(de) die plattform: Nein zum Staatsstreich in Peru!

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Mi Nov 25 09:04:47 CET 2020


Vorwort: ---- Dies ist die deutsche Übersetzung einer Solidaritätserklärung der 
"Coordinación Anarquista Latinoamericana" (Lateinamerikanische anarchistische 
Koordination, CALA) mit den derzeitigen sozialen Kämpfen in Peru. Dort 
protestieren vor allem junge Genoss*innen gegen einen Staatsstreich und die 
fortwährende Ausbeutung durch eine herrschende Allianz aus korrupten 
Politiker*innen und dem Kapital, sowie gegen Repressionen durch den Staat. Bei 
Protesten in der Nacht vom 14. auf den 15. November tötete die Nationale Polizei 
Perus in der Hauptstadt Lima zwei Studenten, etwa 100 Menschen wurden verletzt. 
Die Demonstrant*innen fordern ein Ende dieses ausbeuterischen, rassistischen und 
machistischen Regimes und eine freie, souveräne verfassungsgebende Versammlung, 
die eine neue Konstitution erarbeiten soll.
Die CALA ist ein Zusammenschluss anarchistischer Organisationen aus Brasilien, 
Uruguay und Argentinien, die zu den wichtigsten Vertreter*innen der 
anarchistischen Organisationsströmung des Especifismo zählen. 2019 wurde die 
Koordination nach Jahren der Inaktivität wiederbelebt, um dem organisierten 
Anarchismus Lateinamerikas inmitten zunehmender sozialer Kämpfe in der Region 
wieder eine vereinte Stimme zu geben. Wir haben den Text übersetzt, um die 
Perspektive unser lateinamerikanischen Genoss*innen auch Menschen aus dem 
deutschsprachigen Raum zugänglich zu machen.
Wie schon bei anderen Übersetzungen zuvor haben wir versucht, möglichst nahe am 
Original zu übersetzen, weswegen für Leser*innen hier vor Ort einige 
Formulierungen ungewohnt sein können.
Wir wünschen viel Spaß beim Lesen!

Übersetzung:
Die Lateinamerikanische Anarchistische Koordination (CALA) erklärt sich 
solidarisch mit dem Widerstand des peruanischen Volkes.

Seitens der Lateinamerikanischen Anarchistischen Koordination (CALA) bringen wir 
die breiteste Solidarität mit den Brüdern und Schwestern des peruanischen Volkes 
und ihren Organisationen zum Ausdruck, die sich einem neuen Staatsstreich 
entgegenstellen, der von einem repressiven Ansturm der herrschenden Kräfte vor 
Ort begleitet wird.
Diese Kräfte, die in den letzten Tagen eine Situation des institutionellen 
Putsches herbeigeführt haben, die Soldaten auf die Straßen geschickt haben, um 
ein Volk, das von all dem genug hat, zu disziplinieren und zu kontrollieren, sind 
die gleichen Kräfte, die mit dem "schmutzigen Krieg"¹ in den 1980er und 1990er 
Jahren ein regelrechtes Massaker angerichtet haben. Sie tragen auch die Schuld 
für den Selbstputsch von Fujimori² 1992, das Massaker von Bagua³ 2009 und die 
Machenschaften mit Odebrecht4 in den letzten Jahrzehnten.
Es sind dieselben, die in den letzten Tagen zwei Studenten kaltblütig ermordet 
und dutzende Genossinnen und Genossen in den Straßen Limas verletzt haben.

Deshalb ist der Volksaufstand der vergangenen Woche ein weiterer Ausdruck eines 
Volkes, das dieses politische, soziale und wirtschaftliche System satt hat; 
dieses System, das nichts anderes gemacht hat, außer die unterdrückten Teile der 
Gesellschaft zu unterjochen und auszubeuten.
Es ist der überwältigendste Ausdruck des langen und hartnäckigen Widerstands 
eines ganzen Volkes.
Wie die organisierten Kräfte von unten in Peru seit langem sagen: "Das Problem 
ist strukturell" und "die Antwort kommt von unten".

Dieser von Merino angeführte Staatsstreich, der dank des Kampfes des Volkes 
bereits gescheitert ist, eröffnet auch eine Periode der Instabilität und 
Neuanpassung der herrschenden Kräfte, um
das neoliberale Modell, die Ausplünderung und die Unterdrückung der Völker 
voranzutreiben, die das peruanische Gebiet bewohnen und schon seit mehr als 528 
Jahren Widerstand leisten.

Wir als CALA unterstützen und stützen die organisatorischen Prozesse unserer 
Genossinnen und Genossen, die sich in die sozialen Kämpfen Perus einbringen, in 
dem Wissen, dass dies der einzige Weg des Widerstands ist und dass er durch das 
Volk voranschreitet angesichts der gewalttätigen, volksfeindlichen 
Austeritätspolitik und der Gewalt von oben.

In diesen Kämpfen lebt das Beste des Volkes, organisiert und kämpferisch zu jeder 
Zeit. Mit González Prada und Cerpa5 können wir sagen, dass der Kampf des Volkes 
noch andauern wird und dass nicht tot ist, wer kämpft!

Wahrheit und Gerechtigkeit für die Genossen, die während des Volksaufstands 
ermordet wurden!
Es lebe der Widerstand des peruanischen Volkes!
Nieder mit allen Diktaturen!
Für den Aufbau der Macht von unten!
Lang lebe der organisierte Anarchismus!
Hoch mit denen, die kämpfen!

Federación Anarquista Urugaya, fAu (Uruguay)

Coordenaçao Anarquista Brasileira, CAB (Brasilien)

Federación Anarquista Rosario, FAR (Argentinien)

Teil der «Lateinamerikanischen Anarchistischen Koordination» (CALA)

Fußnoten
In den 1980er und 1990er Jahren führte die Staatsgewalt Perus einen blutigen 
Krieg gegen die Guerillaorganisationen "Leuchtender Pfad" und "Revolutionäre 
Bewegung Túpac Amaru" (MRTA), bei denen sie Massaker an der indigenen 
Landbevölkerung verübte.

1992 löste Präsident Alberto Fujimori nach einem vom Militär gebilligten 
Staatsstreich das Parlament auf und setzte die Verfassung ausser Kraft. Die neue 
und aktuelle Verfassung Perus ist aus dem Jahr 1993.

2009 wurden in Bagua im nördlichen Amazonas bei Protesten gegen ein 
Gesetzespaket, das die Rechte der indigenen Gemeinschaften verletzte und das 
Amazonasgebiet bedrohte, 33 Menschen getötet.

Der brasilianische Konzern Odebrecht hat in mehreren Ländern Südamerikas mehr als 
eine halbe Milliarde Schmiergelder bezahlt, um an Aufträge für Bauprojekte zu 
kommen. Auch mehrere peruanische Präsidenten waren in den Skandal verwickelt.

Manuel González Prada, peruanischer Anarchist und Schriftsteller, und Néstor 
Cerpa. Mitbegründer und Kommandant der peruanischen Guerilla MRTA.

https://www.dieplattform.org/2020/11/20/nein-zum-staatsstreich-in-peru/


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