(de) FAU, direkte aktion: KONFERENZ DER NÄHERINNEN

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Di Jun 23 08:45:43 CEST 2020


In Asien vernetzen sich asiatische und europäische (Basis-)Gewerkschafter*innen, um sich im Kampf für bessere Arbeitsbedingungen in der 
Bekleidungsindustrie zu unterstützen. Ein Reisebericht. ---- Globales Von: Mo - 19. Juni 2020 ---- Alles begann im Internet mit einem 
einfachen "Hello, I am Chamila!" und ein halbes Jahr später holte ich sie vom Flughafen ab. Chamila arbeitet für das Dabindu Collective, das 
sich für die Rechte von Arbeiterinnen in Nähfabriken verschiedener Regionen Sri Lankas einsetzt. Sie unterstützt sie im Kampf um bessere 
Arbeitsbedingungen. ---- Das erste gemeinsame Projekt war eine Vortragstour durch 14 Städte in Europa im Oktober 2019. Mit dabei war Dian 
von der Inter-Factory Workers Federation (FBLP) in Jakarta, die ebenfalls gewerkschaftliche Basisarbeit für die Interessen von Näherinnen 
leistet. Die Tour brachte Menschen zusammen, die im Alltag durch die räumliche Distanz weit voneinander getrennt, aber als Akteur*innen 
innerhalb derselben Wertschöpfungskette vereint sind. Schließlich werden die allermeisten Kleidungsstücke in den europäischen Regalen von 
Näherinnen in Asien produziert.

KEIN ARBEITSSCHUTZ UND ÜBERGRIFFEN AUSGELIEFERT
Nach der erfolgreichen Tour wollten wir in Kontakt bleiben und uns bald wieder treffen. Was anfangs eher als ein kleineres informelles 
Treffen gedacht war, wurde schnell zu einer richtigen Konferenz. Die International Conference of Labor Unions in the Garment Industry fand 
kein halbes Jahr später, Ende Februar 2020, in Colombo statt - ausgerichtet vom Dabindu Collective und der FAU.

Etwa 13 (Basis)Gewerkschaften waren durch knapp 30 Teilnehmer*innen vertreten. Neben diversen Strukturen, die ihren Schwerpunkt in Sri Lanka 
haben, waren Delegierte der CNT Spanien, des Garment Workers Trade Union Center (GWTUC) aus Bangladesch, der Federation of Garment Workers 
Myanmar (FGWM) sowie der Internationalen Konföderation der Arbeiter*innen (IKA), der FAU und des Solidarity Center (Myanmar) bei der 
Konferenz anwesend und haben diese mitgestaltet.

Die Arbeitsbedingungen der Frauen sind fast überall dieselben: Es fehlen Schutzkleidungen wie Atemmasken und der ihnen gesetzlich zustehende 
Urlaub von 14 Tagen im Jahr wird in der Regel nicht gewährt. Auch an Feiertagen soll gearbeitet werden. Wenn jemand krank wird, müssen 
Kolleg*innen den Ausfall auffangen und dürfen die Fabrik erst verlassen, wenn sie die vorgegebene Produktionsquote erreicht haben. Dieser 
Druck hat weitreichende Folgen und begünstigt unter anderem sexualisierte Gewalt gegen die Arbeiterinnen. Da die Frauen diese Zielvorgaben 
erreichen müssen, bevor sie gehen dürfen, sind sie darauf angewiesen, dass ihre Nähmaschinen schnell repariert werden, wenn sie mal kaputt 
gehen. Das versetzt sie in Abhängigkeit zu den Mechanikern, die die Situation oft ausnutzen.

MIT STREIKS GEGEN BELÄSTIGUNG
Besonders interessant waren die Berichte aus Myanmar: Dort organisieren sich zur Zeit vermehrt Näher*innen und bauen in einzelnen 
Nähfabriken gewerkschaftliche Strukturen auf. Mit spontanen Streiks haben sie viele gute Erfahrungen gemacht. Moe Sandar Myint (FGWM) 
berichtete, dass sie einmal für die Kündigung eines Mechanikers gekämpft haben, der eine Frau sexuell belästigt hatte. Sie streikten eine 
Woche, danach war der Mechaniker weg. Die Fabrik hatte eine neue Gewerkschaft. Sie formulierten neue Forderungen und setzten sie durch.

Die Gewerkschaftsbewegung in Myanmar ist relativ jung, denn bis 2010 herrschte eine Militärdiktatur. Erst seitdem etablieren sich dort 
gewerkschaftliche Strukturen. Insbesondere Basisgewerkschaften scheinen mit ihrem Ansatz erfolgreich zu sein. Die fabrikbezogenen 
Gewerkschaften schließen sich in der FGWM zusammen, um sich gegenseitig zu unterstützen.

Nun gilt es, die Erfahrungen aus Myanmar auch über die Landesgrenzen hinaus zu streuen und so international für Solidarität und eine stabile 
Vernetzung zu sorgen. Denn es besteht immer die Gefahr, dass ein Fabrikbesitzer seine Niederlassung einfach schließt, wenn die Belegschaft 
zu viel fordert. In Bangladesch z.B. sind die Menschen im Zweifelsfall noch abhängiger. Also ist es leichter, an einem anderen Standort 
einfach eine Neue aufzumachen.

TRANSKONTINENTALE SOLIDARITÄT
Deshalb auch die internationale Konferenz in Colombo, der inoffiziellen Hauptstadt von Sri Lanka. Dort waren sich alle darin einig, dass der 
Druck in erster Linie von den Arbeiter*innen selbst ausgehen muss. Aber - so beschreiben es sowohl Gewerkschaften aus Sri Lanka als auch aus 
Myanmar und Bangladesch: Das Markenimage ist d

https://direkteaktion.org/konferenz-der-naeherinnen/


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