(de) FAU, direkte aktion: WANDEL IN DER INDUSTRIE

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Fr Sep 13 17:03:09 CEST 2019


Digitalisierung und Antriebstechnik könnten die wichtigste Branche drastisch verändern - 
die IG Metall will hier mitgestalten. ---- Betrieb & Gesellschaft Von: Christian Horn - 
11. September 2019 ---- Bei glühender Hitze demonstrierten am 29. Juni 50.000 
Metaller*innen in Berlin. Es war ein Aktionstag der größten Gewerkschaft Europas. Die IG 
Metall mit ihren 2,3 Millionen Mitgliedern hat den drohenden Wandel insbesondere in der 
Automobilindustrie zum Anlass genommen auf das Thema aufmerksam zu machen. Neben dem Umbau 
der Antriebstechnik vor allem zur E-Mobilität spielt auch die Digitalisierung unter dem 
Schlagwort Industrie 4.0 eine wesentliche Rolle. Auf der FairWandel-Kundgebung traten wie 
bei solchen Aktionstagen üblich bekannte Musiker auf.[1]
E-AUTOS ALS LÖSUNG?
Neben dem Eventcharakter darf nicht vergessen werden, dass es für viele Beschäftigte auch 
um ihren Arbeitsplatz geht bzw. die Gestaltung dessen. Die Demonstration hatte zwar nicht 
ein großes wesentliches Anliegen, sondern einen ganzen Themenkomplex, aber der Umbau in 
der Antriebstechnik war wohl das bestimmende Anliegen. Hintergrund ist, dass die EU die 
Autohersteller unter Druck setzt den CO2-Ausstoß ihrer Flotten zu reduzieren. Bis 2030 
soll der Ausstoß der Neuwagenflotte um 37,5 Prozent gesenkt werden und bis 2025 soll er 
bereits um 15 Prozent sinken.[2]Ansonsten drohen den Autokonzernen drastische 
Strafen.[3]Um dies überhaupt noch zu schaffen, werden E-Autos im Portfolio eine größere 
Rolle spielen. Es wäre wohl günstiger Elektroautos zu verschenken als die Strafen zu 
kassieren. Dadurch könnte der Verbrennungsmotor verdrängt werden, auch wenn sich die 
elektrisch betriebenen PKW's vorerst als Flop erweisen.

Über den ökologischen Nutzen dieser Fahrzeuge lässt sich zu Recht streiten, etwa bei den 
Rohstoffen für die Batterie. Hinterlässt der elektrische Zweitwagen oder SUV nicht einen 
größeren Fußabdruck durch die grüngesinnte gehobene Mittelschicht als bisher? Anstatt sich 
Gedanken über den Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs zu machen oder generell die 
Verkehrsmeidung, etwa beim Güterverkehr, um Emissionen zu reduzieren, wird weiterhin voll 
auf Individualverkehr gesetzt.[4]
Was da aber auf die Lohnabhängigen zurollt, verdeutlicht das VW-Werk in Zwickau, was mit 
etwa 8.000 Beschäftigten bis 2020 auf die serienmäßige Elektromobilität umrüstet. Nun 
benötigt so ein E-Motor weniger Komponenten als ein Verbrenner. Insbesondere im 
Zulieferbereich könnten etliche Stellen wegfallen, weil die OEM's[5]Insourcing betreiben 
werden. Das heißt, dass die Fahrzeughersteller teilweise die Produktionsprozesse, welche 
in den letzten Jahrzehnte ausgelagert wurden, wiedereingliedern. Verstärkt durch die 
Digitalisierung könnte das zwei entgegengesetzte Trends bedeuten: An den Stammwerken, wo 
Forschung und Entwicklung betrieben werden, ist kaum Stellenabbau zu befürchten bzw. 
könnten sogar weitere entstehen. In den verlängerten Werkbänken insbesondere im Osten 
dagegen sind industrielle Arbeitsplätze gefährdet. Und der Trend bei den 
Industriearbeitsplätzen ist schon jetzt im Gang. Die Region um Eisenach ist das Zentrum 
der thüringischen Automobilindustrie. Nach Angaben der IG Metall sind hier schon in den 
letzten Jahren 1.500 Stellen weggefallen.[6]
AUSLAUFMODELL DIESEL
Ein weiteres Problem, was für die Beschäftigten in der Automobilbranche hinzu kommt, sind 
die Folgen des Diesel-Abgasskandals. Es ist ein sehr zweischneidiges Schwert. Wurde hier 
klar mit der Schummelsoftware per Abschalteinrichtung durch VW und Co. betrogen, so ist 
die Sinnhaftigkeit von Fahrverboten anzuzweifeln. In Gesprächen mit den betroffenen 
Kollegen, die hier um ihre Existenz bangen, wird dies doch sehr emotional diskutiert und 
geht hin bis zu Verschwörungstheorien. Neben der Flüchtlingsdebatte war dies das zweite 
große Thema der AfD im Vorfeld zur Bundestagswahl, was die Wichtigkeit des Themas in der 
öffentlichen Debatte unterstreicht. Die IG Metall steckt bei den vom Diesel verursachten 
Stickoxide wie bei der CO2-Problematik in einem Dilemma. Es ist den Vertretern der 
Gewerkschaft anzumerken, dass sie neben einer sozialverträglichen auch nach einer 
ökologisch nachhaltigen Lösung suchen. So war beim Aktionstag auch NABU-Präsident Olaf 
Tschimpke als Redner geladen. Auch in Schweinfurt kooperiert die IG Metall mit dem BUND, 
um Wege in eine sozial-ökologische Industrieproduktion zu finden. Dennoch ist es für die 
Mobilisation schwierig mit so offen formulierten Forderungen zu werben, wo manchen 
Mitgliedern dann oft die konkrete Stoßrichtung nicht klar ist.

Anderes agierte die selbsternannte "Gelbwesten"-Bewegung, die mit etwa 1.500 
Teilnehmer*innen in Stuttgart klar gegen die Dieselverbote protestierte. Nicht unerwähnt 
soll bleiben, dass der Initiator sich gegenüber der Presse für umfassenderes 
Verkehrskonzept ausgesprochen hat - attraktiver ÖPNV inbegriffen.[7]Nun ist das Motto 
"Hände weg vom Diesel" durchaus schon rechts besetzt. Eine linke Bewegung sollte hier 
umfassendere Lösungen anbieten für Beschäftigte und Verbraucher*innen. Eine gemeinsame 
Aktion wie bei "Stop TTIP" mit Umweltgruppen bietet sich dabei an.

Beitragsbild: IG Metall protestiert für einen "Fairwandel" vor dem Brandenburger Tor am 
29. Juni 2019 (Urheber: C.Suthorn / cc-by-sa-4.0 / commons.wikimedia.org)

https://direkteaktion.org/wandel-in-der-industrie


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