(de) leipzig fau: [PM] Durstexpress: Nach dem Klatschen kommt die Kürzung

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Mo Nov 2 07:42:39 CET 2020


Im Leipziger Standort des Getränkelieferanten Durstexpress versammelten sich am 15.10.2020 bei Schichtbeginn 17 Teilzeitbeschäftigte vor dem 
Niederlassungsleiter Patrick Gassmann, um gemeinsam aktiv ihre Arbeitskraft anzubieten. Nachdem noch vor wenigen Wochen infolge der 
Covid-19-Pandemie auch die Durstexpress-Mitarbeiter*Innen zu "Essential Workers" erklärt und beklatscht wurden, erfolgte prompt eine Kürzung 
der angebotenen Schichten um bis zu 50 %, wodurch sie seit Oktober nicht einmal die ihnen garantierten Wochenstunden erarbeiten können. Es 
drohen existenzbedrohende Lohnausfälle. Gleichzeitig wurden Gewerkschaftsvertreter*Innen der FAU vom Standortleiter Patrick Gassmann 
widerrechtlich des Geländes verwiesen, gewerkschaftliches Informationsmaterial verboten und eingesammelt.

Derzeit wird die Kommissionierung in Leipzig zum Großteil von etwa 50 Teilzeitbeschäftigten verrichtet und umfasst sämtliche anfallende 
Lagerarbeiten. Das Arbeitsverhältnis ist über unterschiedliche, überwiegend unbefristete Arbeitsverträge geregelt, die zehn, zwanzig, oder 
dreißig Wochenstunden umfassen. Insbesondere den Beschäftigten mit 30-Wochenstunden-Verträgen droht durch die aktuelle Arbeitszeitverkürzung 
finanziell der Ruin, da sie teilweise keine weitere Einkunftsquelle haben. Des Weiteren ist zu befürchten, dass die Durstexpress GmbH einen 
Teil ihrer Lohnarbeiter*Innen so zur Kündigung drängen will, wodurch Personalkosten gespart werden sollen - die sogenannte kalte Kündigung.

Auf Nachfrage der Basisgewerkschaft FAU bei Durstexpress wollte der Niederlassungsleiter Patrick Gassmann von den Problemen nichts gewusst 
haben. Dabei baten ihn die Beschäftigten in einer E-Mail bereits vor dieser Aktion um (weitere) offene Schichten. Auf Nachfrage wies er jede 
Verantwortung jedoch von sich und verwies auf die Berliner Zentrale von Durstexpress. Wiederum erklärte Gassmann aber, dass die 
Beschäftigten im persönlichen Gespräch die Möglichkeit gehabt hätten, die Situation in Individualabsprachen zu klären. Dies habe aber seinen 
Angaben nach keiner der Beschäftigten versucht - eine glatte Lüge. Mehrere Beschäftigte suchten das Gespräch, wurden aber damit 
konfrontiert, dass die Änderungen "von Berlin so gewollt seien und sich hier nichts machen ließe".

Daher gab Sören Winter, Pressesprecher der Freien Arbeiter*Innen Union Leipzig (FAU), folgendes Statement ab: ,,Ein Wille zur Lösung des 
Problems ist nicht erkennbar. Die Anfragen der Mitarbeiter*Innen an die Vorgesetzten oder die Personalabteilung werden entweder erst sehr 
spät oder gar nicht beantwortet. Vor Ort verweigerte der Standortleiter Gassmann eine schriftliche Bestätigung, dass sie ihre Arbeitskraft 
angeboten hatten und wies sie allesamt ab."

Das Anbieten der Arbeitskraft ist entscheidend, da sich Durstexpress nicht nur unmoralisch verhält, sondern seinen Vertragspflichten nicht 
nachkommt, wenn vereinbarte Stunden nicht zur Verfügung gestellt werden. Im Falle eines solchen arbeitgeberseitigen Annahmeverzugs, wäre 
Durstexpress immer noch zur Lohnzahlung im Rahmen der vertraglich vereinbarten Stunden verpflichtet.

Um die Organisierung der Mitarbeiter*Innen zu verhindern, geht Durstexpress seit Längerem mit fragwürdigen Methoden vor. So verhinderte der 
Getränkelieferant in der Berliner Niederlassung 2019 eine Betriebsratswahl durch Entlassung der verantwortlichen Arbeiter*Innen. Der Fall 
erregte bereits im letzten Jahr Aufsehen durch mediale Berichterstattung.

Offenbar werden nun auch in Leipzig gewerkschaftliche Rechte der Koalitionsfreiheit direkt bekämpft. Diese sichern Gewerkschaften unter 
Anderem einen Besuch der Betriebe sowie die Information der Beschäftigten und insbesondere der Mitglieder am Arbeitsplatz zu. 
Niederlassungsleiter Patrick Gassmann berief sich auf sein Hausrecht und verwies Gewerkschaftsvertreter*Innen des Geländes. 
Gewerkschaftliche Flugblätter wurden verboten und wieder eingesammelt, da sie den Betriebsfrieden stören würden.

Die momentane Situation zwingt uns jetzt zu einem entschiedenen Handeln, das keinen langen Rechtsstreit abwarten kann. Zudem ist es ein 
Dammbruch, Gewerkschaften den Betriebszugang zu verwehren, der keine Lappalie darstellt und nicht hingenommen werden kann. ,,Es liegt nun 
nicht nur an den mutigen engagierten Kolleg*Innen im Betrieb und der FAU, gegen dieses Unrecht vorzugehen. Alle sind aufgerufen, sich an 
anstehenden gewerkschaftlichen Aktionen gegen Durstexpress zu beteiligen, bis Arbeitnehmer*Innen- und Gewerkschaftsrechte geachtet und die 
Arbeitsplätze unserer Kolleg*Innen gesichert sind. Das Modell #Frustexpress darf nicht auf dem Rücken der Arbeitnehmer*Innen weiter Schule 
machen." schließt Winter mit Blick auf eine angesetzte Kampagne der FAU.

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung. Es können Belege für die Sachbehauptungen vorgelegt werden. Auf Wunsch können wir Ihnen 
für O-Töne Kontakte zu Betroffenen bereitstellen.

Mit freundlichen Grüßen
Sören Winter
Pressesprecher FAU Leipzig

Allgemeines Syndikat FAU Leipzig
Breite Str. 4
04317 Leipzig
Telefon: (+49) 0178/149 4224
E-Mail: kontakt.leipzig[at]fau.org
Webseite: leipzig.fau.org
Twitter: @FAU_Leipzig
Facebook: fb.com/FAULeipzig

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