(de) die plattform: Gedenkkundgebung zum Völkermord an den Ezid*innen in Trier

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So Aug 9 08:27:26 CEST 2020


Gestern, den 03.08.20, veranstaltete das Sara - "deutsch-kurdisches Gesellschaftszentrum Trier" eine Kundgebung an der Porta Nigra. Sie 
erinnerten an den Feminizid und Genozid an den Ezid*innen (Jesid*innen) vom 3.8.2014 in der Sengal Region durch den sog. IS und seine 
Verbündeten, der bis heute andauert. Menschen aus der Plattform Trier waren anwesend und haben einen Text des "Dachverband des Ezidischen 
Frauenrats e.V." vorgetragen, diesen findet ihr unten. ---- Ebenfalls wurde ein Artikel aus der "Zeit" zum Thema "Rüstungsexporte in die 
Türkei" vorgelesen (diesen findet ihr hier: https://www.zeit.de/politik/ausland/2020-08/waffenlieferung-tuerk...) ---- Trotz Regen waren 
einige Menschen (rund 40), vor allem aus der kurdischen Community, vor Ort. ---- Wer sich mehr mit dem Thema beschäftigen will kann sich 
hier informieren: http://ezidis.org/genozid/zeitleiste-voelker...

Solidarische Grüße,
Die Plattform Trier

Text des "Dachverband des Ezidischen Frauenrats e.V.
Anlässlich des inzwischen sechsten Jahrestages, gedenken wir mit großem Respekt den Opfern des noch andauernden Feminizids und Genozids an 
den Ezid*innen vom 3.8.2014 in der Sengal Region durch den sog. IS und seine Verbündeten. Wir erinnern an die tausende verschleppten Frauen 
und Kinder, von denen noch immer jegliche Spur fehlt.

Der 3. August 2014
Innerhalb weniger Wochen hatte der Islamische Staat (IS) in der Region Sinjar/Sengal im Nordirak tausende Ezid*innen auf grausame Weise 
hingerichtet, einzeln oder auch als öffentlicher Massenmord. Über 6500 Menschen, mehrheitich Frauen und Kinder wurden vom IS verschleppt, 
vergewaltigt, als Sex-Sklavinnen und wie Waren auf den selbstaufgebauten "Sklavinnenmärkten" verkauft und gekauft. Noch heute wird etwa die 
Hälfte der verschleppten Ezid*innen vermisst und befinden sich in IS-Gefangenschaft. Von den 4.000.000 Ezid*innen wurden zehntausende von 
dem IS im Sinjar-Gebirge umzingelt, viele von ihnen starben in der Hitze des Hochsommers aufgrund von Erschöpfung, Wasser- und 
Nahrungsmangel. Ein noch größerer Feminizid und Genozid wurde durch die kurdischen Einheiten YPJ/YPG aus Rojava (Nordsyrien) und der 
YJA-STAR/HPG verhindert, indem zehntausende über einen Korridor nach Rojava gerettet wurden.

Selbstbestimmt gegen den Feminizid
Nach dem Konstrukt des radikalen Islam des Is gelten Ezid*innen als Ungläubige und sollten als Religionsgemeinschaft ausgelöscht werden. 
Dazu wendet der IS bis heute eine besonders brutale geschlechtsspezifische Gewalt gegen Frauen an. Daher ist dieser Genozid gleichzeitig ein 
gezielter Feminizid. Denn Feminizid umfasst körperliche, geistige, ökonomische und strukturelle Gewalt, die damit einhergeht, Frauenihrer 
Lebensgrundlage und Entwicklungsmöglichkeiten zu berauben. Geschichtlich gesehen sind Frauen mit einem 5000-jährigen Feminizid konfrontiert. 
Aus diesem Bewusstsein heraus haben ezidische Frauen gemeinsam mit weitere kurdischen Frauen angefangen sich selbstbestimmt auf der 
Grundlage der Philosophie der Frauenbefreiung zu organisieren, zu verwalten und zu verteidigen. Ezid*innen wehren sich, indem sie sich durch 
den Aufbau von Selbstbestimmungs- und Selbstverteidigungskräften wie der Formierung der ezidischen Einheiten YJS und YBS gegen den 
anhaltenden Feminizid und Genozid stellen. Die vermeintlich Schwächsten - die Frauen - wurden in diesem Prozess zu den Stärksten, in dem sie 
eine Vorreiterrolle für ihre Gesellschaft einnehmen.

Sinjar verteidigen
Die aktuelle Rückkehr von mehr als 1500 ezidische Familien nach Sinjar und das Streben nach Freiheit und Frieden ist ein Dorn im Auge 
Erdogans. Der NATO-Bündnispartner Türkei der BRD Sorgt nicht nur durch seine völkerrechtswidrigen Angriffe, dass die Zivilbevölkerung im 
Sinjar und in Afrin/Rojava in Gefahr gebracht wird. Er strebt vielmehr danach den angefangenen und noch andauernden Feminizid und Genozid 
gegen die Ezid*innen durch den IS nun selbst mit Bombardierungen und Besatzung der Region Sinjar zu vollenden. Auch sechs Jahre später wird 
Sinjar weder durch internationale humanitare Hilfe noch der Wiederaufbau des zerstörten Sinjars gefördert, stattdessen wird die Türkei 
politisch als auch wirtschattlich u.a. durch die Bundesregierung Deutschlands unterstützt. Wir fordern ein Ende der Waffenlieferungen an die 
Türkei. Jegliche Zusammenarbeit mit der Turkei und dem Aggressor Erdogan müssen sofort eingestellt werden. Die Türkei führt Kriegsverbrechen 
durch, für die sie auf internationaler Ebene angeklagt werden muss. Die internationale Gemeinschaft muss ihrerseits die Garantierung von 
Frauen- und Menschenrechte gewährleisten,
sich für den Erhalt des Friedens für Ezid"innen cinsetzen, den durch den 1S begangenen Feminizid offiziell anerkennen und Feminizide als 
einen eigenen Straftatbestand benennen. Wir forderm internationale Hilfe für Sinjar und die offizielle Anerkennung der Selbstverwaltung in 
Sinjar, durch die vor Ort eine Demokratisierung und die Bewahrung der Menschenrechte in der Region gewährleistet wird.

Stand: 01. August 2020
Dachverband des Ezidischen Frauenrats e.V.
Ulenburger Buchenallee l6 | 32584 Löhne
Webseite: www.smie.de | E-Mail: info at smie.

https://trier.dieplattform.org/2020/08/04/gedenkkundgebung-zum-voelkermord-an-den-ezidinnen-in-trier/


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