(de) ruhr die plattform: Vom bunten Bahnfahren und heuchlerischer Werbung

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Mo Feb 22 07:08:08 CET 2021


Wer in den letzten Tagen in der Dortmunder Stadtbahnstation "Stadtgarten" ein- 
oder umgestiegen ist, um trotz Pandemie und Schneechaos in der Früh zur Arbeit zu 
hetzen, der hat vielleicht auch schon die neue Werbung der DSW21, der Dortmunder 
Stadtwerke, erblickt. ---- Schön über dem Treppenaufgang angebracht steht da: 
"DSW21 - Wir fahren bunt". Im Hintergrund zu sehen: Eine Menschenmenge, viele 
unterschiedliche Gesichter, viele unterschiedliche Haarfarben und Hautfarben. 
Alle lächeln diese Menschen freundlich der*dem geneigten DSW21-Kund*in entgegen. 
"Schön!" denkt man sich da doch erst einmal. Auch die Dortmunder Stadtwerke 
setzen sich nun anscheinend für Diversität ein und heißen auch nicht-weiße 
Menschen willkommen. Also eigentlich alles super, oder?

Es dauert keine zwei Minuten bis dieses Scheinbild zerbricht und in tausend 
Scherben auf dem Boden der Stadtbahn klirrt, genau zu den Füßen des Kontrolleurs, 
der sich gemeinsam mit den übrigen Fahrgästen in die Bahn geschlichen hat und der 
jetzt mal wieder ein paar Leute fertig macht, die sich doch eh schon kein Ticket 
leisten können. Und wie das bei Polizist*innen, Kontrolleur*innen und sonstigen 
Ordnungshüter*innen halt so ist, treffen diese Ticketkontrollen irgendwie 
auffällig oft schwarze Menschen und People of Colour, also genau die nicht-weißen 
Menschen, die mich eben noch vom DSW21 Plakat so freundlich angegrinst haben. 
Zufall? Racial Profiling? Man weiß es nicht...

Schnell wird also klar, was wirklich hinter dem Werbespruch der DSW21 steckt: 
"Wir fahren bunt", aber eben nur, wenn du genügend Kohle für ein Ticket hast und 
wir dich nicht wegen Äußerlichkeiten kontrollieren und dran kriegen. Die 
heuchlerische Werbung der Stadtwerke soll verbergen, welche menschenfeindliche 
Realität sich täglich in den Stationen der Stadtwerke abspielt. Denn die 
Stadtwerke sind eben kein freundlicher, anti-rassistischer Kaffeefahrten-Verein, 
sondern ein kapitalistisches Unternehmen, das dich rausschmeißt und mit 
Bußgeldern überzieht, wenn du dir nicht ihre horrenden Ticketpreise leisten 
kannst oder willst.

In diesem Sinne wäre mehr "buntes Fahren" vielleicht wirklich mal angebracht. 
Denn was die DSW21 wohl nicht bedacht hat, ist, dass die Formulierung des 
Buntfahrens auch in einigen Kreisen als alternatives Wort zum

https://ruhr.dieplattform.org/2021/02/14/vom-bunten-bahnfahren-und-heuchlerischer-werbung/


Mehr Informationen über die Mailingliste A-infos-de