(de) die plattform: »breaking the waves« - Die Kollektive Einmischung N°3 ist erschienen!,Was lange währt, wird endlich gut.

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Fr Nov 1 07:33:06 CET 2019


Im dritten Teil unserer Schriftenreihe veröffentlichen wir eine neue Übersetzung des 
Textes»breaking the waves - Der Bruch mit liberalen Tendenzen im Anarcha-Feminismus«. ---- 
Vorwort der plattform: ---- Im Oktober 2014 fand in London die anarcha-feministische 
Konferenz AFem2014 statt, an der Aktivist*innen aus vielen europäischen Ländern, aber auch 
aus Nord- und Südamerika sowie Asien und Australien teilnahmen. Dieser Kongress bewirkte, 
dass die Diskussionen um die Bedeutung des Anarcha-Feminismus innerhalb der 
anarchistischen Bewegungen wieder verstärkt in den Mittelpunkt rückten.»Breaking the 
Waves«ist ein Ergebnis dieser vielfältigen Diskussionen rund um AFem2014. Der Artikel 
wurde im Sommer 2016 veröff entlicht und ist von zwei Mitgliedern der Black Rose Anarchist 
Federation aus den USA geschrieben.

In deutscher Übersetzung (übersetzt von einem
jetzigen die plattform - Mitglied) wurde Breaking the waves
zuerst in der Februar-Ausgabe 2017 der[??]Gai Dào veröffentlicht.

Warum veröffentlichen wir diesen Text mehr
als zwei Jahre später erneut?
Dies hat mehrere Gründe. Einerseits enthielt die erste Übersetzung ein paar Fehler und war 
stilistisch nicht rund übersetzt. Andererseits gibt es genug inhaltliche Gründe, diesen 
Text nochmals breit zu streuen und zur Diskussion zu stellen:

Zunächst wirft Breaking the Waves wichtige Fragen auf,
die auch heute noch nicht beantwortet sind.

Was bedeutetAnarcha-Feminismus heute?
Welche geschichtlichen Wurzeln
und Traditionen sollten eine Rolle spielen?
Wie kann die anarcha-feministische Bewegung wieder eine
bedeutende und gesellschaftlich verankerte Praxis entwickeln?
Leider liefert der Text nicht auf alle Fragen auch konkrete
Antworten. So bleibt auch nach dem Lesen vage, was die Autor*innen
unter Anarcha-Feminismus verstehen. Zu anderen Aspekten bieten sie jedoch interessante 
Gedanken.
So arbeiten sie heraus, warum die (auch im deutschsprachigen
Raum weit verbreitete) feministische Wellentheorie keinen Hauptbezugspunkt für 
revolutionären (Anarcha-)Feminismus darstellen kann. Stattdessen wollen die Autor*innen an 
vergangene (feministische)
revolutionäre Massen- und Klassenkämpfe anknüpfen. Sie kritisieren damit gleichzeitig 
gegenwärtige Aspekte (anarcha-) feministischer Theorie und Praxis: liberale und 
individualistische Vereinnahmung des Anarcha-Feminismus; Identitätspolitik und Verharren 
in Selbstkritik; einseitige Theoriebezogenheit; Beschränkung der Praxis auf Online-Aktivismus,
auf die zwischenmenschliche Ebene sowie auf Teilbereiche der Gesellschaft (wie 
beispielsweise Universitäten).

Gleichzeitig beschreiben die Autor*innen konkrete Wege, wie die anarcha-feministische 
Bewegung diese Selbstbeschränkungen hinter sich lassen kann. Die anarcha-feministische 
Bewegung muss wieder öffentlich sichtbar werden mit dem Anspruch, Massenbewegung zu 
werden. Sie muss innerhalb sozialer Kämpfe der Lohnabhängigen ihren Platz finden, für 
konkrete Ziele kämpfen und damit auch offensive Forderungen aufstellen.

Denn, so die Autor*innen:
»Eine Bewegung braucht erreichbare Ziele und muss
Menschen einen Grund geben, ihre Zeit, Energie und
möglicherweise sogar Leben zu geben.«

Beeindruckend und konkret veranschaulichen sie dies mit der Zusammenstellung einer Liste 
von Forderungen, die nicht nur Verbesserungen im Hier und Jetzt bewirken, sondern 
teilweise über die aktuelle Gesellschaftsstruktur hinausweisen.
An dieser Stelle wird deutlich, dass es für die Überwindung des strukturellen Patriarchats 
und den Aufbau einer befreiten Gesellschaft Wege braucht, auf denen wir die ersten 
Schritte dahin gehen können. Es führen uns weder bloße Reformen dorthin, noch können wir 
mit revolutionären Phrasen den tiefen Abgrund überwinden, der uns von der befreiten 
Gesellschaft trennt. Notwendig ist die Entwicklung und ständige Aktualisierung eines 
revolutionären Programms. Es beinhaltet einerseits eine präzise Analyse
der bestehenden Gesellschaft mit ihren dringlichsten Problemen.
Andererseits beinhaltet es eine Reihe von präzise
gefassten Vorschlägen, um zu tiefgreifenden sozialen Veränderungen
zu gelangen. Durch diese Forderungen müssen kurz- und mittelfristige Ziele erreicht 
werden. Ein Forderungskatalog, wie er in Breaking the Waves beschrieben ist, stellt also 
einen Teil dieser Grundlage für ein solches revolutionäres Programm dar.

Zuletzt muss darauf hingewiesen werden, dass sich seit Erscheinen von Breaking the Waves 
mit den global weit verbreiteten feministischen Streikbewegungen der letzten Jahre neue 
Möglichkeiten und Ausgangsbedingungen entwickelt haben. Die hier aufkommenden Diskussionen 
können an die neu gemachten Erfahrungen dieser Streikbewegungen anknüpfen - und Breaking 
the Waves wiederum
kann für die feministischen Streikbewegungen spannende
Impulse geben.

~ die plattform, September 2019

Die online-Version der Zeitschrift könnt ihr hier herunterladen.
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https://www.dieplattform.org/2019/10/29/breaking-the-waves-kollektive-einmischung-n3-erschienen/


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