(de) Newsletter des ASN Köln, Nr. 14 - Armut, Rassismus und Wirtschaftskrise in der Corona-Pandemie

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Mi Feb 10 08:17:48 CET 2021


Ein Brief des Anarchosyndikalisten Sarthak Tomar von Muktivadi Ekta Morcha (MEM) 
aus Bhopal "über die verheerenden wirtschaftlichen und politischen Folgen der 
Corona-Krise in Indien, das neben den USA und Brasilien zu den Ländern gehört, 
die von der Pandemie am härtesten betroffen wurden". ---- Tomar berichtet, dass 
die Mehrheit der erwerbsfähigen Inder*innen arbeitslos gemacht wurden. Sie seien 
"hoffnungslos und innerlich gebrochen", da sie die Aussicht auf eine 
Erwerbsarbeit aufgegeben hätten. Die kapitalistische Wirtschaft auf dem indischen 
Subkontinent voraussichtlich weiter schrumpfen und die Arbeiter*innen in Armut 
und Elend stürzen. Zu Beginn des Lockdown wurden rund 10 Millionen 
Wanderarbeiter*innen arbeitslos, konnten ihre Mieten in den Städten nicht mehr 
bezahlen und machten sich zu Fuß auf wochenlange Märsche in ihre Heimatdörfer.

Gleichzeitig ist bekannt, dass die besitzende Klasse fast
80% des gesamten Reichtums im Land besitzen, während
viele Millionen Menschen sich keine medizinische
Versorgung in dem kaputtgesparten und privatisierten
Gesundheitssystem leisten können - Hunderttausende
sind bereits an Covid-19 gestorben oder haben aus
Verzweiflung Selbstmord begangen. Doch die hindunationalistische Regierung Modi 
(Bharatiya Janata Party)
gibt das Geld lieber für hohe Rustungsausgaben aus, um
einen rassistischen Klassenkrieg gegen Muslime und
Ausländer*innen zu führen. Wer keine staatlichen
Ausweispapiere besitzt, dem droht sogar Haft im
Internierungslager. Brutale Mobs von Hindu-Männern
terrorisieren und ermorden ihre Gegner*innen auf offener
Straße, was von der Polizei meist geduldet oder sogar
unterstützt wird.
Die Proteste gegen das anti-muslimische Gesetz zur
Staatsbürger*schaft (Citizenship Amendment Act) wurden
von stattlicher Repression angegriffen und letztlich durch
den Pandemie-Lockdown beendet. Ende 2020 wurden
mehrere Landwirtschaftsgesetze und Arbeitsrechtsverordnungen im Parlament 
durchgedrückt, welche eine
kapitalfreundliche Politik zugunsten der Großunternehmen
absichern. Die Gewerkschaften der Landarbeiter*innen
und Bäuer*innen protestieren dagegen auch mit direkten
Aktionen, wie Besetzungen und Blockaden von
Eisenbahnstrecken, Einkaufszentren und Fabriken der
Großindustrie.
Auch die kleine Basisgewerkschaft "Muktivadi Ekta
Morcha" (MEM-IAA), berichtet Sarthak Tomar weiter, hat
mit lokaler Untersützung ein Netzwerk für Gegenseitige
Hilfe in der Stadt Bhopal gegründet, um verarmte
Tagelöhner*innen mit dem Nötigsten zu versorgen. Auch
in der Nähe von Kalkutta wurde ein ähnliches Projekt
gestartet. Finanzielle Unterstützung leistete die
Internationale Arbeiter*innen-Assoziation (IAA), der sich
die MEM angeschlossen hat. Dadurch konnte zahlreiche
Erwerbslosen unterstützt werden, die ihren Job als
Essens-Lieferant*innen verloren hatten, da Restaurants
geschlossen wurden. Auch eine Nachbarschaftsbibliothek
hat die Basisgewerkschaft gegründet, gemeinsam mit
Kindern, die jetzt nicht mehr zur Schule gehen können.
Am Ende des Briefes aus Bhopal macht Sarthak Tomar
deutlich: "Hoffnung auf ein Überleben und eine bessere
Zukunft kann es nur geben, wenn all Diejenigen, die auf
den Straßen sind und protestieren - die Muslime, die
[indigenen]Dalits, die Bauern und Bäuerinnen, die
digitalen Plattformarbeiter*innen -, zusammen mit den
jungen Klimaaktivist*innen ihre Kampagnen erfolgreich
fortführen und ausweiten."
Quelle: espero - libertäre Zeitschrift, Nr. 2 (Special: "Die
CoronaKrise und die Anarchie"), Januar 2021, S.195 ff. (PDF, 6 MB)
https://edition-espero.de/archiv/espero_NF_002_2021-01.pdf

https://asnkoeln.files.wordpress.com/2021/01/anarchosyndikalismus-international-nr14-winter-2020-21.pdf


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