(de) evibes: Patriarciao - Aktion zum Save Abortion Day in Dresden

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Mi Okt 14 07:07:43 CEST 2020


Addn.me hat einen tollen Artikel zu den Aktionen zum #Safeabortionday in Dresden geschrieben. Hier könnt ihr ihn in voller Pracht lesen. 
---- Am 28. September protestierte die feministische Gruppe e*vibes vor dem Kaleb-Zentrum Dresden und dem Diakonissenkrankenhaus. Anlass war 
der Aktionstag "Save Abortion Day", an dem internationale Akteur:innen mit unterschiedlichen Aktionen für das Recht auf Abtreibung 
aufmerksam machten und auf Bundesebene u.A. die Abschaffung des §218 StGB und eine sichere Versorgungslage forderten. Besonders der 
Kaleb-Laden sieht sich seit ein paar Jahren wieder vermehrt feministischer Kritik ausgesetzt, da der Verein sich offen gegen Abtreibungen 
ausspricht und fundamentalistische Werte vertritt.

Am gleichen Tag wurde im "Büro für gute Maßnahmen", einem neu gegründeten Ladenkollektiv in der Jordanstraße , von 14-22 Uhr in 
Dauerschleife den Dokumentarfilm "Maria, Christiane, Else, Karin, Lea, Lydia, Petra S., Petra W. und der Paragraph 218" von Mara Schepsmeier 
gezeigt, der von unterschiedlichen Schwangerschaftsabbrüchen erzählt. Am Vortag veranstaltete e*vibes außerdem einen Diskussionszirkel zum 
Thema "Feministisch lesen - Abtreibungsedition" und stand weiterdenken Rede und Antwort zu Fragen internationaler Abtreibungsgesetzgebungen.

Mit rund einem halben dutzend Aktivist:innen begab sich die Gruppe e*vibes am Montag morgen vor den Kaleb-Laden auf der Bautzner Straße 52 
am Rande der Äußeren Neustadt. Sowohl vor dem Büro der an den Kaleb e.V. angegliederten Schwangerschaftsberatung, als auch vor der 
Kleiderkammer selbst verlas die Gruppe ihre politischen Forderungen und trug den Song "Patriarciao" vor. Eine Umdichtung des bekannten Songs 
"Bella Ciao", der aus der italienischen Arbeiter:innenbewegung stammt. In dem Lied thematisiert die Gruppe u.A. das Recht aufkörperliche und 
reproduktive Selbstbestimmung. Dieses Recht nicht zu wahren, werfen die Aktivist:innen unter anderen dem Verein vor.

Schon vor den 1990er Jahren hätte sich der Verein gegen das in Teilen liberale Abtreibungsgesetz der DDR eingesetzt, berichtete eine 
Aktivistin im Anschluss an die Aktion. "Auch heute noch sind sie aktiv in diesem Bereich. Der Name bedeutet ‚Kooperative Arbeit Leben 
Ehrfürchtig Bewahren‘, das sagt eigentlich schon alles aus". Ziel des Vereins sei es, insbesondere ungeborenes Leben zu schützen. So würden 
keine Beratungsscheine ausgestellt und Schwangerschaftsberatung teilweise manipulativ geführt, erklärte die Aktivistin gegenüber addn.me. 
"Bei all den guten Projekten, die der Verein macht, wie die Unterstützung von Familien, Menschen mit Kindern oder der Kleiderkammer, 
schwingt leider bei allen der fundamentalistische Gedanke mit. Dasungeborene Leben steht immer vor den Bedürfnissen der schwangeren Person. 
Dazu kommt ein sehr traditionelles Familienbild", schließt die Aktivistin ihre Kritik an dem Laden ab.

In den letzten Jahren kam es immer wieder zu Aktionen gegen den Verein. Besonders im Vorfeld des sogenannten "Marsch fürs Leben" war der 
Laden in Dresden in denFokus feministischer Aktivist:innen geraten. Die Veranstaltung wird alljährlich in Annaberg-Buchholz abgehalten und 
von fundamentalistischen Freikirchen organisiert. Der Verein organisierte über etliche Jahre einen Bus zu der Veranstaltung, bei der jedes 
Jahr im Frühsommer mehrere hundert Menschen gegen Abtreibungen und körperliche Selbstbestimmung demonstrieren. Der Verein selbst hat 
mittlerweile in mehreren Städten Läden und steht fundamentalistischen Strömungen nahe. In der Selbstbezeichnung wird der Verein als Teil 
einer "christlichen Lebensrechtsvereinigung" bezeichnet. Neben der Nähe zum konservativen Flügel der sächsischen CDU treten immer wieder 
Personen im Umfeld des Kaleb-Ladens auf, die u. A. in der neurechten Wochenzeitung "Junge Freiheit" schreiben.

Vor dem Räumen des Vereins gab es einige positive Reaktion auf die Aktion. Einige Wartende kamen mit dem Aktivist:innen ins Gespräch und 
zeigten Interesse an den Inhalten der Gruppe. Dies sei auch das Anliegen gewesen, Personen "außerhalb der Bubble" zu erreichen, so eine 
Aktivistin gegenüber addn.me, die das Angebot des Ladens nutzen weil sie darauf angewiesen sind, aber manchmal die Hintergründe des Vereins 
gar nicht kennen. Dabei gibt es lokale Alternativen, wie z.B. das Projekt Kinder Kleidung Austausch. Auf positive Rückmeldung stießen auch 
die Forderungen der Aktivist:innen: "Freier und legaler Zugang zu Abtreibungen. Kostenübernahme von Abtreibungen für alle Schwangeren die es 
benötigen - und nicht für nur Menschen mit deutschem Pass".

Die Gruppe stelle jedoch nicht nur strukturelle und rechtliche Forderungen, merkte eine weitere Sprecherin an. "Abtreibungen müssen als 
möglicher Teil einer Biografie von Menschen, die schwanger werden können, gesamtgesellschaftlich akzeptiert werden. Außerdem nervt es, dass 
das Thema nur von eben diesen Menschen behandelt wird. Zur ungewollten Fortpflanzung gehören - wenigstens biologisch - (mindestens) zwei 
Menschen. Abtreibung geht alle an." Das, so die Aktivistin weiter, würde Menschen in dieser schwierigen Situation unterstützen und könnte 
dazu führen, dass offener über das Thema gesprochen wird. Da dies allerdings nicht passiere, müssten Menschen, die abtreiben, mit 
Falschinformationen, Moralkeulen, Stigmatisierung und Tabuisierung klarkommen.

Um der Tabuisierung entgegenzuwirken und Abtreibung als Alltagsphänomen sichtbar zu machen, wurde von der Gruppe eine Online-Kampagne 
gestartet: "Abtreibungegschichten". "Menschen werden dafür ausgegrenzt, beschämt, verurteilt und bestraft. Es wird geschwiegen." heißt es 
auf der Seite der Gruppe zum Anlass für die Kampagne. Unter dem Motto "Let's Break the Silence!" können dort ungewollt Schwangere anonym von 
ihren Erfahrungen mit Schwangerschaftsbrüchen berichten. Zusammengekommen sind bisher 18 Geschichten, dieganz unterschiedliche Erfahrungen, 
Erlebnisse und Gefühle zum Thema schildern. Die Reihe wird fortlaufend erneuert. Vor allem am Safe Abortion Day nutzten andere Akteur:innen 
wie Pro Familia aus verschiedenen Städten die Geschichten, um für das Thema zu sensibilisieren. Die Gruppe freut sich über die Einsendung 
weiterer Geschichten.

Mit einem weiteren Onlineprojekt sind die Kritischen Mediziner:innen zum "Save Abortion Day" an die Öffentlichkeit gegangen. Auf der 
Internetseite sammelt die Gruppe Informationen zu Schwangerschaftsbrüchen. "Leider sind die gesellschaftlichen Unterstützungs- und 
Informationssysteme noch nicht gut ausgeprägt. Wir denken, dass alle Menschen ein Recht auf den Zugang zu Informationen über 
Schwangerschaftsabbrüche haben sollten", erklärte die Gruppe gegenüber addn.me. Auch e*vibes bietet auf ihrer Internetseite einen Überblick 
über Schwangerschaftsberatungsstellen und Kliniken, in denen Abtreibungen vorgenommen werden.

https://evibes.org/2020/10/07/patriarciao-aktion-zum-save-abortion-day-in-dresden/


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