(de) FAU, direkte aktion: SYNDICALIST SUMMER SCHOOL -- Eine Sommerschule für die FAU.

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So Sep 20 07:35:30 CEST 2020


Betrieb & Gesellschaft Von: Christian Horn - 16. September 2020
"Ziel der Sommerschule ist es, Mitgliedern aus allen Syndikaten der FAU die Weiterbildung in betrieblicher Organisierung, verschiedenen 
Feldern des Arbeitsrecht und im Handwerkszeug der Gewerkschaftsarbeit zu vermitteln.", so lautetet der Beginn eines dreieinhalbseitigen 
Antrages der FAU Jena und Leipzig an den diesjährigen Online-Kongress. ---- Mit 85 % der abgebenden Stimmen wurde der Antrag angenommen. Ab 
2021 soll nun jährlich ein solches gewerkschaftliches Schulungsprogramm stattfinden mit entsprechendem Budget. Für die Bildungsarbeit in der 
FAU stellt dieser Antrag einen Meilenstein dar. Begründet wurde die Initiative wie folgt:
"Innerhalb der FAU besteht ein großes Bedürfnis nach gewerkschaftlicher Bildung.[..]Dieses Bedürfnis erklärt sich aus den Notwendigkeiten 
des mittlerweile praktisch geführten Klassenkampfes. Mit der Entwicklung der FAU von einer Ideen- hin zu einer 
Interessenorganisation[1]rücken die Erfordernisse des praktischen Klassenkampfes in den Vordergrund."

Vorträge sowie Seminare zur Arbeitswelt wurden durch die lokalen FAU Gruppen immer wieder organisiert. Grundlagen wurde zum individuellen 
und kollektiven Arbeitsrecht vermittelt. Dazu gab es auch eine Multiplikatorenschulung, damit das Wissen in der Mitgliederschaft 
weitervermittelt werden kann. Kampagnen etwa zur Leiharbeit wurden mit Vorträgen zum Thema flankiert. Doch erst als die FAU Berlin 
intensiven Kontakt zu einer Arbeitsrechtskanzlei aufbaute, wurde ein themenspezifisches Schulungsprogramm aufgebaut.

In Jena fanden sich Referenten, welche im letzten Jahr ein Schulungsprogramm durchführten. Referent Konstantin betont, worum es generell geht:

"Zum einem soll den Teilnehmenden das Arbeitsrecht vermittelt werden, des Weiteren sollen durch Orgainzing-Schulungen die Beschäftigten zur 
Betriebsarbeit ermächtigt werden und auch dazu Arbeitskämpfe selbst zu führen bzw. sich vor dem Arbeitsgericht selbst zu vertreten. Im 
Gegensatz zu den den DGB-Gewerkschaften sollen unsere Mitglieder auch zur intensiven Mitarbeit in der Organisation, wie etwa bei 
Sprechstunden oder Arbeitskampf-AGs befähigt und ermutigt werden."

In der FAU wird der Aufbau von selbstbestimmten Betriebsgruppen bevorzugt, anstatt die Mitglieder in das gesetzlich stark eingeschränkte 
Gremium des Betriebsrats zu schicken.

Corona als Bildungsschub

Die Coronakrise hat sogar den positiven Effekt, dass nun über Online-Tools die Seminare im Gegensatz zur Präsenzveranstaltung der ganzen 
FAU-Mitgliedschaft zur Verfügung stehen. Jedes interessierte Mitglied kann nun ohne lange Anfahrt von zu Hause an einer Schulungseinheit 
teilnehmen. Schon der Kongress konnte ohne größere Probleme im Web durchgeführt werden. Allerdings kommt dadurch der informelle Teil zu 
kurz. Es fehlt der Austausch am Lagerfeuer.

Auch deswegen wäre eine Präsenzveranstaltung an einem Ort wichtig. Bereits in den vergangen Jahren gab es ein Wanderseminar in der 
sächsischen Schweiz, welches die FAU im Ballungsraum Dresden organisierte. Hier spielten zwar mehr historische Inhalte, wie der Widerstand 
im Dritten Reich, eine wesentlichere Rolle als betriebliche Kämpfe, dennoch war ein Ort gefunden an dem langfristig Bildungsarbeit mit einer 
erprobten Infrastruktur stattfinden kann. Was die FAU ebenfalls auszeichnet sind die intensiven internationalen Beziehungen. Seit der 
Gründung findet mit den Schwestergewerkschaften ein reger Austausch statt, wie etwa durch Vortragsreisen von GenossInnen der CNT.

Chancen und Herausforderungen

Für die Organisation war es aber bisher immer nur sporadisch möglich ein Angebot vorzuhalten. Die Ausgestaltung hing meistens von den 
Aktiven vor Ort ab. Gelernt wurde nicht selten im Rahmen der Arbeitskonflikte selbst. Kapazitäten und Ressourcen wie in einer 
Großorganisation mit hauptamtlichen Funktionären waren einfach nicht vorhanden. Zumal die DGB-Gewerkschaften Schulungen etwa für 
Betriebsräte durch die Unternehmen finanzieren lassen, was auch nach Betriebsverfassungsgesetz so vorgesehen ist. Zumindest den Anspruch, 
dass gewerkschaftliche Bildungsarbeit politisch ist, wird im Gegensatz zu privaten Anbietern wie ifb, W.A.F. und BBC verwirklicht. Es sollte 
bei den Schulungen nicht nur um juristische Bewertungen gehen, sondern auch darum betriebliche sowie gesellschaftliche Machtverhältnisse 
aufzuzeigen.[2]
Ein anarchosyndikalistisches Bildungsideal passt eigentlich grundsätzlich zu Oskar Negts Soziologischen Phantasie, in der die Beschäftigten 
Subjekte der Lernarbeit sein sollten.[3]Hier liegt auch die Stärke der selbstorganisierten Bildungseinrichtung wie der Sommerschule.

https://direkteaktion.org/syndicalist-summer-school/


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