(de) die plattform: Solidarität mit den Mapuche! (ca, en, it, pt)

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Sa Dez 5 10:28:44 CET 2020


Vorwort https://www.youtube.com/watch?v=dbYZgCfW6Co&feature=emb_logo ---- Während 
der Vorbereitungen für den zurückliegenden globalen Klimastreik von Fridays for 
Future am 25. September diesen Jahres, haben wir einen Text über den Widerstand 
der Mapuche gegen die koloniale Besetzung ihrer Territorien und die 
kapitalistische Umweltzerstörung in diesen Gebieten übersetzt, welcher uns von 
den Genoss*innen der "Federacion Anarquista de Santiago" (Anarchistische 
Föderation von Santiago de Chile/FAS) zur Verfügung gestellt wurde. ---- Die 
Mapuche sind eine indigene Bevölkerung, deren angestammte Territorien sich über 
die heutigen Gebiete der Staaten Chile und Argentinien erstrecken. Schon seit 
Jahrhunderten leisten die Mapuche erbitterten Widerstand gegen die koloniale 
Besetzung ihrer Gebiete, die sie als "Wallmapu" bezeichnen, und die Unterdrückung 
ihrer Gemeinschaften und ihrer Kultur, die mit der Eroberung Lateinamerikas durch 
die europäischen Mächte seit Ende des 15. Jahrhunderts immer weiter 
fortgeschritten ist.
Und da weder die Besetzung ihrer Territorien ein Ende gefunden hat, noch die 
koloniale Unterdrückung bricht auch ihr Widerstand nicht ab: Seit 2008 kommt es 
in Wallmapu immer wieder zu Aktionen gegen den kapitalistischen Raubbau an den 
Ressourcen der Natur, vor allem Wasser und Holz. Die Mapuche haben durch eine 
Vielzahl an Farmbesetzungen, Blockaden und militanten Angriffen auf die 
Infrastruktur der Holzindustrie gezeigt, dass sie nicht dazu bereit sind, auch 
nur einen Meter weiter zurückzuweichen und ihre Territorien der Zerstörung 
preiszugeben. Sie kämpfen also für ihr Recht, selbst über das Leben auf ihren 
Gebieten zu bestimmen, und stehen wie viele andere indigene Gemeinschaften auch 
gleichzeitig an vorderster Front im weltweiten Kampf für Klimagerechtigkeit - 
trotz der brutalen und tödlichen Repression des chilenischen Staates und dem 
Fakt, dass ihr Kampf auch in der hiesigen Klimagerechtigkeitsbewegung noch viel 
zu wenig Beachtung findet.

Als Anarchist*innen sehen wir uns zur Solidarität mit den Kämpfen der 
Unterdrückten für Selbstbestimmung und Klimagerechtigkeit verpflichtet - egal ob 
sie hier vor Ort im Danneröder und Hambacher Forst, im rheinländischen 
Kohletagbau oder in den Wäldern und Tälern Wallmapus stattfinden.
Dazu gehört für uns vor allem, auf die Kämpfe aufmerksam zu machen, die sich 
normalerweise einem europäisch-zentrierten Blick auf die Welt entziehen und dafür 
zu sorgen, dass sie Stimme der Kämpfenden gehört wird. Wir glauben, dass die 
Veröffentlichung der Erklärung der FAS, die wir leider nicht wie geplant auf dem 
Klimastreik verlesen konnten, ein erster Schritt in Richtung dieses Ziels ist, 
auch wenn sie die Stimme der Menschen in Wallmapu selbst natürlich nicht ersetzen 
kann. Wir hoffen, dass wir in zukünftig deshalb auch andere Erklärungen der 
Mapuche-Gemeinschaften selbst veröffentlichen können.

Gleichzeitig hoffen wir, dass dieser erste wichtige Text Verbreitung findet und 
Aufmerksamkeit auf den Kampf der Mapuche lenkt. Nur so kann es gelingen, 
zukünftig die Kämpfe gegen die vom Kapitalismus verursachte Klimakrise über 
Nationalstaatsgrenzen hinweg zu stärken und zu verbinden.

Es lebe der globale Widerstand gegen Kolonialismus, Umweltzerstörung und 
Unterdrückung! Es lebe der Kampf der Mapuche für ihre Territorien und ihre Autonomie!

Arriba las y los que luchan!

Ob Wallmapu oder Danni - weltweit kämpfen für Klimagerechtigkeit und gegen Staat 
und Kapitalismus!

Der Text

Das Volk der Mapuche hat sich historisch gesehen gegen die Einführung des 
Extraktivismus (1) gewehrt. Sie haben der europäischen Invasion mit Kampf und 
Krieg widerstanden, und sie leisten auch heute noch angesichts der Ausweitung der 
Plünderungswirtschaft in Wallmapu Widerstand.

Während Faschismus und Extraktivismus auf dem gesamten lateinamerikanischen 
Kontinent voranschreiten, während gleichzeitig verschiedene 
Infrastrukturprojekte, die nur dem Zweck von Plünderung und Raubbau dienen, 
ausgeweitet werden, setzt der chilenische Staat auf eine Politik der 
Unterdrückung und politischen Verfolgung der Mapuche, insbesondere in Wallmapu, 
wo sich seit mehr als einem Jahrzehnt ein Krieg von geringer Intensität 
entwickelt. Die Militarisierung in den Gebieten und die Todeszahlen, die die 
Mapuche-Gemeinschaften verzeichnen, nehmen von Jahr zu Jahr zu. Unter den Toten 
befinden sich auch die Opfer sogenannter "Firmenmorde", die in Komplizenschaft 
mit dem Staat und seinen Institutionen verübt werden. Hinter ihnen verbirgt sich 
die Ermordung von Verteidiger*innen der indigenen Territorien, wie es beim 
Femizid an der Mapuche-Aktivistin Macarena Valdés der Fall war (2).

In diesem Jahr nutzte die Regierung von Sebastian Piñera (3) die Pandemie für 
Angriffe auf das angestammten Territorium der Mapuche und um eine rassistische 
Welle auf die Straßen zu bringen, die von ultrarechten Bereichen der Gesellschaft 
und Konzernbossen, vor allem aus der Forstwirtschaft und dem Speditionssektor, 
unterstützt wird - eine Situation, die weitere Repressionen rechtfertigt, um ihre 
Projekte der Rohstoffplünderung weiter auszubauen (4).

Unterdessen wehren sich die politischen Gefangenen der Mapuche gegen 
Hungerstreiks in den Gefängnissen und fordern, dass faire Gerichtsverfahren 
durchgeführt und ihre Weltanschauung respektiert wird.

Diese Situation tritt jedoch nicht nur auf dem Territorium der Mapuche auf, denn 
seit den Zeiten der europäischen Invasion war die chilenische Region, wie auch 
andere Gebiete Lateinamerikas, Gegenstand von Plünderungen und Enteignungen. Ihre 
Funktion im Getriebe der Weltwirtschaft war die eines Korbes von natürlichen 
Ressourcen für die Industrien der ersten Welt.

Im Laufe der Jahrzehnte hat sich an der Situation nichts geändert. 
Landwirtschaft, Bergbau und Forstwirtschaft sind die Aktivitäten, die diese 
Gesellschaft erhalten und sie gleichzeitig verdammen.

In der chilenischen Region sind echte Opfer für das Kapital erbracht worden. Hier 
gibt es Gebiete, in denen Zerstörung, Verseuchung und buchstäblich der Tod 
regieren. Sowohl die menschliche als auch die nichtmenschliche Natur sind der 
Reproduktion des Geldes ausgeliefert. Um nur einige der betroffenen Gebiete zu 
nennen: Puchuncaví Quintero, Tocopilla, Coronel und viele andere.

Freiheit für die politischen Gefangenen der Mapuche und der sozialen Revolte von 
2019!

Für die Verteidigung von Leben, Körpern und Territorien!

(1) Mit "Extraktivismus" ist eine Form des Wirtschaftens gemeint, die auf 
Rohstoff-Export und häufig auf Raubbau basiert und vor allem in den Ländern des 
globalen Südens auftritt. Auf die Weiterverarbeitung von Ressourcen wird meist 
verzichtet, Extraktivismus geschieht meist zum Nachteil lokaler indigener 
Gemeinschaften und der Biodiviersität in ihren Territorien.

(2) Macarena Valdes war eine indigene, feministische Umweltaktivistin, die 
gemeinsam mit anderen gegen den Bau eines Wasserkraftwerkes durch den 
österreichischen Konzern PG Global in der chilenischen Region Los Lagos kämpfte. 
Sie wurde 2016 erhängt in ihrem zu Hause aufgefunden. Die chilenischen Behörden 
weigern sich, Ermittlungen aufzunehmen und behaupten Macarena hätte Suizid 
begangen, doch die vorhandenen Beweise deuten darauf hin, dass die Mutter von 
vier Kindern ermordet wurde, weil sie sich mit anderen gegen die Zerstörung der 
Umwelt in den indigenen Gebieten organisierte. Sie wäre eine von hunderten 
Umweltaktivist*innen, viele von ihnen Frauen*, die weltweit jedes Jahr ermordet 
werden. In der Videobeschreibung findet ihr einen Link zu einem Bericht über 
Macarena und ihren Tod. 
https://www.dw.com/de/macarena-valdes-tod-einer-umweltsch%C3%BCtzerin/a-47393772

(3) Sebastian Pinera ist der rechte, neoliberale Staatspräsident Chiles und ein 
milliardenschwerer Unternehmer. Er rief im Oktober 2019 angesichts der sozialen 
Revolte gegen die massive Ungleichheit im Land den Notstand aus und setzte 
Militär und Polizei gegen die Proteste ein, wobei Dutzende Kämpfende ermordet, 
Hunderte gefoltert und Tausende verhaftet wurden. In der Videobeschreibung findet 
ihr eine deutsche Übersetzung einer Erklärung verschiedener anarchistischer 
Organisationen aus Lateinamerika, darunter auch FAS, zur sozialen Revolte. 
https://www.dieplattform.org/2019/10/25/zu-den-massenkaempfen-in-chile/

(4) Anfang August haben wir angesichts der neuerlichen Welle der rassistischen 
Gewalt gemeinsam mit anderen anarchistischen Organisationen bereits eine 
Solidaritätserklärung mit den betroffenen Mapuche-Aktivist*innen veröffentlicht. 
Ihr findet sie in der Videobeschreibung 
https://www.dieplattform.org/2020/08/07/solidaritaet-mit-dem-kampf-der-mapuche/

dieplattform.org/2020/11/29/solidaritaet-mit-den-mapuche-de-en-es


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