(de) Wiener ArbeiterInnen-Syndikat: SARS-COV-2 - Sozialer Aufstand mit 1 Meter Abstand

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Fr Dez 25 07:58:53 CET 2020


Gesundheit und ein gutes Leben für Alle! ---- Solidarität und Klassenkampf statt 
Notstandsgesetze ---- Kein Platz für rassistische Ideologien und rechte Hetze! 
---- Das WAS ruft auf und beteiligt sich an der Demonstration Sozialer Aufstand 
mit Abstand. Für gemeinsames solidarisches Handeln! Gegen Vereinzelung und 
Sozialabbau sowie gegen autoritäre Maßnahmen und die Pandemie der Repression und 
Kontrolle. Kundgebung am 22. 12. um 15:00 Uhr am Meiselmarkt (U3 Johnstraße), 
Demonstration um 18:00 Uhr. ---- Wir sind wütend und erschöpft. Die Energien am 
Ende. Mitten in einer Gesundheits- und Wirtschaftskrise wird von uns verlangt, 
unser Leben und unsere sozialen Kontakte einzuschränken und unter noch härteren 
Bedingungen weiterarbeiten oder in Zwangskurzarbeit zu gehen: Arbeit bis zum 
Umfallen, kaputte Bandscheiben oder Burn-out, doch das Geld im Börsel wird nicht 
mehr.
Wer hat das Privileg eine große Wohnung, zu haben in der sie sich einbunkern 
kann? Warum gelten die ganzen Einschränkungen vor allem in der Freizeit und nicht 
am Arbeitsplatz? Wieso müssen in einer Pandemie Bauarbeiten, Renovierungen und 
Fabrikbetriebe weiterlaufen, während wichtige OPs in Spitälern aus 
Kapazitätsgründen nicht erledigt werden können? Wieso wird der Waldraubbau 
international nicht gestoppt, wenn klar ist, dass die Seuchenwahrscheinlichtkeit 
durch Übertragung von Tier auf Mensch sich dadurch um hundert Prozent erhöht?

Der Kapitalismus ist unsere Krise

Die Pandemie verschärft unsere Lebensrealitäten. Die "Coronakrise" wird aber 
politisch benutzt um die Krise des Kapitalismus seit 2008 zu verschleiern. Vieles 
was wir jetzt gerade erleben, hatte vor Corona schon seine Bruchstellen, wie z.B. 
im medizinischen und sozialen Bereich. Die Folgen dieser Einsparrungen machen 
sich jetzt massiv bemerkbar.

Her mit unserer Kohle statt Applaus- Wir zahlen nicht für eure Krise

Der Staat verteilt im selben Atemzug Milliarden an Steuergeldern an 
umweltschädliche Fluggesellschaften, begünstigt Großkonzerne und schafft einen 
immer größer werdenden Militär- und Polizeiapparat. Angestellte im Handel werden 
mit einem Gutschein abgespeist und das Krankenhauspersonal bekommt Applaus 
anstatt den Forderungen nach notwendigen Schutzvorkehrungen, kostenloser 
Kinderbetreuung und Lohnerhöhungen bei Arbeitszeitverkürzung nachzukommen. 
Arbeiter*innen in den Schlachthöfen werden gezwungen weiterzuarbeiten. Die 
Massentierhaltung läuft trotz des Wissens übertragbarer Krankheiten weiter.
Kleine Gastronomiebetriebe und Kultureinrichtungen werden hängengelassen.
Die regionale Wirtschaft wird kaputt gespart während Firmen wie Amazon, Google, 
Kommunikationsplattformen, digitalen Bezahlsysteme und Waffenkonzernen der 
"Lockdown" wie gerufen kommt um Milliarden Gewinne zu machen. Jetzt sind wir 
zuhause und können den Markt von hieraus bedienen, weil raus dürfen wir ja nicht 
mehr.

Gesundheit und ein gutes Leben für Alle - Für ein klassenloses 
(Gesundheits)system kämpfen

Kolleg*innen aus den öffentlichen Krankenhäusern haben uns berichtet, dass fast 
jeden Tag Menschen sterben, weil sie nicht die notwendige Versorgung bekommen. Zu 
wenig Betten und zu wenig eingeschultes Personal auf den Intensivstationen. 
Aufgrund des herbei geführten Ressourcenmangel muss das Personal Entscheidungen 
darüber treffen, wer stirbt und wer überlebt. Massive Einsparungen der letzten 
Jahre führten zu Engpässen und erhöhen den Druck auf die Kolleg*innen in den 
Krankenhäusern. Anstatt sie zu entlasten und aufzustocken wurde mitten in der 
2ten Welle die Krankenanstaltenfinanzierung für das Jahr 2021 um 130Millionen 
Euro gekürzt!

Wir schicken solidarische Grüsse in die KH's und unterstützen die Forderungen 
nach mehr Personal und Infrastruktur!
Kämpfen wir gemeinsam für ein funktionierendes, nicht profitorientiertes 
Gesundheitswesen!

Alle Abschiebungen und Schubhaft abschaffen!

Auch die europäische Abschiebeindustrie gehört nicht zu den Verlierern der Krise 
und unterzeichnet in der 2ten Welle eine Abschiebeabkommen mit Afghanistan. 
Deutschland zieht dort stationierte Soldaten wegen der Pandemie ab während 
Menschen, die von dort geflüchtet sind, in die Kriegsregion zurückgeschoben 
werden. Österreich ganz vorne dabei. Der österreichische Staat liefert in 
Kooperation mit anderen EU-Ländern geflüchtete Tschetschen*innen dem russischen 
Geheimdienst aus und scheut nicht davor zurück politische Flüchtlinge dem 
Erdogan-Regime auszuliefern.

Sofortige Bereitstellung von autonomen Wohnraum für Alle!

Das Privileg es sich Zuhause im Homeoffice-Arbeitszimmer gemütlich zu machen, ist 
nur einer kleinen Elite mit Eigenheim möglich. Die meisten Menschen leben auf 
engem Raum. Soziale Isolation, Kinder die beschäftigt werden möchten, Alte und 
Kranke die gepflegt werden müssen. Existenzsorgen, Ängste und Einsamkeit. Es ist 
Gewalt nicht allen Menschen einen würdigen Wohnraum zu Verfügung zu stellen: 
geflüchtete Menschen werden österreichweit in Lagern eingesperrt und müssen sich 
oft einen Raum zu zehnt teilen. Wohnungslose Menschen werden (jetzt vermehrt!) 
von öffentlichen Plätzen vertrieben.

Solidarische Grüße durch die Mauern aller Häuser, Lager und Knäste

Feministische Solidarität statt Isolation!

Die gesetzlich verordneten Kontaktbeschränkungen bedeuten für die meisten 
Menschen, insbesondere für Frauen*, Lesben und GQIT-Personen, die sich bewusst 
gegen heteronormative Lebenskonzepte entschieden haben, eine soziale und vielfach 
ökonomische Katastrophe. Hinzu kommt, dass Reproduktionsarbeit wie 
Kinderbetreuungspflichten vermehrt in den privaten Bereich abgeschoben werden 
anstatt sie zu vergesellschaftlichen. Frauenhäuser und Beratungsstellen werden 
gekürzt, während patriarchale Gewalt und Feminizide zunehmen. Daran wollen wir 
nicht zu Grunde gehen und organisieren uns!

Stoppen wir den Virus der Kontrolle

Überwinden wir die Isolation und die Angst, die Ohnmacht und Verwirrung 
hervorgerufen haben. Der Staat nutzt die zunehmenden Ungleichheiten und die 
produzierte Systemkrise um eine autoritäre Politik durchzusetzen, die der Polizei 
mehr Befugnisse erteilt und den Einsatz hochtechnologischer Kontrollsysteme 
rechtfertigt. Wir werden durch Computersysteme immer mehr überwacht und sollen 
uns selbst kontrollieren. Möglichkeiten zum Protest werden weltweit immer mehr 
eingeschränkt. Die Geschichte lehrt uns, dass Pandemien stets Auslöser waren, die 
Bevölkerung noch stärker zu regulieren und kontrollieren. Organisieren wir uns 
gegen die Tendenz der "freiwilligen" Selbstkontrolle. Gewöhnen wir uns nicht an 
staatliche Notstandsverordnungen, überlassen wir den Protest dagegen nicht dem 
braunen Sumpf und deren menschenverachtender Ideologien!

Kein Platz für rassistische Ideologien und rechte Hetze!

Eine solidarische Gesellschaft braucht keine Notstandsgesetzgebung!
Organisieren wir uns!
Ein gutes Leben für Alle!

Schauen wir aufeinander. Nehmt eine Maske mit und achtet bei Bedarf auf 
physischen Abstand.

Rechtliche Information: Laut der COVID19-Notmaßnahmenverordnung (§19, Absatz 1, Z 
2 COVID-19-NotV) ist es gestattet den privaten Wohnbereich zum Zwecke der 
Teilnahme an einer Versammlung nach dem Versammlungsgesetz zu verlassen. Das gilt 
auch für den Nachhauseweg nach 20 Uhr!

Original: Aufruf Sozialer Austand mit 1Meter Abstand

Veröffentlicht auf dem WAS-Blog am 19. 12. 2020. Kopieren mit Quellenverweis möglich.

https://wiensyndikat.wordpress.com/2020/12/19/sozialer-aufstand-mit-1-meter-abstand/


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