(de) FAU Dresden: Aufruf: Streik am 8. März 2021 - Nicht zurück zum Normalzustand!

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Sa Feb 13 08:11:52 CET 2021


Aufruf der AG Feministische Kämpfe in der FAU Dresden zum 8M 2021 ---- In 
Krisenzeiten tritt patriarchale Herrschaft noch deutlicher zutage als sowieso 
schon. Der feministische Streik als praktische Verweigerung ist wichtiger denn 
je. Seit Jahren gibt es internationale feministische und 
Frauen-Streik-Bewegungen, sogar im streikfaulen Deutschland. Wir als kämpferische 
Basisgewerkschaft wollen diese Bewegungen gern stärken, wir sind selbst Teil von 
ihnen.Was uns seit Jahren beschäftigt: Wie können wir langfristig wirklich 
massenhaft streikfähig werden, damit wir feministische Forderungen durchsetzen 
können? Auch (aber nicht nur) in der bezahlten Lohnarbeit? Wir trauen uns vieles 
nicht, manchmal wissen wir auch einfach nicht Bescheid über unsere Rechte und 
Möglichkeiten. Unsere Streikrechtsbroschüre von 2019 hat auch in der Corona-Zeit 
noch Gültigkeit. In Ergänzung dazu gehen wir hier den Fragen nach, wie Streiken 
während Corona eigentlich konkret aussehen kann? Wie erlangen wir Streikfähigkeit 
bzw. was können wir jetzt schon tun?

Was würden denn Frauen und Queers bestreiken, wo arbeiten und lernen wir denn? 
Das sind vielfach die sogenannten "systemrelevanten" Berufe, wie Krankenpflege, 
Soziale Arbeit und Bildung... Es sind Schulen und Ausbildungsstätten. Es ist aber 
auch die v.a. von FLINTA (Fußnote: Frauen, Lesben, inter, nichtbinären, trans und 
agender Personen) geleistete Haus- und Sorge-Arbeit, sei es im Job, zu Hause, in 
der Nachbar:innenschaft... Oft arbeiten wir irgendwie anders als in einem 
klassischen Produktionsbetrieb, wo im Streikfall die gesamte Belegschaft auf 
Streikposten mit verschränkten Armen das Werkstor bewacht und das "Fließband" 
still steht. Unsere Arbeit ist oft unsichtbar und wird v.a. dann sichtbar, wenn 
sie plötzlich nicht mehr passiert (siehe dazu Video der Kabarett-Sendung Browser 
Ballett).

Und das Fiese an Sorge-Arbeit ist, dass sie vielfach nicht einfach niedergelegt 
werden kann, ohne dass Menschen leiden oder gar sterben würden.Ein feministischer 
Streik muss deshalb immer auch ein solidarischer Streik sein: u.a. 
Sorge-Arbeiter:innen können "weiche" Streikformen erproben, aber noch wirksamer 
ist es, wenn zusätzlich andere klassisch in den Streik treten, nicht nur für ihre 
eigenen Interessen, sondern auch stellvertretend für die Sorge-Arbeiter:innen und 
für die Durchsetzung ihrer Forderungen.

Corona ändert daran nur, dass diejenigen, die sich jetzt eigentlich umso mehr 
organisieren und streiken müssten, es noch weniger können. Gleichzeitig sind 
viele von uns ins Home-Office umgezogen und das "Werkstor" ist die eigene 
Haustür. Das führt aber nur zu immer mehr und neuen Streikformen!

Was also können wir konkret tun?
Verschiedenes verweigern: Tu etwas nicht!

Einfach mal keine Mails lesen und schreiben, niemandem hinterher telefonieren 
oder erst gar nicht ... aufstehen.
Kommunikation bestreiken, z.B. durch Abwesenheitsnotizen in sozialen Medien, 
Email, auf der Mailbox etc.
Tritt in den Lächelstreik: Es gibt gerade und gab auch schon vor Corona nicht 
allzu viel zu lachen, deswegen tu es einfach mal nicht und brich mit der 
Erwartung, gerade an FLINTA, immer freundlich und zuvorkommend zu sein.
Bandagiere deine Hände und sag, dass du heute auf gar keinen Fall was tippen 
kannst. Haushaltsunfälle sind die häufigsten Arbeitsunfälle, auch wenn sie nicht 
als solche anerkannt werden.
Bummelstreik: alles seeeeeehhhhhhhhhrrrrrrrr laaaaaangsaaaaaaam tuuuun... auch reden.
Oder du hast vielleicht Erkältungssymptome und bleibst deswegen sicherheitshalber 
zu Hause. Oder lasst euch gleich krank schreiben. Aktuell ist das noch mindestens 
bis zum 31. März 2021 telefonisch möglich.
Vielleicht streikt aber auch das Internet oder dein PC zu Hause und du kannst 
deswegen nicht arbeiten oder an einer Videokonferenz teilnehmen.
Wenn du gerade keinen bezahlten Job hast: keine Mails vom Jobcenter oder 
Arbeitsamt öffnen, Telefonate beantworten oder Bewerbungen schreiben.
Dokumentationsstreik, z.B. in der Pflege: zwar kannst du vermutlich nicht 
aufhören, deine Patient:innen zu pflegen, aber du kannst dich weigern, deine 
Arbeit zu dokumentieren, was für die Abrechnung der Leistungen bei Krankenkassen 
etc. wichtig ist.
Streik, also die komplette Arbeitsniederlegung.
Und wenn du, aus welchen Gründen auch immer, nicht streiken kannst, könnte ja aus 
Versehen auch immer noch was kaputt gehen... Scherben bringen Glück!
Möglichkeiten der Streik-Ansage: Sag, dass du streikst!

Transparent/Plakat am Fenster a) an bestreikter Arbeitsstelle b) am eigenen 
Fenster zu Hause. Wo ist gerade dein "Werkstor"?
Mach eine kämpferische Mittagspause: Geh raus aus dem (Home) Office, nimm dir ein 
Transparent/Plakat mit deiner Streikansage oder -forderung mit, setz dich auf 
einen Stuhl, mach Fotos und teile diese, zum Beispiel mit deinen Kolleg:innen.
in Videokonferenzen:
Transparent/Plakat oder Äquivalent im Hintergrund (oder Vordergrund?!)  nutzen. 
Da könnte z.B "Ich streike, weil..." oder deine Forderung draufstehen.
die Konferenz in der Küche stattfinden lassen und dabei Hausarbeit erledigen, um 
zu zeigen, dass die auch gemacht werden muss - bei all der Lohnarbeit, die gerade 
zu Hause stattfindet.
Kinder mit einladen, oder sie zumindest nicht davon abhalten, reinzugrölen und in 
die Tasten zu greifen.
im Schlafanzug teilnehmen.
Streikerklärung per Email an Chef:innen, Lehrer:innen usw. verschicken
Gemeinsam mit anderen Mal-Verteiler, Adresslisten und Social Media-Kanäle mit 
unseren Streikmeldungen, -mitteilungen und -gründen fluten
Schreibe eine Überlastungs- bzw. Gefährdungsanzeige an deine:n Chef:in.
Wenn du gerade keinen bezahlten Job hast: Wenn beim Jobcenter oder Arbeitsamt 
pausenlos Leute mit unterdrückter Nummer die Infonummer anrufen würden, wären die 
Kanäle schnell blockiert. Und vielleicht freuen sich ja die Mitarbeiter:innen im 
Telefonservice darüber, wenn ihnen jemand eine schönere Warteschleifenmusik 
vorspielt und ihnen so auch mal eine Pause verschafft?
Der 8. März ist ein guter Anlass, um zum Beispiel eine Videokonferenz als 
Streikposten oder Streik-Café zu nutzen, dich mit deinen Kolleg:innen zum 
entspannten Frühstück zu treffen und dich mit ihnen über eure Arbeitsbedingungen 
und wir ihr die langfristig verbessern könntet, auszutauschen.
Denn: Je mehr und je organisierter wir sind, umso besser können wir mögliche 
negative Konsequenzen unserer Streiks und Aktionen gemeinsam abfedern und die 
positiven gemeinsam genießen.

Wir streiken - für: Nicht Zurück zum Normalzustand!
Weitere Infos hier:

F*Streik Netzwerk Dresden: E-Mail: f_streikdresden at riseup.net, Facebook: 
https://www.facebook.com/frauenstreikdresden, Instagram: 
https://www.instagram.com/fstreiknetzwerk.dresden/
AG Feministische Kämpfe in der FAU Dresden: faudd-femkaem at list.fau.org
Broschüre "Sreiken ist unser gutes Recht. Rechtliches und praktische Tipps für 
Streiks und andere Arbeitskämpfe in Deutschland" von 2019
Broschüre "Wir streiken! Sei du auch dabei!" mit weiteren Streik- und Aktionsformen
Kurz zum Bestreiken unbezahlter Arbeit

https://dd.fau.org/2021/02/06/aufruf-streik-am-8-maerz-2021-nicht-zurueck-zum-normalzustand/


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