(de) FAU, direkte aktion: HER MIT DEM VIER-STUNDEN-TAG!

a-infos-de at ainfos.ca a-infos-de at ainfos.ca
Fr Jun 14 07:02:53 CEST 2019


Frauen sind gesellschaftlich nach wie vor strukturell benachteiligt. Um dem 
entgegenzuwirken muss es möglich sein, unbezahlte Arbeit gerechter zu verteilen. Der 
Vier-Stunden-Tag bei vollem Lohnausgleich als konkrete feministische Forderung ist ein 
erster Schritt. ---- Betrieb & Gesellschaft Von: FEM*FAU-Redaktion - 10. Juni 2019 ---- 
Die Forderung nach "Teilzeit für alle - bei vollem Lohnausgleich" mag auf den ersten Blick 
utopisch klingen. Tatsächlich liefert diese Forderung jedoch Lösungen für diverse Ursachen 
von struktureller Benachteiligung insbesondere von Frauen*. Die Forderung nach 
Arbeitszeitverkürzung schließt nicht nur an gewerkschaftliche Forderungen der 
Vergangenheit an, sondern setzt gleichzeitig neue Maßstäbe, die auf Gleichberechtigung in 
der Arbeitsteilung und auf finanzielle Sicherheit für alle zielen. Arbeit bestimmt unseren 
Alltag. Selbst wenn wir von der Lohnarbeit nach Hause kommen, ist noch lange nicht 
Schluss. Es warten Hausarbeit, Sorge um Kinder oder Angehörige, Beziehungsgespräche, etc. 
- die sogenannte Reproduktionsarbeit. Ausruhen und Entspannen, persönliche 
Weiterentwicklung und gewerkschaftliches Engagement kommen dabei häufig zu kurz. Doch eben 
diese Qualitäten braucht es in einer demokratischen Gesellschaft, deren Voraussetzung 
Menschen sind, die mitdenken und sich einbringen können.

Vollzeitarbeit ist nur möglich, wenn andere die anfallende Reproduktionsarbeit (Kochen, 
Haushalt, Fürsorge, etc.) für die Vollzeitbeschäftigen übernehmen. Wer dieses Privileg 
nicht genießt, der bleiben am Ende des Tages gerade noch ein paar Augenblicke, um 
abzuschalten und dann erschöpft ins Bett zu fallen - bevor der Wahnsinn am nächsten Tag 
von vorne losgeht. Häufig sind es Frauen, die den größeren Teil dieser unbezahlten Arbeit 
übernehmen.

Zwei Drittel der Arbeit von Frauen ist unbezahlt

Zwei Drittel der durchschnittlichen Arbeitszeit von Frauen sind solche unbezahlte Arbeit, 
demgegenüber sind es bei Männern nur weniger als die Hälfte. Wer aber Familie und Beruf 
unter einen Hut bringen will, kann nur weniger Erwerbsarbeit leisten oder muss eben 
Auszeiten nehmen. Die Folgen sind ein geringeres Einkommen, die finanzielle Abhängigkeit 
von Lebenspartner*innen und schließlich Altersarmut. Neben der ungerechten Arbeitsteilung 
liegt eine weitere Ursache in dem geringeren gesellschaftliches Ansehen und der 
schlechtere Bezahlung von Berufen, die klassischerweise von Frauen übernommen werden, wie 
zum Beispiel Krankenpfleger*in, Reinigungskraft, Erzieher*in oder Kassierer*in. Außerdem 
sind Frauen selbst bei gleicher Qualifikation nach wie vor gegenüber Männern 
benachteiligt. Der durchschnittliche Lohnunterschied zwischen Männern und Frauen beträgt 
branchenübergreifend ganze 22%. Aus all diesen Gründen arbeiten Frauen also mehr und 
verdienen weniger. Die FAU beschränkt sich nicht nur auf die Verbesserung konkreter 
Arbeitsbedingungen, sondern zielt auf die Umgestaltung unserer Lebensbedingungen 
insgesamt. Deshalb fordern wir eine radikale Arbeitszeitverkürzung für alle! Ein 
4-Stundentag für alle ermöglicht die gleichberechtigte Verteilung der unbezahlten Arbeit, 
gleiche Chancen in der beruflichen Entwicklung sowie Zeit für gesellschaftliches 
Engagement und persönliche Selbstentfaltung.

Beitragsbild: CC BY-NC 2.0 "F*Streik Aux 2019" von Rosa Aux. 2019.

https://direkteaktion.org/her-mit-dem-vier-stunden-tag/


Mehr Informationen über die Mailingliste A-infos-de