(de) fda-ifa: Das System Vonovia bekämpfen! - Kommentar aus dem Recht auf Stadt Netzwerk von Anarchistische Gruppe Freiburg

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Do Nov 7 08:19:37 CET 2019


Vonovia-Mieterinnen im Auggener Weg in Weingarten haben seit über einem Jahr mit einem 
massiven Legionellenproblem zu kämpfen. Die weiteren Probleme - nicht funktionierende 
Aufzüge und Klingeln, kaputte Heizungen etc. - dürften auch anderen Freiburger 
Vonovia-Mieterinnen bekannt sein. Diese Probleme wird Vonovia nicht lösen, wenn man sie 
nur noch einmal drauf anspricht, denn sie gehören zur Geschäftspraxis dazu. Lösen kann die 
Probleme nur eine organisierte Mieterinnenschaft, die die Geschäftspolitik bekämpft und 
ausreichend Druck macht, um die jeweiligen Wohnungen perspektivisch zu vergesellschaften 
und das System Vonovia zu beenden. Die Häuser im Auggener Weg 2-6 stehen symbolisch für 
die Vonovia. 2006 wurden sie unter Dieter Salomon von der Stadtbau an die Gagfah verkauft, 
die später nach dem Kauf durch die Deutsche Annington mit ihr gemeinsam in Vonovia 
umbenannt wurde. Mit der Entscheidung, die Häuser zu verkaufen, hat die Stadt Freiburg die 
Mieterinnen dem Finanzmarkt ausgeliefert und ist letztlich für alle Konsequenzen 
verantwortlich.

Wer ist die Vonovia?
Vonovia ist das größte deutsche Immobilienunternehmen. Sie ist an der Börse vertreten und 
größter Anteilseigner ist die berüchtigte Fondsgesellschaft BlackRock. Es geht nicht um 
die Mieter*innen, sondern um die Rendite. Alle Bestandteile des Unternehmens orientieren 
sich an Renditezielen. Jede Wohnung des Unternehmens ist einem bestimmten Segment 
zugeordnet, die sich nach Werthaltigkeit bzw. Mietsteigerungspotenzial unterscheiden. Die 
kühle Kalkulation führt dazu, dass es auch im Auggener Weg für die Vonovia am besten ist, 
wenn Mieter*innen ausziehen, um die leer werdende Wohnung zu modernisieren und sie 
anschließend deutlich teurer wieder zu vermieten. Wenn Mieter*innen berichten, dass sie 
keinen Vonovia-Mitarbeiter erreichen, dass die defekte Heizung, der kaputte Aufzug und die 
nicht funktionierende Klingel nicht repariert werden, dann steht das nicht für die 
Unfähigkeit der Vonovia sich um ihren großen Wohnungsbestand adäquat zu kümmern, sondern 
für das betriebswirtschaftliche Denken. Die Nichtreaktion auf Beschwerden ist schlicht am 
kostengünstigsten. Leider ist auch die psychische Verfasstheit der Bewohner*innen ein 
Faktor um Rendite zu generieren. Sind sie so genervt vom Zustand der eigenen Wohnung und 
vom Nichtstun der Vonovia, dass es auf ihre Psyche durchschlägt, werden sie wahrscheinlich 
schneller ausziehen und so den Weg für die Modernisierung und die damit verbundene 
Renditesteigerung freimachen. Die Nichtreaktion lohnt sich für die Vonovia auch bei 
Einsprüchen gegen die oft undurchsichtigen Nebenkostenabrechnungen. Die Fälle, in denen 
Mieter*innen den Mut haben, gerichtlich gegen die Abrechnungen vorzugehen, sind noch 
Mangelware. Beim großen Rest verdient die Vonovia sehr gut, indem sie nicht 
ausbuchstabierte "Dienstleistungen" in Rechnung stellt, die durch schlecht bezahlte eigene 
Mitarbeiter erbracht werden.
Doch dieses System bietet auch Widerstandsmöglichkeiten. Viele Mieter*innen haben mit den 
gleichen Problemen zu kämpfen. Bei der Vonovia begreifen alle, dass es nur um den Profit 
geht. Vielleicht führt das eher als bei einer Einzelvermieterin dazu, dass sich 
Mieter*innen zusammenschließen, um gegen die Unzumutbarkeiten vorzugehen. Für die Stadt 
gilt es, endlich das Instandsetzungsgebot zu erlassen. Mit der Vonovia verhandelt man 
nicht. Man kann nur durch ein kollektives Vorgehen versuchen an allen Ecken und Enden 
gemeinsam gegen das Geschäftsmodell vorzugehen, sodass die Renditeerwartungen nicht 
erfüllt werden und die Vonovia die Lust am jeweiligen Haus verliert, sodass letztlich die 
Perspektive einer Vergesellschaftung der Wohnhäuser eröffnet wird.

https://fda-ifa.org/das-system-vonovia-bekaempfen-kommentar-aus-dem-recht-auf-stadt-netzwerk/


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