(de) die plattform: Solidarität mit den verhafteten Antifaschist*innen aus Thessaloniki, Griechenland!

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Mi Sep 30 08:14:17 CEST 2020


Vor knapp zwei Wochen, am Abend des 16. September, wurden in der griechischen Hafenstadt Thessaloniki insgesamt 51 Antifaschist*innen 
verhaftet, als sie ihre Straßen in einer kollektiven Aktion von faschistischen Graffiti säuberten. ---- Bei der Verhaftung selbst und 
während der Zeit des Gewahrsams kam es zu brutalen Übergriffen und Misshandlungen der Bullen, bei denen 15 Antifaschist*innen Verletzungen 
davontrugen - zwei so schwer, dass sie ins Krankenhaus gebracht werden mussten. ---- Gemeinsam mit anderen anarchistischen Organisationen 
von mehreren Kontinenten haben wir nun eine Erklärung veröffentlicht, um uns mit den betroffenen Genoss*innen zu solidarisieren. Sie stehen 
nicht allein in ihrem Kampf gegen Faschismus, Kapitalismus und Staat. Als Anarchist*innen werden wir immer an ihrer Seite stehen.

Tod dem Faschismus! Solidarität ist unsere Waffe!

Internationale Solidaritätserklärung für die 51 Antifaschist*innen, die am 16. September 2020 in Thessaloniki, Griechenland, verhaftet wurden.

Am Abend des 16. September 2020 säuberten Antifaschist*innen in Thessaloniki, Griechenland, in einer kollektiven Aktion ihre Straßen von 
faschistische Parolen und Graffiti, die einige Tage zuvor von den Mitgliedern der neuen neonazistischen Partei "Griechen für das Vaterland" 
angebracht worden waren.

"Griechen für die Heimat" wurde von Ilias Kassidiaris, einem Ex-Vertreter der Nazi-Partei "Goldene Morgenröte", gegründet. Die Nazi-Graffiti 
wurden durch antifaschistische Graffiti und Slogans ersetzt. Gegen 22:30 Uhr nachts wurden unsere Genoss*innen von schweren Polizeikräften 
umzingelt, die sie ohne Grund angriffen. 51 Genoss*innen wurden im Polizeihauptquartier in Thessaloniki in Gewahrsam genommen und dort zwei 
bis vier Tage unter erbärmlichsten Bedingungen festgehalten. Insgesamt wurden 15 von ihnen verletzt, während weitere zwei sogar ins 
Krankenhaus eingeliefert wurden, weil sie von der Polizei schwer verletzt worden waren. Während der Verhaftung und des Gewahrsams hörten die 
Polizisten nie auf, ihre Macht, die ihnen vom Staat verliehen wurde, zu missbrauchen, um den Geist unserer Genoss*innen zu brechen.

Die 51 Festgenommenen wurden dem Staatsanwalt und dem Ermittler vorgeführt, wo folgende empörende und unwahre Anschuldigungen gegen sie 
erhoben wurden: 1) Ungehorsam, weil sie sich weigerten, ihre Fingerabdrücke und Fotos abnehmen zu lassen; 2) Verletzung des öffentlichen 
Friedens (dies ist eine sehr häufige Anklage, die jedes Mal erhoben wird, wenn jemand protestiert); 3) Zerstörung einer öffentlichen Stätte 
durch die antifaschistischen Parolen, die sie geschrieben haben, um die faschistischen zu verdecken. Anscheinend ist für das griechische 
Gericht der bürgerlichen "Justiz" nur die Hassrede der Faschist*innen an den Wänden erlaubt; 4) Verletzung des Gesetzes über den Schutz von 
Altertümern; 5) illegaler Waffenbesitz, weil die Antifaschist*innen anarchistische Fahnen und Helme trugen; 6) Strafverfolgung wegen 
"Denkmalbeschädigung". Diese Behauptung wurde durch den Kurator der Altertümer aufgestellt, der kein Problem damit hat, diese obszöne Lüge 
zu unterstützen, obwohl das "Denkmal", das beschädigt wurde, eigentlich die Bänke in der Nähe des eigentlichen historischen Denkmals von 
Thessaloniki, des "Weißen Turms", sind. Interessant ist, dass es doch eigentlich der Bau dieser Bänke war, welcher Teil des Planes von 
Vasilis Papageorgopoulos (ehemaliger Bürgermeister der Stadt und Mitglied der jetzt regierenden rechtsgerichteten Partei "Neue Demokratie", 
der aus dem Gefängnis entlassen wurde, nachdem er 30.000.000 Euro aus den städtischen Fonds veruntreut hatte) für die geschäftliche 
Wiederbelebung des Viertels war, der das Viertel um das historische Denkmal der Stadt bereits 2008 verschandelt hatte. Unnötig zu sagen, 
dass die antifaschistischen Parolen in den nächsten Tagen leicht von den Straßenreiniger*innen der Stadt gesäubert wurden, wobei natürlich 
die faschistischen Slogans intakt blieben.

Dieser provozierende Angriff gegen die Mitglieder der antifaschistischen Bewegung zeigt das wahre Gesicht der kapitalistischen Unterdrückung 
und die Toleranz des Staates gegenüber den Faschist*innen, die sie ständig als ihre reaktionärste Reserve nähren. Dieser unterdrückerische 
Angriff auf unsere Genoss*innen ist für uns eindeutig eine offene Provokation des Staates und der Bullen nur wenige Tage vor der jährlichen 
antifaschistischen Demonstration am Jahrestag der Ermordung von Pavlos Fyssas (antifaschistischer Hip-Hop-Musiker, der von den Nazis von 
Goldene Morgenröte ermordet wurde) und vor dem Abschluss des Prozesses gegen diese kriminelle faschistische Organisation (für die der 
Vorschlag der Staatsanwaltschaft eine günstigere Behandlung der Nazis vorsieht). Und doch vermittelten am 18. September massive 
Demonstrationen im ganzen Land eine starke Botschaft des Widerstands und des Kampfes gegen den Staat, die Kapitalist*innen und den "tiefen 
Staat" der Faschist*innen (1). In der Stadt Thessaloniki füllten 3000 Demonstrierende die Straßen der Stadt bei einer antifaschistischen 
Demonstration.

Wir werden weder unsere Genoss*innen noch irgendein Mitglied der antikapitalistischen und antifaschistischen Bewegung in den Hände der 
staatlichen Unterdrückung lassen. Unsere Solidarität mit den an diesem Tag verhafteten Antifaschist*innen ist gegeben und endlos. Es ist 
unsere kollektive Verpflichtung, ein Sicherheitsnetz zu schaffen, um sie vor der rachsüchtigen Verfolgung durch den Staat und seine 
Mechanismen zu schützen. Die politische Unterstützung und die Solidarität mit unseren Genoss*innen ist Teil unserer Pflicht als Mitglieder 
der internationalen antifaschistischen Bewegung. Als Anarchist*innen und Antifaschist*innen werden wir ihnen in jeder Hinsicht zur Seite 
stehen und unseren kollektiven Kampf für die Klassen- und soziale Emanzipation und für den Beitrag der proletarischen Gerechtigkeit unbeirrt 
fortsetzen.

KEINE STRAFVERFOLGUNG DER 51 ANTIFASCHIST*INNEN, DIE AM 16. SEPTEMBER IN THESSALONIKI VERHAFTET WURDEN!

KOMPROMISSLOSER INTERNATIONALISTISCHER UND KLASSENKAMPF GEGEN DIEJENIGEN, DIE DIE ARBEITER*INNENKLASSE UNTERDRÜCKEN!

TOD DEM FASCHISMUS!

SOLIDARITÄT IST UNSERE WAFFE!

(1) Anmerkung: Der Begriff "tiefer Staat" ist in unserem Sprachgebrauch recht unüblich und mag vielen von uns eher als rechte 
Verschwörunstheorie bekannt sein. Hier wird der Begriff verwendet, um die Verflechtungen des (griechischen) Staates und seiner 
Sicherheitsbehörden (vor allem die Polizei) mit faschistischen Kräften deutlich zu machen, die sich normalerweise den Augen der 
Öffentlichkeit entziehen.

Anarchistische Föderation (Griechenland)

Föderationsanarchist des Rosenkranzes (Argentinien)

Aotearoa Workers Solidarity Movement (Neuseeland)

Santiago Anarchist Federation (Chile)

Uruguayische Anarchistische Föderation (Uruguay)

Koordination des brasilianischen Anarchisten (Brasilien)

Anarchistische Organisation von Cordoba (Argentinien)

Die Plattform-Anarchakommunistische Organisation (Deutschland)

Libertaere Aktion (Schweiz)

Arbeitersolidaritätsbewegung (Irland)

Anarchist Communist Group (Vereinigtes Königreich)

Libertarian Group Free Way (Kolumbien)

Libertarian Alternative / FdCA (Italien)

Libertarian Socialist Organization (Schweiz)

Zabalaza Anarchist Communist Front (Südafrika)

Union Communiste Libertaire (Frankreich)

https://www.anarchist-federation.gr/archives/2298

https://www.dieplattform.org/2020/09/26/solidaritaet-mit-den-verhafteten-antifaschistinnen-aus-thessaloniki-griechenland/#more-1440


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