(de) FAU Dresden: Debatte: Wer streikt beim feministischen und Frauen-Streik?

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Mi Feb 27 07:32:18 CET 2019


Zur Transparenz: Momentan sind im F_Streik Netzwerk Dresden überwiegend cis¹ Frauen aktiv. 
Einige cis Männer und Andere unterstützen unsere Struktur durch das Herstellen und 
Mitbringen von Essen, durch Kinderbetreuung und durch Protokollieren. ---- Trans Frauen 
sind Frauen - klar. Mit Trans-Diskriminierung sind aber nochmal andere Probleme verbunden, 
die cis Frauen nicht erleben. Trans Männer erfahren wieder anderes als trans Frauen und 
auch als cis Männer. Dennoch sind sie Männer. Trans Erfahrungen und Themen und daraus 
erwachsende Forderungen (lesenswerter Beitrag: Ach, trans Leute gehen arbeiten?!) sind 
momentan noch unterrepräsentiert, außerdem Themen und Anliegen von nichtbinären Menschen.
Man wird nicht einfach als Frau geboren, man wird Frau, wenn überhaupt, in bestimmten 
sozialen Verhältnissen. Und es gibt mehr als zwei Geschlechter. Was soll also Frauenstreik 
oder Frauen*streik oder Feministischer Streik heißen? Einige Menschen fragen sich: Ist das 
jetzt auch mein Streik oder nicht?

Auch für uns ist nicht klar, wer das eigentlich ganz genau ist, diese "Frauen", oder was 
dieses Sternchen taugt. Vielleicht ist das aber auch gar nicht das Wichtigste beim Aufbau 
einer Streikbewegung, das genau zu sortieren? Sprache ist auch politisch, Sprechen ist ein 
Handeln. Aber Sprache ist beschränkt, kein Mensch ist eine Bezeichnung. Inklusivität und 
Solidarität können nicht nur Lippenbekenntnise sein - wir sollten es schaffen, uns über 
Sprache und Zeichensetzung hinaus tatsächlich praktisch zu unterstützen. Lasst uns das 
durch Ausprobieren, Kritik, Streit (und wieder Ausprobieren) lernen.

Auch abseits von Geschlecht könnten wir noch diverser sein: Die meisten von uns sind jung 
und weiß und viele haben studiert, alle bisher auf Treffen Anwesenden sprechen (auch) 
deutsch - hoffentlich werden wir mit der Zeit (die ja glücklicherweise nicht am 8.März 
endet) immer diverser.

Denn eine feministische Bewegung wird umso sinnvoller und stärker, je mehr Erfahrungen wir 
solidarisch zusammenbringen: die spezifischen Erfahrungen von schwarzen deutschen Frauen, 
von geflüchteten Lesben, von wohnungslosen Frauen, trans Hartz4-Empfängerinnen, bezahlten 
und unbezahlten Hausarbeiter.innen, behinderten Müttern, Frauen aller möglicher Berufe und 
Tätigkeiten, von Rentner_innen of Color, die Liste ließe sich endlos fortsetzen.²

Wir versuchen zwar vieles und viele ‘mitzudenken', aber das kann auch nach hinten losgehen 
- und im Endeffekt läuft manches nur durch kollektive Selbstorganisation von Leuten, die 
auf ähnliche Weise von Herrschaft betroffen sind. Sich auch separat zu organisieren hat 
viele Stärken, u.a. sich nicht als Minderheiten-Stimme auf großen, möglicherweise nicht 
genug sensiblen Treffen durchsetzen zu müssen. Wenn sich im Streiknetzwerk Menschen 
organisieren wollen, die sich bislang im F_Streik-Kontext nicht gesehen fühlen, werden wir 
das unterstützen. Wir möchten hiermit einfach sagen: Wir im F_Streik Netzwerk Dresden sind 
dafür offen, nein wir finden das wichtig, und werden die Ressourcen, die wir haben, 
solidarisch teilen. Seid herzlich eingeladen.

Es spricht auch nichts gegen einen Frauenstreik. Es gibt so viele Gemeinsamkeiten zwischen 
Frauen, so viele frauenspezifische Probleme und Forderungen. Ein Frauenstreik kann 
wirklich aufzeigen, was Frauen alles leisten, was im Streik u.a. durch Stillstand sichtbar 
gemacht wird und die eigene Macht erfahrbar macht.

Aber es könnte ebensogut am selben Tag verschiedene Streiks geben! Z.B. einen trans Männer 
Streik, einen queeren Streik, einen Geschlechtsstreik etc. oder spezifische Initiativen 
könnten sich Namen geben wie: Ladies Strike Against Sexist Violence, Frauenstreik gegen 
das Behindertwerden, no body's binary, Hysterische MILFs streiken jetzt, Migrants' Strike 
Against Homophobia, Refugee Women Strike, trans people of color strike, Streik der Alten 
Weiber, Hurenstreik, Schüler_innen- und böse Mädchen-Streik, ... (oder aktuell: 
Sozialarbeiterinnen_ gegen Sozialkürzungen!)

Es kann auch viele Aufrufe geben, wir haben kein Copyright auf Tag oder Namen oder 
Aktionsformen. Wir heißen bislang "feministischer und Frauen-Streik", manchmal machen wir 
Sternchen, manchmal Unterstriche oder Sonstiges - und es ist klar: Kein Titel kann alle 
und alles repräsentieren. Das ist weder verwunderlich noch schlimm. Umso mehr 
marginalisierte Perspektiven sichtbar und hörbar werden, desto stärker kann diese Sache 
sein - sofern wir es schaffen, uns solidarisch aufeinander zu beziehen und ein bisschen zu 
koordinieren.

Die entstehende Streikbewegung kann eine von Frauen sein, oder aber eine, die alle 
diskriminierten Geschlechter einschließt. Sie sollte aber definitiv nicht nur eine für 
weiße cis Bürgerinnen, sondern eine feministische sein, die die Rechte und Anliegen aller 
diskriminierten Geschlechter stark macht. Eine, die sowohl patriarchale gesellschaftliche 
Strukturen als auch individuelle geschlechtliche Identitäten im Blick hat. Und eine, die 
dabei Rassismus und Klassenherrschaft nicht ignoriert. Gemeinsam können wir Sexismus, die 
auf Geschlecht bezogene Diskriminierung, Herrschaft, Ausbeutung und Gewalt überwinden. Wie 
das geht, müssen wir ausprobieren. Wir haben Lust.

¹ Cis ist das Gegenteil von trans, cis Menschen haben also das Geschlecht, das ihnen bei 
der Geburt zugewiesen wurde.

² Spezifische Erfahrungen meint nicht nur geteilte Diskriminierungserfahrungen, sondern 
auch einen Reichtum an Strategien und widerständigen Praxen.

https://dd.fau.org/2019/02/19/debatte-wer-streikt-beim-feministischen-und-frauen-streik/


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