(de) asn koeln: Köln: Wohnraum-Aktionstag 2021
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Mo Apr 5 10:19:16 CEST 2021
asnkoeln28. März 2021ASN Köln, Soziale Kämpfe, WohnraumBeitrags-Navigation
Vorheriger ---- Das "Aktionsbündnis gegen Verdrängung und Mietenwahnsinn" hatte
am dezentralen, europaweiten "Housing Action Day" zu einer Kundgebung in der
Altstadt aufgerufen, an dem sich auch das ASN Köln beteiligte: ---- Etwa 100
Menschen sind am Samstag 27.03. nachmittags auf dem Heumarkt zusammengekommen, um
gegen die weiterhin steigenden Mieten zu protestieren. Denn während zahlreiche
Bürogebäude ungenutzt bleiben und einige Mietshäuser wegen Baufälligkeit
leerstehen, ist die Lage auf dem Wohnungsmarkt mittlerweile dramatisch.
Nicht nur für Obdachlose und Geflüchtete wird es fast unmöglich gemacht, eine
menschenwürdige Unterkunft zu nutzen. Auch Alleinerziehende, Arbeitslose und
Rentner*innen können sich die rücksichtslos angehobenen Quadratmeterpreise meist
nicht leisten. Die Folgen sind Verdrängung an den Stadtrand, überfüllte
Unterkünfte, verschimmelte Kellerbehausungen, vernachlässigte Hochhaus-Siedlungen
und Elendsquartiere.
Die kapitalistischen Eigentumsverhältnisse an Grund und Boden, sowie die
marktförmig de-regulierte Wohnraumverteilung bedeuten rassistische, sexistische
und klassistische Ausgrenzung ganzer Bevölkerungsteile aus den zentrumsnahen
Stadtteilen. Überteuerte und z.T. unnötige Renovierungen, Luxus-Sanierungen, aber
auch gezielte Verdrängung ärmerer Bewohner*innen durch Großprojekte oder
Tourismus sind als Gentrifizierung und "Aufwertungsprozesse" berüchtigt geworden.
Um den wütenden Protest der Betroffenen gegen Ausgrenzung und Horror-Mieten auf
die Straße zu tragen, war eigentlich bereits 2020 ein Wohnraum-Aktionstag in Köln
vorbereitet worden (siehe Aufruf und Bericht). Doch wegen der aufkommenden
Covid-19-Pandemie musste letztes Frühjahr auf eine Versammlung verzichtet werden.
Daher ist es als ein wichtiger Schritt anzusehen, dass 2021 überhaupt eine
Kundgebung unter freiem Himmel samt corona-sensibler Abstandsregeln und
Schutzmasken stattfinden konnte.
Mit Redebeiträgen bzw. Infoständen von u.a. "Recht auf Stadt", "Wohnen wagen",
"fakE" , "Kaffe Güzel" und sowie mehreren Musikdarbietungen wurde auf die
unterschiedlichen Aspekte des dringlichen Wohnraummangels aufmerksam gemacht.
Einige der teilnehmenden Gruppen und Initiativen sprachen sich dabei ausdrücklich
gegen eine kapitalistische Verwertung des menschlichen Grundbedürfnisses nach
einer geschützen Unterkunft aus. Auch die Ideen der Umverteilung von
Immobilienreichtum, sowie die Enteignung von Wohnungsbau-Konzernen wurden
angesprochen.
Mehrfach wurde darauf hingewiesen, dass der kommunalen Wohnraumplanung eine
zentrale Rolle zukommt. Schließlich sind städtisch (und genossenschaftlich)
errichtete Mietshäuser eine wichtiges Mittel, um Arbeiter*innen, Erwerbslosen und
Rentner*innen - auch ohne Staatsbürger*schaft - ausreichend menschenwürdige
Lebensräume zur Verfügung zu stellen. Vor allem wegen der zunehmenden Verbreitung
von prekären Niedriglohn-Jobs, Scheinselbständigkeit und Altersarmut werden zudem
Regelungen für Mietobergrenzen ("Mietendeckel") gefordert, besonders für dicht
bevölkerte Metropolenregionen.
Aber anstatt nur Forderungen an die politischen Stellvertreter*innen in den
Parlamenten zu richten, ist es dringend nötig, mit organisierten
Zusammenschlüssen von unten den Druck auf die diskriminierenden
Ausbeutungsverhältnisse aufzubauen. Dafür braucht es jedoch keine charismatischen
Medienpersönlichkeiten oder selbsternannte Autoritäten, sondern solidarische
Netzwerke gegenseitiger Hilfe. Und unabhängige Mieter*innen-Vereinigungen, die
ähnlich den Basisgewerkschaften, in Eigeninitiative selbstbestimmte Kämpfe gegen
Verdrängung und Zwangsräumung führen - für bedürfnisorientierten Wohnraum für alle!
Erfreulich war daher die abendliche Schein-Besetzung eines verlassenen Gebäudes
in der Friedrich-Engels-Straße 7 im Stadtteil Sülz, die mit einer direkten Aktion
auf diese ungenutzen Möglichkeiten aufmerksam gemacht hat. Schließlich sind in
Köln auch nach der (teilweise erfolgreichen) Hausbesetzung am Großmarkt durch die
Initiative "Obdachlose mit Zukunft", weiterhin soziale Konflikte um Vertreibung,
Abriss und Leerstand zu erwarten - nicht nur im Rahmen des Vorzeigeprojekts
"Parkstadt Süd".
https://asnkoeln.wordpress.com/2021/03/28/koln-wohnraum-aktionstag-2021/
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