(de) FAU, direkte aktion: GRÜNDUNGSPROZESS DER FAU HEIDELBERG: READY, STEADY, GO!
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Do Apr 22 08:48:22 CEST 2021
Wir befinden uns im Jahre 2019. Ganz Heidelberg ist von Yuppies und
Burschenschaften besetzt ... ganz Heidelberg? Nun, nicht ganz ... ---- Betrieb &
Gesellschaft Von: Annika Sauer - 14. April 2021 --- Auch mit Startschwierigkeiten
hat sich ein beschauliches Syndikat - formerly known as Basisgewerkschaft
Heidelberg - nun endlich in die Reihen der anerkannten FAU-Gewerkschaft
gearbeitet. Der Gründungsprozess und die Aufnahme unserer Sektion war mit viel
Aufwand verbunden und von erschwerenden Umständen gezeichnet. ---- Warum wir es
dann doch durchgehalten haben, lag auf der Hand: In einem Milieu besiedelt von
Hochschulgruppen, fehlte es uns deutlich an Sichtbarkeit derer, die die schön
verputzten Altstadtwohnungen alltagstauglich machen. Wer serviert Professor:innen
den Kaffee, putzt den Bänker:innen den Boden und bringt bei Pandemie-Notstand das
Essen vor die Tür? Ganze Stadtteile wurden in den letzten Jahren in den Himmel
gezogen, auf deren Baustellen, in deren neuen, wie alten Retail- und
Gastro-sektoren wir uns wiederfanden. Aus unseren Arbeitserfahrungen kennen wir
die Parkanlagen, Pflege- und Bildungseinrichtungen, die allesamt mit
Lohnarbeiter:innen gefüllt werden wollen. Um das leidige Thema Studi-Image nicht
auszuklammern, muss angemerkt werden, nicht alle Studierenden kommen aus
wohlhabendem Hause und sowohl prekäre Anstellungen in Werks- und Tagesverträgen,
Minijob oder in universitären Positionen sind uns nicht fremd. Das ist das
Heidelberg, in dem wir aktiv werden wollten.
GRÜNDUNGSPROZESS MIT STOLPERSTEINEN
Schon in unserer Anfangszeit, in der wir uns sowohl bemühten in der Region Fuß zu
fassen, als auch darum ein Gefühl dafür zu bekommen, wo die dringendsten
Missstände in unserer Umgebung liegen, war die Motivation groß, sich mit unserer
durchmischten Gruppe der FAU anzugliedern. Ein Auftakt-Seminar zum Arbeitsrecht
im Mini-Job und eine Rundmail später, fanden wir uns dann auch schon im Fokus der
Aufmerksamkeit wieder. Als saisonales Dorfgespräch der Regio-Süd hätten wir ganz
klar einige Dinge besser angehen können, hätten wir denn darum gewusst.
Stattdessen traten wir entschlossenen Schrittes ins Fettnäpfchen einer schon
lange tobenden Debatte über Aufnahmekriterien, Formalia und "politische
Freundeskreise". Unsere Verfehlung, nicht von Anfang an bei den Nachbar:innen
geklingelt zu haben und die offiziellen Wege gegangen zu sein, konnten wir uns
schnell eingestehen. Aber hey, offizielle Wege hin oder her, als syndikalistische
Gewerkschaft werden wir wohl nicht das letzte Mal gegen eingessene Institutionen
angerannt sein.
Mit Gegenwind begann unser Kollektiv sich trotzdem in die Herausforderung
hineinzuwerfen. Es ging ganz und gar nicht heroisch bei uns zu. Der Prozess ging
so manchen an die Substanz, und mehrmals hätten wir dabei auch beinahe unsere
Zusammenarbeit mit der FAU aufgegeben. Wären nicht vereinzelte Stimmen in den
Foren und Mail-Verteilern für uns in den Bresche gesprungen, wäre das vermutlich
auch passiert. Stattdessen ging es daran eine gemeinsame Satzung, formelle
Strukturen, Bankkonten, Online-Präsenz und vieles mehr aus dem Boden zu stampfen.
In all dem Getümmel fiel es umso schwerer, die Projekte, die uns schon unter den
Nägeln brannten, weiterzuverfolgen. Von Telefonberatung, Vernetzung mit
Arbeitslosenverbünden bis hin zu unserer fortlaufenden Bemühung die
Lieferfahrer:innen im Kreis für gemeinsame Aktionen zusammenzubringen, konnten
wir alle unsere angestrebten Felder weiterhin am Leben halten.
SOLIDARITÄT MIT DEM DACHVERBAND
Natürlich sind im Zuge dessen auch Schwierigkeiten aufgetaucht. Unsere
Reaktionszeit und Ressourcen hatten uns nur spärlich erlaubt mit angemessener
Unterstützung auf einen unorganisierten Spontanstreik von Erntehelfer:innen zu
reagieren. Viele Erfahrungen, die wir in diesen Jahren sammeln konnten, zeigen
uns klar auf, dass es auch weiterhin unerlässlich bleibt, an unseren Mitteln und
Kompetenzen zu arbeiten. Hier sind wir unbeschreiblich dankbar für die
Unterstützung, die uns von den erwähnten Einzelstimmen so aufrichtig
entgegengebracht wurde und uns auch interne Bildung ermöglichten. Trotz vieler
Turbulenzen war es uns das Wichtigste, dass wir unseren Umgang untereinander so
beibehalten konnten wie wir zu Beginn zusammengekommen sind.
Ja, gewerkschaftliche Arbeit ist keine Freizeit, aber von Funktionärstum und
Leistungsgesellschaft wollten wir uns strikt fernhalten. Wir klopfen uns dafür
selbst auf die Schultern! Denn die wohl bezeichnendste Leistung ist nicht, unser
Syndikat innerhalb eines verstörend ereignisreichen Jahres wetterfest und
beitrittssicher gebürstet zu haben, sondern miteinander keinen Schritt des Weges
so zwecksrationalisiert umgegangen zu sein, wie es uns von der Gesellschaft und
ihrem Gelaber von Effizienz oft als alternativlos vorgegaukelt wird. Ohne unseren
Zusammenhalt und gegenseitige, interne Bestärkung hätten wir es nicht in die
Reihen der FAU geschafft. Kleinere Gruppen, interess
https://direkteaktion.org/gruendungsprozess-der-fau-heidelberg-ready-steady-go/
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