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Mo Dez 14 09:01:44 CET 2020


Nicht der Widerstand ist kriminell, sondern dieses System! - Freiheit für die 
Gefangenen der sozialen Revolte in Chile! ---- Heute haben wir gemeinsam mit 
vielen befreundeten klassenkämpferischen anarchistischen Organisationen aus aller 
Welt eine weitere internationale Erklärung veröffentlicht. Anlass sind die 
derzeitigen Kämpfe in Chile für die Freilassung der Menschen, die im Laufe der 
sozialen Revolte verhaftet wurden. ---- Diese soziale Revolte nahm vor gut einem 
Jahr, im Oktober 2019, ihren Anfang mit den entschlossenen Protesten und Direkten 
Aktionen junger Menschen gegen die Erhöhung von Bus- und Metropreisen in der 
Haupstadt Santiago. Wie ein Lauffeuer breiteten sich die Proteste auf weite Teile 
der unterdrückten Klasse und auf viele Regionen des Landes aus. Millionen nahmen 
sich die Straßen, um für ein würdevolles Leben einzustehen und leisteten 
Widerstand gegen einen brutalen Polizeiapparat, der im Laufe weniger Wochen 
dutzende Menschen folterte, vergewaltigte und ermordete. Tausende Menschen wurden 
in diesen Wochen außerdem festgenommen und in die dunklen Knäste des chilenischen 
Staates gesperrt. Viele von ihnen sitzen auch ein Jahr später, in dem die 
Menschen nicht aufgehört haben zu kämpfen, noch in Haft, oft unter schrecklichen 
Bedingungen. In den Zellen neben ihnen sitzen indigene Mapuche, auch sie werden 
vom chilenischen Staat interniert, weil sie seiner neokolonialen Politik nicht 
tatenlos zusehen, sondern für die Bewahrung ihrer Territorien und ihrer Autonomie 
kämpfen.
Mit unserer Erklärung stellen wir uns hinter die Forderung nach der sofortigen 
Freilassung aller politischen Gefangenen. Der Widerstand gegen dieses 
menschenverachtende System ist gerechtfertigt, an jedem Ort, zu jeder Zeit.

Nieder mit der Klassenjustiz überall auf der Welt! Es lebe die grenzenlose 
Solidarität!

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Internationale Erklärung für die Freiheit der politischen Gefangenen der sozialen 
Revolte in der chilenischen Region

"Das Gefängnis verhindert nicht, dass es zu antisozialen Handlungen kommt; im 
Gegenteil, es erhöht ihre Zahl. Es bessert nicht diejenigen, die in ihm landen. 
Reformieren sie es, so viel sie wollen; es wird immer ein Freiheitsentzug sein, 
ein nutzloses Mittel wie das Kloster, das den Gefangenen immer weniger geeignet 
für das Leben in der Gesellschaft macht. Er bekommt nicht, was er will. Es 
befleckt die Gesellschaft. Es muss verschwinden" (Peter Kropotkin - "Die 
Gefängnisse") ---- "Auf dass die Genoss*innen sich nicht einsam fühlen. Die 
Menschen, mit denen sie Freud und Leid, Misserfolge und Siege teilten, sind mehr 
denn je bei ihnen und kämpfen mit hartnäckiger Inbrunst. Jeden ag empfinden sie 
mehr Liebe und mehr Hass. Das sind die Liebe und der Hass, mit denen wir 
gemeinsam die Welt von unten aus verändern werden." (Juan C. Mechoso - 
"Anarchistische Direkte Aktion: Eine Geschichte der fAu")

1.
Mehr als ein Jahr ist vergangen, seit der Kampf die Straßen verschiedener Städte 
in dem Gebiet überflutet hat, das der chilenische Staat beherrscht. Und seit 
diesem Oktober im Jahr 2019 haben die Menschen den Kampf ohne Pause fortgesetzt. 
Trotz der Repression, der Pandemie und des Hungers blüht der Wille zur 
Organisierung und zum Kampf. Wir befinden uns in einer Zeit des Kampfes und 
Widerstandes in verschiedenen Regionen auf der ganzen Welt; von den Indigenen in 
Ecuador bis zu den Proletarier*innen in Frankreich erheben sich die Menschen 
gegen das System der Herrschaft.
Deshalb kommt dem Internationalismus, dieser alten Praxis der unterdrückten 
Klasse, große Dringlichkeit zu. Solidarität in Wort und Tat ist ein elementares 
Prinzip dieser Kämpfe und zeichnet einen Horizont der Emanzipation vor.

2.
Trotz der allgegenwärtigen Schwierigkeiten des Lebens haben die kämpfenden 
Gemeinschaften in dem vom chilenischen Staat beherrschten Territorium Widerstand 
geleistet - egal ob mit Barrikaden, Töpfen und Pfannen oder Akten der 
Selbstverteidigung. Der Staat hat mit blutiger Repression reagiert, mit Tausenden 
von Verletzten, Hunderten Verstümmelten, Dutzenden von Toten und Tausenden von 
Gefangenen. All dies wird von den Handlangern des Staates ausgeführt, die ihre 
Klasseninteressen verteidigen und dabei unsere Leben verschlimmern und unsere 
Körper und Gebiete angreifen.
Nicht nur Kugeln und Tränengas wurden gegen unsere Klasse eingesetzt, sondern 
auch strenge repressive Gesetze. Mit der Unterstützung der Sozialdemokratie 
führte all das zum "Anti-Barrikadengesetz", zur "Modernisierung" repressiver 
Apparate wie der "Agencia Nacional de Inteligencia" (ANI, chilenischer 
Inlandsgeheimdienst) und zur Bereitstellung neuer technologischer Infrastruktur 
für die Spezialeinheiten, die damit ihren Staatsterrorismus weiterentwickeln.
Diese Repression trifft bekanntlich nur unsere Klasse, denn wenn aufgedeckt wird, 
dass die bewaffneten Truppen der herrschenden Klasse Kriegswaffen und Kampfmittel 
mit sich führen, sind das für den Staat nur "Arbeitsgeräte", während das 
Zerschlagen eines Bankfensters für den selben Staat einen Akt des Terrorismus 
darstellt, für den er dich jahrelang in den Knast stecken wird. Heute sieht sich 
unsere Klasse der Gefahr ausgesetzt, ins Gefängnis gesteckt zu werden, wenn sie 
nur mal mit einem Löffel (zum Lärm machen) oder einem Schild hinausgeht, um 
soziale Rechte einzufordern. Das Gefängnis ist eine Klassenfrage.

3.
Es gibt fast 2.500 Genoss*innen, die heute brutalen juristischen Prozessen 
ausgesetzt sind, Prozessen, die mehr als ein Jahr gedauert haben und Tausende 
ohne jede Art von Strafe hinter Gittern halten, wobei die "Präventivhaft" als 
rechtliche Verhöhnung derjenigen benutzt wird, die in diesem Jahr der sozialen 
Revolte an der Seite ihrer Klasse gekämpft haben (einschließlich der 
"Minderjährigen"). Andererseits drohen den wenigen Verurteilten, die es gibt, 
brutale Strafen von 11 bis 20 Jahren für die Spekulationen einer 
Staatsanwaltschaft, die auf Rache sinnt und die bestrafen will, die das System 
der Herrschaft in Frage gestellt haben, die es gewagt haben, die 
Kommerzialisierung und Prekarisierung unseres Lebens in Frage zu stellen.
Als ob dies noch nicht genug wäre, wurden die Gefangenen der sozialen Revolte in 
Isolation gehalten, in ihrem täglichen Leben gefoltert. Besuche im Gefängnis 
wurden verhindert sowie auch andere Leistungen, die den Aufenthalt im Knast 
erträglicher machen würden.

4.
Wir rufen zu aktiver Solidarität auf. Dazu, sich mit Worten und Körpern für die 
Freiheit unserer Gefangenen einzusetzen, Tage des Protests überall zu 
organisieren und für eine GENERALAMNESTIE OHNE BEDINGUNGEN kämpfen. Wer die 
Gefangenen vergisst, vergisst den Kampf, und deshalb ist die Erlangung ihrer 
Freiheit eine Pflicht für die kämpfenden Gemeinschaften. Wir rufen dazu auf, die 
Organisationen von unten zu stärken, das Banner der Freiheit unserer Genoss*innen 
aufzugreifen, sich konkret an den verschiedenen Aktivitäten und Protesttagen zu 
beteiligen.

5.
Zu guter Letzt bleibt zu sagen, dass es politische Gefangene nicht erst seit dem 
Beginn der Revolte am 18. Oktober gibt, stattdessen existieren sie schon seit 
Jahrzehnten. Historisch gesehen hat der Staat versucht, diejenigen zu bestrafen, 
die für den Zusammenbruch der Klassengesellschaft gekämpft haben. Aus diesem 
Grund unterstützen wir auch die politischen Gefangenen und Revolutionär*innen der 
Mapuche, die jeden Tag dafür kämpfen, in den Gefängnissen des chilenischen 
Staates standhaft zu bleiben.

FREIHEIT FÜR DIE POLITISCHEN GEFANGENEN DER REVOLTE!
KEINE HAFT MEHR FÜR MENSCHEN, DIE KÄMPFEN!
ALLGEMEINE UND BEDINGUNGSLOSE AMNESTIE!
AUFHEBUNG DER REPRESSIVEN GESETZE!
SCHLUSS MIT DEM ANTI-TERROR-GESETZ!

? Coordenação Anarquista Brasileira - CAB (Brasilien)
? Federación Anarquista Uruguaya - FAU (Uruguay)
? Federación Anarquista de Rosario - FAR (Argentinien)
? Organización Anarquista de Córdoba - OAC (Argentinien)
? Federación Anarquista Santiago - FAS (Chile)
? Grupo Libertario Vía Libre (Kolumbien)
? Union Communiste Libertaire (Frankreich)
? Embat - Organització Libertària de Catalunya (Katalonien)
? Alternativa Libertaria - AL/fdca (Italien)
? Die Plattform - Anarchakommunistische Organisation
? Devrimci Anarsist Faaliyet - DAF (Türkei)
? Organisation Socialiste Libertaire - OSL (Schweiz)
? Libertäre Aktion (Bern/Schweiz)
? Melbourne Anarchist Communist Group - MACG (Australien)
? Aotearoa Workers Solidarity Movement - AWSM (Aotearoa / Neuseeland)
? Zabalaza Anarchist Communist Front - ZACF (Südafrika)
? Federation of Anarchism Era (Afghanistan/Iran)
? Workers Solidarity Movement - WSM (Irland)
? Anarchist Communist Group - ACG (Großbritannien)
? Anarchist Federation (Griechenland)
? Tekosina Anarsist - TA, (Rojava - Nordost-Syrien)
? Organizacion Anarquista


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