(de) evibes: Redebeitrag zu Lisa Eckhart

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Do Aug 27 07:46:56 CEST 2020


Wir dokumentieren hier den Redebeitrag auf der gestrigen Kungebung gegen den Auftritt Lisa Eckharts in der Jungen Garde.  Etwa 30 Menschen 
hatten sich dem Aufruf angeschlossen, gegen die Verbreitung diskriminierender Vorurteile zu protestieren und das Publikum über die Kritik 
aufzuklären. ---- Die DNN berichtet recht oberflächlich: Auftritt von Lisa Eckhart in der Jungen Garde von Protesten begleitet ---- Über die 
Kunstform, Stammtischniveau als Satire zu verkaufen - wie Eckhart Diskurs einfordert und sich doch jeder Kritik entzieht. ---- Eines muss 
man Lisa Eckhart zugestehen: die permanente Aussage, sie spiegle die Mehrheitsgesellschaft wider, ist mehr als berechtigt. Nun bin ich 
generell kein Fan dieser Metapher. Denn mein Spiegelbild allein, wenn ohne Kontext präsent, sagt mir erstmal nur, dass ich nicht allein bin, 
und eigentlich ganz gut aussehe. Damit aus der gedankenlosen Reflektion die kritische Selbstreflektion wird, bedarf es mehr als spröder 
Wiedergabe meiner selbst. Gute Satire vermag mehr zu bieten. Gute Satire tritt nach oben oder gegen die eigenen Zuschauer:innen, lässt mich 
mit der Erkenntnis zurück: so bin ich wirklich. Und bestenfalls mit der Frage: möchte ich wirklich so sein?

Lisa Eckhart beherrscht dieses Handwerk nicht. Und es ist gerade dieses Unvermögen, zwischen effektiver Satire und plumpem Stammtischhumor 
zu unterscheiden, in dem ich die Mehrheitsgesellschaft wiederfinde.
Lisa Eckharts Bühnenprogramm ist nicht besonders. Es ist sogar so gewöhnlich, dass es mir unverständlich ist, warum Menschen ihr Geld in 
eine sogenannte Unterhaltung investieren, die sich jeden Abend am nächsten Kneipentisch umsonst bietet. Gut, Humor ist ja bekanntlich 
Geschmackssache. Diskriminierung ist aber wesentlich eindeutiger definiert. Und dass dieses Programm regelmäßig rassistische, antisemitische 
und transfeindliche Vorurteile reproduziert, ohne sie zu hinterfragen, das haben vor mir schon genug Menschen mehr als deutlich 
herausgearbeitet. So ist Lisa Eckhart eine von vielen, die zu einem gesellschaftlichen Klima beitragen, das strukturelle Unterdrückung 
fördert und letztendlich menschliches Leben und Überleben gefährdet.

Am deutlichsten aber schreit mich die Mehrheitsgesellschaft an in ihrer Unfähigkeit, mit konstruktiver Kritik umzugehen. Von ihrem 
Management wurden wir im Vorfeld dieser Veranstaltung freundlicherweise auf ein Interview mit Frau Eckhart aufmerksam gemacht[1]. Dankbar 
für dieses Mindestmaß an Diskursbereitschaft habe ich es mir angeschaut. Am eindringlichsten ist mir davon ihre Aussage im Gedächtnis 
geblieben, sie nehme prinzipiell keine Kritik "von unten" entgegen. Wer denn "oben" und "unten" sei, ließ sie offen, Journalist:innen 
jedenfalls nehme sie auch nicht ernst, denn die würden ja die Argumente "von unten" lediglich reproduzieren. Stellt sich mir die Frage, für 
welche Kritik sie denn nun zugänglich sei.

Versteht mich nicht falsch, Lisa Eckhart ist nur eine von vielen. Sie verkörpert die privilegierte, selbst ernannte deutschsprachige 
Intellektuelle, die jedwede Kritik als "verrückt", "affektiv" und "unreflektiert" (Zitate Lisa Eckhart) abstempelt, und so jeder 
interessierten Auseinandersetzung mit stolz gerümpfter Nase aus dem Weg geht. Und da findet sich dann plötzlich die Antwort auf die Frage, 
warum sie so grandios an ihrem eigenen Anspruch scheitert, ihrem Publikum ein kritischer Spiegel zu sein: wie könnten Menschen, die das 
eigene Spiegelbild so vehement vermeiden, auch das komplexe Handwerk der Selbstreflektion erlernen, geschweige denn einem zahlenden Publikum 
nachhaltig vermitteln?

Die Debatte um die Kritikfähigkeit öffentlicher Personen ist nicht neu. Eckharts Verteidiger:innen sind nicht die ersten, die Cancel Culture 
schreien, nur bis vor kurzem schrien sie eben noch Zensur. Aber ein neues Wort ändert nichts an den Tatsachen. Wenn immer mehr Stimmen laut 
werden, die nichts tun als zu sagen: "Liebe Lisa, dein Programm hat menschenverachtende Passagen, könntest du die nicht durch etwas besseres 
ersetzen?", warum fällt es ihr dann so schwer, zuzuhören, in den Spiegel zu blicken, und sich zu fragen: Möchte ich so sein?

Aber Lisa hört nicht auf die Stimmen von unten. Es sind vor allem auch die Stimmen derer, auf deren Kosten ihre Witze gehen. Ist das unten? 
Liebe Lisa, bist du oben? Trittst du lieber nach unten? War das Satire? Nicht, dass sie damit alleine wäre. Unter dem altbekannten 
Deckmantel der Kunst- und Meinungsfreiheit versichert uns ihr Management: "Kunst darf alles." Na, da bin ich aber beruhigt. Unabhängig der 
Frage, ob das stimmt, sind mir Menschen, die Legalität und Moralität gleichsetzen, schon immer suspekt. Verantwortung ist ein bisschen mehr 
Arbeit, als die Befolgung von Gesetzen. Und als öffentliche Person mit großem Einfluss ist dieser Verantwortung nachzukommen eben leider 
ganz schön anstrengend.

Und hier liegt das deutlichste Symptom der privilegierten Mehrheitsgesellschaft: diese unendliche Faulheit. Zu faul, zuzuhören, 
nachzudenken, zu lernen, sich zu verändern und Verantwortung zu übernehmen. Menschenverachtende Klischees reproduzieren und rassistische 
Peniswitze sind eben so viel einfacher. Frau Eckharts Management fragte uns im Vorfeld dieser Kundgebung auch, was wir denn eigentlich an 
ihr kritisieren würden. Unsere sinngemäße Antwort, umfassende Kritik sei bereits von vielen, klügeren Menschen als uns, ausformuliert und 
zugänglich, schien sie nicht zu befriedigen. Statt einer inhaltlichen Reaktion gab es nur weitere rhetorische Fragen. Eine tatsächliche 
Auseinandersetzung seitens Frau Eckhart steht bis heute aus.

Ihre auftrittsfreie Zeit während der Corona-Epidemie hat Lisa übrigens genutzt, um ausgiebig Computer zu spielen. Dass dies ein Privileg 
sei, dessen sei sie sich immerhin bewusst. Schade, dass sie dieses Privileg und ihren Bildschirm nicht genutzt hat, um sich ausgiebig mit 
ihrem Spiegelbild zu beschäftigen.

[1]https://youtu.be/JlinQE3JeX4

https://evibes.org/2020/08/21/redebeitrag-zu-lisa-eckhart/


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