(de) FAU, direkte aktion: DER 2018ER TVSTUD-STREIK AUS SICHT DER FAU BERLIN

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So Nov 3 08:05:27 CET 2019


An den Berliner Hochschulen war die FAU 2018 Teil der Streikbewegung zur Erneuerung des 
studentischen DGB-Tarifvertrags. FAU-Aktive haben die Kampagne von Anfang bis Ende 
mitgeprägt, aber auch ihre Kritik an Mechanismen der Stellvertretergewerkschaften. ---- 
Betrieb & Gesellschaft Von: Redaktion - 30. Oktober 2019 ---- Der Tarifvertrag für 
studentische Beschäftigte (TV Stud) regelt die Arbeitsbedingungen der ca. 8.000 
studentischen Hilfskräfte, die berlinweit an Hochschulen arbeiten. Er wurde in den 1980ern 
durch mehrwöchige Streiks erkämpft und stellt in der BRD den einzigen Tarifvertrag für 
studentische Beschäftigte dar. Doch er ist nicht gut gealtert: Von 2001 bis 2018 gab es 
keine Lohnerhöhungen und 2003 wurde die Jahressonderzahlung gestrichen. Unter 
Berücksichtigung der steigenden Mieten und Lebenserhaltungskosten bedeutet das einen 
Reallohnverfall von mindestens 30 Prozent.

2015 startete der jüngste Versuch, den TV Stud zu erneuern. Nach einer Organizing-Kampagne 
startete eine unter verdi- und GEW-Mitgliedern gewählte Tarifkommission 2017 
Sondierungsgespräche und ging in fünf Verhandlungsrunden, die gegen Ende des Jahres 
angesichts sich verschlechternder Ergebnisse als gescheitert anerkannt wurden. Zu diesem 
Zeitpunkt war in Verhandlungen bereits der Großteil der Forderungen kampflos aufgegeben 
worden.

Erst im Januar 2018 begannen erste Warnstreiks. Der Tarifkonflikt wurde nach mehrjähriger 
Kampagnenarbeit, neun Verhandlungsrunden, dutzenden Protestaktionen und 40 Streiktagen im 
Juli 2018 durch eine 2/3-Mehrheit bei einer Mitgliederbefragung beendet. Der neue TV Stud 
sieht zwar wesentliche Verbesserungen vor. Das Ergebnis bleibt jedoch hinter allen der 14 
Forderungen der Kampagne zurück. Aktive der FAU Berlin begleiteten die Kampagne von Beginn 
an solidarisch und trugen maßgeblich zu ihrem Aufbau sowie der ungewöhnlich hohen 
Basisbeteiligung und überdurchschnittlichen Skepsis gegenüber sozialpartnerschaftlichen 
Strategien im Vergleich zu gewöhnlichen DGB-geführten Kampagnen bei.

Im Folgenden berichten uns Beteiligte aus der FAU von ihrer Erfahrung in der 
gewerkschaftlichen Zusammenarbeit:

WELCHE HERAUSFORDERUNGEN WÜRDET IHR BEI TV STUD HERVORHEBEN?
Erstens: Anders als der Vorgänger-Tarifvertrag "TV Stud II", der 1986 durch wilde Streiks 
studentisch Beschäftigter (SHKs) in Berlin angestoßen wurde, waren diesmal 
Stellvertretergewerkschaften die Initiator*innen. Über relevante Informationen, Finanzen 
und Entscheidungen konnten wir so nur vermittelt verfügen.

Zweitens: SHKs arbeiten relativ prekär, haben aber oft kein (Problem-)Bewusstsein davon. 
Wir sehen unsere Tätigkeit häufig als bloß kurzfristigen Nebenjob oder als Bildungschance. 
Hoher Durchlauf, räumliche Zerstreuung und persönliche Abhängigkeitsverhältnisse an 
Hochschulen erschweren die (Selbst-)Organisierung.

INWIEFERN WAR TV STUD EINE STELLVERTRETUNGSKAMPAGNE?
Durch die Initiative von GEW und ver.di war der Rahmen als Stellvertreterkampagne gesetzt. 
Es gab eine gewählte Tarifkommission, welche - einmal gewählt - eigenmächtig 
Entscheidungen über Verhandlungen und Streiks treffen konnte. Streiktage mussten 
zusätzlich von den Vorstandsgremien der Gewerkschaften abgenickt werden, was mehrmals ein 
harter Kampf war. Zugleich wurden aber Organizing-Methoden genutzt, wie wir sie aus der 
FAU-Betriebsarbeit kennen. (Siehe dazu auch DA 05/2016, "Organizing".) Organizing wird 
dabei seines politischen Gehalts entkleidet: Es geht nicht um Selbstorganisierung mit den 
vorrangigen Zielen, Klassenbewusstsein zu schaffen und beim Empowerment zu unterstützen, 
sondern erstmal um Mitgliedergewinnung.

Dementsprechend fand bei TV Stud keine Selbstorganisierung im eigentlichen Sinne statt, 
sondern Gewerkschaftssekretär*innen wirkten mit einem kleineren "Aktivenkreis" in die 
Belegschaft hinein. Wissens- und Entscheidungshierarchien waren so, wenn auch nicht völlig 
undurchlässig, gegeben.

WIE SEHT IHR DIE BETEILIGUNG DER FAU IM NACHHINEIN?
Wir haben Selbstorganisierungsansätze gegen die Stellvertretungsansprüche von ver.di und 
GEW gestärkt und so Konflikte zwischen Selbst-/Mitbestimmung und Stellvertretung 
offengelegt. Dies praktisch zu erfahren, hat auch einige SHKs von FAU-Ansätzen überzeugt. 
Relevantes Wissen dafür haben wir durch Ämter in Stellvertretungsgremien erlangt. 
Gleichzeitig band die Stellvertretungsarbeit viele Kapazitäten zum Beispiekl in 
Verhandlungen anstatt in Selbstorganisierung. Die offene Frage ist: Gibt es eine gute Balance?

UND WAS WÜRDET IHR ANDEREN FAU'ISTA GERNE FÜR DIE ZUKUNFT MITGEBEN?
Es braucht regelmäßig genug Raum zur Bewertung der eigenen (FAU-)Strategie in einer 
solchen Kampagne von Stellvertretergewerkschaften. Sonst laufen wir Gefahr, durch 
Organizing bloß zu deren Mitgliedergewinnung beizutragen. Sie werden mit ihrem von oben 
gesteuerten Organizing-Ansatz wahrscheinlich kurzfristig Erfolge haben (bspw. mit TV Stud 
in anderen Bundesländern), aber nachhaltig ist das nicht (DA 2016). Echte 
Selbstorganisierung braucht ihre Zeit, trägt aber entsprechende Früchte!

https://direkteaktion.org/tvstud-streik-sicht-fau-berlin/


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