(de) anarcho syndikalismus: Polen: Arbeitskampf bei der Post - Repression gegen ZSP-IAA

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Di Feb 19 07:15:06 CET 2019


In der vergangenen Woche hatte sich eine "Brieftauben-Grippewelle" in über 40 Postämtern 
in ganz Polen ausgebreitet. Kennzeichen dieser Epedemie ist ein allgemeines Unwohlsein, 
versacht durch Überlastung wegen schlechter Arbeitsbedingungen, was schwerwiegende 
Gesundheitsprobeme zur Folge hat. -- Daher gab es einen Aufruf an alle Postarbeiter*innen, 
sich ärztlich untersuchen zu lassen, der eine große Zahl vonKrankmeldungen zur Folge 
hatte. In einigen Städten war bis zu ein Drittel des Personals ausgefallen und in manch 
kleineren Ortschaften (wie Opole, Brzeg, Swiebodzice, Swidnica, Trzebina und Lewin) ist 
überhaupt niemand zur Arbeit erschienen. ---- Im Laufe der letzten Monate hatten sich 
Leute aus verschiedenene Berufen "krangemeldet", unter anderem Lehrer*innen. Solche 
Aktionen werden als ein Weg angesehen, um die sehr eingeschränkten Möglichkeiten 
rechtmäßiger Streiks zu umgehen und die Gewerkschaften außen vor zu lassen, welche oft 
jegliche wirksame Aktionen der Arbeiter*innen zu unterbinden versucht.

Der Gesundheitstipp war von einem Netzwerk von Postarbeiter*innen 
(facebook.com/listonoszepolska/) verbreitet worden, das die Basisgewerkchaft ZSP-IAA 
gegründet hatte. Die Kolleg*innen haben eine Liste mit 14 Forderungen aufgestellt, die 
ein*e Gewerkschaftsvertreter*in am Tag vor dem Ausbruch der "Grippewelle" übergeben hat. 
Darin fordern sie unter anderem eine Lohnerhöhung von 1.000 Zloty (232 EUR) und die 
Wiedereinstellung von Rafal C. und Zbigniew T., die wegen ihrer Gewerkschaftstätigkeit von 
der Postbehörde entlassen wurden.

Weitere Forderungen, wie eine Verkleinerung und Umstrukturierung der Zustellbezirke, 
korrekte Erfassung und Bezahlung von Überstunden oder Ausgliederung von Massendrucksachen 
als freiwillige Mehrarbeit, waren auf landesweiten Versammlungen von den Arbeiter*innen 
selbst formuliert worden. Dies geschah jedoch unabhängig von den angepassten 
Gewerkschaften , welche eher die Interessen des staatlich geführten Unternehmens vertreten 
als das Wohlergehen der Belegschaft.

Als die Krankmelde-Aktion Ende Januar losging, hat das Management der Postbehörde sofort 
begonnen, die Mitglieder der ZSP-IAA zum dritten Mal vor Gericht zu zerren. Ein 
großangelegtes Verfahren wurde eingereicht und ein Bericht an den Geheimdienst Agentur für 
Innere Sicherheit (ABW) verfasst. Darin wird behauptet, dass die Gewerkschaft 
Betriebsgeheimnisse verraten hätte und ihr Aufruf zum Streik eine "kriminelle Handlung" 
sei, mit der die ZSP-IAA versuchen würde, die Regierung zu stürzen. Die Unterstellungen in 
dem Dokument lauten folgendermaßen:

"Im Zusammenhang mit der Untersuchung der Verbindungen zwischen der ZSP und Gruppen von 
Mitarbeitern der Postbehörde, senden wir diesen Bericht an die ABW, damit diese überprüfen 
kann, ob deren Aktionen und die Aktionen der Arbeiter der Postbehörde, die mit ihnen 
zusammenarbeiten, zu einer Destabilisierung des Postberiebs führen werden. Diese 
Körperschaft erfüllt strategische Aufgaben zur Verteidigung der Sicherheit des Landes und 
der Öffentlichen Ordnung, deren Ausfall den Staat in seinen Grundfesten erschüttern könnte.

Wir informieren die Sicherheitsorgane über unseren Verdacht, dass die ZSP mit dem Aufruf 
zum Generalstreik ein Verbrechen begangen hat, da dieser die Postbehörde in ihrer 
strategischen Rolle zur Verteidigung des Polnischen Staates dem Risiko einer 
Handlungsunfähigkeit durch einen landesweiten Stillstand wegen Generalstreik ausgesetzt hat."

Nichts davon konnte die Gewerkschaft jedoch abschrecken weiterzumachen, obwohl den 
Angeklagten bis zu 2 Jahre Haft und teure Zivilklagen drohen. Der Staat hat jedoch bisher 
mehrfach mit verschiedenen, lächerlichen Vorwänden eine Anmeldung als Postgewerkschaft 
verweigert. Die Postbehörde tut daher so, als ob die Gewerkschaft garnicht existiert. 
Jedoch ist klar erkennbar, dass die Arbeiter*innen weiterhin entschlossen sind, ihren 
Forderungen Nachdruck zu verleihen.

Die ZSP-IAA wird ebenfalls weiter für die Rücknahme der Entlassung ihres Mitglieds 
Zbigniew T. kämpfen, der nach 36 Arbeitsjahren wegen seiner Organisatonstätigkeit gefeuert 
wurde. Im Januar 2019 wurde ein Gerichtsverfahren gegen die Postbehörde verhandelt und die 
örtliche ZSP-IAA hatte dazu eine Solidaritätskundgebung organisiert. Ein 
Gewerkschaftsmitglied bei der Post hat sogar gekündigt, um seine Solidarität auszudrücken, 
und andere haben sich ebenfalls dazu bereit erklärt, falls die Postbehörde sich weigert 
auf ihre Forderungen einzugehen.

Quelle:
Internationale Arbeiter*innen-Assoziation (IAA)
https://iwa-ait.org/content/postal-workers-take-action-management-goes-after-zsp

Übersetzung und Ergänzungen: ASN Köln (CC:BY-NC)

Hintergrundinfos:
"IAA: Solidarität mit polnischen Postler*innen" (Febr. 2018)
http://anarchosyndikalismus.blogsport.de/2018/02/11/iwa-solidaritaet-mit-polnischen-postlerinnen/

Mehr aktuelle Infos (in Englisch):

"The Post Office Attempts to Use State Counterintelligence Agency to Repress Polish 
Syndicalists and Industrial Action from Below"
http://zsp.net.pl/post-office-attempts-use-state-counterintelligence-agency-repress-polish-syndicalists-and-industrial

"New Wave of Protests and Threat of Repression at the Polish Post Office"
http://zsp.net.pl/new-wave-protests-and-threat-repression-polish-post-office

"Repression in the Post-Office: Another case goes before the court"
http://zsp.net.pl/repression-post-office-another-case-goes-court

(Fotos von der Internationalen Solidaritätaktionswoche vom 26.02. bis 04.03.2018)

http://anarchosyndikalismus.blogsport.de/2019/02/11/polen-arbeitskampf-bei-der-post-repression-gegen-zsp-iaa/


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