(de) AND: ZOONOSEN: 31. Januar 2021Nachrichten, Zine

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Fr Feb 5 07:05:24 CET 2021


Seit Monaten ist die Regierung und die Pharmaindustrie u.a. durch die Erforschung 
eines Impfstoffes bestrebt die Symptome der Covid 19 - Pandemie einzudämmen und 
zu bekämpfen. Was unbeachtet und vernachlässigt bleibt, ist die eigentliche 
Ursache, die diese Pandemie erst ermöglicht hat. Unser gesellschaftliches 
Mensch-Tier-Verhältnis bleibt unangetastet und die Bestrebung dies grundlegend 
ändern zu müssen, wird konsequent ignoriert und als nicht umsetzbar abgetan. Aus 
diesen Gründen ist es uns ein Anliegen folgenden Textauszug in unserem Zine zu 
veröffentlichen: ---- ZOONOSEN ---- Wenn Krankheiten Speziesgrenzen überschreiten 
---- von Ina Schmidt (gekürzte Version)
Zoonosen sind Infektionskrankheiten, welche wechselseitig über Speziesgrenzen 
hinweg übertragenwerden.[...]Zu den ältesten der mehr als 200 bekannten 
Zoonose-Krankheiten zählen unter anderem Tuberkulose, Tollwut, Pest, Cholera und 
Influenza sowie zahlreiche lebensmittelbedingte Infektionskrankheiten wie 
Salmonellose und Listeriose. Hinzu kommen viele neu auftretende Krankheiten wie 
Ebola, SARS, MERS und verschiedene antibiotika(multi)resistente Erreger.
[...]
Insbesondere aufgrund zunehmender Umweltzerstörung, Klimaveränderungen und der 
intensiven Ausbeutung von Tieren und Natur sind Zoonosen weltweit von wachsender 
Bedeutung. Eine im Jahr 2008 in der Fachzeitschrift Nature veröffentlichte 
Studie[1]untersuchte den Ursprung von 335 Infektionskrankheiten, welche zwischen 
den Jahren 1940 und 2004 identifiziert wurden. 202 der sogenannten neu 
auftretenden Infektionskrankheiten (Emerging Infectious Diseases, kurz: EIDs) 
haben demnach einen zoonotischen Ursprung. Rund 60 Prozent der Erreger wurden 
also von nichtmenschlichen Tieren auf Menschen übertragen. Mit mehr als 70 
Prozent stammt die Mehrheit dieser Zoonosen von sogenannten Wildtieren. Wie die 
Studie ebenfalls zeigt, nahm die Anzahl der Infektionskrankheiten über die 
Jahrzehnte stetig und deutlich zu und erreichte ihren Höhepunkt in den 1980er Jahren.
[...]
Basierend auf den Daten des Netzwerkes Global Infectious Disease and Epidemiology 
(GIDEON) untersuchten Wissenschaftler*innen der US-amerikanischen Brown 
University mehr als 12.000 Ausbrüche von 215 Infektionskrankheiten, die in den 
Jahren von 1980 bis 2013 in 219 Ländern auftraten und rund 44 Millionen Menschen 
betrafen.[2]Die Ergebnisse belegen eine Verdreifachung der Ausbrüche von 
Infektionskrankheiten seit den frühen 1980er Jahren.
[...]
Dass sich (zoonotische) Infektionskrankheiten häufen, ist ein Debakel mit Ansage. 
Denn ihre Entstehung ist ein Zusammenspiel der Zerstörung von natürlichen 
Lebensräumen und der Abnahme der Artenvielfalt. In intakten (Regen-)Wäldern 
verteilen sich die in ihnen lebenden Tiere und die Individuen begegnen sich nur 
selten. Krankheitsausbrüche werden schnell begrenzt, da infizierte Tiere nur 
wenige andere Tiere anstecken können. Die Krankheitsausbreitung wird somit rasch 
wieder gestoppt. Anders verhält es sich in gestörten Lebensräumen. Sterben 
bestimmte Tierarten aus und die Artenvielfalt nimmt ab, besetzen die überlebenden 
und anpassungsfähigeren Tierarten den gesamten Lebensraum. Die 
"Populationsdichte" nimmt zu. Das Infektionsrisiko steigt. Und mit ihm nimmt auch 
die Wahrscheinlichkeit von Mutationen zu, welche letztlich auch die Artenbarriere 
durchbrechen könnten. Gleichzeitig verlieren Tierarten, deren Individuenzahl 
abnimmt, ihre genetische Vielfalt, welche insbesondere bei Immungenen und der 
Abwehr von Erregern eine besonders wichtige Rolle spielen. Aufgrund intensiver 
Landnutzung, (Regen-)Waldzerstörung und Klimaveränderungen, werden natürliche 
Lebensräume außerdem immer kleiner.Tiere teilen sich die verbliebenen Gebiete und 
müssen immer enger zusammenrücken. Auch dringen Menschen mit ihren "Nutztieren" 
tiefer in Lebensräume vor. Die unmittelbare Nähe von Menschen, "Nutz-" und 
"Wildtieren" erhöht das Infektionsrisiko zusätzlich. Auch auf (Wild-) Tiermärkten 
kommen viele Tiere unterschiedlicher Spezies auf engstem Raum zusammen, die sich 
ansonsten gar nicht begegnen würden. So erhöhen diese Märkte wie auch der Verkauf 
von "Buschfleisch" die Wahrscheinlichkeit der ansonsten beschränkten Entwicklung 
neuer Viren.[...]Wenn viele Individuen auf engem Raum zusammenkommen, steigt das 
Risiko von Infektionskrankheiten.[...]Für einen bestmöglichen Schutz vor 
Infektionskrankheiten ist genetische Vielfalt von großer Bedeutung. In der 
Tierindustrie beschränkt sich die Zucht jedoch meist auf einen sehr kleinen 
Genpool, was die betroffenen Tiere zusätzlich anfälliger macht für 
Infektionskrankheiten. Welches Potential die Tierindustrie für die Entstehung 
neuer Infektionskrankheiten hat, zeigte sich bereits deutlich in der 
Vergangenheit. So sind insbesondere Schweine, aber auch "Geflügel" und Rinder, 
von wesentlicher Bedeutung bei der Entstehung neuer Viren in der Tierindustrie - 
und das nicht nur in der sogenannten Massen- oder, beschönigender ausgedrückt, 
Intensivtierhaltung. Schweine sind eben, wie auch andere Tiere, nicht nur Ware, 
sondern Lebewesen. Schweine können sich sowohl mit Vogelgrippe, als auch 
menschlichen Influenzaviren infizieren.[...]Was das letztlich bedeuten kann und 
welches Potenzial zur Entstehung neuer (humanpathogener) Viren die Tierindustrie 
tatsächlich hat, zeigt sich beispielhaft am Influenzavirus A/H1N1/2009, 
umgangssprachlich auch als "Schweinegrippe" bezeichnet. Dem hochansteckenden 
Virus gelang es im Frühjahr 2009 von Schweinen auf Menschen überzuspringen und 
sich binnen weniger als zwei Jahren ausgehend von Mexiko über die USA und 
letztlich die ganze Welt auszubreiten. Weltweit starben in der Folge mehr als 
280.000 Menschen an der Schweinegrippe[3].Bereits vor gut 100 Jahren schaffte es 
schon einmal ein Influenzavirus, ebenfalls vom Subtyp A/H1N1, den Weg aus dem 
Schweinestall zum Menschen: Die sogenannte Spanische Grippe[4]begann im März 
1918, gut ein halbes Jahr vor Ende des Ersten Weltkriegs, im US-Bundesstaat 
Kansas als gewöhnliche Grippe und verlief zunächst harmlos mit Husten und Fieber, 
wenige Infizierte starben. Ehe es zu einer zweiten Infektionswelle im Herbst 1918 
kam, mutierte das Virus erneut. Das hochinfektiöse Virus wurde aber nicht 
schwächer, wie es meist der Fall ist, sondern tödlicher. An der Spanischen Grippe 
starben in den Jahren 1918 bis 1920 Schätzungen zufolge 50 Millionen 
Menschen.[5]Andere Schätzungen gehen sogar von bis zu 100 Millionen Toten aus. 
Die Spanische Grippe tötete damit mehr Menschen, als der Erste Weltkrieg (17 
Millionen).[6]
[...]
Während in Gesellschaft und Politik viel für den Erhalt von Unternehmen, Konzern 
und ganzen Wirtschaftszweigen unternommen wird, leiden unter Epidemien und 
Pandemien insbesondere diejenigen, die ohnehin ganz unten in der Gesellschaft 
stehen. Besonders betroffen sind Menschen, die sich auf der Flucht befinden, in 
Lager und Knäste gesperrt werden, die Hunger leiden oder keinen Zugang zu 
medizinischer Versorgung und Hygienemöglichkeiten erhalten. Ebenso leiden und 
sterben unzählige nichtmenschliche Individuen in Tierversuchen für die 
Grundlagenforschung und Impfstoffentwicklung.[7]
[...]
Sowohl die direkten als auch indirekten Folgen von Epidemien beziehungsweise 
Pandemien sind derart weitreichend, dass sie mit einem einfachen Blick kaum zu 
überschauen sind. Zweifelsfrei ist, solange sich politisch wie gesellschaftlich 
nicht grundlegend etwas ändert, werden auch in Zukunft bekannte wie neue 
Infektionskrankheiten viel Leid mit sich bringen.

[1]www.nature.com/articles/nature06536.pdf
[2]https://doi.org/10.1098/rsif.2014.0950
[3]https://de.statista.com/statistik/daten/studie/1101352/umfrage/fallzahl-und-todesop-fer-ausgewaehlter-virusausbrueche-weltweit/
[4]www1.wdr.de/stichtag/stichtag7314.html
[5]https://de.statista.com/statistik/daten/studie/28944/umfrage/anzahl-der-todesfaelle-durch-grippe-pandemien/
[6]https://de.wikipedia.org/wiki/Erster_Weltkrieg
[7]Siehe hierzu auch: Bündnis für gesellschaftliche Tierbefreiung: 
Hintergrundtext 1 - KeineTierversuche für die Bekämpfung von COVID-19. 
www.tierbefreier.org/tierversuche-covid-19/

Auszüge aus dem originalen Text "Zoonosen. Wenn Krankheiten Speziesgrenzen 
überschreiten" von Ina Schmitt. Veröffentlicht in der Zeitschrift 
"Tierbefreiung", Heft 108.https://www.tierbefreiung.de/tierbefreiung-108/

Diesen und weitere Artikel findest du in unserem Zine: Zusammenhalt - Solidarität 
und Kritik in der Coronapandemie.

https://and.notraces.net/2021/01/31/zoonosen/


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