(de) bielefeld.fau: Erneuerung und Reform der Arbeiter:innen:bewegung
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Do Feb 18 10:27:37 CET 2021
[aus der DIREKTEN AKTION - Anarchosyndikalistische Zeitung] ---- Ein Plädoyer für
den Anarcha-Syndikalismus Von: Lucien van der Walt ---- Danke für die Einladung
zu diesem Panel[1], zusammen mit der Genossin Hilary Wainwright, einer
Schlüsselfigur der britischen feministischen und sozialistischen Bewegung und
Redakteurin von Red Pepper, dem Genossen Ozzi Warwick von der Oilfields Workers'
Trade Union in Trinidad und Tobago und dem Genossen Martin Egbanubi vom Michael
Imoudu National Institute for Labour Studies in Nigeria. Es gibt eine erfreulich
große Schnittmenge zwischen den unterschiedlichen Beiträgen, insbesondere durch
den Fokus auf die Selbsttätigkeit und auf das immense schöpferische Potenzial der
Arbeiterklasse und der armen Leute, als Organizer, als Rebellen und als Schöpfer
neuer Modelle und Ideen.
In diesem Beitrag möchte ich über die Rolle der Selbsttätigkeit einfacher
Arbeiter sprechen, als ein Mittel zur Neugestaltung der Gesellschaft und als ein
Mittel, die Gesellschaft in eine andere Richtung zu lenken, als wir uns derzeit
bewegen. Ich möchte einen Diskurs über die Rolle und das Potenzial der
Gewerkschaften als Motor für einen fortschreitenden Wandel und über die
Möglichkeiten dieses Wandels eröffnen. Ich möchte nicht darüber streiten, welche
Traditionen der Linken und der Arbeiterbewegung richtig und welche falsch sind,
sondern vielmehr versuchen, die Grenzen dessen, was Gewerkschaften unserer
Meinung nach erreichen können, zu erweitern. Und ich möchte dies tun, indem ich
mich mit den Kernthesen der radikalsten, aber vielleicht am meisten
missverstandenen der großen linken Traditionen beschäftige: dem Syndikalismus.
Es ist ziemlich offensichtlich, dass die Welt in einem riesigen Chaos steckt. Es
ist auch ziemlich offensichtlich, dass das gegenwärtige politische System die
normale Bevölkerung kaum noch erreicht. Gleichzeitig ist es ein Fakt, dass ein
großer Teil der Frustration der einfachen Leute und ein großer Teil des Leidens
und der Unsicherheit, die das heutige Leben kennzeichnen, von rechtsgerichteten,
fremdenfeindlichen und nationalistischen, ethnischen und religiösen
fundamentalistischen Kräften instrumentalisiert wird.
Das ist der Kontext, in dem wir innerhalb der Linken einen Dialog eröffnen müssen
und in dem wir uns mit der Werkzeugkiste aus linken Ideen und linker Geschichte
befassen müssen, mit dem kollektiven Erfahrungsschatz der Vergangenheit, den
schmerzhaft erlernten Lektionen und den erfolgreichen Ansätzen, um neu zu
überdenken, wie wir unsere Kämpfe kreativ vorantreiben können. Ja, wir müssen
Dogmen vermeiden, um nicht vorgefertigte Denkmuster zu forcieren, ohne sie in den
entsprechenden Kontext zu setzen. Dennoch brauchen wir die Bilanz vergangener
Erfahrungen. Wir müssen eine konsequente Diskussion führen, aber obwohl wir alten
Wein nicht einfach in neue Schläuche füllen sollten, sollten wir genauso
vermeiden, die Werkzeugkiste wegzuwerfen, indem wir Ansichten, die wir nicht
mögen, als»dogmatisch«oder veraltet bezeichnen.
Der Kern des Syndikalismus
Herzstück des Syndikalismus ist die Annahme, dass basisdemokratische - von Staat
und Parteien unabhängige - Gewerkschaften im Hier und Jetzt die Forderungen von
Arbeitern verteidigen und vorantreiben sollen und sie gleichzeitig dabei
unterstützen sollen, die technischen, organisatorischen und ideologischen
Fähigkeiten zu entwickeln, die es der gesamten Arbeiterklasse durch ihre
Selbsttätigkeit ermöglicht, ihre Macht, ihre Forderungen und ihre Rechte im
kapitalistischen Rahmen zu verteidigen und voranzutreiben - aber auch durch die
Gewerkschaften den Kern einer neuen sozialen Ordnung zu bilden. Eine neue
Gesellschaftsordnung, die auf der Selbstverwaltung der Arbeiter basiert, auf
einer demokratischen Wirtschaftsplanung und auf der Macht des Volkes und der
Kontrolle durch die Arbeiter.
Dieser als Embryo-These bezeichnete Ansatz beinhaltet, dass die
Gewerkschaftsstrukturen selbst die Grundlage, den Kern dieser neuen
Gesellschaftsordnung bilden können, um die schon oft vorgefundene Situation zu
vermeiden, dass die Arbeiterbewegung lediglich anderen politischen Kräften zur
Staatsmacht verhilft.
Bei diesem Ansatz ist die Selbsttätigkeit der Arbeiterklasse sowohl das Mittel
zum Zweck als auch das Ziel des Kampfes für die Arbeitermacht. Der Kampf für
Arbeitermacht und Emanzipation wird nicht nur kurzzeitig geführt und dann an
andere Kräfte, wie politische Parteien und den Staat, ausgelagert, sondern wird
alltäglich durch Selbsttätigkeit entwickelt; der Kampf selbst ist dabei der Kern
der neuen Gesellschaftsordnung.
Nun zu einigen allgemeinen Punkten, die ich ansprechen möchte, bevor ich mich mit
einigen anderen Gewerkschaftstraditionen beschäftige.
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http://bielefeld.fau.org/2021/02/10/erneuerung-und-reform-der-arbeiterinnenbewegung/
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