(de) anarcho syndikalismus IAA: Solidarität mit den Sozialprotesten in Frankreich,Admin am 3. Februar 2019 in Antirepression, Internationales

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Fr Feb 8 06:56:14 CET 2019


Die Internationale Arbeiter*innen-Assoziation (IAA) erklärt ihre Solidarität mit den 
sozialen Protesten in Frankreich, die ein weiteres Beispiel für den Widerstand gegen die 
herrschende Ausbeutung sind, welcher die Arbeiter*innen auf der ganzen Welt 
gegenüberstehen. ---- Es folgt eine teilweise Dokumentation eines Textes der französischen 
Confédération Nationale du Travail (CNT-IAA): ---- Aufruf zur Solidarität mit der 
Massenbewegung der Gelben Westen in Frankreich ---- Seit über zwei Monaten erschüttert 
eine gesellschaftliche Bewegung neuen Typs das Land. Hunderttausene Menschen, zumeist aus 
der Arbeiter*innen-Klasse (arme Arbeiter*innen oder aus der Mittelklasse, Erwerbslose, 
Zeitarbeiter*innen, Rentner*innen,...). Sie versammeln sich, um spontan öffentliche Plätze 
zu besetzen, vor allem die Kreisverkehre, welche sich meist an den Einfallstraßen der 
Ortschaften oder Städte befinden. Damit wollen sie ihren Ärger über das aktuelle 
politische System ausdrücken und versuchen Wege zu finden, um dieses zu überwinden.

Diese tausenden Menschen haben dabei Methoden des Kampfes angewendet, die uns 
Anarchosyndikalist*innen bekannt sind: Abstimmung in Versammlungen und Verweigerung von 
Führerschaft oder Stellvertretung. Auch wenden sie direkte Aktionen an, die von den 
Betroffenen selbst ausgeführt werden, ohne politische Parteien, Gewerkschaften oder andere 
Organisationen außerhalb der Versammlungen, die als Vermittler*innen gegenüber Staatsmacht 
oder Chefs auftreten. Es handelt sich bei den Gelben Westen um eine autonome Bewegung mit 
einer Vielfalt von Taktiken und Beweglichkeit (wobei "auto-" einfach nur "selbst-" 
bedeutet und "nomos" den Wert, wobei eine autonome Bewegung selbst über ihre Aktionsformen 
entscheidet, unabhängig von Regelwerken und Gesetzen).

Als Erkennungszeichen haben sich die kämpferischen Leute die Gelbe Weste ausgewählt, ein 
allgemeines Symbol, das alle gleich bewertet und diejenigen sichtbar macht, welche die 
Mächtigen nicht sehen wollen: die Armen, die aus dem Wirtschaftssystem von Kapitalismus 
und Globalisierung Ausgeschlossenen. Die Chefs und Kapitalist*innen machen sich Sorgen 
über die ökonomischen Folgen dieser Bewegung. Die Kosten für die französischen Wirtschaft 
werden bereits auf mehrere Milliarden Euro geschätzt. In den zwei Monaten dieser 
selbstbestimmten Bewegung haben die Gelbwesten bereits mehr sozialen Fortschritt 
durchgesetzt als die Vertreter*innen der Gewerkschaften und die politischen Wahlen der 
letzten 20 Jahre.

Ihr habt wahrscheinlich die Filme und Bilder gesehen von den Zusammenstößen zwischen den 
Gelben Westen und den Aufstandsbekämpfunsgeinheiten der Polizei, die seit November jede 
Woche stattfinden. Diese Bilder sind sicherlich spektakulär; man kann sogar sagen, dass in 
Paris am 01. Dezember ein Aufstand stattgefunden hat - so wie jedes Wochenende in Toulouse 
(wo unsere landesweit bedeutendste Gruppe ansässig ist). Doch man sollte darüber 
hinausschauen und die Sogwirkung der Bilder vermeiden. In unseren Augen sind für diese 
Bewegung nicht so sehr die Schlachtenbilder wichtig, die im Internet und im TV ihre Kreise 
ziehen, sondern hingegen die Tatsache, dass tausende Menschen sich nun regelmäßig auf 
Versammlungen treffen, um für sich selbst zu stimmen, ohne politische Parteien oder 
außenstehende Organisationen, damit sie ihre eigene Strategie entwickeln können, 
Kapitalismus und Staat zu kritisieren.

Die Mächtigen (Kapitalismus, Klasse und Staat) haben weniger vor der spektakulären Gewalt 
Angst, als eher vor diesem Moment des Massenbewußtseins der Arbeiter*innen für ihre eigene 
Fähigkeit zu selbstbestimmten Aktionen. Im Verlauf der Wochen hat sich die Revolte, welche 
sich anfangs nur um das Thema Benzinsteuer drehte, ausgeweitet und könnte das System als 
Ganzes in Frage stellen. Die Mächtigen versuchen unter Einsatz aller verfügbaren Mittel 
diese Bewegung zu brechen: Zuerst wurde behauptet, diese Bewegung sei rechtsextrem. Bei 
diesem lächerlichen Versuch der Zerschlagung hatte der Staat die Hilfe einer Mehrheit der 
libertären oder linken Organisationen, die derart abgeschnitten von der Arbeiter*klasse 
sind, dass sie nicht in der Lage waren, die Klasseninteressen dieser Bewegung zu erkennen. 
Es stimmt zwar, dass - in einigen Städten - Rassist*innen anfangs versucht hatten, die 
Gelbwesten zu beeinflussen, aber seitdem sind sie in einer Minderheit und wurden teilweise 
sogar gewaltsam vertrieben.

Danach hat die Regierung versucht die Gemüter zu beruhigen, indem sie einige Fördergelder 
für Leute mit Niedrigstlöhnen angekündigt hat. Doch diese Maßnahme war dermaßen abseits 
der gesellschaftlichen Wirklichkeit, dass sie eher als eine Beleidigung empfunden wurde. 
Also haben Staat und Kapitalismus ihre Masken fallen gelassen und ihre wahres, 
gewalttätige Gesicht gezeigt. Sie haben uns daran erinnert: "Der Staat hat das rechtmäßige 
Gewaltmonopol". Und der Kapitalismus baut auf ein System von Herrschaft der Stärksten über 
die Schwächsten.

Dabei wurden seit Beginn der Bewegung mehrere tausend Rebell*innen festgenommen und 
hunderte zu schweren Haftstrafen verurteilt, manchmal bloß für das einfache Vergehen, 
während eines Protestes auf der Straße gewesen zu sein. Hunderte Menschen wurden verletzt, 
manche haben durch Sprenggranaten ihre Hände oder Füße abgerissen bekommen, anderen wurden 
die Augen oder Wangen von Gummigeschossen durchschlagen.

Die Aktivist*innen der CNT-IAA haben seit Beginn an der Bewegung der Gelben Westen 
teilgenommen. Anfangs kamen wir nur um zuzuschauen und zu verstehen, was passiert. Schnell 
wurde klar, dass wir uns den Leuten anschließen, die unsere Organisationsformen der 
Versammlung ohne Stellvertreter*innen teilen und politische Parteien oder Wahlen ablehnen, 
um soziale Gerechtigkeit zu fordern. Daher schien es uns selbstverständlich daran ganz 
teilzunehmen, wobei wir stets die anarchosyndikalistischen Prinzipien anerkennen. Unsere 
Teilnahme hatte zudem das Ziel die Faschist*innen und andere gefährliche politische 
Schädlinge zurückzudrängen, welche versuchen diese Bewegung zu benutzen.

Aktuell gibt es viele Leute, die verhaftet und zu Haftstrafen verurteilt wurden, meistens 
Arbeiter*innen (mit oder ohne Arbeit), von denen viele ohne Geld oder Kontakte dastehen. 
Die Aufgaben von Anarchosyndikalist*innen ist auch, Solidarität mit den Gefangenen des 
sozialen Kampfes zu zeigen und deren Freilassung zu fordern. Daher veröffentlichen wir nun 
einen Solidaritätsaufruf, bei dem jede Unterstützungsaktion (sei sie auch symbolisch) 
willkommen ist.

Für den 05. Februar organisieren die Gelben Westen einen Streik. Und die CNT-IAA ruft dazu 
auf, sich dem Generalstreik anzuschließen.

Staat und Kapitalismus sind Gewalt!
Freiheit für die Gefangenen der sozialen Revolte!

CNT-IAA Frankreich

Quelle:
https://iwa-ait.org/content/solidarity-social-protests-france-resistance-capitalism-exploitationand-state

Übersetzung: ASN Köln
CC:BY-NC

http://anarchosyndikalismus.blogsport.de/2019/02/03/iaa-solidaritaet-mit-den-sozialprotesten-in-frankreich/


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