(de) FAU Dresden: Aufruf an Mitglieder des Allgemeinen Syndikats Dresden zum globalen Klimastreik

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Di Sep 17 08:07:49 CEST 2019


12. September 2019 - Kategorien: Ökologie Transnationale Solidarität Streik ---- Seit 
nunmehr einem Jahr boykottieren tausende Kinder und Jugendliche in vielen Ländern jeden 
Freitag die Schule, aus Protest gegen die Zerstörung der Lebensgrundlage künftiger 
Generationen. Für den 20. September 2019 rufen Fridays for Future und verschiedene 
Verbände nun darüber hinaus zum Klimastreik auf, den selbst der DGB unterstützt. 
Allerdings mit einer bezeichnenden Einschränkung: Da politische Streiks in Deutschland 
verboten sind, schließt der DGB einen Streikaufruf explizit aus. Er fordert 
Arbeitnehmer_innen, die sich mit "‘Fridays for Future' solidarisieren und an 
Demonstrationen teilnehmen", stattdessen auf, sie sollen "das geltende Arbeitsrecht 
beachten und sich für diese Zeit freinehmen." Auch der "Klimastreik"-Aufruf selbst fordert 
dazu auf, zum ‘Streiken' "frei zu nehmen", "Überstunden abzubauen", "unbezahlten 
Sonderurlaub" zu beantragen oder die Arbeitgeber_innen zu bitten, den ‘Streik' zu 
unterstützen, da es für das Unternehmensimage gut sei, sich "zum Klimastreik zu bekennen". 
Zudem sollen ‘Streikende' versprechen, "unaufschiebbare Aufgaben vorzuarbeiten und 
versäumte Arbeit bald nachzuholen" sowie "am Montag auch wieder motivierter bei der 
Arbeit" zu sein.

Wir finden es sinnvoll und wichtig, gegen eine umweltzerstörerische Wirtschaft und eine 
Politik zu demonstrieren, die sich ökonomischen Wachstumsimperativen tatenlos beugt oder 
ein sozial und ökologisch immer zerstörerisches Wachstum im Namen der Sicherung von 
Arbeitsplätzen und Wirtschaftsinteressen weiter anreizt. Als Form des politischen Kampfs 
halten wir hier auch den Streik, also den demonstrativen Entzug von Arbeitskraft und 
Arbeitszeit, für ein wichtiges und geeignetes Mittel. Daher schließen wir uns den 
Protesten an und rufen auch die Mitglieder unseres Syndikats zur Beteiligung am 
Klimastreik auf! Wir werden uns selbst beteiligen und fordern auch andere Städte-Syndikate 
und -Sektionen der Freien Arbeiter_innen Union dazu auf, dasselbe zu tun.

Gleichzeitig scheinen uns aber die an den Aufruf zum Klimastreik geknüpften Forderungen 
und die Vorstellungen über die Wege zu ihrer Durchsetzung teilweise inkonsistent und 
inkonsequent. Denn ob es möglich ist, den Klimawandel aufzuhalten und zu einer sozial und 
ökologisch verantwortlichen Form des Wirtschaftens und Lebens zu finden, ohne grundlegende 
Formen und Logiken des gegenwärtigen kapitalistischen Wirtschaftssystem zu überwinden, 
scheint und zumindest fragwürdig. Problematisch scheint zudem, dass der Aufruf erhebliche 
Unklarheiten darüber zeigt, was überhaupt ein Streik ist und was diese Form des Kampfes 
von anderen Protestformen unterscheidet. Daher möchten wir unsere grundsätzliche 
Solidarisierung mit einigen kritischen Anregungen und Anmerkungen verbinden.
Menschen die sich mit unseren diesbezüglichen Positionen und Argumenten auseinandersetzen 
wollen, können hier weiter lesen.

Was hat der Klimawandel mit dem Kapitalismus zu tun und was ist überhaupt ein Streik?

Der ‘Klimastreik' möchte im Hinblick auf die am 20. September anstehende Entscheidung der 
Bundesregierung über ihre nächsten Schritte in der Klimapolitik politischen Druck 
aufbauen, um "die Regierung zum Handeln" zu treiben. Dabei bleibt offen, welche Art des 
Handelns genau gefordert wird, wie konsequente Maßnahmen eigentlich aussehen sollen und 
wie weit sie über weiterhin unverbindliche Klimaschutzziele oder über eher symbolische 
Einpreisungen ökologischer Kosten (z.B. durch CO2-Steuern) hinausgehen müssten.
Dabei ist eines schon heute sicher: Unverbindliche Worte, Aufforderungen und politische 
Lippenbekenntnisse zu einer Politik, die den Klimawandel aufhalten oder wenigstens seine 
Folgen abmildern soll, hat es in den letzten 30 Jahren mehr als genug gegeben, ohne dass 
dem wirksame Maßnahmen gefolgt wären. Seit den ersten Beschlüssen zur Reduktion des 
CO2-Ausstoßes auf der ‚Konferenz von Rio‘ (die 1992 zur Klimarahmenkonvention und mehreren 
multilateralen Umweltabkommen führte) und seit dem ‚Kyoto-Protokoll‘, das 1997 konkrete 
Zielwerte für die Emissionsreduktion 2005-2012 festlegte, ist die globale 
Treibhausgasemission nicht gesunken, sondern kontinuierlich gestiegen - im Falle des 
CO2-Ausstoßes von ca. 22.500 Millionen Tonnen 1992 auf über 36.000 Millionen Tonnen im 
Jahr 2018. Der einzige kurzfristige Rückgang der globalen Emissionen im Jahr 2009 war eine 
Folge konjunktureller Einbrüche der Realwirtschaft im Zuge der Weltwirtschafts- und 
Finanzkrise seit 2008. Politische Maßnahmen zur Ankurbelung des Wirtschaftswachstums (in 
Deutschland u.a. das ‘Wachstumsbeschleunigungsgesetz') führten ab 2010 dann auch wieder 
zum deutlichen Wachstum der CO2-Emission.

Klimapolitische Absichtsbekundungen und realwirtschaftliche und realpolitische 
Entwicklungen haben sich in den letzten 30 Jahren also immer weiter auseinander 
entwickelt. Das sollte aus unserer Sicht zu einigen grundsätzlichen Fragen führen: Ist 
eine Politik, die der Sicherung der Kapitalverwertung und der Profite und dem dafür 
erforderten endlosen Wachstum oberste Priorität einräumt und die den Marktgesetzen und 
-interessen alle sozialen, politischen und ökologischen Fragen unterordnet, wirklich in 
der Lage, heute in wenigen Jahren nachzuholen, was sie über 30 Jahren versäumt hat? Kann 
eine kapitalistische Weltwirtschaft, die seit 300 Jahren mit dem immer weiteren Anstieg 
des Energie- und Ressourcenverbrauchs und der Treibhausgasemission verbunden war, 
plötzlich die Basis einer radikalen Trendwende sein?
Eigentlich erlaubt die dank kapitalistischer Innovationen unermesslich erhöhte 
Arbeitsproduktivität zwar durchaus eine radikale globale Senkung der Arbeitszeit und des 
Ressourcenverbrauchs, die zur Erfüllung menschlicher Bedürfnisse erforderlich wären. Im 
Kapitalismus haben alle entsprechenden Innovationen in Technologie und Arbeitsorganisation 
bisher aber immer nur dazu geführt, dass immer schneller immer mehr Güter in immer 
kürzerem Abstand produziert und vernichtet werden müssen, um den weiteren Güterabsatz und 
weitere Gewinne zu sichern und um so ‘Menschen in Arbeit zu bringen'. Kann dieselbe 
ökonomische und politische Logik ab dem 20.9.2019 wirklich ökologisch nachhaltig gestaltet 
werden?

Auch beim vermeintlichen ‘Klimavorreiter' Deutschland hatte die Sicherung von Profiten, 
Arbeitsplätzen und Standortinteressen bislang stets Vorfahrt. Die nationalen Klimaziele 
für 2020 wurden daher als eine der ersten Amtshandlungen der neuen Großen Koalition schon 
2018 als nicht erreichbar gekippt. Die wenigen Teilerfolge bei der Reduktion nationaler 
Emissionen erweisen sich hier wie in anderen führenden Industrieländern zudem rasch als 
‚Mogelpackung‘: Sie verdanken sich v.a. einer lokalen "De-Industrialisierung" (v.a. durch 
Stilllegung ostdeutscher Industriestandorte), die sich global betrachtet aber einer bloßen 
Verlagerung besonders energieaufwendiger und ‘schmutziger' Produktionsschritte in die 
‘Schwellenländer' verdankt. Da deren Produkte aber weiterhin v.a. auch für den westlichen 
Konsumkapitalismus produziert werden, müssten wesentliche Teile der global steigenden 
Emissionen - v.a. in China, Indien, Brasilien... - weiterhin auch der ‘deutschen 
Klimabilanz' zugeschlagen werden. Als ähnliche Mogelpackung haben sich alle Versprechen 
eines ‘grünen Kapitalismus' erwiesen. So haben "grüne" und "nachhaltige" Investitionen in 
die Bio-Kraftstoffproduktion wesentlich zum vermehrten Landgrabbing (großflächige 
Landaufkäufe und Bodenspekulationen) v.a. in Afrika und Südamerika beigetragen. Sie waren 
also mit der Zerstörung der Grundlagen lokaler Nahrungsmittelproduktion, mit der 
Enteignung ansässiger Bevölkerungen, mit der Verdrängung und Zerstörung ländlicher 
Gemeinschaften und lokaler Märkte, mit dem Verlust oder der Gefährdung von 
Ernährungssicherheit und Wasserversorgung, mit Armut, Hunger, Ausbeutung, gewaltsamen 
Konflikten usw. verbunden. Darüber hinaus hat die massenhafte Umwandlung kleinteiliger 
Anbauflächen in Monokulturen und die Rodung des für die CO2-Bindung zentralen Wald- und 
Buschlandes für die Bio-Sprit-Produktion ihrerseits zum beschleunigten Verlust der 
biologischen Vielfalt und zum Klimawandel beigetragen. Die Liste entsprechender Beispiele 
für einen ‘grünen Kapitalimsus' ließe sich endlos verlängern.

Der Sonderbericht des Weltklimarats (IPCC) zur jüngsten 24. UN-Klimakonferenz in Katowice 
2018 hat deutlich hervorgehoben, dass die derzeitige Klimapolitik das 2015 im 
Übereinkommen von Paris festgehaltene "Zwei-Grad-Ziel" deutlich verfehlen wird. Absehbar 
ist ein Temperaturanstieg von über drei Grad, der mit einem wachsenden Risiko noch 
drastischerer ‚Kippeffekte‘ einhergeht - wenn etwa durch die Erwärmung die in 
Permafrostböden und Meeren gebundenen Treibhausgase beschleunigt freigesetzt werden. Dabei 
würde selbst das beinahe schon utopisch scheinende 1,5-Grad-Ziel den bereits in Gang 
gesetzten Klimawandel nicht mehr verhindern. Das Erreichen dieses Ziels könnte bestenfalls 
helfen, sein Ausmaß zu begrenzen und seine drastischsten Auswirkungen - Häufung von 
Extremwetterereignisse, Verlust von Biodiversität, Versauerung der Meere, Desertifikation 
etc. - zu minimieren.
Der Weltklimarat betont, dass auch dafür "rasche, weitreichende und beispiellose 
Veränderungen in sämtlichen Bereichen der Gesellschaft" erforderlich wären. So müsste die 
globale CO2-Emission bis 2030 (verglichen mit 2010) um 45% sinken und bis 2050 gegen Null 
gehen. All dies ist mit den bisher diskutierten Maßnahmen, unter denen die CO2-Steuer noch 
die am weitesten gehende und entsprechend am heißesten umstrittene ist, nicht zu erreichen.

Es wird vor diesem Hintergrund kaum ausreichen, freundlich an Politiker_innen zu 
appellieren, nun bitte einmal wirklich unsere Zukunft zu retten. Alle nationalstaatlichen 
Politiken operieren unter den Zwängen eines auf permanentes monetäres Wachstum 
angewiesenen kapitalistischen Wirtschaftssystems und sind darüber hinaus oft von 
unmittelbaren wirtschaftlichen Interessen großer Konzerne und Lobbygruppen beeinflusst. Im 
wirtschaftlichen Interesse ausschlaggebend sind aber nicht die Erfüllung menschlicher 
Bedürfnisse oder die Erhaltung ökologischer Existenzbedingungen, sondern einzig die 
Kapitalverwertung bei möglichst hohen Profiten. Dieser maßlose Selbstzweck der 
Kapitalverwertung kennt bei der Ausbeutung von Menschen, Tieren und Naturressourcen keine 
Schranken, solange er seine ökologischen und sozialen Grundlagen nicht vernichtet hat. 
Wirtschaftlich ist es daher nur rational, den stofflichen Reichtum an Gütern gerade nicht 
nachhaltig (z.B. möglichst langlebig) zu produzieren und ihn nicht an der möglichst 
allgemeinen und möglichst langfristigen Erfüllung von Bedürfnissen orientiert zu 
verteilen. Im kapitalistischen Sinne ist es vielmehr ‘rational', diesen stofflichen 
Reichtum immer rascher profitorientiert zu vernichten, um Bedürfnisse und Märkte für den 
immer rascheren Absatz weiterer Güter zur Vermehrung des in Geld ausgedrückten abstrakten 
Reichtums zu schaffen. So ist etwa die Haltbarkeit gerade von besonders 
ressourcenintensiven Gütern (Haushaltsgeräte, Smartphones, Autos etc.) in den letzten 
Jahrzehnten systematisch immer weiter gesenkt worden, während Reparaturmöglichkeiten gar 
nicht mehr angeboten oder systematisch erschwert werden - wenn etwa Verschleißteile wie 
Akkus fest verbaut, einzelne Ersatzteile nicht produziert werden oder ältere Hardware mit 
neuen Softwareupdates nicht mehr kompatibel ist.

Politische Aufrufe, dem durch eine derartige Produktionsweise hervorgerufenen Klimawandel 
durch ein anderes individuelles Konsumverhalten etwas entgegenzusetzen, bleiben 
ersichtlich hilflos. Einer wirklichen Veränderung müsste bei der Infragestellung der jedem 
individuellen Konsum heute vorausgesetzten Bedingungen, Formen und Zielstellungen der 
Produktion und Verteilung von Gütern ansetzen. Auch wenn die Lebens- und 
Konsumgewohnheiten v.a. in den wirtschaftlich führenden Nationen - z.B. der tägliche 
Verzehr tierischer Produkte und die dafür notwendige Massentierhaltung oder die übermäßige 
Nutzung von Autos und Flugzeugen - zum Klimawandel wesentlich beitragen, wird dieser sich 
durch einen etwas bewussteren individuellen Konsum nicht aufhalten lassen. Das gilt v.a., 
solange ökonomische Strukturen und Anreizsysteme ein entsprechendes Verhalten systematisch 
erschweren oder zum Privileg einiger weniger machen.
Arbeitslose, prekär Beschäftigte und die wachsende Zahl von im Niedriglohnsektor 
Beschäftigten können sich ökologische, aufwendiger produzierte Waren oft nicht leisten und 
werden z.B. durch die Subventionierung von Massentierhaltung eher zum Konsum von 
Billigfleisch verleitet. Arbeiter_innen, besonders im ländlichen Raum, bleiben auf ein 
Auto angewiesen, solange es keine ausreichende und preiswerte Infrastruktur an 
öffentlichen Verkehrsmitteln gibt. Und die Tatsache, dass heute 56% der jährlichen 
globalen Kalorienproduktion in den weltweiten Distributionsketten nicht 
bedürfnisorientiert verteilt, sondern vernichtet werden, hängt nur zum geringen Teil am 
individuellen Wegwerfverhalten, das etwa an den weit gravierenderen Folgen von 
Spekulationsgeschäften auf Lebensmittel und Anbauflächen nichts ändern kann.

Der Konsum ‘nachhaltig' produzierter Artikel bildet gegenüber der dominanten Ausrichtung 
der Produktionsweise und der Wirtschaftspolitik nur eine kleine Marktnische und bleibt 
v.a. ein Privileg der Ober- und Mittelklassen in den kapitalistischen Zentren. Abgesehen 
von der Frage, wie ‘nachhaltig' z.B. der Konsum von in China, Neuseeland oder Südafrika 
für den deutschen Markt produzierten Bioprodukten ist, dient die Möglichkeit zum 
‘nachhaltigen Konsum' so v.a. der Gewissensberuhigung für Teile eben jener reichsten 10 % 
der Weltbevölkerung, die mit ihrem sonstigen Wohn-, Konsum-, Arbeits- und Reiseverhalten 
gleichwohl für fast die Hälfte des globalen CO2-Ausstoßes verantwortlich sind. Nationen 
und Konsument*innen, die sich die Pflege solcher ‚nachhaltiger‘ Marktnischen und die 
Auslagerung emissions- und ressourcenintensiver Produktionsschritte in andere Länder 
leisten können, erkaufen sich damit auch das Recht, die ärmsten 50 % der Weltbevölkerung - 
deren Ausbeutung die Grundlage der globalen Wirtschaft bleibt, die wegen ihres niedrigeren 
Lebensniveaus aber selbst nur ein Zehntel der weltweiten Emission verantworten - über 
‘Nachhaltigkeit' zu belehren.

All dies bedeutet für uns, dass Fragen nach den Ursachen des Klimawandels und seiner 
Bekämpfung untrennbar mit Fragen nach den Ursachen der globalen sozialen Ungleichheiten 
und Spaltungen verbunden sein müssen. Ein gutes und nachhaltiges Leben für alle Bewohner 
dieses Planeten müsste auf einem kollektiv verantwortlichen Umgang mit begrenzten 
Ressourcen und begrenzten Regenerationsmöglichkeiten der Ökosphäre beruhen. Das aber ist 
unvereinbar mit einer auf grenzenlosem Wachstum, grenzenlosem Profit-Streben und 
grenzenloser Ausbeutung beruhenden Wirtschaftsweise, in der die Verteilung des 
gesellschaftlichen Reichtums primär an Renditeerwartungen und zahlungsfähiger Nachfrage 
orientiert ist.
Einen ökologisch nachhaltigen und sozial verantwortlichen Kapitalismus hat es noch nie 
gegeben. Und nach allem, was wir über die grundlegenden Logiken und Dynamiken dieser 
Wirtschaftsweise wissen, bleibt der ‘grüne Kapitalismus' auch heute eine verhängnisvolle 
Illusion. In den wenigen Jahren, die uns noch bleiben, um die Weichen in Richtung einer 
anderen Wirtschafts- und Lebensweise zu stellen, die ein Überleben auf diesem Planeten 
ermöglicht, bedeutet das für uns, dass wir uns dafür einsetzten müssen, die Art des 
Wirtschaftens grundlegend zu verändern. Eine demokratisch-kontrollierte, nachhaltige und 
an menschlichen Bedürfnisse orientierte Ökonomie wäre dabei auf der Grundlage der uns 
heute zur Verfügung stehenden Produktions- und Kommunikationstechnologien durchaus 
möglich. In einer solchen Gesellschaft, bräuchte es auch keine zwanghaft auf die Erhaltung 
von Arbeitsplätzen fixierten Debatten und keine politischen Maßnahmen, die um Menschen in 
Arbeit zu bringen (bzw. zu zwingen, ob sie wollen oder nicht) die Güter und 
Ressourcenvernichtung weiter anheizen. Denn in einer Gesellschaft, die die Teilhabe am 
vorhandenen gesellschaftliche Reichtum anders regelt als über einen allgemeinen 
Lohnarbeitszwang, würde das, was heute als Drohung der ‘Arbeitslosigkeit' erscheint, nicht 
Verarmung bedeuten. Es wäre vielmehr der eigentliche Reichtum der Gesellschaft, nämlich 
die Zeit für selbstbestimmte Tätigkeiten, aber auch für Muße und für die bewusste, 
gemeinsame Aushandlung und Gestaltung der Beziehungen zwischen den Menschen und ihrer 
Verhältnisse zur Natur. Dabei müssten und könnten große Teile der Produktion und 
Distribution dezentraler und lokaler gestaltet und der lokalen und regionalen 
Selbstorganisation überantwortet werden. Das würde helfen, auch ländliche Regionen wieder 
unabhängiger und attraktiver zu machen, ohne Güter, die ebenso gut nebenan erzeugt werden, 
über die halbe Welt zu den Verbraucher_innen zu transportieren. Der globale Austausch von 
Wissen, Informationen und wo es sinnvoll ist natürlich auch von lokal nicht produzierbaren 
Gütern ließe sich dabei seinerseits mit geringerem gesellschaftlichem Aufwand und bei 
geringeren ökologischen Folgekosten neu organisieren.

Wie entsprechende andere globale Produktions- und Austauschbeziehungen im Detail aussehen, 
wird sich erst im gesellschaftlichen Versuch und Irrtum herausstellen können. Es scheint 
heute aber wichtiger denn je, mit der Suche nach wirklichen Lösungen zu beginnen, statt 
weiterhin - wie fast alle Nationen und alle politischen Parteien - das Festhalten an den 
Ursachen der ökologischen Katastrophendynamik als das einzig mögliche Heilmittel auszugeben.
Deshalb ist es jetzt und heute wichtig, in vielfältigen Formen selbst zu handeln und die 
politische Initiative zur ergreifen. Dabei ist und bleibt der Streik ein wichtiges Mittel, 
um ökonomischen und politischen Druck aufzubauen. Denn wortstark gegen die gegenwärtige 
Wirtschaftsweise und Politik demonstrieren oder gedanklich nach Alternativen suchen können 
wir lange, ohne dass dies irgendwelche Folgen hat.
Am Ende ist die tatsächliche Verweigerung unserer Arbeitskraft das wirkungsvollste Mittel, 
um grundlegende Veränderungen durchzusetzen, da alle einzelnen Unternehmen ebenso wie alle 
kapitalistisch wirtschaftenden Staaten von dieser abhängig bleiben. Insofern schließen wir 
uns dem Aufruf zum ‘Klimastreik' rückhaltlos an. Denn wie der Streikaufruf richtig 
erkennt, reicht es für einen Streik, der diesen Namen verdient, nicht aus, dass 
Schüler_innen nicht in der Schule erscheinen. Vielmehr müssten wirklich auch Arbeitsplätze 
unbesetzt bleiben und Arbeitskraft tatsächlich verweigert werden, damit die Drohung eines 
wirklichen wirtschaftlichen Schadens einen entsprechenden Druck aufbaut. Letztlich ist es 
aber eben deshalb auch kein Streik, wenn Lohnabhänge Urlaub nehmen, ihre Chef_innen 
bitten, der Arbeit für eine Demonstration fernbleiben zu dürfen, oder wenn ‘Imagebewusste' 
Unternehmen überzeugt werden, ihre Mitarbeitenden mit der Aufforderung an einer 
Demonstration teilzunehmen freistellen.
Für einen Streik bräuchte es genügend Menschen, die dem Wirtschaftsmotor seine wichtigste 
Grundlage, menschliche Arbeitskraft, in spürbarer Form entziehen. In einer 
kapitalistischen Lohnarbeitsgesellschaft, in der Menschen mehrheitlich existentiell auf 
den Verkauf ihrer Arbeitskraft angewiesen bleiben, können sie das aber nicht allein. Es 
braucht hier kämpferische Gewerkschaften, in denen wir uns langfristig organisieren, um 
uns auch im Streikfall durch Streikgeld, durch rechtliche Unterstützung im Repressionsfall 
und durch unmittelbare Solidarität sozial absichern und unterstützen zu können.

Der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), der einen großen Teil der arbeitenden Bevölkerung 
organisiert, hat diese Verantwortung nicht wahrgenommen. Stattdessen schließt der 
DGB-Aufruf zur Beteiligung an einer Demonstration einen echten "Streik" explizit aus und 
garantiert Mitgliedern, die wirklich streiken würden, entsprechend auch keinerlei 
finanzielle oder rechtliche Absicherung.
Demgegenüber gehen wir davon aus, dass die Dringlichkeit des Klimawandels für bloße 
Symbolpolitik, die mit dem Wort ‘Streik' bestenfalls unverbindlich spielt, eigentlich 
keine Zeit lässt. Sie zwingt uns dazu, jetzt tätig zu werden. Das bedeutet tatsächlich 
kämpfen zu müssen und dabei auch Risiken einzugehen, wobei wir alle Mitstreiter_innen 
möglichst unterstützen und absichern wollen. Darum rufen wir als lokale Basisgewerkschaft 
in Dresden die Mitglieder unseres Syndikats zum ordentlichen Streik am 20. September auf, 
samt Streikgeld und rechtlicher Unterstützung. Außerdem fordern wir andere 
Städte-Syndikate und -Sektionen der Freien Arbeiter_innen Union dazu auf, dasselbe zu tun. 
Vermutlich wird an diesem Tag noch lange nicht genügend Druck entstehen um wirklich 
grundlegend politische und ökonomische Veränderungen einzuleiten. Dafür wird es noch 
langfristigere Kämpfe und Organisationsbemühungen brauchen. Und es bedarf bei aller 
wechselseitigen Solidarität verschiedener durch geteilte Ziele verbundener Bewegungen und 
Gruppen auch der kritischen Auseinandersetzung über die adäquaten Formen dieser Kämpfe. 
Lasst uns den Global Climate Strike als einen neuen Auftakt dafür sehen

https://dd.fau.org/2019/09/12/aufruf-der-mitglieder-des-allgemeinen-syndikats-dresden-zum-globalen-klimastreik/


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