(de) FAU, DIREKTE AKTION: PFLEGE IN DER KRISE

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Di Sep 15 08:03:30 CEST 2020


Ruhig ist es um sie geworden, kurz nachdem Europa für sie, als Zeichen der Solidarität, vor allem aber aus Dankbarkeit, auf den Balkonen 
stand und Beifall klatschte. ---- Betrieb & Gesellschaft Von: FAU Bergisch Land - 10. September 2020 ---- Es würde anders werden müssen, das 
war nur allzu klar und deutlich, sie würden endlich die Anerkennung erhalten, die ihrer tatsächlichen gesellschaftlichen Bedeutung 
entspricht. Es wurde anders. Kurzarbeit wurde in vielen Kliniken und Arztpraxen eingeführt. Einsparungen sind im mediznischen Sektor 
vielerorts bereits angekündigt worden. Finanzielle Lücken, die die Pandemie und der behördlich verordnete Lockdown gerissen haben, werden 
auf das medizinische, pflegende Personal abgewälzt. Von Lohnerhöhungen als Zeichen der Wertschätzung der lebensrettenden - aber auch 
lebensgefährlichen - Arbeit, ist inzwischen keine Rede mehr. Die Krankenkassen wiegeln ab, mit einer in Aussicht gestellten Beitragserhöhung 
ist das eben noch solidarische Volk zum schweigen gebracht worden.

1,3 Millionen Ärzt*innen und Pfleger*innen infizierten sich selbst mit dem Covid-19-Virus und stellen damit jede*n zehnten Patient*in 
weltweit, meldete die WHO am 17.07.2020 durch Tedros Adhanom Ghebreyesus, ihren Generaldirektor. Sie riskieren nicht nur ihr Leben, sondern 
sind auch derzeit besonders extremen Belastungen ausgesetzt, leiden vielfach an körperlicher und psychischer Erschöpfung. Sicherlich nicht 
die beste Rekrutierungskampagne für einen Beruf, dessen Personaldecke lebensbedrohlich dünn ist und unbedingt gestärkt werden muss, um 
solchen Herausforderungen gewachsen zu sein. Stattdessen muss nun damit gerechnet werden, dass viele pflegende Kolleg*innen nur noch das 
Ende der Pandemie herbeisehnen und - wer will es ihnen unter diesen Arbeitsbedingungen verdenken - anschließend das Handtuch werfen werden.

Um der Lobby aus Kassen, Arbeitgeberverbänden und öffentlichen Dienstherr*innen erfolgreich etwas entgegen zu setzen, Arbeitskämpfe 
erfolgreich führen zu können, ist gewerkschaftliche Selbstorganisation dringend geboten. In unseren basisdemokratischen, kämpferischen 
Syndikaten der Gesundheitsbranchen erfahren unsere pflegenden Kolleg*innen praktische Solidarität für den langen Atem, den sie dazu brauchen 
werden.

Dieser Text ist als Live-Audio-Beitrag beim FAU Radio Bergisch Land erschienen und als Podcast nachhörbar.

Beitragsbild: Ralf Zimmermann

https://direkteaktion.org/pflege-in-der-krise/


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