(de) bielefeld.fau: "Gestern war ich Corona-Heldin - heute kann ich meine Miete nicht mehr zahlen"

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Mi Nov 18 09:44:36 CET 2020


So äußerte sich eine Mitarbeiterin der Oetker-Tochter "Durstexpress GmbH" in 
Leipzig. Was war geschehen? Was geht uns das in Bielefeld an? ---- Offener Brief 
an die Dr. August Oetker KG, Bielefeld ---- Bei dem Getränkelieferdienst 
"Durstexpress" in Leipzig arbeiten ca. 600 Kolleg:inn:en in der 
Getränkeauslieferung, davon ca. 50 Teilzeitkräfte in der Kommissionierung. 
Nachdem noch vor wenigen Wochen infolge der Covid-19-Pandemie auch die 
Durstexpress-Mitarbeiter:innen zu "Essential Workers" erklärt und beklatscht 
wurden, erfolgte zu Oktober eine Kürzung der angebotenen Arbeitsstunden für 
Teilzeit-Kommissionierer:innen um 60 %. Einige Mitarbeiter:innen können dadurch 
seit Oktober nicht einmal die ihnen garantierten Wochenstunden arbeiten. Die 
Lohneinbußen der Oktoberabrechnung sind für einige Kolleg:innen 
existenzbedrohend. Gleichzeitig wurden Gewerkschaftsvertreter:innen der FAU 
Leipzig vom Standortleiter Patrick G. widerrechtlich des Geländes verwiesen, 
gewerkschaftliches Informationsmaterial verboten und eingesammelt.

Insbesondere den Teilzeit-Kommissionierer:innen drohen durch die aktuelle 
Arbeitszeitkürzung finanziell der Ruin, da sie teilweise keine weitere 
Einkunftsquellen haben. Die neuen Arbeitsverträge ermöglichen es ihnen, für bis 
zu 1300 Euro im Monat zu arbeiten, garantieren aber kaum Mindeststunden. Des 
Weiteren ist zu befürchten, dass Durstexpress einen Teil ihrer Lohnarbeiter*Innen 
so zur Kündigung drängen will, wodurch Personalkosten gespart werden sollen, die 
sogenannte kalte Kündigung.

Dies ist nicht die erste Schikane gegenüber einer Organisierung von 
Arbeiter:innen in Filialen des "Durstexpresses". In der Zentrale in Berlin wurden 
Kolleg:inn:en gekündigt, die sich am Aufbau eines Betriebsrates beteiligten.
Diese anti-gewerkschaftliche Haltung des Unternehmensleitung konnte die 
Kolleg:inn:en in Leipzig nicht davon abhalten, mit Hilfe der FAU Leipzig eine 
Betriebsgruppe zu gründen, um gegen diese Maßnahmen gemeinsam vorzugehen.

Die Forderungen der Leipziger Kolleg:inn:en an die Unternehmensleitung:

* Gewerkschafts- und Koalitionsfreiheit müssen geachtet werden
Zugang von Gewerkschaftsvertreter*innen auf den Betrieb und offene Verteilung von 
gewerkschaftlichem Informationsmaterial. Keine Bekämpfung oder Benachteiligung 
von Kolleg*innen aufgrund gewerkschaftlicher Organisierung und 
Betriebsgruppentätigkeit.

* Schichtsicherung und Schichtplanänderungen nur bis sieben Tage vor Schichtbeginn
Aktuell werden ohne Ankündigung Schichten kurzfristig zum Schichtplan hinzugefügt 
oder gebuchte Schichten gecancelt. Teilweise 24h Stunden vorher. Eine sichere 
Planung des Lebensalltags ist so nicht möglich.

* Entfristungen aller Verträge
Aktuell werden alle Vollzeitbeschäftigten sachgrundlos befristet eingestellt. 
Durch die Probezeit hat der Arbeitgeber bereits ausreichend Zeit zu überprüfen, 
ob das Arbeitsverhältnis funktioniert. Kettenbefristungen führen nur zur 
Unsicherheit bei der Belegschaft. Dadurch werden die Beschäftigten über zwei 
Jahre in ein prekäres Lebensverhältnis gedrängt.

* Mindestens 12,50 € pro Stunde, sowohl für Kommissionierer*innen als auch für 
Fahrer*innen

* Pünktliche und korrekte Bezahlung
Aktuell kommt es immer wieder zu Problemen bei der Lohnzahlung. Vor allem bei den 
Teilzeitkräften. Eine regelmäßige korrekte Bezahlung muss Standard werden!

* Keine kalte Kündigung - Mindeststunden müssen sofort nachgezahlt werden
Durch die Schichtkürzungen kam es zu finanziellen Nöten bei einigen beschäftigen. 
Dies kommt einer kalten Kündigung gleich, da diese dazu genötigt werden das 
Arbeitsverhältnis zu beenden, um einen Arbeitsplatz zu suchen, der für Ihren 
Lebensunterhalt garantiert. Die durch Annahmeverzug von Durstexpress entstandenen 
Lohndifferenzen müssen sofort nachbezahlt werden.

Wir fordern die Inhaberin des Durstexpresses, die August Oetker KG, auf, zu den 
Vorwürfen und den Forderungen der Leipziger Kolleg:inn:en Stellung zu nehmen.

Sollte sich die Unternehmensleitung nicht äußern, gehen wir von einem 
stillschweigenden Einverständnis mit den Maßnahmen der Leitung des Durstexpresses 
gegen die Kolleg:inn:en und unsere Gewerkschaft aus.
Wir werden als FAU Bielefeld die Kolleg:inn:en im Werk in Bielefeld, den 
Betriebsrat und die Öffentlichkeit über diese skandalösen und unsolidarischen 
Vorgänge informieren.

Über eine Stellungnahme Ihrerseits würden wir uns sehr freuen,

mit gewerkschaftlichen Grüßen,

I.Wellmann, Sekretärin der FAU Bielefeld

aktuelle Updates von der FAU Leipzig zum Arbeitskonflikt findet ihr HIER
https://leipzig.fau.org/update-zum-arbeits-konflikt-bei-durstexpress/

http://bielefeld.fau.org/2020/11/12/gestern-war-ich-corona-heldin-heute-kann-ich-meine-miete-nicht-mehr-zahlen/


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