(de) Anarchistisches Kollektiv Glitzer katapult: Solidarität mit antikolonialen Kämpfen - für antikoloniale Erinnerungskultur (en)

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Sa Nov 21 09:26:49 CET 2020


Am 15. November jährt sich der Beginn der sogenannten Kongo-Konferenz zum 136. 
Mal. Wir möchten daran erinnern, denn diese Konferenz legte den Grundstein für 
die Aufteilung Afrikas in Kolonien. Die Konferenz fand auf Einladung von Otto von 
Bismarck vom 15. November 1884 bis 26. Februar 1885 in Berlin statt. Deutschland 
etablierte sich als Kolonialmacht in Teilen des heutigen Namibia, Togo, Kamerun, 
Kenia, Tansania, Burundi und Ruanda. ---- Die koloniale Anmaßung der Aufteilung 
Afrikas wirkt bis heute in vielerlei Hinsicht fort. Studien belegen, dass 
Regionen, die auf diese Weise zerrissen wurden, bis heute wesentlich stärker 
unter Bürgerkriegen zu leiden haben und häufig ärmer sind, als andere.[1]
Die koloniale Gewaltherrschaft, die mit Peitsche und Verstümmelung dystopische 
Förderquoten u.a. für Kautschuk durchsetzen wollte, wandelte sich in vielen 
Regionen zukapitalistischer Ausbeutung. Diese neokoloniale Ausbeutung nimmt 
verschiedene Formen an, wie z.B. diskriminierende Handelspolitik, gewaltvolle und 
zerstörerische Schürfung von mineralischen Rohstoffen für den Globalen Norden, 
Verwertung (*) von Trinkwasser, Ausbeutung von Näherinnen oder Vertreibung von 
Kleinbäuer:innen durch Agrarkonzerne. Es sind auch diese Formen der Zerstörung 
von natürlichen Lebensgrundlagen und neokolonialer Ausbeutung, die 
Migrationsprozesse antreiben. Die Fortsetzung kolonialer Gewaltherrschaft drückt 
sich dann eben darin aus, dass Migrant*innen kriminalisiert und ertrunken 
gelassen werden.

Zur (moralischen) Rechtfertigung der kolonialen Gewalt wurde die "Rassentheorie" 
entwickelt und der Kolonialrassimus tief ins Selbstverständnis der 
Kolonisierenden gebrannt. Auch der Kolonialrassimus wirkt bis in die Gegenwart. 
Für wohlhabende, weiße Schichten sind Reisen in den Globalen Süden im Rahmen von 
Schüler:innen-Austausch oder Freiwilligendienste üblich. In den Berichten darüber 
werden Menschen und Länder desGlobalenSüdensstereotypund rassistisch dargestellt 
- sei es bewusst oder unbewusst. Manche Erzählungen lesen sich gar wie koloniale 
Reise-berichte.[2]Ausdruck des weißen Vorherrschaftsdenkens ist auch die erste 
Deutsche Kolonial-Ausstellung von 1896 im Treptower Park. Sie war auch eine 
"Völkerschau", in der die Kolonialisierten in einer zoo-ähnliches Situation 
"ausgestellt" wurden. Darüber informiert die Daueraustellung "zurückGESCHAUT" 
gestaltet durch die Initiative Schwarze Menschen in Deutschland und berlin 
postkolonial e.V.[3,4]

Wir sind mit den Widerständen gegen (neo)koloniale Herrschaft solidarisch. Seien 
es erinnerungspolitische Kämpfe, wie die Reperationsforderungen für die 
Kolonialisierung insgesamt und speziell für den Völkermord an den Herero und 
Nama, oder Forderungen nach Umbenennungen von Straßen und Plätzen. Seien es 
Umwelt- und Klimakämpfe um indigenes Land, wie bei der North Dacota Access 
Pipeline auf dem Gebiet der Wet'suwet'en in Kanada oder bei den Brandrodungen des 
Amazonas und der Pantanal Feuchtgebiete in Brasilien.
Wir sind für die Beseitigung der neokolonialen Ordnung damit der Weg geebnet ist 
für Aussöhnung und kollektive Verantwortungsübernahme. Unsere anarchistische 
Perspektive ist zwangsläufig antikolonial, antireligiös, antikapitalistisch, 
antirassistisch.

[1]https://www.dw.com/de/als-in-berlin-afrikas-schicksal-beschlossen-wurde/a-18278759
[2]https://www.glokal.org/wp-content/uploads/2013/09/BroschuereMitkolonialenGruessen2013.pdf
[3]https://www.berlin.de/museum-treptow-koepenick/ausstellungen/artikel.649851.php
[4]https://vimeo.com/278646205

PS:
Der Auslöser sich als Gruppe mit Kolonialismus intensiver auseinander zu setzen 
war die empfehlenswerte Doku "Entkolonisieren":
Teil 1: https://youtu.be/wovqAs62KqU
Teil 2: https://youtu.be/2OOIA7kwBWc
Teil 3: https://youtu.be/Ulm9QFb39yM

(*) Als Verwertung wird der Verkauf von Gegenständen, bezeichnet um daraus Profit 
zu 
schlagenhttps://fda-ifa.org/solidaritaet-mit-antikolonialen-kaempfen-fuer-antikoloniale-erinnerungskultur/


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