener ArbeiterInnen-Syndikat: Gedenkfeier zum Februar`34 in Ottakring

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Do Feb 25 07:42:14 CET 2021


Der 12. Februar ist jener Tag, an dem sich die Arbeiterschaft in Österreich im 
Jahr 1934 bewaffnet gegen den Austrofaschismus erhoben hat. Dieses Jahr hat sich 
das WAS an einer Gedenkfeier im Sandleitenhof - dem größten Wiener Gemeindebau 
der Zwischenkriegszeit - beteiligt. ---- GenossInnen auf der Gedenkfeier zum 12. 
Februar im Sandleitenhof, darunter auch GenossInnen des WAS mit schwarz-roter 
Fahne (2021). ---- Der Beginn des Bürgerkriegs in Österreich war der Versuch der 
bewaffneten ArbeiterInnen, sich gegen die herrschende Diktatur in Österreich 
sowie gegen den Faschismus allgemein, zu erheben. Übrigens hat es sich um den 
ersten bewaffneten Aufstand gegen den Faschismus in Europa gehandelt - hier in 
der Erscheinung des viel zu unbekannten Austrofaschismus unter Dollfuß, welcher 
zwischen Nationalsozialismus in Deutschland und Mussolini in Italien eine 
dauerhafte österreichpatriotische faschistische Identität als "zweite deutsche 
Nation" etablieren wollte. Dieses klerikalfaschistische System konnte mit seinen 
Milizen der Heimwehr, dem Bundesheer und der Polizei, den republikanischen 
Schutzbund und die bewaffneten ArbeiterInnen, bei an die 1600 Opfer, bis zum 16. 
Februar 1934 besiegen.

Das konnte nicht nur durch den (erneuten) Verrat der Führung der 
Sozialdemokratie, welche die Waffen an die kampfbereiten ArbeiterInnen nicht 
aushändigte, gelingen. Einen zentralen Punkt sehen wir auch darin, daß der 
geplante Generalstreik nicht umgesetzt wurde. So gelang es dem Bundesheer 
beispielsweise Truppen problemlos mit der Bahn durch ganz Österreich zu bewegen, 
während die meisten der rund 100.000 kampfbereiten ArbeiterInnen weiterhin auf 
die Waffen, die die Parteiführung versteckt hatte, warteten.

Die wenigen Kämpfe, die es dennoch gab, waren zum Scheitern verurteilt. So auch 
im Sandleitenhof in Ottakring, in dem damals 5000 Menschen lebten, der mit 15 
Maschinengewehren, 4 Kanonen und 2 Minenwerfern angegriffen wurde. Am Ort des 
Geschehens von vor 87 Jahren erinnerten wir diesen Freitag an die Ereignisse und 
den Versuch, sich gegen die Diktatur und den Faschismus zur Wehr zu setzen. Im 
Redebeitrag des WAS wurde in kritischer Solidarität mit den veranstaltenden 
GenossInnen der Antifaschistischen Aktion sowie der ATIGF/ Partizan betont, daß 
jedes hierarchische System derartige Gefahren mit sich bringt und die Befreiung 
der ArbeiterInnen bekanntlich nur das Werk der ArbeiterInnen selbst sein kann. 
Ebenfalls nicht unerwähnt blieben die Kontinuitäten innerhalb der ÖVP, die ihre 
faschistische Vergangenheit nie aufgearbeitet hat, auch gegenwärtig faschistoide 
Tendenzen an den Tag legt und gegen die Interessen der ArbeiterInnen handelt.

Gedenktstein im Sandleitenhof beim Ort der Gedenkfeier mit Blumen, Kerzen und 
Kranz der OrganisatorInnen (2021).

Die Feier im Sandleitehonf wurde mit kulturellem Rahmenprogramm wie Gedichten, 
ArbeiterInnenliedern und als Höhepunkt einer Kranzniederlegung begangen. Trotz 
klirrender Kälte haben zirka 25 Menschen teilgenommen und das Andenken an die 
KämpferInnen gegen Diktatur und Faschismus hochgehalten.

Aktion zum 12. Februar der Pankahyttn (2021).

Kurz hinweisen wollen wir auch noch auf eine Aktion der GenossInnen der 
Pankahyttn, die am 12. Februar um 7 Uhr morgens ihr - zum Gedenktag geschmücktes 
- Haus den NachbarInnen präsentierten und mit der sehr lautstarken Beschallung 
mit dem Lied "Arbeiter von Wien" auf die historischen Ereignisse aufmerksam machten.

Veröffentlicht auf dem WAS-Blog am 15.02. 2021, Kopieren mit Quellenverweis möglich.

https://wiensyndikat.wordpress.com/2021/02/15/gedenkfeier-zum-februar34-in-ottakring/


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