(de) ag-freiburg: Veranstaltungsreihe: Gewalt -- Soziale Verhältnisse und Gewalt

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So Dez 1 07:37:58 CET 2019


"Es gibt viele Arten zu töten. Man kann einem ein Messer in den Bauch stechen, einem das Brot entziehen, einen von einer Krankheit nicht heilen, einen in eine 
schlechte Wohnung stecken, einen durch Arbeit zu Tode schinden, einen zum Suizid treiben, einen in den Krieg führen usw. Nur weniges davon ist in unserem Staat 
verboten." (Bertolt Brecht) ---- Gewalt erscheint uns als etwas außergewöhnliches. Meistens nehmen wir im Hier und Jetzt nur bestimmte Formen der Gewalt wahr. 
Doch wieviel Gewalt in der Gesellschaft steckt, in der wir leben, fragen wir uns nur selten. Dabei ist Gewalt sehr viel gegenwärtiger als wir denken und die 
Frage, wie wir diese Gewalt überwinden könnte, nicht so ohne weiteres zu beantworten. Doch wenn wir irgendwann in einer gewaltfreien Gesellschaft leben wollen, 
dann werden wir uns mit dem Phänomen auseinandersetzen müssen.

Gewalt lässt sich nicht auf individuelle Akte der Kriminalität reduzieren. Ihre rein rechtliche Dimension erfasst vieles nicht - das wusste auch schon Bertolt 
Brecht. Sie ist vielmehr bereits in der Struktur unserer Gesellschaft angelegt: Lohnarbeit, Armut und Krieg sind keine individuellen Schicksalsschläge, sondern 
den gesellschaftlichen Verhältnissen geschuldet.

Wenn wir also über Gewalt sprechen, dann müssen wir über die strukturellen Grundlagen unserer Gesellschaft und deren Verwaltung reden. Über die 
Klassengesellschaft, die jene, die nicht das Privileg haben, zur kapitalbesitzenden Klasse zu gehören, zur Lohnarbeit zwingt. Dann müssen wir über das 
Patriarchat sprechen, das Geschlechterverhältnisse schafft, die für Nicht-Männer allzu oft von Gewalt geprägt sind. Dann müssen wir über den Rassismus und 
Nationalismus sprechen, der Menschen anderer Herkunft weniger Rechte zugesteht oder mit einem Grenzregime vorschreibt, wer sich wohin bewegen und wer wo leben 
darf. Und wir müssen über den Staat sprechen, der mit einem ganzen Arsenal an gewaltförmigen Institutionen - Polizei, Knäste, Grenzschutz, etc. - diesen Status 
Quo aufrechterhält. Derselbe Staat, dessen Fürsprecher*innen uns einreden, dass Gewalt ganz grundsätzlich und immer von Übel sei, der für sich aber das Monopol 
der Gewalt beansprucht. Der zugleich Gewalt vor allem dann sieht, wenn sie von Akteuren ausgeht, die dem Staatsinteresse nicht unbedingt zuträglich sind - und 
viele andere, alltägliche Formen von Gewalt allzu gerne übersieht.

Doch wie gelangen wir zu einer herrschafts- und gewaltfreien Gesellschaft? Diese Frage beschäftigt Linke und Anarchist*innen seit jeher. Einige setzen auf die 
besseren Argumente und/oder das Vorleben von ethischen Maximen. Andere vertreten die Ansicht, dass ausgehend von der gewalttätigen Struktur der Gesellschaft 
diese auch nur gewaltsam überwunden werden könne, wohlwissend dass Gewalt grundsätzlich ein Problem ist. Der Sozialphilosoph Herbert Marcuse konstatierte schon 
vor rund 50 Jahren: "Hinsichtlich der geschichtlichen Funktion gibt es einen Unterschied zwischen revolutionärer und reaktionärer Gewalt, zwischen der von den 
Unterdrückten und der von den Unterdrückern ausgeübten Gewalt. Ethisch gesehen: beide Formen der Gewalt sind unmenschlich und von Übel - aber seit wann wird 
Geschichte nach ethischen Maßstäben gemacht?" Historisch gesehen, waren soziale Umwälzung nahezu immer gewaltsame Akte. Nur muss dies auch für die Zukunft gelten?

Wir haben uns vorgenommen, dem Phänomen der Gewalt in sozialen Verhältnissen einmal auf den Grund zu gehen. In unserer Veranstaltungsreihe wollen wir die 
Struktur der Gewalt analysieren, die unserer Gesellschaft zugrunde liegt. Anhand konkreter Beispiele suchen wir dabei auch nach möglichen Alternativen und 
setzen uns auch kritisch mit der "befreienden" Gewalt auseinander.

22.11.2019 Freitag 18 Uhr

Smash Patriarchy. Gewalt im & gegen das Patriarchat
Workshop von ignite, im Linken Zentrum
mit Feministische Linke Freiburg & realitätenwerkstatt*

10.12.2019 Dienstag 19 Uhr

Gewalt. Macht. Widerstand. G20 & Folgen
Diskussion mit Andreas Blechschmidt, Ort: siehe tacker.fr
mit Rote Hilfe Freiburg & Arbeitskreis kritischer Juristinnen

23.01.2020 Donnerstag 19 Uhr

Strukturelle Gewalt & Widerstand bei Herbert Marcuse Vortrag beim Offenen Anarchistischen Treffen mit La Banda Vaga

13.02.2020 Donnerstag 19 Uhr

Anarchie oder Barbarei? Das europäische Grenzregime & mögliche Alternativen Vortrag von Daniel Loick Ort siehe tacker.fr mit Aktion Bleiberecht

März 2020

Rechte Gewalt und Reden gegen Rechts Diskussionsveranstaltung, mit Radio Dreyeckland Ort & Termin bald auf tacker.fr

Eine Veranstaltungsreihe der Anarchistischen Gruppe Freiburg und wechselnden Kooperationspartnerinnen, finanziell unterstützt vom Studierendenrat der 
Universität Freiburg. Mehr: tacker.fr & ag-freiburg.org
Die Veranstaltenden behalten sich vor, von ihrem Hausrecht Gebrauch zu machen und Personen, die rechten Parteien oder Organisationen angehören, der rechten 
Szene zuzuordnen sind oder bereits in der Vergangenheit durch rassistische, nationalistische, antisemitische oder sonstige menschenverachtende Äußerungen in 
Erscheinung getreten sind, den Zutritt zur Veranstaltung zu verwehren oder von dieser auszuschließen.

https://www.ag-freiburg.org/news/veranstaltungsreihe-gewalt


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