(de) wien syndikat: Das WAS unterstützt indische GenossInnen

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Do Jun 18 08:07:24 CEST 2020


Seit dem IAA-Kongress Ende 2019 in Australien ist die MEM - Muktivadi Ektra Morcha (Libertarian Unity Front) - aus Indien mit der IAA, der 
Internationalen ArbeiterInnen Assoziation, föderiert. Die MEM ist hauptsächlich in der Zwei-Millionen-Stadt Bhopal aktiv, welche 1984 durch 
die schwerste Chemiekatastrophe aller Zeiten traurige Berühmtheit erlangte. ---- Als Schwestergewerkschaft, zu der schon länger Kontakte 
bestanden, wurde die MEM letzten Dezember in die IAA aufgenommen, von der auch das WAS ein Teil ist. Dabei erhielt die MEM den Status 
"FreundInnen der IAA", welcher hauptsächlich für kleinere Gewerkschaften besteht, die die Anforderungen einer Vollmitgliedschaft in einer 
weltweiten Gewerkschaftsföderation noch nicht erfüllen können oder wollen, wie beispielsweise umfassende Kommunikation und 
Übersetzungstätigkeiten auf Englisch und Spanisch.

Die MEM hat nun am Höhepunkt der SARS-CoV-2-Pandemie eine Unterstützungsanfrage an alle IAA-Gewerkschaften gerichtet. Wie wir in einem 
Telefonat mit einem indischen Genossen bestätigt bekommen haben, gibt es in Indien absolut keine Arbeitslosenunterstützung und auch keine 
Sozialhilfe. Die umfassenden Ausgangssperren, die auch in Indien verhängt wurden, sind also gleichbedeutend mit einer hundertprozentigen 
Einkommenskürzung und in vielen Fällen ernsthaft existenzbedrohend geworden. In dieser Situation hat die MEM zu einer dreistelligen Anzahl 
von ArbeiterInnen neue Kontakte geknüpft, die Mitglieder werden möchten, sobald die Pandemie-Situation wieder persönliche Treffen zulässt.

Ein Teil dieser ArbeiterInnen hat es besonders schwer getroffen und sie haben nun keinerlei Einkommen mehr. Daher hat sich die MEM dazu 
entschieden, sie so gut es geht zu versorgen. Das normale Lohnniveau ist derzeit rund 180,- Euro pro Monat und ArbeiterIn. Mit rund 60,- 
Euro kann eine komplette Familie zumindest ernährt werden.

Die erste Tranche an Geldern konnte nun an Arbeiter von Zomato, wo die Genossen ihren Lebensunterhalt normalerweise als "delivery workers" 
verdienen, und an einige aus anderen Cargo-Unternehmen, die in Bhopal großes Frachtgut vom Flughafen und Bahnhöfen aus zustellen, verteilt 
werden. Das WAS hat der MEM auch einen kleinen Beitrag geschickt. Was uns dabei wichtig ist: Dieses Geld ist keine "Charity-Aktion", sondern 
die aktive Unterstützung von Selbstorganisation und selbstverständliche Solidarität. Auch wenn es sehr grundsätzlich auf uns wirken mag, so 
sind die Gegebenheiten in manchen Regionen des Planeten: Wir müssen halt darauf schauen, dass manche von uns nicht hungern. Eine ähnliche 
Aktion hat übrigens unsere Schwestergewerkschaft BASF aus Bangladesh gleich zu Beginn der Pandemie gemacht. Die BASF hat Seife kostenfrei 
verteilt, damit die ArbeiterInnen sich regelmäßig die Hände waschen können und so zumindest die Infektionsgefahr minimiert werden kann. 
Ausreichend Seife stellt leider keine Selbstverständlichkeit in Bangladesh dar und ist für viele nicht leistbar.

Muktivadi Ektra Morcha

Veröffentlicht am 11.06.2020 auf dem WAS-Blog. Kopieren mit Quellenverweis möglich.

https://wiensyndikat.wordpress.com/2020/06/11/das-was-unterstuetzt-indische-genossinnen/


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