(de) anarcho syndikalismus: Weniger Leben = weniger Arbeit (Die Work-Life-Balance)

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Mi Feb 24 06:35:31 CET 2021


Die Solidarity Federation (SF-IAA) hatte Mitte Mai 2020 den folgenden Artikel 
veröffentlicht, der leider immernoch aktuell ist - nicht nur in Britannien. ---- 
Nach dem Applaus für das Gesundheitspersonal, ein paar Ideen zur Entschädigung: 
täglicher Dienstzuschlag, erhöhter Stundensatz und sogar ein Orden für's Arbeiten 
während der Pandemie. ---- Viele von uns im öffentlichen Gesundheitswesen (NHS) 
arbeiten im Schichtsystem - Tag und Nacht - das ganze Jahr. Uns tötet nicht nur 
das Virus, sondern auch unsere Schichtarbeit. Die Weltgesundheitsorganisation 
(WHO) hat 2007 festgestellt, dass Arbeiten im Schichtbetrieb wahrscheinlich 
krebserregend ist (Straif et al. 2007)[1]. Studien, wie die von Gu et al. 
(2015)[2], haben gezeigt, dass Schichtarbeit, vor allem nachts, unser Risiko für 
Herz-Kreislauf-Erkrankungen, psychische Probleme, Imunschwäche, Krebs und 
letztlich die Sterblichkeit erhöht.

Anstatt also unser Leben für eine geringe finanzielle Entschädigung derart kaputt 
zu arbeiten, wäre es nicht besser, wenn wir unser Leben zurück bekämen? Ein 
besseres Gleichgewicht von Arbeit und Leben würde eine verkürzte Arbeitswoche bei 
vollem Lohnausgleich bedeuten.

Die Personalbindung ist ja ein ständiges Thema im öffentlichen Gesundheitswesen 
und wenn uns mehr von unserem Leben zurückgegeben würde, könnte das doch 
hilfreich sein. Um den bereits bestehenden Personalmangel abzudecken, könnte man 
Erwerbslosen Jobs und Weiterbildungen in vielen verschiedenen Bereichen anbieten.

Das öffentliche Gesundheitsystem hat sich schon vor der Covid-19-Pandemie an 
einem kritischen Punkt befunden, wobei unsere Möglichkeiten Dienstleistungen 
anzubieten nicht den Bedarf der Gesellschaft und unserer Patient*innen decken 
kann. Wir müssen in unser Gesundheitspersonal investieren, aber auch in die 
nötige Infrastruktur.

Solche Verbesserungen sollten für alle da sein und jede*m zur Verfügung stehen. 
Es würde auch unsere Wirtschafts- und Erwerbstätigkeit anregen, wenn mehr Leuten 
Arbeit angeboten würde: Amblulanzdienste, Ingenieur*innen, Pförtner*innen, 
Köch*innen, Wissenschaftler*innen, Hilfsarbeiter*innen, Techniker*innen, 
Fachkräfte, Ärzt*innen, Pfleger*innen, Psychiater*innen, Reinigungspersonal, 
Rezeptionist*innen, Pharmazeut*innen, Verwaltungskräfte, Fahrer*innen, 
Einkäufer*innen, Bauarbeiter*innen, Instandhaltung, Erfinder*innen, 
Programmierer*innen, um nur einige zu nennen.

Die Gesundheitspflege betrifft alle Lebensbereiche (Person, Arbeit, Wohnen, 
Bildung, Ernährung) und wir sollten versuchen, das bestmögliche Gesundheitssystem 
aufzubauen. Dieses sollte auf gegenseitiger Hilfe gründen und auf einer 
Zusammenarbeit der öffentlichen Gesundheitsdienste in verschiedenen Ländern.

Wir leben und arbeiten in bisher nie dagewesenen Zeiten, in denen die Risiken 
momentan hoch sind, aber das waren sie auch schon vor der Pandemie. Unsere Leben 
stehen jedoch nicht zur Verhandlung - lasst uns einfach ohne Kompromisse weniger 
arbeiten.

Solidarity Federation Edinburgh

1) Straif, Kurt et al. (2007). Carcinogenicity of Shift-Work, Painting, and 
Fire-Fighting. Lancet Oncology, 8 (12): 1065-1066. 
https://doi.org/10.1016/S1470-2045(07)70373-X

2) Gu, Fangyi (2015). Total and Cause-Specific Mortality of U.S. Nurses Working 
Rotating Night Shifts. American Journal of Preventive Medicine, 68 (3): 241-252. 
https://doi.org/10.1016/j.amepre.2014.10.018

Quelle:
http://www.solfed.org.uk/edinburgh/reduced-life-reduced-work-the-worklife-balance

Übersetzung:
Anarcho-Syndikalistisches Netzwerk - ASN Köln (CC: BY-NC)

https://anarchosyndikalismus.blackblogs.org/2021/02/17/weniger-leben-weniger-arbeit/


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