(de) Wiener ArbeiterInnen-Syndikat: Portal zur Internationalen Aktionswoche gegen nichtgezahlte Löhne & dem Konflikt bei Seamox in Wien

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Do Dez 17 09:14:59 CET 2020


In ArbeiterInnenkämpfe Ö, Arbeitsrecht, Informationstechnik, International, 
Solidarity, Termine (vergangene) on Oktober 13, 2020 at 11:42 pm 12. bis 18. 
Oktober 2020 ---- Das WAS beteiligt sich an der Internationalen Aktionswoche 
gegen nichtgezahlte Löhne der Internationalen ArbeiterInnen-Assoziation (IAA), in 
welcher wir als FreundInnen föderiert sind. Im Folgenden findet ihr alle 
Informationen und Artikel zur Aktionswoche - in Wien und weltweit. ---- 
Neuigkeiten (wird laufend aktualisiert) ---- Aufruf der IAA zur Aktionswoche
kurzes Promovideo der IAA zur Aktionswoche (externer Link)
gute Zusammenfassung der Aktions-
woche von der Priama Akcia (en)
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Aktueller Fall des WAS wegen eines nicht-gezahlten Gehalts - mit Kundgebung am 
Mittwoch, den 14. Oktober vor der Firma Seamox:

Ein Wiener Wirtschaftskrimi?
Viennese Economy-Crime-Story?
Aufruf zur Kundgebung vor der SeaMoX GmbH am 14. Oktober
Bericht zur Kundgebung vor der Seamox GmbH am 14. Oktober
Informe sobre la concentración ante Seamox GmbH el 14 de octubre
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Schöner Überblicksartikel unserer slowakischen Schwestergewerkschaft Priama Akcia 
zur Aktionswoche mit Kämpfen der IAA-Gewerkschaften weltweit:

PA: International week against unpaid wages (12th-18th October)
"Fighting Back", ein sehr empfehlenswertes 15-Seitiges Dokument der ZSP-Warschau 
zur Aktionswoche mit kurzem theoretischem Teil und vielen praktischen Beispielen:

ZSP FIghting Back - IWA International Week Against Unpaid Wages

Das Nicht-Zahlen von Löhnen hat international System

Das Phänomen, daß FirmenbesitzerInnen und Chefs ihren ArbeiterInnen die Löhne aus 
mannigfaltigen Gründen vorenthalten, ist kein Schicksal. Es handelt sich auch 
nicht um ausnahmsweise unmenschliche Vorgesetzte oder UnternehmerInnen, sondern 
die Sache hat System. ArbeiterInnen haben in dieser Welt nichts außer ihrer 
Arbeitskraft zu verkaufen. Das kapitalistische System zwingt jedes Unternehmen 
dazu, noch mehr "einzusparen", billiger zu produzieren oder dienstzuleisten, und 
noch mehr zu wachsen, damit im folgenden Jahr eben noch höhere Renditen 
erwirtschaftet werden.

Und dabei muß das Kapital halt teilweise auch "kreativ" werden, ... Löhne und 
Gehälter einfach nicht zu bezahlten oder vorzuenthalten, mit welchen Begründungen 
auch immer, ist eine dieser Methoden des Kapitals, die uns ArbeiterInnen weltweit 
betrifft! Daher hat die Internationale ArbeiterInnen-Assoziation (IAA), in der 
wir weltweit föderiert sind, beschlossen, die dritte Oktoberwoche zur 
Aktionswoche gegen unbezahlte Löhne auszurufen. Ein Ziel ist es, aufzuzeigen, daß 
wir weltweit vor den selben Problemen stehen. Ein Weiteres ist es, klarzumachen, 
daß organisierte ArbeiterInnen durchaus etwas gegen diesen strukturellen Lohnraub 
unternehmen können. Die Woche steht nämlich auch ganz im Zeichen der möglichen 
Handlungsformen, die sich uns HacklerInnen bieten, um uns die Nichtbezahlung eben 
nicht gefallen zu lassen, und dem Wahnsinn kollektive Aktionen, die so direkt wie 
möglich sein sollten, entgegenzusetzen.

Unsere spanischen GenossInnen der CNT-AIT bei einer Aktion gegen nicht gezahlte Löhne

Wir vom WAS haben uns den Fall eines Genossen ausgesucht, den wir diesbezüglich 
öffentlich vorstellen, der wirklich höchst exemplarisch für die momentane 
Verfasstheit unseres weltweiten Wirtschaftssystems steht. Unser Freund aus 
Spanien ist IT-Techniker, und wurde von einer kleinen Wiener Bude angeworben. Was 
wurde ihm nicht alles versprochen oder zumindest in Aussicht gestellt. Und 
selbständig sollte er sein, der Genosse aus Spanien. Nur drei Tage in Wien, bei 
einem bekannten IT-Konzern im Büro sitzen, und vier Tage in der Woche aus 
Spanien, oder sonstwo.

In Wien angekommen, wurde nach kurzer Zeit immer klarer, daß es sich um einen 
stinknormalen Job handelt, der angemeldet sein müßte. Unser Genosse hat dies auch 
in Aussicht gestellt bekommen. Nachdem sich aber längere Zeit nichts in diese 
Richtung bewegt hat, hat er glücklicherweise im Dezember 2019 die Notbremse 
gezogen, und das Dienstverhältnis noch in der Probezeit gelöst.

Der Arbeitgeber aus Wien hat seitdem auf stur geschalten, und verweigert jegliche 
Anmeldung und Bezahlung der bereits geleisteten Arbeit.

Womit er aber nicht gerechnet hat sind Basisgewerkschaften, die sich aufrichtig 
um ihre Mitglieder kümmern - gemeinsam, ohne Hierarchien und gleichberechtigt. 
Unser Genosse ist nämlich in Spanien Mitglied bei der CNT-AIT und somit über 
unsere Föderation auch Mitglied beim WAS. Mit enormen Aufwand haben wir 
schließlich festgestellt, daß es insgesamt vier Ebenen an Subunternehmen gibt, 
die in den Verkauf der Arbeitskraft involviert sind. Außerdem kann es sich 
alleine schon aus arbeitsorganisatorischen Gründen, wie Nutzung des Laptops einer 
Firma in Wien, Büroarbeitsplatz in Wien, vorgegebene Büroarbeitszeiten usw., 
ausschließlich um eine unselbständige Erwerbstätigkeit gehandelt haben. Also ein 
Anstellungsverhältnis. Die Firma Seamox aus Wien, eigentlich ein kleiner Fisch in 
dem ganzen Spiel, bietet jedoch hauptsächlich günstige Arbeitskräfte im 
Nearshoring an. Und diese "Günstigkeit" muß irgendwoher kommen. Es stellt sich 
also die Frage, ob die Idee, österreichische Sozialversicherung und Steuern zu 
umgehen, das Geschäftsmodell selbst darstellt?

Als "Lösung" empfehlen diverse Stellen dann immer Klagen bei Gerichten. Was 
natürlich für Menschen, die tausende Kilometer entfernt leben, und kein Deutsch 
sprechen, nicht machbar ist, besonders wenn sie nicht über größere Rücklagen 
verfügen.

Aber wir AnarchosyndikalistInnen haben eben auch andere Methoden. Öffentlichkeit 
schaffen für die Zustände unserer Wirtschaft, ist eine davon. Öffentlichkeit 
schaffen für spezielle Firmen, wie Seamox, die sich seit bald zehn Monaten 
weigern, eine korrekte Anstellung vorzunehmen, ist eine Andere. In Tradition der 
"Pickets" stehen wir in Kaisermühlen, bei Seamox und konfrontieren sie damit, daß 
unser Genosse seit vielen vielen Monaten auf seine Anstellung und auf seine 
Bezahlung für die Arbeit, die er im November und Dezember 2019 geleistet hat, wartet.

Nächste Woche, oder nächstes Monat, stehen wir dann vielleicht auch schon beim 
nächsthöheren Subunternehmer, der die Verantwortung für diese 
Subunternehmerketten natürlich auch nicht übernehmen will. Dabei ginge es in 
diesem Fall um lediglich 5800,- Euro alles zusammen.

Was uns AnarchosyndikalistInnen ebenfalls ausmacht, und was viele Chefitäten erst 
lernen müssen; wir wissen darum, daß wir ArbeiterInnen nichts als unsere 
Gegenseitige Hilfe und Solidarität haben. Das bedeutet, daß wir auch bei 
"kleinen" Mißständen bereit sind, vordergründig einmal vollkommen 
unverhältnismäßigen Aufwand zu betreiben, der in keinem Verhältnis zu dem Verlust 
durch die - in diesem Fall - nicht-bezahlten Gehälter steht. Wir tun dies, weil 
wir uns gegenseitig ernst nehmen, und weil die Erfahrung eines positiv 
abgeschlossenen Arbeitskonfliktes eben auch "unbezahlbar" ist. Wir sind auch der 
Meinung, daß wir genau die richtige Antwort auf die grenzüberschreitende 
Ausbeutung von ArbeiterInnen geben. Wir organisieren uns international und 
agieren unbürokratisch auf die Situation angepasst. Eine Sache mit der viele 
KapitalistInnen nicht rechnen.

Man wird uns also auch nicht mehr los, wir stehen gegebenenfalls noch in Jahren 
auf der Straße und prangern die Mißstände in konkreten Firmen an und zwar überall 
auf der Welt.

Denn ein Angriff gegen Eine, ist ein Angriff gegen Alle!

Veröffentlicht am 14.10.2020 auf dem WAS-Blog. Kopieren mit Quellenverweis möglich.

https://wiensyndikat.wordpress.com/2020/10/13/internationale-aktionswoche-gegen-nichtgezahlte-loehne-2/


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