(de) leipzig.fau: [PM] Auf Fusion von Durstexpress und Flaschenpost folgt Massenentlassung - Kundgebung am 28.01 angekündigt
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Mi Feb 3 07:38:20 CET 2021
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Vor gut einer Woche wurde den Beschäftigten des Durstexpress-Standortes in
Leipzig per E-Mail mitgeteilt, dass ihr Betrieb sowie dazugehörige Arbeitsplätze
nach der Fusion mit Flaschenpost erhalten bleiben. 49 Minuten später erhielten
die Beschäftigten eine zweite E-Mail: Der Standort wurde "nach objektiven
Kriterien analysiert" und es wurde bekannt gegeben, dass das Durstexpress-Lager
am Standort Leipzig geschlossen wird. Mitarbeiter*innen könnten sich aber bei
Flaschenpost bewerben und würden dort "priorisiert behandelt" werden. Als
Stichtag geriet schnell der 28.02 im Umlauf, der sich gestern, mit dem Erhalt der
ersten Kündigungsschreiben an Kolleg*innen, bestätigt hat.
Soziale Verantwortung, in der immer noch bestehenden Corona-Pandemie, lässt die
Oetker-Gruppe schmerzlich vermissen. Erst im November hatte sie für rund 1
Milliarde Euro den Konkurrenten Flaschenpost aufgekauft. Diesen Kauf scheint sie
nun mit der Entlassung hunderter Mitarbeiter*innen, die diesen Kauf erst möglich
gemacht haben, auszugleichen. Für uns ein unhaltbarer Zustand! Deswegen fordern
wir einen geregelten Betriebsübergang nach §613a, was die Fortführung aller
bereits gekündigten Arbeitsverträge beinhaltet, und rufen dazu auf, mit uns am
28.02 vor das Betriebsgelände der Flaschenpost Leipzig zu ziehen um diese
einzufordern!
Eine Garantie, bei Flaschenpost auch eingestellt zu werden, gibt es nämlich
nicht. Ersten Kolleg*innen in Vollzeitanstellung wurden bereits eine Absage auf
ihre Bewerbungen erteilt. Was keine Überraschung für uns darstellt, so
analysierte schon Günther Guder vom Bundesverband des Deutschen
Getränkefachgroßhandels über Flaschenpost, dass vorwiegend 450-Euro-Kräfte in der
noch relativ neuen Lieferbranche eingesetzt werden um einen Wettbewerbsvorteil zu
haben.
Vollzeitmitarbeiter*innen sind ein unnötiger Kostenfaktor in der Struktur von
Durstexpress, der nun behoben werden kann.
Der Bruttoverdienst bei Flaschenpost liegt übrigens bei etwa 10,70/h in der
Probezeit und bei etwa 11,50/h nach der Probezeit. Zwar wird den Fahrer*innen
versichert, dass sie sofort ohne Probezeit eingestellt werden würden, dennoch
wurde einigen Fahrer*innen ein Bruttoverdienst von etwa 10,70/h angeboten. Für
Vollzeitfahrer heißt das also fürs Erste etwa 3, und für Teilzeitfahrer etwa 2,
unter dem bisherigen Verdienst. Ein Bonussystem ermöglicht zügigen
Zusteller*innen bei Flaschenpost einen höheren Verdienst. Allerdings sei es eher
vom Zufall und von der Auslastung abhängig, ob man den Bonus erhalte.
Wie sieht es bei den Lagerist*innen aus?
Schlecht. Die aktuelle Lohntabelle sagt, es gäbe 10/h. Das sind 50ct/h weniger
als bisher. Im Jahr 2022, nach 2 Jahren Betriebszugehörigkeit, gibt es 10,50/h.
Den bisherigen Verdienst bei Durstexpress. 2022 ist auch die Erhöhung des
Mindestlohns auf 10,44/h vorgesehen. D.h. dass dann Lagerist*innen 6ct über dem
Mindestlohn verdienen werden.
Das als eine Lohnerhöhung in Aussicht zu stellen, obwohl man diese ohnehin rein
gesetzlich in Aussicht hat, ist eine Frechheit.
Begründet werden diese Werksschließungen mit der Aussage "Die umfassende Analyse
der Lage und Infrastruktur eures Durstexpress-Lagers hat hierbei leider ergeben,
dass dieses hinsichtlich Lage und Infrastruktur im Vergleich zum Nachbarlager der
flaschenpost schlechter abschneidet und weniger Potenzial für die Zukunft
bietet." Tatsächlich aber sollte die schlankere und effizientere
Geschäftsstruktur der Flaschenpost SE mit ihren geringen Lohnkosten für ihre
Beschäftigten eine wesentliche Rolle dabei gespielt haben, die Arbeitsverträge
der gut über 400 Mitarbeiter*innen des oben genannten Durstexpress-Standorts,
sowie hunderten weiteren Beschäftigten an den Standorten Berlin-Teilestrasse,
Berlin-Hohenschönhausen und Bochum, zu kündigen.
Laut FAU-Gewerkschaftssprecher Sören Winter kein Zufall: "In Berlin wurde auch
eine Betriebsratswahl auf der Teilestraße auf den Weg gebracht. Genau dieser
Standort wird nun aufgrund der Fusion geschlossen. Obwohl noch nicht einmal ganz
Berlin von Flaschenpost und Durstexpress als Liefergebiet abgedeckt sind."
Gerade jetzt, wo im Berliner und Leipziger Standort und nach neuesten
Entwicklungen auch an anderen Standorten wie Dresden Betriebsratswahlen auf den
Weg gebracht wurden und im Leipziger Standort eine starke FAU Betriebsgruppe
gewachsen ist, müssen diese Hubs schließen. Dieser Fortschritt, der eine
Besserung der Arbeitnehmer*innenrechte zur Folge hätte, würde nun zunichte
gemacht werden.
Nachdem die gewerkschaftliche Aktivität der FAU bis jetzt am Standort Leipzig
behindert wurde, zeigt sich die Schichtleitung des Standortes, mit dem drohenden
Verlust ihrer eigenen Arbeitsplätze, nun einsichtig und lässt uns freie Hand, was
die gewerkschaftliche Organisation innerhalb des Betriebes angeht. Eine späte
Einsicht. Anstatt existierende Arbeitnehmer*innenrechte wie den §613a, der den
Betriebsübergang regelt, zu verteidigen und durchzusetzen, muss nun im
Eilverfahren ein Betriebsrat gegründet werden um eventuell eine Werksschließung
doch noch zu verzögern und die bestehenden Arbeitsverträge zur Flaschenpost SE zu
überführen. Wir wollen und dürfen diese späte Einsicht nicht ungenutzt lassen und
rufen deswegen auf, sich an der Demo am 28.02 um 10 Uhr an der Pelzgasse 1-3 vor
dem Flaschenpost Hub zu beteiligen.
Mit freundlichen Grüßen
Sören Winter
Pressesprecher FAU Leipzig
https://leipzig.fau.org/pm-auf-fusion-von-durstexpress-und-flaschenpost-folgt-massenentlassung-kundgebung-am-28-02-angekuendigt/
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