(de) anarcho syndikalismus: «Madrid: Neue Gewerkschaftszeitschrift CNT (AIT) Öko-Syndikalismus statt Green New Deal

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Mi Jul 24 08:39:09 CEST 2019


Der kapitalistische Fortschritt ist die zentrale Ursache der aktuellen Klimakrise, welche 
die Menschheit aufgrund der globalen Erwärmung zu bewältigen hat. Und bei dieser globalen 
Erwärmung handelt es sich um einen schnellen und dauernden Anstieg der weltweiten 
Temperatur von Erdoberfläche und Ozeanen. Bisher gab es seit [Beginn der systematischen 
Messungen im Jahr] 1880 eine Temperatursteigerung von 0,8 Grad Celsius. ---- Laut einer 
aktuellen Untersuchung von Wissenschaftler*innen am Goddard-Instituts der 
US-Raumfahrtbehörde NASA haben zwei Drittel dieser Erwärmung in der Zeit nach 1975 
stattgefunden. Ein Temperaturanstieg von einem Grad scheint nicht viel zu sein, aber die 
Forscher*innen der NASA heben hervor: "Es bedarf einer riesigen Hitzemenge, um alle 
Ozeane, die Atmosphäre und die Erde zu erwärmen."

Es ist bekannt, dass die Freisetzung von Kohlendioxid bei der Verbrennung fossiler 
Brennstoffe[wie Braun- und Steinkohle, Erdöl, Erdgas oder Torf], das zentrale Problem 
darstellt. Viele Jahrhunderte lang bewegte sich der Anteil von Kohlendioxid in der 
Atmosphäre zwischen 200 und 300 ppm[Millionstel]. In den 1950er Jahren ließ das Wachstum 
des Industriekapitalismus diese Anteile auf einen Spitzenwert von 310 ppm ansteigen. 
Seitdem ist die Konzentration von Kohlendioxid[CO2]in der Atmosphäre rasend schnell 
angewachsen auf über 410 ppm im Jahr 2018. Das ist die Folge eines starken Anstiegs der 
Verbrennung fossiler Brennstoffe in der Zeit nach dem Zweiten Weltkrieg[seit 1945].

Das Problem liegt dabei in der eigentlichen Struktur des Kapitalismus, dessen wesentliches 
Merkmal die Auslagerung von Folgekosten aus der Warenproduktion ist. So verbrennt ein 
Stromunternehmen Kohle zur Erzeugung von Elektrizität, denn der Preis für eine 
Kilowattstunde aus Kohleverstromung war lange Zeit lang billiger als die Alternativen. 
Doch die Abgase aus der Kohleverbrennung werden vom Wind verbreitet und verursachen bei 
tausenden Menschen Atemwegsschäden, also auch vermeidbare Todesursachen bei Leuten mit 
Atemwegserkrankungen.

Hinzu kommt der massenhafte Einfluss auf die globale Erwärmung durch den Ausstoß 
(Emission) von Kohlendioxid. Doch das Stromunternehmen muss für die menschlichen 
Folgekosten nicht aufkommen. Wenn die Firma eine Strafe zahlen müsste, welche die 
menschlichen Kosten für Tod, Lungenzerstörung und Klimaerwärmung samt deren Folgen 
beinhalten würde, wäre die Kohleverbrennung für das Stromunternehmen nicht länger ertragreich.

Außerdem verlagert die Firma ihre Kosten auf die Arbeiter*innen, zum Beispiel durch 
Gesundheitsrisiken , wie Stress und chemische Belastung. Die knallharten Vertreter*innen 
eines "freien Marktes" würden zwar leugnen, dass Unternehmen ihre Kosten auf die 
Arbeiter*innen abwälzen, denn ihrer Ansicht nach werden diese für jede Arbeitsstunde 
entsprechend mit Löhnen und Zuschlägen bezahlt. Doch die menschlichen Kosten der Arbeit 
können auch erhöht werden, ohne dass die Entschädigung für Arbeiter*innen angehoben 
werden: Indem eine Firma die Arbeitsleistung steigert; wenn die Leute härter arbeiten; 
wenn sie noch genauer von Vorgesetzten kontrolliert oder von Maschinen bzw. Software 
getrieben werden, dann lässt das die menschlichen Folgekosten ansteigen.

Giftige Chemikalien in Verarbeitung, Landwirtschaft oder anderen Industriezweigen stellen 
eine Gefahr sowohl für die Arbeiter*innen dar, wie auch für die Leute, die in der Nähe 
leben. Oftmals wohnen Leute aus der Arbeiter*klasse in der Nachbarschaft von 
umweltverschmutzenden Industriebetrieben - meist sind diese Stadtteile auch bewohnt 
von[rassistisch diskriminierten, nicht-weißen]"People of Color". Dabei handelt es sich 
ebenfalls um eine Form der kapitalistischen Kostenauslagerung.

Auch bei der staatlichen Regelung von Schädlingsbekämpfungsmitteln oder Luftverschmutzung 
handelt es sich oft nur um die Verschleierung vonr Gewinninteressen der Unternehmen. So 
haben trotz der Umweltverschmutzung durch undichte Ölraffinerien oder den 
Schadstoffausstoß anderer Industriegebiete[...]die dafür zuständigen staatlichen Behörden 
den Kampf gegen Luftverschmutzung fast ausschließlich auf den Bereich der Fahrzeugabgase 
konzentriert. Auf diese Weise versagen[die Regulierungsbehörden]in ihrem öffentlichen 
Auftrag, da sie von einer Lobby der kapitalistischen Unternehmen durch Bestechung 
vereinnahmt werden[regulatory capture].

Energiebetriebe, die riesige Mengen Kohlendioxid ausstoßen, sowie Firmen, die Gewinn 
machen mit der Herstellung von fossil betriebenen Autos und Lastwagen bzw. dem Verkauf von 
Benzin, Diesel und Kerosin, mussten bisher noch keine Gebühren oder Strafen wegen der 
zunehmenden Menge von Kohlendioxid in der Atmosphäre bezahlen. Die globale Erwärmungskrise 
kann daher erklärt werden durch diese Kostenabwälzung und die Ausrichtung auf kurzfristige 
Gewinne in wachsenden Märkten, die zentrale Bestandteile des kapitalistischen Systems sind.

Wenn der globale Kapitalismus seine Geschäfte wie bisher weiterführt, wird die Erwärmung 
große Auswirkungen haben: mörderische Hitzewellen, mehr Wirbelstürme durch die Energie 
aufgeheizter Ozeane, Zerstörung von Korallenriffen, steigender Meeresspiegel durch 
schmelzendes Eis in den Polargebieten und auftauende Gletscher, sowie die wachsende Gefahr 
des Aussterbens zahlreicher Lebensformen.

Die bisherigen Versuche eine weltweite Übereinkunft zur Verminderung fossiler Brennstoffe 
abzuschließen waren nicht erfolgreich. Das Pariser Abkommen schlägt nur freiwillige Ziele 
vor. Der NASA-Wissenschaftler James Hansen hat es sogar als "Schwindel" bezeichnet: "Es 
gibt keine Aktionen, nur Versprechen."

Nach Angaben des Zwischenstaatlichen Ausschusses für Klimaänderungen der Vereinten 
Nationen["Weltklimarat" IPCC]drängt die missliche Lage auf "schnelle und weitreichende 
Veränderungen (...) in bisher nicht dagewesenem Ausmaß." Der IPCC warnt davor, daß die 
Produktion hitzestauender Gase (vor allem Kohlendioxid) bis 2030 weltweit um 45% 
verringert werden muss, wenn die Menschheit einen gefährlichen Anstieg der Erderwärmung 
verhindern will.

Offensichtlich ist ein globaler Wandel nötig, aber woher soll der kommen?
Von Aktivist*innen der US-amerikanischen Green Party[1], Klimagerechtigkeitsgruppen und 
verschiedenen Radikalen wurde schon mehrfach die Idee eines "Green New Deal" vorgebracht. 
Das Motto bezieht sich auf den "New Deal", einen staatlichen Wirtschaftsplan, mit dem 
Präsident Roosevelt auf die ökonomische Krise der 1930er Jahr reagierte. Das Ziel[dieser 
wachstumsorientierten Eingriffe durch die Neuordnung von Markt und Sozialstaat]war eine 
schnelle Umstellung auf die Rüstungsproduktion zu Beginn des Zweiten Weltkriegs. Heute 
soll nun die globale Erwärmungskrise mit gleicher Dringlichkeit behandelt werden, wie die 
Massenarbeitslosigkeit von 1933[in der "Großen Depression"]oder wie die militärische 
Bedrohung durch den Faschismus zu Beginn der 1940er Jahre.

Die Idee des Green New Deal wurde[...]in den US-amerikanischen Kongress von Alexandria 
Ocasio-Cortez[und anderen sozialistischen Demokrat*innen im Februar 2019]als 
Beschlussvorlage eingebracht. Dort wurde eine Reihe hochgesteckter Ziele aufgestellt, wie 
eine Stromgewinnung in den USA zu 100% aus "sauberen, erneuerbaren und emissionsfreien 
Enegiequellen".

Andere Ziele beinhalteten "die Verschmutzung und den Ausstoß von Treibhausgasen in der 
Produktion zu unterbinden, soweit das technisch machbar ist" und eine "klimafreundliche 
Überarbeitung" des Transportsektors durch "Investitionen in emissionsfreie Fahrzeuge, 
Zugang zum Öffentlichen Nahverkehr und Hochgeschwindigkeitszüge".

Zusammen mit dieser Resolution wurde von 626 Umweltschutzgruppen ein Brief an den Kongress 
verfasst, der den Vorschlag eines Green New Deal unterstützte. Die Gruppen machten dabei 
recht deutlich, daß sie jede Art von marktförmigem Flickwerk, wie den "Cap and-Trade" 
genannten Handel mit[begrenzten]Emissionsrechten, als nutzlose Reformen ablehnen. Mehrfach 
wurden auch "Öffentlich-private Partnerschaften" (public-private partnerships) und die 
staatliche Förderung von Privatunternehmen gefordert.

[Der linke US-Ökonom]Robert Pollin schrieb in der Zeitschrift "New Left Review" über die 
Forderung nach "bevorzugter Steuerbehandlung für Investitionen in saubere Energien" und 
"Marktregelung durch staatliche Lieferverträge" als Teil einer sogenannten "grünen 
Industriepolitik" - mit anderen Worten: ein grüner Kapitalismus.

Doch auf Seiten der Arbeiter*innen gibt es oft Bedenken gegen solche Vorschläge. Die 
Unternehmen schmeißen die Leute einfach raus, zahlen niedrige Löhne oder zwingen sie zu 
schnellerem und gefährlicherem Arbeiten, falls es ihren Profitinteressen dient. So kam es 
beispielsweise beim Elektroauto-Hersteller "Tesla", der 5 Milliarden Dollar staatlicher 
Fördergelder kassiert hat, zu Problemen wegen Niedriglöhnen, Arbeitsverdichtung und 
Unfällen. Erst kürzlich[Januar 2019]hat Tesla 7% der Belegschaft - mehr als 3.000 
Arbeiter*innen - entlassen, um mehr Gewinne zu erwirtschaften[und zwei Monate später 
wurden weitere 8% gefeuert].

Ein anderer Ansatz, der eine staatlich zentralisierte Planung im Blick hat, wurde von 
Richard Smith vorgeschlagen, einem Öko-Sozialisten und Mitglied der Organistion 
"Demokratische Sozialist*innen Amerikas" (DSA). Smith interpretiert den Vorschlag von 
Alexandria Ocasio-Cortez auf seine Weise:
"Ocasio-Cortez (...) ist eine mutige, feministische, antirassistische und sozialistisch 
inspirierte Nachfolgerin[des ehemaligen US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt]. (...) Sie 
hebt die Diskussion über globale Erwärmung auf eine neue Ebene.(...) Sie fordert keinen 
Handel mit Emissionsrechten, Steuern auf Kohlendioxid oder andere "marktförmige" Lösungen. 
Sie ruft lautstark nach einer Dekarbonisierung[2]und fordert damit letztlich den 
Kapitalismus heraus, indem sie das System in Frage stellt."[3]

Smith ist davon überzeugt, dass man die Ziele des Green New Deal nicht durch sowas wie 
"Anreize" verwirklicht werden kann - und damit hat er recht. Er hebt hervor, dass es der 
Erklärung des Green New Deal "an Konkretem mangelt", wie dessen Ziele erreicht werden 
sollen. Um zum Ziel der Entkarbonisierung der Wirtschaft zu gelangen, schlägt er ein 
Programm in drei Schritten vor:
- den Notstand ausrufen, um den Gebrauch fossiler Brennstoffe zu verhindern, deren weitere 
Gewinnung zu stoppen und die fossile Energiewirtschaft zu verstaalichen, um sie abzuschaffen
- ein landesweites Programm nach der Art der Arbeitsbeschaffungsbehörde WPA[4]der 1930er 
Jahre, um die Belegschaften der geschlossenen Industrien in "nützliche, aber 
emissionsarme" Wirtschaftsbereiche "mit entsprechenden Löhnen und Zuschlägen" zu verlagern
- ein staatliches Aufbauprogramm zur Förderung von nachhaltiger Stromproduktion, 
Elektrofahrzeugen und anderen Transportmethoden, die nicht auf der Verbrennung fossiler 
Energieträger beruhen, sowie des Umbaus der petro-chemischen Intensivlandwirtschaft auf 
biologischen Anbau

Richard Smith hebt hervor, dass Ocasio-Cortez sich zwar ausdrücklich für staatliche 
Planungen einsetzen würde, dass es aber dem Entwurf für einen Green New Deal aus seiner 
Sicht daran mangelt, kein "Nationales Planungsamt für Reorganisierung, Neubewertung und 
Umbau der wirtschaft" vorgeschlagen zu haben. In Bezug auf Verstaatlichung stellt er 
jedoch klar: "Wir rufen nicht nach Enteignung". Stattdessen spricht er davon, die 
Aktienbesitzer*innen zu "fairen Martkpreisen" auszahlen zu wollen. Dieser Vorschlag würde 
jedoch direkt in eine staatlich gelenkte Form kapitalistischer Wirtschaft führen - eine 
Art Staatskapitalismus.

Der Vorschlag von Smith ist weitgehend unrealistisch, denn sollen wir wirklich glauben, 
dass das von Medienunternehmen beeinflusste Wahlsystem in den USA dazu benutzt werden 
könnte, um Politiker*innen (der unternehmensgesteuerten Demokratischen Partei) zu wählen, 
welche ein viele Billionen Dollar teures Programm zur Enteignung von fossiler 
Energiewirtschaft, Automobilherstellern und chemischer Industrie aufsetzen, damit eine 
Planungsbehörde die Kontrolle über die Wirtschaft übernehmen kann?

Die amerikanische Arbeiter*klasse hatte in den 1930er Jahren wichtige Fortschritte 
durchgesetzt, wie Mindestlöhne und Arbeitslosenversicherung ("Fair Labor Standards Act"), 
sowie die Hilfe für Familien mit bedürftigen Kindern ("Aid to Families with Dependent 
Children"). Doch diese Zugeständnisse konnten nur erkämpft werden durch einen Aufstand der 
Arbeiter*innen vor dem Hintergrund gewaltiger Auseinandersetzungen auf der ganzen Welt: 
Die Arbeiter*innen-Revolution in Spanien[5], Fabrikbesetzungen in Frankreich[6], der 
kommunistische Aufstand in China[7]und die Sowjetherrschaft in Russland[8]. Zu dieser Zeit 
sah sich der Kapitalismus einer existenziellen Bedrohung gegenüber.

In den USA fand zwischen 1933 und 1937 eine riesige Welle rebellischer Arbeitskämpfe 
statt, mit Millionen Arbeiter*innen im Streik, hunderttausenden Besetzungen bzw. 
Sitzstreiks am Arbeitsplatz und der Bürgerrechtsbewegung gegen rassistische Gesetze in den 
Südstaaten ("Jim Crow"). Im Jahr 1936 führte diese wütende und kämpferische Stimmung fast 
zur Gründung einer landesweiten Landarbeiter*innen-Partei, welche eine große Bedrohung für 
die "Demokratische Partei" gewesen wäre. Viele ehemals kompromisslose Unternehmen wurden 
gezwungen Abkommen mit den Gewerkschaften auszuhandeln. Und die Demokratische Partei 
enschloss sich damals einen linken Kurs einzuschlagen.

Es ist aber ein Fehler, den New Deal romantisch zu verklären und von der 
Arbeitsbeschaffungsbehörde WPA der Dreißiger Jahre als einem Modell zur 
"Arbeitsplatzsicherung" zu sprechen, mit dem staatlichen Arbeitgeber als letzten Ausweg. 
Denn bis Ende der 1940er Jahre gab es trotzdem immernoch 17% Arbeitslosigkeit in den USA 
und wer für die WPA arbeitete hatte oftmals Stress wegen niedriger Löhne. Es gab 
Gewerkschaften, die von Kommunist*innen, Sozialist*innen und Syndikalist*innen gegründet 
wurden und Streiks der WPA-Arbeiter*innen organisierten.

Die Fortschritte, welche in den Dreißiger Jahren von der Arbeiter*klasse durchgesetzt 
wurden, kamen weder durch reine Erfolge bei den Parlamentswahlen, noch waren die 
konservativ-bürokratischen, "internationalen Gewerkschaften" der "American Federation of 
Labor" (AFL) dabei förderlich. Die AFL war eher ein Hindernis für den Fortschritt, weshalb 
auch mehrere Hunderttausend Arbeiter*innen ab 1934 neue, eigene Basisgewerkschaften gründeten.

Smith ist aber nicht der einzige, der eine staatliche Zentralplanung als Lösung anbietet. 
Die Idee wurde kürzlich auch von verschiedenen Staatssozialist*innen diskutiert, z.B. von 
Leuten aus dem Umfeld der Zeitschrift "Jacobin" und der "Demokratischen Sozialist*innen 
Amerikas" (DSA). Deren Verfechter*innen gehen meist davon aus, dass der Staat eine 
klassen-neutrale Einrichtung sei, die von der Arbeiter*klasse übernommen und für ihre 
Zwecke umgestaltet werden könne.

In Wirklichkeit handelt es sich beim Staat aber nicht um eine klassen-neutrale 
Institution, sondern Unterdrückung ist bereits in seiner eigenen Struktur angelegt. Zum 
Beispiel sind Arbeiter*innen im Öffentlichen Dienst ebenso einer verwaltenden Bürokratie 
unterworfen, wie die Kolleg*innen in privaten Unternehmen. Das tägliche Geschäft der 
staatlichen Institutionen wird kontrolliert durch die Verwaltungseliten der bürokratischen 
Technokratie: staatliche Manager*innen und Hochprofessionelle, die als Sachverständige, 
Anwält*innen, Richter*innen, Militär- und Polizeichefs dienen. Hinzu kommen die 
"professionellen Stellvertreter*innen", die Politiker*innen, welche typischerweise 
entweder aus dem Management von Unternehmen stammen oder aus der staatlichen Bürokratie, 
also aus jenen Klassen, denen die Arbeiter*innen untergeben sind.

Als ein Planungsansatz von oben herab verfügt die staaliche Zentralwirtschaft keinesfalls 
über Zugang zu genauen Informationen über die öffentlichen Bedürfnisse nach Gütern und 
Dienstleistungen oder die Konsumwünsche der Einzelnen. Zentrale Planwirtschaft ist darüber 
hinaus ihrem Wesen nach autoritär, denn ihre Grundlage ist die Verweigerung einer 
Selbstverwaltung derjenigen Leute, die von diesen Entscheidungen in erster Linie betroffen 
sind. Die Verbraucher*innen und die Bewohner*innen von Gemeinwesen einerseits und die 
Arbeiter*innen der unterschiedlichen Industriebranchen andererseits bleiben dabei 
weiterhin Opfer der autoritären Verwaltung.

Selbstverwaltung bedeutet nämlich, dass die Leute, welche die Folgen von Entscheidungen 
tragen müssen sind, über diese selbst bestimmen, je nachdem inwiefern sie davon betroffen 
sind. Im Betriebsablauf sind viele Entscheidungen zu fällen, bei denen die vorrangig 
betroffene Gruppe aus denjenigen besteht, welche den Produktionsprozess leisten.

Wenn Selbstverwaltung ernst genommen wird, bedarf es einer Art verteilter 
Planungskontrolle, bei der alle von den jeweiligen Entscheidungen vorrangig Betroffenen, 
wie die Bewohner*innen von lokalen Gemeinwesen oder die Arbeiter*innen eines 
Wirtschaftszweiges, einen unabhängigen Bereich von Kontrolle über die Entscheidungsfindung 
haben. Dies ist die Grundlage für eine syndikalistische Alternative[9]der verteilten 
Planung, wie sie im Folgenden ausgeführt wird.

Von Staatssozialist*innen wird "Arbeiter*kontrolle" gelegentlich als ein Bestandteil von 
zentraler Planwirtschaft angepriesen, doch die wirklich gemeinschaftliche Kontrolle der 
Arbeiter*innen über die Produktionsprozesse ist mit dem Konzept einer zentralen Planung 
nicht vereinbar. Wenn alle Pläne von einer einzigen, elitären Gruppe entwickelt werden, 
benötigt diese Zentrale ihre eigenen Manager*innen, die dafür sorgen, dass ihre Vorhaben 
an den Arbeitsplätzen vor Ort auch umgesetzt werden. Das Gerede von 
einer[staatlichen]"Arbeiter*kontrolle" verdrängt jedoch diese Logik.

Eine Zentralverwaltungswirtschaft ist nämlich nicht in der Lage, die ausbeuterische und 
kostenauslagernde Logik des Kapitalismus zu überwinden, welche den Kern der ökologischen 
Krise ausmacht. Viele Teile der Weltbevölkerung sind von Verschmutzung direkt oder 
indirekt betroffen, wie z.B. die Folgen von Pestizidvergiftung für die Landarbeiter*innen 
oder deren Auswirkungen auf Luft und Wasser in den örtlichen Gemeinden.

Die einzige Möglichkeit diese Logik der Auslagerung von Kosten zu überwinden, bedeutet für 
die betroffenen Bevölkerungsteile - Arbeiter*innen und Gemeinden - die direkte Kontrolle 
zu übernehmen, um eine Vergiftung zu verhindern. In Bezug auf die globale Erwärmung heißt 
das, die allgemeine Bevölkerung muss durch direkte Selbstermächtigung die Kontrolle 
übernehmen, damit alle Leute über die erlaubte Menge von Abgasen in die Atmosphäre direkt 
entscheiden können.

So schwierig, wie das scheinen mag, so brauchen wir doch einen Übergang zu einer 
selbstverwalteten und von den Arbeiter*innen kontrollierten,[freiheitlich]sozialistischen 
Wirtschaftspolitik, wenn wir eine Lösung für die heutige ökologische Krise finden wollen. 
Aber diese Umwandlung kann nur durch den Aufbau einer mächtigen Mitbestimmungsbewegung der 
unterdrückten Minderheiten im Rahmen der Kämpfe gegen die bestehenden 
Herrschaftsverhältnisse verwirklicht werden.

Die syndikalistische Alternative für eine öko-sozialistische Zukunft
Das Problem besteht nicht darin, dass Leute für unmittelbare Veränderungen kämpfen, welche 
innerhalb der erreichbaren Ziele liegen. Doch es geht darum, wie wir diesen Wandel 
herbeiführen wollen, denn Veränderungen können auf unterschiedliche Weise erkämpft werden. 
Das Grundproblem besteht in der Strategie der parlamentarischen Sozialist*innen 
("Sozialdemokrat*innen") sich auf Methoden zu verlassen, welche die Leute aus der 
Arbeiter*klasse dazu bringen auf "professionelle Stellvertreter*innen" zu vertrauen, 
welche alles für uns erledigen. Dieser Ansatz führt meist zum Aufbau und zur 
Verantwortungsübernahme einer bürokratischen Schicht, welche sich von den einfachen 
Arbeiter*innen entfernt und durch diese nicht wirksam kontrolliert werden kann.

Solche Vorgehensweisen führen zur Herausbildung einer gesellschaftlichen Schicht von 
amtlichen Berufspolitiker*innen, einem bezahlten Parteiapparat und Lobbyist*innen. Dadurch 
ist die Gewerkschaftsbürokratie mit freigestellten Funktionär*innen in der Lage an unserer 
Stelle die Verhandlungen zu leiten. Ebenso verhält es sich mit den bezahlten 
Mitarbeiter*innen der großen Nichtregierungsorganisationen[NGOs].

Die Syndikalist*innen bezeichnen dies (in Ermangelung einer besseren Beschreibung) oft als 
"reformistische" Methoden, aber nicht weil wir gegen den Kampf für Reformen sind. Jeder 
Kampf für eine weniger als absolute Veränderung (z.B. mehr Geld für Schulen oder mehr 
Pflegepersonal) ist eine "Reform". Doch die Methoden, welche von den parlamentarischen 
Sozialist*innen angewendet werden sind "reformistisch", weil sie den Aufbau einer Bewegung 
für einen weiterreichenden Wandel verhindern. Die Geschichte des letzten Jahrhunderts hat 
gezeigt, dass diese bürokratische Klasse bei der Herausbildung eines Kampfes für einen 
Übergang zu einer von Arbeiter*innen kontrollierten,[freiheitlich]sozialistischen 
Produktionsweise letztlich im Wege steht.

Man kann sagen, dass eine Vorgehensweise mittels Aktionen und Organisierung den Wandel 
herbeizuführen insofern "nicht-reformistisch" ist, als daß dabei basisorientierte 
Massenorganisationen geschaffen werden, die auf die Beteiligung an kämpferischen 
Gemeinschaftsaktionen (wie Streiks) vertrauen. Sie fördern Selbstbewußtsein, 
Selbstvertrauen, Organisationsfähigkeit, allgemeine aktive Mittbestimmung und breite 
Solidarität zwischen verschiedenen Gruppierungen der unterdrückten und ausgebeuteten Mehrheit.

Syndikalismus ist dabei eine Strategie, die auf nicht-reformistischen Formen von Aktion 
und Organisierung aufbaut. Nicht-reformistisch organisierte Kampfformen haben daher die 
Kontrolle durch alle Mitglieder zur Grundlage mittels demokratischer Teilhabe und 
gewählten Abordnungen (Delegierten), wie ernannte Vertrauensleute oder abrufbare 
Verhandlungsgesandte.

Und eine ähnliche Basisdemokratie kann auch in anderen Organisationen ausgeübt werden, 
welche von Menschen aus der Arbeiter*klasse aufgebaut werden, wie z.B. 
Mieter*innen-Vereinigungen. Nicht-reformistische Aktionsformen sind in der Lage die 
alltägliche Geschäftsroutine zu durchbrechen und sie tun dies durch gemeinschaftliche 
Beteiligung an Streiks, Besetzungen oder kämpferischen Demonstrationen.

Der wesentliche Unterschied zwischen den an parlamentarischer Stellvertretung orientierten 
Sozialist*innen und den Syndikalist*innen ist der Vorgang, der vom Marxismus die 
"Klassenformierung"[Herausbildung einer Klasse "für sich"]genannt wird. Dabei handelt es 
sich um einen mehr oder weniger langwierigen Prozess, in welchem die Klasse der 
Arbeiter*innen ihre Schicksalshaftigkeit und die inneren Spaltungen (entlang rassistischer 
oder geschlechtlicher Grenzen) durchbricht, indem sie sich Kenntnis über das System 
aneignet. Dadurch bildet sich Selbstvertrauen, Organisationsfähigkeit und der Wunsch nach 
einem sozialen Wandel. Bei diesem Vorgang "formt" die Arbeiter*klasse sich selbst in eine 
Kraft, welche lernt die herrschenden Klassen herauszufordern und erfolgreich um die 
Kontrolle der Gesellschaft zu kämpfen.

Wenn die Menschen sehen, wie um sie herum wirkungsvolle Gemeinschaftsaktionen sich 
verbreiten, könnte dies deren Sichtweise auf ihre Lage verändern. Sobald sie erkennen, 
dass diese Art der kollektiven Macht fähig ist, eine Lösung ihrer eigenen Probleme 
herbeizuführen, kann dies ihre Wahrnehmung der Möglichkeiten des Wandels verändern. Die 
tatsächliche Erfahrung gemeinschaftlicher Handlungsfähigkeit ermöglicht es, eine viel 
weitergehende Machbarkeit von Veränderung vorstellbar zu machen.

Wenn Arbeiter*innen direkt am Aufbau von eigenen Gewerkschaften beteiligt sind und Streiks 
gemeinsam mit ihren Kolleg*innen durchführen, oder aber Mieter*innen-Vereinigungen gründen 
und direkte Aktionen gegen Mieterhöhungen bzw. schlechte Wohnverhältnisse durchführen, so 
ist die gesellschaftliche Basis unmittelbar[in die sozialen Kämpfe]einbezogen. Dies 
untertützt viele Menschen dabei, zu lernen wie man organisiert und es schafft ein 
Selbstverständnis von: "Wir können etwas bewegen". Und die Leute lernen darüber hinaus 
auch direkt, wie das System funktioniert.

Viele kommen möglicherweise zu der Schlussfolgerung: "Wir haben die Macht, die 
Gesellschaft zu verändern", wenn sie erkennen, welche wirkliche Kraft in ihresgleichen 
steckt, sobald diese tatkräftig umgesetzt wird durch Streiks, Besetzung von Gebäuden oder 
anderen Arten von Massenaktionen. Mit anderen Worten: Eine Bewegung der direkten Teilhabe 
und Basisdemokratie ermöglicht den Menschen mehr Einsicht in die Möglichkeit eines Wandels 
von unten.

Im Kampf für gesellschaftliche Veränderungen bedeutet es andererseits, dass dieser 
Prozess[der Selbstermächtigung]behindert wird, falls die Entscheidungsbefugnis in den 
Händen einer bürokratischen Klasse professioneller Politiker*innen und abgehobener 
Gewerkschaftsfunktionär*innen gebündelt wird. Denn hierbei können weder Selbstvertrauen, 
noch Organisationsfähigkeit von Arbeiter*innen entwickelt werden. "Die Fähigkeit zum 
Wandel liegt in unseren Händen", doch ein Bewußtsein darüber kann sich durch die 
Konzentration von Entscheidungsmacht nicht entwickeln. Dies ist das Grundproblem des 
parlamentarischen Sozialismus ("Sozialdemokratie"), da ein Prozess von Klassenbildung 
dadurch verhindert wird.

Das parlamentarische Feld ist auch deshalb kein bevorzugter Ort für den Kampf der 
Arbeiter*klasse um einen Wandel, da die Wahlbevölkerung dazu neigt, sich vom wohlhabenden 
Teil der Gesellschaft ins Abseits drängen zu lassen. Große Teile der Arbeiter*schaft sehen 
daher keinen Grund zur Wahl zu gehen. Sie sehen die Politiker*innen nicht als diejenigen 
an, die sich ihrer Probleme annehmen. Daher liegt der Anteil der Nichtwähler*innen in der 
Gesellschaft eher bei den Ärmeren - also der Arbeiter*klasse, als der Anteil der 
Wähler*innen. Das bedeutet, dass die Arbeiter*klasse bei Wahlen nicht ihre zahlenmäßige 
Übermacht zur vollen Geltung bringen kann.

Eine Veränderungsstrategie, die sich auf Stimmabgabe und politische Parteien konzentriert, 
neigt dazu, für eine Übernahme der Staatsmacht durch ihre Anführer*innen das Wahlergebnis 
in den Mittelpunkt zu stellen, damit sie an unserer Stelle den Wandel vollziehen können. 
Diese Ausrichtung führt uns jedoch weg von einer unabhängigen Form der Klassenpolitik, die 
sich auf gemeinsame Aktionen von einfachen Leuten bezieht. Diese bestehen aus der direkten 
Organisation und der unmittelbaren Teilnahme (beispielsweise an Streiks) oder im Aufbau 
direkter Solidarität zwischen verschiedenen Bevölkerungsteilen der Arbeiter*klasse, sowie 
Kampagnen für Massenproteste zu selbstgewählten Zielen usw.

Um klarzustellen, der Autor spricht sich nicht dafür aus, dass man nicht zur Wahl gehen 
sollte, oder daß es keinen Unterschied mache, wer an der Macht ist. Denn das ist oft 
tatsächlich der Fall und unabhängige Organisationen von Arbeiter*innen und Gemeinschaften 
können auch direkten Druck auf das Handeln von Politiker*innen ausüben. Aber hier geht es 
darum, welche Strategie für einen Wandel wir bevorzugen. Der Autor spricht sich daher 
gegen eine Veränderungsstrategie aus, die auf die Rolle von gewählten 
Stellvertreter*innen, politischen Parteien oder einem bezahlten Apparat hauptamtlicher 
Gewerkschaftsfunktionär*innen vertraut (bzw. sich darauf konzentriert).

Die Strategie der Teilnahme an Wahlen führt zu einer Herausbildung einer politischen 
Maschinerie mit welcher die Massenorganisationen sich auf Berufspolitiker*innen und 
Parteisoldat*innen verlassen. Diese Art von Praxis neigt dazu, eine bürokratische Klasse 
von professionellen Politiker*innen, Medien, Denkfabriken (think-tanks) und 
Parteifunktionär*innen hervorzubringen, die ihre ganz eigenen Interessen entwickelt.

Wenn das Vorgehen ausgerichtet ist auf die Wahl von Personen in ein staatliches Amt, so 
werden dabei hochgebildete Profis und Leute mit "Verwaltungserfahrung" als Kandidat*innen 
bevorzugt, weil die in den Medien "gut aussehen". Und das bedeutet, dass in 
parlamentarisch ausgerichteten Parteien eher Menschen aus der professionellen und 
verwaltenden Gesellschaftsschicht eine Führungsrolle übertragen bekommen.

Das führt dazu, die Fähigkeiten der einfachen Leute aus der Arbeiter*klasse herabzusetzen, 
um die Kontrolle über die Ausrichtung der Partei zu behalten. Das ist ein Teil des 
Vorgangs der Entwicklung einer Partei zu einem abgetrennten bürokratischen Wesen mit 
Eigeninteressen. Denn da es nur noch darum geht, Wahlen zu gewinnen und die eigene 
Stellung im Staat zu erhalten, kann das dazu führen, dass direkte Aktionen von 
Arbeiter*innen (wie Arbeitsniederlegungen oder Übernahme von Arbeitsplätzen), welche den 
üblichen Ablauf durcheinanderbringen, bei der Partei auf Gegenwehr stoßen. In der 
Geschichte gibt es zahlreiche Beispiele von gewählten Anführer*innen sozialistischer 
Parteien, die solch eine ablehmemde Haltung eingenommen haben.

Dabei hat der zunehmende Einfluss parteisozialistischer Politik - beispielsweise im Europa 
der Nachkriegszeit - schließlich zum Rückgang der Kampfbereitschaft in der 
Arbeiter*bewegung geführt und es wurde sogar das Bekenntnis zum Sozialismus 
zurückgenommen.[10]Die europäischen Parteisozialist*innen standen bei Wahlen im Wettbewerb 
zueinander und versuchten sich gegenseitig mit der Ankündigung kurzfristiger Reformen zu 
übertrumpfen. Dies wurde der zentrale Blickwinkel solcher Parteien und machmal haben sie 
damit auch eine Wahl gewonnen.

Waren sie erst an der Spitze der nationalen Regierung angelangt, so stellten sie schnell 
fest, dass es nun ihre Aufgabe war, den Kapitalismus zu "verwalten" - das kapitalistische 
System am Laufen zu halten. Wären sie zu radikal vorgegangen, hätten sie die Stimmen der 
Mittelklasse verloren oder die Elite der Investor*innen wäre in Panik ausgebrochen und 
dazu übergegangen ihr Kapital im Ausland in Sicherheit zu bringen. In manchen Fällen waren 
Elemente des "Tiefen Staats", wie das Militär und die Polizeikräfte, dazu übergegangen die 
Macht zu übernehmen.[11]Die meisten dieser Parteien änderten schließlich das Konzept ihrer 
Ausrichtung und gaben das Ziel des Sozialismus auf zugunsten des Kapitalismus.

Öko-Syndikalismus
Ein ökologischer Syndikalismus baut auf die Anerkennung der Arbeiter*innen, sowie auf 
direkte Vereinigungen von Arbeiter*innen und Nachbarschaften, als eine Kraft im Kampf 
gegen das umweltzerstörende Handeln von kapitalistischen Unternehmen. Denn giftige 
Materialien werden ja[abgebaut oder hergestellt und]transportiert von Arbeiter*innen. Auch 
grundwasserschädliche Lösungsmittel, wie sie in der elektronischen Fertigung verwendet 
werden, schädigen die Gesundheit von Arbeiter*innen. Schädlingsbekämpfungsmittel 
(Pestizide) vergiften die Landarbeiter*innen.

Diese industriellen Gifte betreffen in erster Linie die Lohnabhängigen an ihren 
Arbeitsplätzen und vergiften darüber hinaus die benachbarten Wohngebiete der 
Arbeiter*klasse. Und Pfleger*innen müssen dann die körperlichen Auswirkungen dieser 
Vergiftung bei allen Menschen behandeln. Vielfach ist es sogar auch zu explosiven 
Entgleisungen gekommen, die gezeigt haben, welch große Gefahr[z.B.]Erdöl-Transporte für 
die Bahnarbeiter*innen, wie auch für die Ortschaften sein können. Der Kampf des 
Eisenbahnpersonals für eine angemessene Personalausstattung in Zügen ist daher ein Teil 
der Bekämpfung solcher Gefahren.

Arbeiter*innen sind eine mögliche Kraft im Widerstand gegen die Entscheidungen der 
Arbeitgeber*innen, die Welt zu vergiften oder das Klima aufzuheizen. Auch beim Ausbau von 
Alternativen zur globalen Erwärmung können Arbeiter*innen eine Rolle spielen, 
beispielsweise beim Ausbau des öffentlichen Verkehrswesens. Im Widerstand der 
Arbeiter*klasse gegen die Umweltverschmutzung wandte sich z.B. die Australische 
Bauarbeiter*innen-Föderation der 1970er Jahre mit verschiedenem "grünen Boykott" (green 
bans) gegen den Transport und die Verarbeitung von[radioaktivem]Uran.

Durch ein Verständnis dieser Zusammenhänge entwickelte sich die umweltschützerische 
Richtung innerhalb der syndikalistischen Bewegung der 1980er und 1990er Jahre: der 
Öko-Syndikalismus, auch "grüner Syndikalismus" genannt. Ein Beispiel dafür ist das 
organisatorische Werk von Judi Bari[12], einem Mitglied der IWW[13]und von EarthFirst[14]. 
Sie arbeitete in der waldreichen Region im Norden von Kalifornien und versuchte ein 
Bündnis zwischen den Arbeiter*innen (und deren Gewerkschaften) in der 
Holzverarbeitungsindustrie zusammen mit Umweltschützer*innen zu schließen, welche 
versuchten die Abholzung der uralten[Mammut-]Bäume zu verhindern.

Zusammenschlüsse am Arbeitsplatz oder in der Kommune können auf verschiedene Art eine 
direkte Kraft gegen den fossilen Kapitalismus sein: Durch unterschiedliche Aktionen gegen 
Kohle- oder Ölhäfen[...]oder durch durch die Unterstützung von Arbeiter*innen und 
Nachbarschaften für indigene[15]bzw. ländliche Gemeinschaften in ihrem Kampf gegen 
Umweltverschmutzung durch fossile Energieträger, wie bei der Blockade von Standing Rock in 
Dakota.[16]Gewerkschaften können aber auch an Arbeitsplätzen in "grünen" kapitalistischen 
Unternehmen aufgebaut werden, um dort gegen niedrige Löhne und andere oben genannte 
Mißstände vorzugehen.

Die unterschiedlichen Herangehensweisen von Syndikalist*innen einerseits und 
parlamentarischen Sozialist*innen andererseits führen zu verschiedenen Vorstellungen 
davon, was "Sozialismus" und "Demokratie" bedeuten. Politiker*innen neigen dazu, 
gegeneinander um das richtige Vorgehen zur Umsetzung ihrer Ziele mittels des Staates zu 
konkurrieren. Dies verfestigt eine staatssozialistische Sichtweise, die den Sozialismus 
als eine Reihe von Reformen betrachtet, welche durch eine bürokratische, öffentliche 
Verwaltung von oben herab umgesetzt werden.[...]

Eine hierarchische Macht, in der eine Bürokratie die Staatsverwaltung von oben nach unten 
kontrolliert, wird aber keine Lösung der heutigen ökologischen Herausforderungen 
hervorbringen können. Die Geschichte der "Ostblock-Staaten"[17]hat bereits Mitte des 
20.Jahrhunderts gezeigt, dass diese ebenfalls in der Lage waren, Verschmutzung und 
ökologische Zerstörung durch die Auslagerung von Kosten zu verursachen.

Auf der anderen Seite steht die syndikalistische Vorstellung eines selbstverwalteten 
Sozialismus, der eine realistische Grundlage zur Lösung der ökologischen Krise darstellt. 
Denn er steht für eine föderal verbundene und dezentral verteilte Planung, welche die 
Macht den örtlichen Kommunen und den Arbeiter*innen verschiedener Wirtschaftsbereiche 
überlässt, die dadurch in der Lage sind, umweltschädliche Entscheidungen zu verhindern.

Ein Sozialismus in diesem syndikalistischen Sinn bedeutet also die absolute Befreiung der 
Menschheit. Und dabei spielt die Selbstbefreiung der Arbeiter*klasse eine zentrale Rolle, 
um die Unterdrückung und Ausbeutung durch ein System von herrschenden Klassen an der 
Spitze zu beenden. Daher bedeutet für Syndikalist*innen der Übergang zum Sozialismus, dass 
die Arbeiter*innen alle Wirtschaftsbereiche übernehmen und gemeinsam weiterbetreiben - 
auch die öffentlichen Dienstleistungen. Dieser Sozialismus wird also von unten aufgebaut 
und von der Arbeiter*klasse selbst erschaffen.

Die syndikalistischen Bewegungen haben sich in ihrer Geschichte stets für eine 
Planwirtschaft eingesetzt, die aus einem verzweigten Modell demokratischer Planung mit 
Versammlungen in Nachbarschaften und am Arbeitsplatz besteht. Sowohl die Bewohner*innen 
von Kommunen, wie auch die Arbeiter*innen in ihren Produktionsvereinigungen, haben selbst 
die Entscheidungsmacht über die Planentwicklung im jeweiligen Bereich.

Ein verteiltes System von verbündeten Zusammenschlüssen (dezentrale Föderationen) an der 
Basis entsendet Delegierte durch Aufgabenübertragung zu Kongressen oder in Räte. Und sie 
nutzen systematische Verhandlungen, um die Vorschläge und Absichten der verschiedenen 
Gruppierungen untereinander "anzupassen".

Beispiele für diese freiheitlich-sozialistische, planwirtschaftliche Verteilung sind unter 
anderem die ausgehandelten Koordinationsvorschläge der Gildensozialist*innen zur Zeit des 
Ersten Weltkriegs.[18]Auch das Programm der spanischen Anarchosyndikalist*innen für 
Nachbarschaftsversammlungen in "freien Gemeinden" und für Arbeiter*innen-Kongresse ist 
dabei hervorzuheben.[19]Den jüngsten Versuch eines Modells für Planungsbeteiligung haben 
Robin Hahnel und Michael Albert[in "Parecon"]beschrieben.[20]

Eine Form des selbstverwalteten Sozialismus für das 21. Jahrhundert wäre ein horizontal 
föderiertes Produktionssystem, das in der Lage ist, die Planung und Abstimmung der 
gesamten Wirtschaft in einem weitreichenden Gebiet einzubinden. Das würde den 
Arbeiter*innen Folgendes ermöglichen:
* Kontrolle über die technologische Entwicklung[und Abschätzung ihrer Folgen]
* Umorganisierung von Arbeitsplätzen und Bildung zur Verhinderung von bürokratischer 
Machtkonzentraion in den Händen von Manager*innen und Hochprofesionellen (durch 
Entwicklung von Fertigkeiten bei Arbeiter*innen, sowie durch Erarbeitung von 
Entscheidungswegen und Konzeptfindungen, welche in die Ausübung körperlicher Arbeit 
eingebundenen sind)
* Verkürzung der Wochenarbeitszeit und Aufteilung von Arbeitsverantwortung auf alle 
Leistungsfähigen
* Schaffung einer neuen Logik der technischen Entwicklung, die sowohl für Arbeiter*innen, 
wie auch für die Umwelt verträglich ist

Eine nur auf die örtlichen Bedingungen und rein auf eine heruntergebrochene Kontrolle von 
Arbeitsplätzen (wie in Arbeiter*innen-Kooperativen innerhalb der Marktwirtschaft) 
ausgerichtete Sichtweise ist jedoch nicht genug. Eine allumfassende Absprache 
(Koordination) ist nötig, um die gesellschaftlich ausgerichtete Produktion vom Druck der 
Marktwirtschaft und vom Wachstumszwang des Kapitalismus zu befreien, indem zwischen den 
Regionen mehr Solidarität aufgebaut wird. Es braucht dazu außerdem eine direkte, kommunale 
Verantwortung dafür, was eigentlich produziert wird und welche Auswirkungen das auf die 
Gemeinschaft und die Umwelt hat.

Der Schutz der ökologischen Gemeingüter (commons) benötigt die unmittelbare, kommunale 
Sozialverwaltung und Kontrolle über die Produktionsmittel. Das bedeutet eine direkte, 
massenhafte Selbstermächtigung derjenigen, die in erster Linie von einer Verschmutzung 
betroffen sind bzw. selbst unter solcher Umweltzerstörung leiden müssen.

Dies ist nötig, um die ökologische Katastrophe durch das kostenauslagernde Verhalten zu 
beenden, welches ein Strukturmerkmal sowohl des Kapitalismus, wie auch der staatlichen 
Bürokratie ist. Eine direkte kommunale Demokratie und die Selbstverwaltung der Wirtschaft 
durch alle Arbeiter*innen bilden die beiden wesentlichen Bausteine eines 
freiheitlich-ökosozialistischen Programms.

Tom Wetzel

Quelle: "A ‚Green New Deal‘?: The Eco-syndicalist Alternative", in: "ideas & action" 
(Workers‘ Solidarity Alliance), 15.04.2019, 
http://ideasandaction.info/2019/04/green-deal-eco-syndicalist-alternative/

Übersetzung[und Anmerkungen]: Anarchosyndikalistisches Netzwerk - ASN Köln

Anmerkungen:

1) Auch Parteien in Deutschland, wie "Bündnis90/Die Grünen" oder "Demokratie in Europa" 
(DiEM25) fordern einen "Green New Deal", https://de.wikipedia.org/wiki/Green_New_Deal)

2) Umstellung auf kohlenstofffreie Energie (Emissionsminderung, Stromsparen, Ersetzen)

3) Richard Smith: "An Ecosocialist Path to Limiting Global Temperature Rise to 1.5°C",
in: Real World Economics Review (01.03.2019), veröffentlicht am 26.11.2018, 
https://systemchangenotclimatechange.org/article/ecosocialist-path-limiting-global-temperature-rise-15%C2%B0c

4) "Works Progress Administration": US-Bundesbehörde, die 1935-'43 im Rahmen des "New 
Deal" Millionen Arbeiter*innen im Hoch- und Tiefbau eingesetzt hat, sowie kulturelle 
Projekte förderte, https://de.wikipedia.org/wiki/New_Deal

5) hunderttausende Arbeiter*innen leisteten gegen den faschistischen Militärputsch von 
General Franco massenhaft Widerstand und vor allem die anarchosyndikalistische 
Basisgwerkschaft CNT machte sich direkt daran, die soziale Revolution in selbstverwalteten 
Betrieben und freien Kommunen Wirklichkeit werden zu lassen - bis zur Niederschlagung 
durch einerseits stalinistische und andererseits faschistische Truppen im Jahr 1939, was 
die Diktatur Francos (bis 1975) zur Folge hatte, 
https://de.wikipedia.org/wiki/Anarchismus_in_Spanien#Anarchistische_Pr%C3%A4senz_im_Spanischen_B%C3%BCrgerkrieg

6) während der sozialrevolutionären und subkulturellen Protestwelle im Mai 1968 waren in 
Frankreich etwa 50 Unternehmen von streikenden Arbeiter*innen besetzt worden 
(https://de.wikipedia.org/wiki/Mai_1968_in_Frankreich) und 1973/'74 war der 
Uhrenhersteller LIP von der Belegschaft in einem wilden Streik übernommen 
(https://de.wikipedia.org/wiki/Lip_(Uhrenhersteller))

7) in der seit 1949 bestehenden Volksrepublik China fanden unter dem 
marxistisch-leninistischen Diktator Mao Zedong mehrere wirtschaftlich-kulturelle und 
gewaltsame Umbrüche mit Millionen Todesopfern statt, 
https://de.wikipedia.org/wiki/Volksrepublik_China

8) nach dem Putsch gegen die Februarrevolution von 1917, herrschte in der Union der 
Sozialistischen Sowjetrepubliken (UdSSR) das Terrorregime der Kommunistischen Partei 
(Bolschwiki) unter den Diktatoren Lenin und Stalin, bevor es 1991 zusammenbrach, 
https://de.wikipedia.org/wiki/Sowjetunion

9) Der Syndikalismus setzt sich dafür ein, dass alle in unabhängigen Basisgewerkschaften 
und lokal-regionalen Föderationen weltweit organisierten Arbeiter*innen selbstbestimmt 
Produktion, Verteilung und Konsum des gesellschaftlichen Bedarfs an Gütern und 
Dienstleistungen organisieren. Der Anarchosyndikalismus tut dies im Sinne eines 
herrschaftsfreien Kommunismus (nach Pjotr Kropotkin), 
https://de.wikipedia.org/wiki/Anarchosyndikalismus

10) wie im Godesberger Parteiprogramm der bundesdeutschen Sozialdemokratie, das 1959 zur 
Abkehr vom Ziel des Sozialismus und zur Anerkennung von Marktwirtschaft und Militarismus 
führte, https://de.wikipedia.org/wiki/Godesberger_Programm

11) z.B. die von der NATO gestützte "Obristen"-Diktatur des griechischen Militärs 
(1967-'74), https://de.wikipedia.org/wiki/Griechische_Milit%C3%A4rdiktatur

12) US-amerikanische gewaltfreie Basisgewerkschafterin, Feministin und Umweltaktivistin 
(1949-'97), die 1990 bei einem Bombenanschlag auf ihr Auto schwere Verletzungen erlitt, 
https://de.wikipedia.org/wiki/Judi_Bari

13) Industrial Workers of the World, eine weltweite, unionistische Basisgewerkschaft, 
https://de.wikipedia.org/wiki/Industrial_Workers_of_the_World

14) internationales Netzwerk von anarchistisch beeinflussten, ökologischen Gruppen für 
gewaltfreie, direkte Aktionen, https://de.wikipedia.org/wiki/Earth_First!

15) ursprüngliche (autochthone), meist rassistisch diskriminierte Kulturgruppen, z.B. 
"First Nations" in Kanada (https://de.wikipedia.org/wiki/First_Nations), "Native 
Americans" in den USA (https://de.wikipedia.org/wiki/Indianer#Begriff) oder Sámi in 
Skandinavien (https://de.wikipedia.org/wiki/Indigene_V%C3%B6lker_Europas)

16) widerständisches Protestcamp im US-Reservat der "Great Sioux Nation", das 2016/'17 mit 
direkten Aktionen die Erdöl-Pipeline der Firma "Dakota Access" zu verhindern versuchte, 
https://de.wikipedia.org/wiki/Standing_Rock_Reservation#%C3%96lleitung_Dakota_Access_Pipeline

17) von der staatssozialistischen Sowjetunion (UdSSR) beeinflußte Länder vor allem in 
Osteuropa und Asien, die sich 1949-1991 auch im "Rat für gegenseitige Wirtschaftshilfe" 
(RGW) zusammengeschlossen hatten, 
https://de.wikipedia.org/wiki/Rat_f%C3%BCr_gegenseitige_Wirtschaftshilfe

18) ein 1917 in England, aber auch in Österreich und Deutschland entstandene 
Selbstverwaltungsbewegung zur sozialistischen Wirtschaftsreform nach Vorbild der 
mittelalterlichen Gilden (wirtschaftliche Schutzverbände), 
https://de.wikipedia.org/wiki/Gildensozialismus

19) Anfang Mai 1936 beschloss der Bundeskongress der spanischen Basisgewerkschaft 
"Confederación Nacional del Trabajo" (CNT) ein Konzept des freiheitichen Kommunismus, nach 
dem die freien Kommunen und die wirtschaftlichen Vereinigungen (Syndikate) der 
Arbeiter*innen nach einer sozialen Revolution die Grundlage der Gesellschaft bilden 
sollten, was sie bereits einen Monat später umsetzten, trotz des Spanischen Bürgerkriegs 
gegen den Militärputsch Francos, 
https://de.wikipedia.org/wiki/Confederaci%C3%B3n_Nacional_del_Trabajo#Zweite_Spanische_Republik

20) in ihrem Buch "Parecon" ("Participatory Economics") entwarfen sie 1991 eine 
"Mitbestimmungswirtschaft" zur gesellschaftlichen Teilhabe, 
https://de.wikipedia.org/wiki/Parecon

http://anarchosyndikalismus.blogsport.de/2019/07/21/oeko-syndikalismus-statt-green-new-deal/


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