(de) ANIKA Anarchismus in Karlsruhe: Kundgebung zum 1. Mai: 11:30 Uhr, Schloßplatz Karlsruhe
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Fr Apr 30 08:05:37 CEST 2021
Am 1. Mai ab 11:30 Uhr werden wir als anarchistisches Netzwerk eine Kundgebung
auf dem Karlsruher Schloßplatz durchführen. ---- Als Schwerpunkte werden wir die
Themen Arbeitsrecht, vor allem unter den aktuellen Bedingungen, sowie
gegenseitige Hilfe aufgreifen. ---- Solidarität muss Praxis werden ---- Wir
möchten dem kapitalistischen Konkurrenzprinzip eine solidarische
Gesellschaftsidee entgegen setzen. Um dies nicht nur theoretisch in Form von
Kurzvorträgen aufzugreifen wird es vor Ort eine Kleiderstange und eine
Essensausgabe mit portioniertem Essen zum Mitnehmen geben.
Für eine Welt ohne Ausbeutung und Unterdrückung!
Für eine solidarische Gesellschaft!
Für die soziale Revolution!
Die Kundgebung beginnt um 11:30 Uhr auf dem Schloßplatz Karlsruhe.
Haltet euch an die aktuellen Hygienevorschriften (Abstand unter 1,5m -> Maske
tragen).
Im Anschluß gibt es die Möglichkeit sich der Demonstration des Erstemai-Bündnis
anzuschließen.
Aufruf zur anarchistischen 1. Mai Kundgebung KA
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Die Welt befindet sich im Krisenmodus und uns als Beherrschte wird die Fähigkeit
zu vernünftigen Entscheidungen abgesprochen.Ob am Arbeitsplatz, in der Freizeit
oder in den Medien: Sogenannte Stellvertreter*innen, Bosse und die Polizei nehmen
uns unsere Freiheiten und die Möglichkeit zur Selbstbestimmung in
Selbstverantwortung. Während Pflegekräfte mit mieser Bezahlung seit langem
täglich mehr mit dem schieren Wegsterben konfrontiert sind und viele
Kleinselbstständige gerade in den ökonomischen Ruin rudern, fahren Großkonzerne
wie Amazon oder Mercedes-Benz auf dem Rücken der Ausgebeuteten Rekordgewinne ein.
Der Gesundheitsschutz richtet sich vor allem nach ihren Interessen. Büros und
Produktion bleiben geöffnet, Gesundheitsschutzmaßnahmen weitestgehend auf
freiwilliger Basis oder nach eigenem Ermessensraum. Der Rubel muss eben rollen.
Menschen, die sich beruflich um andere kümmern, sind einem erhöhten Risiko
ausgesetzt und gleichzeitig vielerorts von Kurzarbeit betroffen, sowie von
Kündigung bedroht. Menschen in schwierigen Beziehungen oder Kinder, die unter der
Fuchtel ihrer Eltern leiden, verlieren die Möglichkeit sich zu entfernen und sich
so selbst vor Übergriffen und Gewalt zu schützen oder sich beispielsweise bei
Freund*innen Rat und Hilfe zu suchen.
Jede*r soll möglichst zu Hause bleiben und es sich gemütlich machen, so heißt es
zynisch. Dabei hat eine Studie zu häuslicher Gewalt der TU München gezeigt, dass
Frauen und Kinder während Kurzarbeit oder Quarantäne und damit oftmals
zusammenhängend akute Finanzsorgen oder Depressionen, besonders häufig betroffene
sind*. Hohe Mieten und dadurch oftmals beengte Wohnverhältnisse werden für viele
zum Albtraum. Wer ein luxuriöses Anwesen sein Eigen nennt, kann jedoch entspannt
die Füße hoch legen oder Sport im Garten treiben.
Im Kontrast hierzu steigt die Zahl der Menschen ohne Wohnung, sowie die der
besonders vulnerablen Gruppe von Menschen ohne Obdach, in skandalöser Weise. Eine
von staatlicher Seite tolerierte, steuerrechtlich geförderte und daher in
zunehmendem Maße lukrative Spekulation mit Immobilien wird diese existentielle
Bedrohungslage weiter verschärfen. Von Obdachlosigkeit betroffene Menschen haben
ein stark erhöhtes Infektionsrisiko, sind häufig Opfer von Gewalt und erleben die
aktuellen Ausgangssperren und ,stay at home"- Appelle als Verhöhnung ihrer
miserablen Lebenslage.
Die Maßnahmen, die angeblich ausschließlich der Gesundheit dienen sollen, schaden
denjenigen welche am verletzlichsten sind am meisten. Ein Zufall ist das nicht.
Das ist Kapitalismus, das ist die Dauerkrise. Zu Lasten der Umwelt, zu Lasten der
Beherrschten, der Arbeitenden und ihren Nahestehenden. Zu Lasten aller die nicht
zu den Herrschenden und Besitzenden gehören.
Am 01. Mai 1886 demonstrierten tausende Arbeiter*innen auf dem Haymarket in
Chicago. Die pragmatische Forderung "8 hours for work, 8 hours for rest, 8 hours
for what we will", für die Anarchist*innen mit ihrem Leben einstanden, ist
mittlerweile, zumindest auf dem Papier, so zur Selbstverständlichkeit geworden,
dass heute noch, trotz gesteigerter Produktivität, kaum jemand daran zu rütteln
wagt. Auch radikale Forderungen wie "Nieder mit der Lohnarbeit!", sind heute
selbst von kommunistischen Gruppen leicht zu übersehen. Es hat den Anschein als
gingen Arbeiter*innen für die Arbeit und damit für die Lohnabhängigkeit auf die
Straße. Sozialdemokrat*innen schwadronieren dann gerne von guter oder gerechter
und vom Recht auf Arbeit. Gute Arbeit ist Arbeit, die allen dient und die
Bevorteilung weniger verhindert. Gerechte Arbeit ist Arbeit zum Wohle aller. Das
ist allerdings nicht möglich im Gewaltverhältnis von Lohnabhängigen und Bossen,
von Konkurrenz und Ausbeutung, auf das zu allem Übel auch noch alle ein Recht
haben sollen.
Gerechte und gute Arbeit haben Menschen, losgelöst dieser Gewaltverhältnisse,
selbst organisiert und so in der Pandemie gezeigt, dass ein ganz anderes Ganzes
denkbar und möglich ist. Egal ob "Food not Bombs" oder selbstorganisierte
Kleiderstangen, Nachbarschaftshilfe oder die Giveboxen. Während die Bosse mit
Kurzarbeit und Kündigungen ihre Profite sicherten, zeigten Menschen auf
vielfältigste Weise, selbstorganisiert und vielerorts hierarchiefrei: Solidarität
ist möglich und echte Solidarität macht die Welt zu einem besseren Ort. Echte
Solidarität ist eine Methode und ein Prinzip, das keine*n alleine stehen lässt
und jeder Herrschaft die Macht abspricht. Denn wenn die Herrschenden und ihre
Handlanger eine*n kündigen oder schlagen, eine*n einsperren oder Zugang zu
Wohnraum verwehren, legen sie sich mit allen an, die sich als solidarische
Menschen verstehen! Lasst uns an diesem 1.Mai 2021 gegen jede Form der Ausbeutung
und Unterdrückung unsere Stimme erheben.
Gegen die Lohnarbeit und für eine solidarische Gesellschaft!
Lasst uns die Stimme erheben und nie wieder schweigen denn: Eine andere Welt ist
nötig & möglich!
*Kostenlose Hilfsangebote für Betroffene:
Häusliche/sexualisierte Gewalt:
Wildwasser und Frauen Notruf (Karlsruhe): 0721 85 91 73
Hilfetelefon Gewalt gegen Frauen: 08000 116 016 oder Sofort Chat auf hilfetelefon.de
Hilfetelefon Gewalt an Männern: 0800 123 9900
Bei psychischen Problemen:
Nummer gegen Kummer: Kinder und Jugendliche: 116 111 Eltern: 0800 111 0 550
KrisenChat.de für unter 25
Telefonseelsorge: 0800 111 0 111
Weiter Infos und Kontakt: https://anika.noblogs.org/
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